Sonntag, 29. März 2009

Gespräch mit ‚unserem’ Schulpsychologen

Am 25. März hatte ich ein einstündiges Gespräch mit dem Schulpsychologen der Schule, was sehr aufschlussreich für mich war. Wieder kann ich nur sagen: was wir in Deutschland alles für Kinder und Jugendliche tun könnten, wenn wir nur das Geld und das qualifizierte Personal hätten!!!

Allgemeines:
• Der Schulpsychologe ist für vier Schulen in unmittelbarer Nähe zuständig und hat an jeder Schule einen eigenen Raum. Eine der Schulen ist jedoch seine Haupt-Schule. Dort ist er dreimal in der Woche. An ‚unserer’ Schule ist er zweimal in der Woche und die anderen zwei besucht er regelmäßig von diesen Schulen aus.
• Über sein Handy ist er immer zu erreichen, in Notfällen auch nach „Feierabend“. Mit seinem Auto kann er schnell an jeder Schule und an jedem Ort sein. Auch wenn ein normaler Arbeitstag bis 16 Uhr geht, finden häufig Gespräche mit Eltern nach 17 Uhr statt. Dazu kommen noch regelmäßige Elterninformationsabende.
• ‚Unser’ Schulpsychologe ist für 1300 SchülerInnen zuständig und das ist schon viel! Durchschnitt sind 1000 SchülerInnen auf eine/n PsychologIn. Allein im Kreis Vantaa, wo ‚meine’ Schule ist, sind 20 SchulpsychologInnen tätig! Ich mag jetzt nicht die Zahl aus Hessen zum Vergleich dazu aufzuschreiben. Diese ist nämlich schockierend…
• Pro Monat betreut und berät der Schulpsychologe ungefähr 90 Kinder. Dabei ist sein Terminplan aber sehr flexibel und hält vor allem Zeit für Notfälle und Krisen frei.

Aufgabenfelder:
• Das Hauptklientel der SchulpsychologInnen sind natürlich die Kinder und die Hauptaufgabe deren Unterstützung und Förderung. Doch auch die Kommunikation mit den Lehrkräften und der Schulleitung gehört selbstverständlich dazu. Darüber hinaus ist die Beratung von Eltern und Familien der betroffenen Kinder Hauptbestandteil der Arbeit.
• Wenn ein Kind im Unterricht auffällt – ob im Hinblick auf Lernschwierigkeiten oder auf Verhaltensauffälligkeiten – sucht die Lehrkraft den Schulpsychologen auf, der dann um die Erlaubnis der Eltern bittet, das Kind überprüfen bzw. ein Gespräch mit ihm führen zu dürfen.
• Darüber hinaus gehört zum Aufgabenfeld des Psychologen das Verfassen von Berichten über Tests, Überprüfungen sowie die Diagnose und entsprechende Hilfsmaßnahmen.

Um welche Probleme handelt es sich oft bei Kindern und Jugendlichen?
• Es kommt vor, dass Kinder ständig krank sind. Dahinter stecken meistens psychologische Ursachen. Dieses Problem tritt jedoch eher selten auf.
• Schwierigkeiten in Mathematik, im Lesen oder im Schreiben
• Verhaltensschwierigkeiten in sozialen Situationen
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Einsamkeit
• Beziehungsprobleme mit Freund/Freundin

Wie kann der Schulpsychologe helfen?
• Rat geben an Eltern und Lehrkräfte, wie das Kind unterstützt werden kann
• Bei Persönlichkeitsproblemen und psychologischem Leiden wird das betroffene Kind an eine Klinik oder Therapiestelle überwiesen. Diese arbeiten eng mit Schulen und SchulpsychologInnen zusammen. Der Schulpsychologe vor Ort ist zeitlich nicht in der Lage, ein Kind tiefenpsychologisch und therapeutisch zu betreuen.
• Zuhören (oft haben Kinder und vor allem Jugendliche das Bedürfnis, einfach mit einem/einer Erwachsenen zu sprechen; dies kommt besonders in stressigen Zeiten wie Prüfungsphasen oder Beziehungsproblemen vor) und versuchen, Selbstvertrauen der betroffenen SchülerInnen aufzubauen sowie ihnen positives Feedback zu geben. Oft helfen schon das Zuhören allein und ein kleiner Tipp, wie z.B. ‚frühzeitig mit dem Lernen anfangen’.

Was passiert, wenn Eltern ihr Einverständnis verweigern?
- Über allen Handlungen innerhalb und außerhalb der Schule steht das Gesetz: Das finnische Grundgesetz spricht dem Kind das Recht auf Unversehrtheit, Schutz, Unterstützung und Hilfe zu.
- Die Erfahrung des Schulpsychologen ist, dass meist Eltern mit Migrationshintergrund oder hohem sozialen Status ihre Einwilligung nicht geben.
• Wenn Eltern nicht sofort reagieren, wird ihnen zunächst etwas Zeit gegeben, über die Anfrage des Schulpsychologen nachzudenken.
• Dann werden die Eltern, die ihre Einwilligung immer noch nicht geben, zu einem Gespräch mit dem Schulpsychologen, der Klassenlehrerin und der Schulleitung in die Schule eingeladen. Dort wird mit ihnen über die Schwierigkeiten ihres Kindes, über mögliche Ursachen und Hilfsmaßnahmen diskutiert.
• Der nächste Schritt ist die Drohung, eine Instanz, die vergleichbar mit dem Jugendamt ist, zu benachrichtigen. In den meisten Fällen reicht diese aus und die Eltern geben ihre Einwilligung.
• Wenn Eltern weiterhin nicht kooperieren wollen und ihr Einverständnis zu Hilfsmaßnahmen für das Kind verweigern, muss das ‚Jugendamt’ eingeschaltet und darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass das Kind nicht genug unterstütz werden kann.
• Wenn die Schule sehr besorgt um das Wohlergehen eines Kindes ist, wird generell immer ein Mitarbeiter des ‚Jugendamtes’ hinzugezogen und es wird beraten, wie weiter vorgegangen werden soll.

Mein Fazit nach dem Gespräch: sehr beeindruckend und sehr interessant! Ich hatte das Gefühl, dass der Schulpsychologe seine Arbeit wirklich von Herzen macht und sich zuallererst für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einsetzt!

