Zunächst besuchte ich eine dritte Klasse (Gruppengröße im Deutschunterricht: 10 Kinder!) bei einer Deutschkollegin, die ebenfalls perfekt Deutsch spricht. Die Klasse lernt Deutsch im zweiten Jahr mit zwei Stunden in der Woche. Die Kinder hatten sich schon im Vorfeld Fragen an mich in ihr Heft notiert. Nach anfänglicher Schüchternheit stellten sie mir viele Fragen und waren sehr interessiert. Danach stellte ich ihnen Fragen und sie konnten mich sehr gut verstehen!!! Dann wurden zwei Lieder auf Deutsch am Klavier gesungen (das Klavier gehört zum Grundinventar einer jeden Klasse, da an dieser Schule besonderer Wert auf die musikalische und die sprachliche Förderung gelegt wird) – es waren zwei lange Lieder und die Kinder wurden nicht müde zu singen, sie waren sehr motiviert und hatten eine klare Aussprache! Schließlich wurde gemeinsam eine kurze Geschichte gelesen, die in den nächsten Stunden als Schauspiel eingeübt wird und den fünften Klassen vorgestellt werden soll.
Daraufhin besuchte ich eine erste Klasse (22 Kinder) bei einer weiteren Deutschkollegin. Das Thema war „Weltall“! „Weltall“ in einer ersten Klasse und dann zur Hälfte auf Deutsch!!! Doch zunächst stellte ich mich vor und fragte die Kinder nach ihrem Namen, ihrem Alter und ihrem Wohnort. Anfangs waren die Kinder wieder sehr schüchtern, doch dann tauten sie auf und es wollten alle dran kommen. Sie wollten auch einige Sachen über mich wissen. Dies durften sie natürlich auf Finnisch fragen und die Lehrerin übersetzte für mich und dann wieder zurück. Dann legte die Lehrerin eine deutsche Geschichte über das Weltall auf den Dokumenten-Scanner und sprach mit den Kindern darüber. Es wurden die vier Begriffe Sonne, Mond, Sterne und Planeten auf die Tafel geschrieben und die Kinder malten die entsprechenden Sachen dazu. Nach dem Mittagessen (10.30 Uhr bis 11 Uhr!!!) wurde dies ins Deutschheft übertragen. Daraufhin schauten die Kinder einen kurzen Zeichentrickfilm auf Finnisch zum Thema. Am Ende sagten die Kinder „Auf Wiedersehen“ zu mir.
Eine Ergänzung: In der 3. Stunde wurden drei Migrantenkinder von einer anderen Lehrerin herausgeholt und in der finnischen Sprache geförderte. Eine Sonderpädagogin holte zudem einen motorisch sehr unruhigen Jungen ab und förderte ihn in einem gesonderten Raum.
In der fünften und sechsten Stunde sah ich eine dritte Klasse im Englischunterricht. Die eine Hälfte der Klasse (10 Kinder) hatte Englisch in der 5. Std. und die andere Hälfte der Klasse (11 Kinder) dieselbe Stunde und dasselbe Thema in der 6. Std. Beide Gruppen haben Englisch erst seit diesem Jahr und es ist erstaunlich, wie weit sie sind!!! Die Motivation für diese Sprache ist extrem hoch (was auch am sehr guten Englischlehrer liegt!!!) und die Kinder verstehen sehr viel, sprechen sehr viel und das Lesen und Schreiben gehört selbstverständlich zum Anfangsunterricht Englisch dazu! Die Hausaufgabe war z.B., einen zehnzeiligen Text zu lesen und dann die Wochentage zu den Aktivitäten aufzuschreiben!!! Im ersten Lernjahr!!! Ich vermute, der große Vorsprung zu unseren Kindern im ersten Lernjahr liegt tatsächlich darin, dass Fernsehen in der Originalsprache mit finnischen Untertiteln geschaut wird. Ich konnte heraushören, dass „The Simpsons“ von sehr vielen Kindern geschaut wird.
Mein Schlusswort:
Das Unterrichten in Deutschland könnte sehr viel besser werden, wenn wir einige wenige grundlegende Dinge verändern würden und die Politik etwas mehr Geld in Bildung investieren würde…
Nun noch mehr Bilder von der Schule:
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| Noch mehr Fotos von der Schule |


Hallo Frau Kühnert,
AntwortenLöschenich bin Heute zum ersten mal auf Ihrem Bolg:) macht echt spaß sich das mal durchzulesen. Sieht aus als würde Ihnen das Schulwesen in Finnlad sehr gefallen:) ich wünsche Ihnen alles Gute dort
lg Duman
Liebe Duman,
AntwortenLöschenvielen Dank für die nette Mail!!!
Ja, es gefällt mir sehr gut hier und als Lehrerin hat man sehr viele Möglichkeiten!!! Aber ich komme auf jeden Fall zurück nach Deutschland :-)
Ich hoffe, dir geht es auch gut?