Was machen die finnischen Schulen anders?

Unterschiede zu Deutschland und das Geheimnis von PISA:

Wie ich bereits mehrmals angedeutet habe, liegt das gute Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA nicht am Unterricht, der insgesamt frontal, auf das Lehrwerk und die Lehrkraft ausgerichtet ist. Es werden kaum Methoden angewendet und es gibt auch keine Binnendifferenzierung (und das an Gesamtschulen, wo alle Kinder gemeinsam und gleich lernen und es keine Aufteilung auf Förder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien gibt)! Auffällig sind weiterhin die vielen Hausaufgaben, die den SchülerInnen in den meisten Fächern aufgegeben werden und der Vergleich der Hausaufgaben einen nicht geringen Teil der Stunde einnimmt. Die Frage ist nun: Was machen die Finnen anders und was machen sie so besonders gut? Die Antwort: eigentlich alles!!!
Hier nun meine persönliche Zusammenfassung:
• Das Gesamtschulsystem (nicht zu vergleichen und zu verwechseln mit den Integrativen Gesamtschulen in Deutschland, wo Kinder trotzdem auf A B C Kurse verteilt und getrennt unterrichtet werden und unterschiedliche Abschlüsse erreichen; das gibt es in Finnland nicht, hier werden alle gemeinsam bis zur 9. Klasse unterrichtet, je nach Bedarf zusätzlich gefördert und machen denselben Abschluss) bietet bis zur 9. Klasse eine gemeinsame Grundbildung für alle Kinder und eröffnet damit gleiche Bildungschancen unabhängig vom sozioökonomischen Status der Familien und vom kognitiven Entwicklungsstand des einzelnen Kindes.
→ Aufgrund des Gesamtschulsystems fühlen sich alle SchülerInnen gleichwertig und sie sind es tatsächlich auch, da alle dieselben Bildungs- und Zugangschancen haben! Es gibt keine VerliererInnen des Bildungssystems und der Gesellschaft. (Ich brauche wohl nicht die andauernde und absolut notwendige und gerechtfertigte Diskussion, die das deutsche Schulsystem in Frage stellt, zu wiederholen…)
• In die Bildung wird viel mehr Geld investiert als in Deutschland! Die Steuern für die Einzelnen sind in Finnland zwar relativ hoch, doch ein erheblicher Teil der Steuergelder wird eben in die Schulen gesteckt! Und das wird auch von der Gesellschaft wohlwollend mitgetragen! Einige Beispiele: sehr gute technische Ausstattung, große Klassenräume und Einzeltische, die schnell verschoben werden können, relativ kleine Klassen, Unterstützung der Lehrkräfte durch SchulpsychologInnen, Sonder- und SozialpädagogInnen, kostenloses Mittagessen für jedes Kind, gute Gesundheitsfürsorge durch (Zahn-)ÄrztInnen und Schulkrankenschwestern, regelmäßige Projekte, internationale Austauschprogramme, Förderung von Migrantenkindern (insbesondere im Erlernen der finnischen Sprache), Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zur 9. Klasse (vom Radiergummi über das Heft bis hin zu allen Schulbüchern und Begleitmaterialien), Förderung von lernschwächeren Kindern und Jugendlichen durch Lehrkräfte selbst oder qualifiziertes Personal von außen im Anschluss an den Unterricht, was auch vergütet wird etc.
→ Durch die Politik und die Gesellschaft wird der Schule und der Bildung eine hohe Wertschätzung entgegengebracht und das kommt auch bei den Kindern und Jugendlichen an! Zudem wird kein Kind zurückgelassen, da es genügend Unterstützungsinstanzen gibt, die sich um Kinder mit Schwierigkeiten in jeglicher Hinsicht kümmern. Wenn wir uns den Zustand an deutschen Schulen anschauen, dann kann man nicht unbedingt behaupten, dass der Politik etwas an Bildung und unseren Kindern, die die Zukunft der Gesellschaft darstellen, liegt…
• Die Ausbildung von Lehrkräften hat einen hohen Stellenwert: Bereits ErzieherInnen (für Kitas, Kindergärten und Vorschulen, die das Alter von eins bis sechs Jahren umfassen) werden universitär ausgebildet. GrundschullehrerInnen können sich speziell zu KlassenlehrerInnen ausbilden lassen. Sie können aber auch ein Fachstudium wählen, das ca. 4 Jahre umfasst, und dann ein Jahr lang ein Pädagogikstudium anhängen. Besonders hervorzuheben sind allerdings die Auswahltests, die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Entscheidet man sich also für den Lehrberuf, muss man drei Testphasen durchlaufen, die bereits Pädagogikwissen, Teamarbeit und eine Unterrichtseinheit sowie einen psychologischen Test und somit die psychologische Eignung umfassen, und bestehen. Nur jede/r Dritte wird nach diesen Tests zum Lehramtsstudium zugelassen.
→ In Finnland werden durch diese Persönlichkeitstests auch nur wirklich diejenigen zum Studium zugelassen, die LehrerInnen aus Überzeugung werden möchten und dafür geeignet sind. Wer wird bei uns in Deutschland daran gehindert, LehrerIn zu werden…?
• Es werden alle Fächer gleichermaßen gefördert:
- Finnisch (der finnischen Sprache wird ein hoher Stellenwert zugeschrieben)
- die geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (in diesem Zusammenhang wird das Nationalgefühl der Finnen stark gefördert und geprägt)
- die Fremdsprachen (hoher Wert wird auf möglichst viele Sprachen gelegt und dabei wird meist ein sehr hohes Niveau erreicht, wenn auch Englisch immer mehr dominiert und gewählt wird)
- die Naturwissenschaften
- die musischen und künstlerischen Fächer (diese sollen besonders zur Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen beitragen)
- Sport in allen möglichen Variationen (es gibt kaum übergewichtige Kinder in Finnland)
- (traditionelle) Handarbeit und Werken
- Einbindung der neuen Medien in möglichst viele Fächer
→ Dadurch haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, alle Gebiete des gesellschaftlichen Lebens und die Anforderungen der Arbeitswelt bzw. des Studiums kennenzulernen. Ihnen wird die Chance gegeben, ihre Persönlichkeit durch ein breites Angebotsspektrum zu entfalten. Dabei können sich persönliche Interessen herauskristallisieren, die den Jugendlichen helfen, einen zukünftigen Beruf ins Auge zu fassen. Meine Erfahrung aus Deutschland ist, dass es stark von den politischen und gesellschaftlichen Strömungen und bestimmten Lobbygruppen abhängt, welches Fach besonders gefördert oder eben vernachlässigt wird. Leider wird dabei die Hauptsache vergessen: die bestmögliche Entwicklung des Kindes.
=> Durch die vielen Unterstützungsinstanzen, den hohen Stellenwert der Bildung, die gut ausgebildeten Lehrkräfte, gleiche Bildungs- und Zugangschancen für ALLE SchülerInnen (hohe Erwartungen an die eigene Zukunft), die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und natürlich auch aufgrund der finnischen Mentalität gibt es kaum erwähnenswerte Unterrichtsstörungen! Insofern kann ein hohes Tempo und ein hohes Niveau des Unterrichts (auch wenn es meist um die Reproduktion von Wissen geht, nicht um Transferleistungen) aufrechterhalten werden. Man denke nur an einige deutsche Hauptschulen und auch Realschulen, in denen das Unterrichten zum großen Teil überhaupt nicht möglich ist, weil Unterrichtsstörungen und pädagogische Maßnahmen (bzw. leider sehr oft Ordnungsmaßnahmen) den Schulalltag bestimmen… (hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: ich sehe nicht die Kinder als Ursache für die Unterrichtsstörungen; ihr Verhalten ist lediglich das Ergebnis von vielen tiefgehenden, weitreichenden und oft weiter zurückliegenden Ursachen…)

Gegebenenfalls steckt in diesen Aspekten, die zum größten Teil meine Beobachtungen widerspiegeln, das Geheimnis vom guten Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA?

Einblick in die gymnasiale Oberstufe

Am 23. und 24. März besuchte ich für einige Schulstunden die Nachbarschule der Laajavuoren koulu, die Martinlaakson lukio. Das ist eine gymnasiale Oberstufe, die max. drei Jahre umfasst und zum Abitur führt. Ich habe sowohl einige Eindrücke vom Deutsch- und Englischunterricht als auch einen tieferen Einblick in die finnische Schulstruktur gewinnen können.
Zunächst einige Unterrichtsbeobachtungen: Auch die finnische SchülerInnen, die schon 17 und 18 Jahre alt sind, waren immer noch so schüchtern wie die GrundschülerInnen. Sie schauten mich nicht an und hatten auch keine Fragen.
Das Anforderungsniveau war sehr hoch. Meistens ging es bei fremdsprachigen Texten um das Hör- und Leseverständnis (richtig/falsch, Synonyme, Übersetzen/Wiederfinden/Paraphrasieren von Sätzen, Wortschatzarbeit, Grammatik). Es wurde kaum über Texte gesprochen, über das inhaltliche Thema diskutiert und es wurden kaum kreative Aufgabenstellungen angeboten. Die Kommunikation der SchülerInnen untereinander und ihr Redeanteil waren in diesen Stunden eher gering im Vergleich zum hohen Redeanteil der Lehrkraft.
Auffällig war ebenfalls, dass der Unterricht mit dem Vergleich der Hausaufgaben begann, und zwar in der Weise, dass die Lehrkraft die Ergebnisse über Dokumentenkamera, Beamer und Leinwand auflegte und es den SchülerInnen selbst überließ, ob diese verglichen und ggf. verbesserten oder nicht. Nach einer gewissen Zeit wurde das Dokument weggenommen und der Unterricht begann, indem die Lehrperson den Verlauf der Unterrichtsstunde vorstellte. Besonders erstaunlich war für mich das hohe Tempo der Unterrichtsstunden, v. a. im Englischunterricht. Da wurde keine Minute ungenutzt gelassen. Insofern konnte sehr viel Stoff in relativ kurzer Zeit behandelt werden. Die SchülerInnen waren sehr diszipliniert und es gab keine Unterrichtsstörungen (das Einzige, was ich beobachten konnte, waren einige Mädchen, die sich ihre Hände gegenseitig anmalten oder ihre Hefte und Arbeitsblätter verschönerten :-) …doch der Unterricht verlief völlig ungestört und das von halb zwei bis viertel vor drei). Während die Jugendlichen in Stillarbeit oder Partnerarbeit Aufgaben bearbeiteten, trug die Lehrkraft die fehlenden SchülerInnen in die online-Plattform „Wilma“ ein, die für alle LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern jederzeit einsehbar ist. Insofern sind die Klassenzimmer immer auch (neben der normalen Ausstattung mit Dokumentenkamera, Beamer, Leinwand und oft Mikrofonanlage) mit einem Laptop ausgestattet und zu jeder Zeit online. Somit können Internetseiten immer auch direkt im Unterricht eingesetzt werden.
Weitere Besonderheiten:
• die Fächer (Kurse) sind den Klassenräumen und Lehrkräften zugeordnet und nicht andersrum.
• Eine Stunde umfasst 75 Minuten.
• Es klingelt nicht.
• Die Lehrkräfte unterrichten meistens: Sprachen oder Naturwissenschaften oder Nebenfächer. Ansonsten sind die Einstellungschancen sehr gering.
• Die Abiturprüfungen werden ganz unspektakulär geschrieben. In den Nebenräumen findet normaler Unterricht statt.