Lg,
Frau Kühnert
Liebe Frau Kühnert,
AntwortenLöschenendlich bin ich mal dazu gekommen, in Ihrem Tagebuch zu lesen. Macht totalen Spaß und ich freue mich, dass Sie mittlerweile gut und heil in Ihrer "neuen Heimat" angekommen sind. Das klingt ja alles unglaublich spannend und seeeehr interessant. Wir hatten vorgestern Nachmittag die Veranstaltung "Vorbereitung auf die Prüfungen BBP" - Sie erinnern sich ;-) und mir geht so durch den Kopf, dass man verzweifeln möchte darüber, wie wenig die Erfahrungen aus Finnland in unserem Bildungssystem aufgenommen werden (sollen). Wie einfach, aber tiefgreifend (und teuer) manche Veränderungen wären. Interessant finde ich, was Sie über das mangelnde Methodenlernen schreiben. Wo wir doch ständig so tun, als sei es die Lösung aller/vieler Probleme. Sie werden im Laufe Ihrer Zeit sicherlich auch noch mehr über die Lehrerausbildung erfahren. Bin mal gespannt, ob meine Informationen über Auswahl-/Eignungsgespräche vor dem Studium richtig sind.
Ihre erste Schulwoche ist ja nun vorbei (gehen die Finnen auch samstags zur Schule?) und ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende - trotz der Kälte. Bleiben Sie gesund, sagen Sie den Lüftungen den Kampf an. Wenn ich könnte, würde ich Ihnen gern ein paar Schneeglöckchen aus unserem Garten als erste Frühlingsboten mitmailen. An ein/ zwei Tagen schien auch einmal die Sonne und man konnte den Frühling schon riechen/ahnen. Inzwischen ist das Wetter hier aber eher wieder besch...eiden.
Liebe Grüße, take care, rakkaat terveiset
M. Atzen...
Liebe Frau A.,
AntwortenLöschenschön von Ihnen zu hören! Danke für die lieben Grüße! So paar Schneeglöckchen wären nicht schlecht...
Das Wetter ist sehr wechselhaft hier von Schneesturm/kalt über sonnig/eisig kalter Wind bis hin zu bewölkt/'mild' und das von einem Tag auf den anderen. Von Frühling kann hier nicht die Rede sein...Naja, aber deswegen bin ich ja nicht hier ;-)
In meinem neuen Beitrag habe ich versucht, einige Ihrer Fragen zu beantworten. Ich kann allerdings noch nicht sagen, ob die Erfahrungen der KollegInnen aktuell sind. Wir haben keine super jungen Lehrkräfte hier, die gerade aus dem Studium kommen. Der 'Jüngste' unterrichtet schon seit sieben Jahren. Ich bleibe aber dran!
Am Samstag wird hier meines Wissens nicht unterrichtet, doch Fortbildungen für Lehrkräfte können am Samstag stattfinden. So hat das Kollegium 'meiner' Schule am kommenden Samstag eine Fortbildung zum Thema "Kommunikation/Interaktion/Zwischenmenschlichkeit". Leider kann ich nicht dabei sein, da ich schon einen Tagesausflug nach Tallinn gebucht hatte, bevor ich von der Fortbildung erfuhr.
Zum Thema Methodenlernen: ich dachte ja, dass ich in den niedrigeren Klassenstufen mehr Methoden sehen würde als in den höheren, doch dem ist nicht so!!! Im Sprachunterricht, den ich ja vorwiegend besuche, wird insgesamt (ab der 3. bzw. 4. Klasse) frontal und mit dem Buch gearbeitet. Die Partnerarbeit ist die einzige 'Methode', die ich bisher beobachtet habe. In den Sprachbadklassen (1. und 2. Schuljahr) wird viel gesungen, gesprochen, wiederholt, ausgeführt (TPR), teilweise auch schon geschrieben und die Arbeitsanweisungen werden in den meisten Fächern auf Deutsch gegeben und bei Bedarf von der Lehrkraft übersetzt. Ich muss schon sagen, die Kinder in den Sprachbadklassen sind ab der 1. Klasse in den meisten Fächern einem hohen Anteil an Deutsch ausgesetzt - und es gibt vielleicht 1-2% muttersprachliche Kinder der deutschen Sprache darunter! Es ist also enorm, was die Kinder dort aufnehmen, verarbeiten, umsetzen, lernen, aber auch, was von ihnen erwartet wird. Das Geheimnis sind aber nicht die Methoden, sondern die relativ kleinen Klassen, die Ausstattung der Schulen, die Unterstützung durch Sonder- und Sozialpädagoginnen und den Schulpsychologen und die Finnischlehrerin für Kinder mit Migrationshintergrund an dieser Schule. Viele Kinder mit Lernschwierigkeiten bleiben länger in der Schule und werden von der entsprechenden Lehrkraft intensiv gefördert.
Natürlich spielt die Gesellschaft und ihre Wertschätzung von Bildung, Sprachen, Schule und Lehrkräften eine weitere große Rolle.
Das wars erstmal von meiner Seite, ich hoffe, ich habe nichts vergessen...es gibt immer so viel zu erzählen und meistens lässt man doch mehr weg, als man sagen kann.
Liebe Grüße aus dem bewölkten, aber relativ 'milden' Norden!