Nun etwas zum Aufbau der gymnasialen Oberstufe:
Nach der neunten Klasse (mit 16/17 Jahren, es gibt kein Sitzenbleiben) verlassen alle SchülerInnen die neunjährige Gesamtschule und entscheiden sich dann, welchen Weg sie einschlagen: gymnasiale Oberstufe, Berufsschule oder Arbeitsleben. 50-60% eines Jahrgangs besuchen die gymnasiale Oberstufe. 40-50% besuchen eine Berufsschule.
Die gymnasiale Oberstufe umfasst die Schuljahre 10 bis 12 und schließt mit den Abiturprüfungen ab, die zweimal im Jahr geschrieben werden: im Frühjahr und im Herbst. Sie besteht weiterhin aus einem klassenlosen Kurssystem, d. h. dass die Fächer in Kursen gelernt werden. Ein Kurs umfasst 38 Stunden. Die SchülerInnen wählen sich in 6-8 Kurse (30-40 Stunden pro Woche) pro Epoche ein. Ein Schuljahr besteht aus 5 Epochen. Am Ende einer Epoche gibt es eine Testwoche (Dauer: 1,5 Wochen), in der jeder Kurs mit einer Klausur oder einer mündlichen Prüfung abgeschlossen wird. D. h. zum Teil haben die SchülerInnen acht Prüfungen in 1,5 Wochen, abhängig davon in wie viele Kurse sie sich eingewählt haben. Wenn sie alle bestehen (es gibt kein Sitzenbleiben, ein Kurs kann wiederholt werden) und dieses Tempo beibehalten, können sie bereits nach zwei oder zweieinhalb Jahren Abitur machen. Es ist aber so, dass speziell die gymnasialen Oberstufen Studienberatungen anbieten und den SchülerInnen helfen, ein gesundes Maß an Kursen zu belegen. (Weiterhin steht den SchülerInnen Förderunterricht sowie die Gesundheits- und Schülerfürsorge zur Verfügung.) Den SchülerInnen wird empfohlen, max. 7 Kurse pro Epoche zu belegen. Jeder Kurs hat ein bestimmtes Thema, dass in ca. 6 Wochen behandelt wird. Daraufhin erfolgt die Testwoche. Bis zum Abitur brauchen die Lernenden min. 75 Kurse. In Finnland wird ein Zentralabitur geschrieben, dass auch zentral korrigiert wird, nicht von der Lehrkraft. D. h. es herrscht eine relativ echte (!) Vergleichbarkeit landesweit vor (wobei ich nicht vom Zentralabitur überzeugt bin). Insofern ist der Druck auf SchülerInnen und Lehrkräfte sehr hoch, den geforderten Stoff zu behandeln und durchzukriegen und es ist nachvollziehbar, warum das Tempo so hoch und die Unterrichtsform der Frontalunterricht ist (meiner Meinung nach ist das System allerdings sehr fraglich – wie auch die Abschlussprüfungen in der 9. und 10 Klasse in Deutschland, da ein „learning to the test“ forciert wird).
Im 1. Jahr der gymnasialen Oberstufe (10. Schuljahr) wählen die SchülerInnen meistens die obligatorischen Kurse: eine bestimmte Anzahl an…
- Finnisch- und Schwedischkursen
- Mathekursen
- Physikkursen
- Musik- und Kunstkursen
- Fremdsprachkursen (meist Englisch)
(Das ist nicht vollständig. Leider habe ich nicht mehr Informationen aus erster Hand bekommen können.)
Alle anderen und weiteren Kurse sind wahlfrei.
Die Noten eines Kurses setzen sich zum größten Teil aus der Note der schriftlichen oder mündlichen Prüfung am Ende des Kurses zusammen. Die Lehrkraft kann aber eine Note höher oder tiefer gehen, wenn z.B. ein Referat gehalten wurde oder die Bemühungen im Kurs besonders gut bzw. besonders gering waren. Diese Noten zählen auch mit ins Abitur hinein. Hier weiß ich wiederum leider nichts Genaueres.
Die Kurs- und auch Abiturprüfungen in den Fremdsprachen sehen nach meinem Wissen unseren Abschlussprüfungen (vom Aufbau, nicht vom Inhalt her!) ähnlich: Hörverstehen, Leseverstehen, Grammatik, Schreiben.

Nun noch einmal etwas zu den finnischen Schulen in der Zusammenfassung von Rainer Domisch, Leiter des Zentralamts für das finnische Unterrichtswesen. Des Weiteren eine Kopie zum Aufbau des finnischen Schulsystems am Beispiel von drei Schulen in Vantaa, die in zwei Minuten Entfernung zueinander liegen und aufeinander aufbauen.





Sonntag, 22. März 2009

Wochenrückblick II

Meine Erlebnisse in der Schule:
• 80% der KollegInnen haben kein Auto und kommen mit dem Bus oder dem Zug zur Arbeit. Selbst wenn sie ein Auto haben, kommen sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule. Die wenigen Finnen, die ich außerhalb des Schulkollegiums getroffen habe, hatten in den meisten Fällen auch kein Auto. Wenn man in Helsinki oder Nachbarort wohnt, braucht man einfach kein Auto. Die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr gut ausgebaut! Generell sind auch die Zug- und Busverbindungen ins Landesinnere Finnlands sehr gut (nur eben sehr teuer…).
• Die Lehrkraft sorgt sich selbst um die Vertretung ihrer Stunden, wenn sie im Vorfeld weiß, dass sie dann und dann fehlen wird. So kann sie ihre Geschwister, Freunde, Bekannten, PraktikantInnen ( ;-) ) etc. fragen, dies zu tun. Fehlt man plötzlich krankheitsbedingt, dann regelt das die Schule. Meist springen dann die Sonder- und SozialpädagogInnen ein.
• Diese Schule hat nicht das Prinzip „Die Lehrkraft geht zu den Klassen“, sondern „Die Klassen gehen zur Lehrkraft“! D.h. der Deutschunterricht der einzelnen Klassen findet immer im Klassenzimmer meiner Mentorin statt, die den Raum entsprechend lernförderlich und lernanregend gestaltet hat. Was sich mir als Englisch- und Geschichtslehrerin da für Möglichkeiten eröffnen würden! Ich könnte meinen Raum nach meinem Ermessen gestalten und nicht in jedem Klassenraum, wo ich Englisch oder Geschichte unterrichte, da vereinzelt ein Plakat oder da ohne Zusammenhang ein Poster hinhängen. Ich könnte eine interessante Lernumgebung schaffen und Bücher sowie Materialien zur Verfügung stellen, welche die Motivation der SchülerInnen wecken…
• Ich hatte ja schon öfters die Schüchternheit der finnischen Kinder beschrieben. Im Gespräch mit einigen KollegInnen kam nun zum Vorschein, dass sie sich selbst darüber wundern und Schwierigkeiten im Unterricht haben, weil die Kinder nicht aus sich herauskommen und sich nicht melden. Besonders im Sprachunterricht ist das natürlich ein Problem. In meinen Kleingruppenarbeiten mit zwei bis drei SchülerInnen habe ich wiederum ganz andere Erfahrungen gemacht und ich kann wunderbar mit den Kindern und Jugendlichen sprechen und arbeiten!
• Die meisten Finnen bleiben lieber unter sich. Das ist im Kollegium auch spürbar. Es können zwar alle Lehrkräfte mindestens Englisch, doch abhängig von ihren Auslandserfahrungen kommen sie nicht freiwillig auf einen zu. Es ist deutlich zu erkennen, dass diejenigen, die selbst schon einmal im Ausland gelebt haben oder Kontakte außerhalb Finnlands pflegen, offen und interessiert an Menschen aus dem Ausland sind. Alle anderen unterhalten sich lieber mit ihresgleichen. Wenn man allerdings auch auf diese KollegInnen zugeht oder Fragen hat, sind sie sehr freundlich und antworten und helfen und tun, was in ihrer Macht steht. Eine komische Mischung…
• Dieses Phänomen des Zusammenhangs von Weltoffenheit und Auslandskontakten ist auch in den Klassen zu spüren. Rein finnische Klassen ohne Migrantenkinder sind sehr still, schüchtern und introvertiert. Reine Migrantengruppen (z.B. der Finnischunterricht für die Migrantenkinder) sind sehr lebhaft, lauter, offener gegenüber Fremden und kommunikativer. Gemischte Klassen (die Regel) mit Kindern mit Migrationshintergrund sind aus meiner Sicht insofern eine Bereicherung für den Unterricht. Dies gilt übrigens meiner Meinung nach auch in Deutschland! Es ist eine Bereicherung für alle Beteiligten, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenkommen und es einen toleranten und offenen Austausch über unterschiedliche Sichtweisen, Traditionen und Erfahrungen gibt!

In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag!

Wochenrückblick I

Meine Erfahrungen mit der finnischen Kultur:
• Seit letztem Sonntag war das Wetter ziemlich bescheiden. Es war ständig trüb, die Wolken hangen tief, es machte ständig den Anschein, als ob es gleich schneien würde, die Maximaltemperatur diese Woche war +3°C (wow!) (aber meistens um Null Grad oder darunter…). Ich war ständig müde und auch die Stimmung im Kollegium war teils gereizt. Am Donnerstag kam dann die Erlösung für alle: die Sonne!!! Das Gesprächsthema Nr. 1! (Die Menschen hier warten auf den Frühling, der noch etwas auf sich warten lassen wird. Ende April, Anfang Mai kann man mit dem Vollfrühling rechnen.) Es war zwar immer noch eisig kalt und windig, doch die Menschen wachten auf und waren entspannter! Mir ist dieser Effekt lange nicht mehr so bewusst gewesen wie hier! Am Freitag war es dann wieder trüb, doch man schöpfte noch Energie vom Vortag. Am Samstag (wie ich gestern schon beschrieben habe) hat sich die Sonne wieder gegen die Wolken durchgesetzt und das hält bis heute an. Momentan ziehen allerdings Wolken auf…doch mein Morgenspaziergang war unter strahlend blauem Himmel :-)
• Ca. 70% der finnischen Menschen haben blaue Augen und blonde Haare (darunter alle möglichen Nuancen des Blondtons). Alle anderen haben braune oder schwarze Haare mit blauer oder anderer Augenfarbe. Diese Menschen sind allerdings meistens nicht finnisch oder sie haben ein Elternteil, das gebürtig nicht aus Finnland kommt.
• Die Busfahrten – ein Kapitel für sich ;-) Meine Erfahrung ist, dass die BusfahrerInnen wie Wahnsinnige über die Stadtautobahn rasen und dann abrupt bremsen, wenn jemand von der Bushaltestelle aus winkt. Das Erstaunliche an den Bushaltestellen ist auch, dass sie meist hinter einer Schallmauer versteckt sind! D.h., erst wenn man kurz vor der Bushaltestelle ist, sieht man, ob da jemand winkt. Dann muss natürlich eine extrem starke Bremsung her! Da ist echt wichtig, dass man sich am Vorsitz festhält, um nicht davor geschleudert zu werden. Ich habe versucht, das mal in einem Video festzuhalten. Ich weiß aber nicht, ob die Szenerie so gut wirkt:



Weiterhin bekomme ich morgens regelmäßig Panikattacken, wenn fünf bis sechs Busse gleichzeitig auf meine Bushaltestelle zugefahren kommen und ich erkennen muss, ob mein Bus auch darunter ist und dann auch noch dem richtigen Bus winken muss, damit dieser anhält! Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft, ein Foto davon zu machen, da ich zu sehr damit beschäftig bin, meinen Bus zu bekommen…
• In Helsinki und dann vermutlich auch sonst nirgendwo in Finnland gibt es Hochhäuser, wie wir sie aus unseren Großstädten kennen (wobei unsere ja auch nicht so hoch sind im Vergleich zu einigen asiatischen und amerikanischen Großstädten…). Bisher habe ich als höchstes ein neunstöckiges Wohnhaus gefunden. Das ist schon zu einem Sport für mich geworden, in neuen Stadtteilen oder Orten die Stockwerke eines Hauses zu zählen ;-)
• Die Finnen lieben es, sich draußen aktiv zu bewegen. So sieht man speziell in Parks ständig Menschen mit Hunden, mit Kinderwagen, mit Kindern im Schnee, beim Spazierengehen, Joggen oder beim Nordic Walking mit Stöcken. Sie finden es auch ganz toll, über zugefrorene Seen, Flüsse oder das Meer zu laufen, auch wenn das Eis am Ufer schon taut… Ganz besonders lieben sie aber den Skilanglauf – auch auf kleinsten Parkflächen! Einige KollegInnen erzählten mir, dass sie vor der Schule oder während der Schulzeit mit ihren Klassen oder direkt nach der Schule Ski laufen gehen. Skilanglauf am Wochenende ist ein Muss für viele KollegInnen! Von meinem Fenster aus kann ich dieses Treiben im Park immer sehr gut beobachten!
• Die Finnen lieben auch Lakritz in allen Variationen! Als neuste Erfindung wurde die Kombination aus Schokolade und Lakritz-Füllung auf den Markt gebracht (das hat es mir auch angetan – ich liebe Lakritz und Schokolade und jetzt auch noch 2 in 1 – toll!!!)!
• Das Telefonieren und SMS verschicken ist in Finnland mit finnischen Handykarten unglaublich günstig – das ist wahrscheinlich das einzig günstigere, was ich bisher im Vergleich zu Deutschland gefunden habe! Eine SMS verschicken kostet 7 Cent, auch nach Deutschland, und eine Minute telefonieren kostet 4 Cent! Unglaublich! Die meisten Menschen in Finnland besitzen eins oder mehrere Nokia-Handys…
• Viele Finnen tragen Brillen, oft von D&G…
• Der Zebrastreifen dient meist der Zierde der Straße und nicht als Hinweis für die Autos und Busse, langsamer zu werden und Ausschau zu halten, ob FußgängerInnen die Straße überqueren wollen. Also Vorsicht bei Zebrastreifen! Die Autos halten in den allermeisten Fällen nicht an!
• In der Stadt gibt es kaum FahrradfahrerInnen. Ob das wetterbedingt ist, werde ich weiterhin beobachten.
• Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber ich habe den Eindruck, dass es nicht viele Postkästen in Helsinki und Umgebung gibt. Es dauerte ziemlich lange, bis ich EINEN Briefkasten in meinem Wohngebiet gefunden hatte und von dort einige Postkarten verschicken konnte. Auch im Zentrum freue ich mich jedes Mal, wenn ich einen orangefarbenen Kasten sehe, weil es irgendwie so wenige gibt…
• In Finnland gibt es in Lebensmittelgeschäften, Kiosken etc. keinen Alkohol zu kaufen außer billiges Bier und alkoholfreie Getränke. „Alko“ ist die einzige Kette in Finnland, die Alkohol verkaufen darf. Sie hat das Monopol auf diesem Gebiet und ist auch unabhängig vom Staat. Der Staat kann nicht über die Alkoholsteuer bestimmen. Insofern legt „Alko“ selbst die Preise fest. Alkohol in Finnland ist überdurchschnittlich teuer. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass die Schiffsfahrten nach Tallinn so berühmt-berüchtigt für die Alkoholexzesse sind…







• Viele Finnen schämen sich für diese „Schifftrinktouren“ ihrer Landsleute. Es gibt sogar extra Schiffe, die 24 Stunden über das Meer fahren…
• In Finnland werden keine 1 und 2 Cent Münzen benutzt. Die gibt es hier gar nicht und man bekommt sie auch nirgendwo. Bei einem Preis von z.B. 3,99 € bezahlt man automatisch 4 €. Es gibt keinen Cent zurück. Seit meinem Aufenthalt hier habe ich auch tatsächlich keine 1 und 2 Cent Stücke mehr im Portemonnaie.

Samstag, 21. März 2009

Porvoo am 21. März 2009

What a great day – what a great old town – what beautiful sunshine :-)

Alle, die noch etwas länger Zeit in Helsinki verbringen möchten und Interesse an typisch finnischer Holzhausarchitektur haben und in solch einer Atmosphäre verweilen möchten, sollten einen Halbtagesausflug nach Porvoo einplanen!!!

Dies nahm ich mir für den heutigen Tag also vor und irgendetwas war sehr gnädig mit mir: ich wachte auf und nahm den schönsten Sonnenschein draußen wahr!!! Welche Freude! Die Sonne! Und das am Frühlingsanfang (zumindest in Deutschland, soweit ich das mitbekomme…hier ist immer noch alles ziemlich kahl, keine Blätter an den Bäumen, keine Blumen, keine Grünflächen, keine klaren Seen, alles noch schneebedeckt…)!

Morgens um 10 Uhr bin ich mit dem ExpressBus vom Kamppi Busbahnhof (war auch eine neue Erfahrung für mich – in diesen unterirdischen Katakomben war ich bisher noch nicht unterwegs…der Busbahnhof unter dem Kamppi Einkaufszentrum ist beinahe wie ein Flughaben aufgebaut mit unterschiedlichen Gates für unterschiedliche Ziele…und man wartet in einer Schlange vor der Glastür bis der Bus davor ankommt, die Tür aufgemacht wird und man boarden kann ;-) ) nach Porvoo gefahren. Die etwas über 50 km werden je nach Strecke in einer Stunde zurückgelegt. Verlässt man Helsinki (was überraschenderweise sehr weitläufig ist!), kommt nichts weiter als schneeweiße Landschaft und zugefrorene und weiße Seen. Ab und zu entdeckt man vereinzelt die typischen Holzhäuser im Wald versteckt. Teilweise findet man diese vereinzelten Holzhäuser nebeneinander versammelt (so vier Häuser) und sie bilden einen Ort ;-) Bei der Einfahrt in Porvoo erwartet einen schon eine sehr schöne und einladende Kulisse. Dieser Eindruck wird beim Ausstieg am Busbahnhof in Porvoo leider nicht bestätigt. Da sieht es halt eben stadtmäßig aus. Der Wegweiser in Porvoo sieht auch etwas spärlich aus, erweist sich jedoch als sehr hilfreich und überschaubar! Zunächst (be-)suchte ich also das Runeberg Museum. Johan Ludvig Runeberg war der berühmteste finnischschwedische Nationaldichter und lebte einen Großteil seines Lebens in Porvoo in dem Haus, wo jetzt das Museum ist. Er schrieb „Fähnrich Stahl“, das vom schwedisch-russischen Krieg 1808/1809 handelt. Es machte ihn international berühmt. Zudem entstammt daraus die noch heute geltende finnische Nationalhymne „Unser Land“. An seinem Geburtstag (5. Februar) wird das ganze Land beflaggt und es finden Feste zu seinen Ehren statt. Der Museumsbesuch ist empfehlenswert.
Danach machte ich mich auf den Weg zum Hafen und genoss die Sonne (natürlich nicht ohne eisigen und heftigen Wind…), die Aussicht und die typischen finnischen Holzbauten am Fluss. In den Anblick dieses Genusses kam ich allerdings erst so richtig, als ich das Stadtzentrum verließ und mich auf den Weg in die „Old Town“ machte. Laut Marco Polo Reiseführer ist die „Holzhausarchitektur (…) – außer in Rauma – nirgendwo sonst in Finnland so komplett und schön erhalten wie in der Stadt aus dem 14. Jh.“ Das kann ich nur bestätigen! Ich machte einen langen und ausgiebigen Spaziergang durch das Wohngebiet lauter Holzhäuser und konnte mich gar nicht satt sehen! Ein Haus schöner und farbiger als das andere! Und die Menschen wohnen darin!!! Einfach klasse! Natürlich darf auch eine Kirche nicht fehlen! Die berühmte und geschichtsträchtige Kathedrale im Zentrum der Altstadt wurde im Jahr 2006 Ziel von Brandstiftung. Dabei wurden das historische Dach komplett und die Innenausstattung teilweise zerstört. Diese Tat rief in Finnland große Empörung hervor.
Gegenüber vom Dom befindet sich eine kleine aber feine Schokoladenfabrik!!! Sie besteht praktisch aus zwei Räumen: dem Raum, wo die Schokolode hergestellt wird, der auch von den BesucherInnen eingesehen kann, und dem Verkaufsraum, wo praktisch 7 Menschen Platz haben. Die Preise sind natürlich „hand-made“ entsprechend. Doch einen Besuch ist die kleine schnuckelige Schokoladenfabrik Wert und eine leckere heiße Schokolade war für mich auch drin ;-)
Um 14.40 Uhr nahm ich den Bus zurück nach Helsinki (die Busse fahren sehr regelmäßig, in manchen Stunden alle 20 Minuten!!!), war um 15.40 Uhr da und hatte noch den Rest des Tages für dies und jenes! Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und die Zeit hat, sollte bei einem Helsinkibesuch einen halben Tag für Porvoo einrechnen!

Hier einige Impressionen zu Porvoo:

Porvoo am 21. März 2009

Donnerstag, 19. März 2009

19. März – Tag der Gleichberechtigung in Finnland

Oh what a day…

So viel Sonne hatte ich schon lange nicht mehr, nicht einmal in Tallinn am Samstag! Es scheint mir, als ob ich die Sonne schon seit Wochen nicht mehr gesehen hätte! Ich war sehr müde die letzten Tage und wusste nicht so recht, woran das lag. Prinzipiell hatte ich genug geschlafen! Und als heute Morgen die Sonne schien und das auch fast den ganzen Tag lang so blieb und ich mich so gut fühlte, wusste ich warum ich so müde war…

Der Tag fing also schon morgens gut an und ich machte einige Fotos von der Umgebung im Sonnenschein. In der Schule machte ich auch gleich eine neue Erfahrung: eine Finnischlehrerin lud mich in ihren Finnischunterricht für Migrantenkinder ein. Es war so toll! Nur acht Kinder in der Gruppe, die unterschiedlich lange in Finnland sind – entweder von Geburt an oder erst seit einem Jahr. Zweimal in der Woche hat jede Kleingruppe Finnischunterricht. Die Gruppen sind nach Jahrgangsstufen eingeteilt (Erst- und Zweitklässler, Dritt- und Viertklässler…). Die Acht- und Neunjährigen aus dieser Gruppe kommen ursprünglich aus Russland, Estland, Bulgarien, dem Kosovo und dem Libanon. Zunächst stellten sich die Kinder mir auf Finnisch vor. Die Lehrerin schrieb die Struktur an die Tafel und auch die englische Übersetzung davon darüber. Plötzlich sollte auch ich mich auf Finnisch vorstellen!!! Es fiel mir unglaublich schwer, das über mich zu bringen – selbst vor Kindern! Ich habe großen Respekt vor allen, die sich an das Finnische herantrauen! Und ich weiß immer mehr, wie viel wir unseren Kindern und Jugendlichen abverlangen, wenn wir ihnen eine ihnen fremde Sprache beibringen wollen oder es einfach von ihnen verlangen, ohne dass ihnen die Chance gegeben wurde, die Sprache richtig zu lernen!
Daraufhin brachte ich den Kindern die deutschen Begrüßungs- und Vorstellungsformeln bei. Es ist unglaublich, wie schnell sie diese einverleibten und mit Vor- und Nachsprechen sowie mit visueller Unterstützung an der Tafel anwenden konnten! Am Ende der Stunde sagten die Kinder „Auf Wiedersehen“ – obwohl sie im Finnischunterricht waren!!!

In der 6. Stunde ging mein Staunen weiter. Ich traf die Englischgruppe (9 Kinder an diesem Tag!) auf dem Flur und sagte „Hello, how are you?“ Ich habe nicht wirklich eine Antwort erwartet. Doch plötzlich ergab sich sogar ein small talk – auf Englisch! Einige Beispiele: „I’m fine, thanks. Are you tired today? Oh, I love this day! It’s my favourite day! Sorry, what’s your name again?” Das haben alles die Kinder gesagt!!! Während des Englischunterrichts sprechen die Kinder auch selbstverständlich Englisch und sogar außerthematische Kommentare werden auf Englisch gegeben – einfach erstaunlich!

Weil heute so ein schöner Tag war, beschloss ich, eine Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn 3T zu machen. Sie dreht einen großen Kreis durch Helsinki und dauert max. ca. eine Stunde. (Meiner Meinung nach empfehlenswert für Kurzzeitbesuche in Helsinki.) Ich fuhr also auch durch Stadtteile, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Mit dem Sonnenschein sah die Stadt einfach toll aus! Ich fühl mich immer wohler und vertrauter in Helsinki und mag die Stadt wirklich. Vor allem die Nähe zum Meer und die vielen Küstenlinien mit Ausblick aufs Meer wirken sehr entspannend auf mich. Nur der eisige Wind…

Im Anschluss an die Stadtrundfahrt besuchte ich eine neue Bekanntschaft in ihrem Schreibwaren- und Souvenirladen gleich zu Beginn des Zentrums von Helsinki. Sie ist Finnin und wir kamen am Montag diese Woche ins Gespräch, als ich Postkarten bei ihr kaufen wollte. Sie hat einen tollen Laden und ich kann ihn nur empfehlen, wenn man Souvenirs, Postkarten, Briefmarken, aber auch finnische Bücher und Schreibwaren etc. kaufen möchte.
Von der Besitzerin des Schreibwarenladens erfuhr ich auch den Grund für die vielen finnischen Flaggen, die in der ganzen Stadt alle zwei Meter oder weniger zu sehen sind: Heute ist offizieller Tag der Gleichberechtigung! Wow! Wie toll! Er geht zurück auf den Geburtstag von Minna Canth, eine finnische Schriftstellerin. Sie setze sich im 19. Jahrhundert mit ihren Stücken und Schriften besonders für die Rechte der Frauen ein. Sie ist mir sehr sympathisch…

In der Fotogalerie sind Fotos zum heutigen Tag zu finden.

19.03. - Sonne pur



Ürigens kam ich heute auf den Tag genau vor 20 Jahren nach Deutschland...

A great sunny day…

Sonntag, 15. März 2009

Tallinn am 14. März 2009

Ein toller Tagesausflug!

Sollte man nach meinem letzten Beitrag auf den Geschmack gekommen sein und Helsinki besuchen wollen und dazu noch drei Tage Zeit haben, dann empfehle ich, einen Tag für Tallinn, die Hauptstadt von Estland, einzuplanen. Mit dem Schiff (z.B. Viking Line) hat man die Strecke von 80km in 2,5 Stunden pro Richtung überquert und hat 4 Stunden für den Stadtkern von Tallinn Zeit. Klingt wenig, reicht aber völlig aus! Ich war von der einladenden und freundlichen Atmosphäre der Stadt überrascht und fühlte mich sehr wohl dort. Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Strukturen sind sehr gut erhalten und laden zum Verweilen und Erkunden der Sehenswürdigkeiten, Straßen, Gässchen und der vielen weiteren versteckten Ecken ein. Besonders im anfänglichen Sonnenschein von 14 bis 15.30 Uhr kamen die farbenprächtigen Gebäude und Häuser hervorragend zur Geltung! In der historischen Altstadt sind noch große Teile der Stadtmauer, der Wachtürme und anderer Bestandteile einer Burg enthalten und entfalten eine majestätische Wirkung auf „Touristen“. Zudem ist das Stadtbild von vielen und vor allem hohen und alten Kirchen bestimmt – 11 (!) an der Zahl aus unterschiedlichen Epochen, für unterschiedliche Konfessionen und unter wechselnden Herrschaften erbaut. Ebenfalls fallen die übermäßig vielen Souvenir-Shops, Restaurants und Alkoholgeschäfte auf. Ein eindeutiges Zeichen, worauf die Stadt ausgerichtet ist – den Tourismus.
Für die Finnen ist Tallinn ein beliebtes Tagesausflugsziel, weil es im Vergleich zu Helsinki so unglaublich billig ist! Sie kommen mit großen Einkaufstaschen voll bepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, zurück aufs Schiff ;-) (meistens aber doch Alkohol in relativ großen Mengen, aber auch Tee, Schokolade und andere Sachen des täglichen Gebrauchs). In vier Stunden Aufenthalt haben die Finnen meistens eingekauft, in einem der zahlreichen Restaurants gegessen und in einer der vielen Kneipen einiges an Bier getrunken.

Doch auch die Schifffahrt ist ein Erlebnis für sich – hier beginnt nämlich schon das Geldausgeben auf der Hinfahrt und geht auf der Rückfahrt zu Ende. Das Schiff mit 10 Decks ist ein Stadtzentrum (!) mit Restaurants, Cafes, Bars, Pubs, Live-Musik, Spielecken für Kinder, Spielautomaten für Erwachsene, vor allem aber mit ein Shopping-Center, das Alkohol, Süßigkeiten, Kosmetika, Parfüm u.a. steuerfrei anbietet. Im Geschäft ist kein Durchkommen und das Geld, das über die Ladentheke geht, ist unvorstellbar! Um 12 Uhr mittags, wenn „Shopping World“ öffnet und die ersten ihre Alkoholika gefunden, sich zur Kasse durchgeschlagen und bezahlt haben, wird bereits auf dem Schiff Alkohol in großen Mengen konsumiert. Nach einer Stunde kann man schon Bierfahnen riechen und betrunkene Menschen sehen. Die Konsumfreude ist unbeschreiblich. Es gibt vermutlich keine Finnen bzw. eher niemanden aus Helsinki, der nicht schon mehrfach in Tallinn gewesen ist. Bei vielen beginnt es schon im Kindesalter – mit einem Familienbesuch in Tallinn. Jugendliche lernen hier das Konsumieren…

Nun noch ein unschöner Nachtrag zu den Szenen vom Abend auf dem Schiff: nach so viel Alkoholkonsum kann man sich sicherlich vorstellen, was sich abspielt. Ich möchte nicht ins Detail gehen, nur einige Eindrücke: schlafende Männer an den Tischen, schwankende Menschen, die andere anrempeln und teilweise über sie fallen, aufgefangen und weitergeschickt werden, lallende Menschen, über Tische fallende Menschen, fremde Menschen „im Gespräch“ miteinander, oft mit schon halb geschlossenen Augen. Die Tische sind überfüllt mit alkoholischen Getränken, daneben stehen stapelweise Bierpacks oder andere Alkoholflaschen, die im Shopping-Center gekauft wurden und nun schon getrunken oder für zu Hause aufbewahrt werden, und es wird noch ein Cocktail, noch ein Bier, noch ein Schnaps bestellt und angestoßen…Und mitten drin Kinder, die ihren Eltern dabei zusehen…
Das ist das Paradoxe für mich an der finnischen Kultur: die schüchternen, zurückhaltenden, wohlbehüteten und wohlerzogenen Kinder in der Schule und die trinkenden Jugendlichen und Erwachsenen.

Wie dem auch sei, ein Abstecher von Helsinki nach Tallinn ist preiswert und die historische Altstadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Zum Kennenlernen der Stadt und einem Restaurantbesuch reichen vier Stunden vollkommen aus. Wer dazu noch Einkaufen möchte, braucht vermutlich mehr Zeit. Einen Lebensmittelladen im Stadtkern habe ich jedoch spontan nicht gesehen. Tallinn beweist auf jeden Fall, dass Geschichte Spaß machen kann, und dass Geschichte schön ist, habe ich ja schon immer gesagt :-)

Nun die versprochenen Fotos, aber kaum mit Beschriftung...ich weiß sehr wenig über die geschichtlichen Hintergründe Tallinns. Die Fotos sollen insgesamt einen Eindruck von der Schifffahrt, von dem Schiff selbst und von der historischen Altstadt Tallinns geben - viel Spaß dabei :-)

Tagesausflug nach Tallinn

Helsinki am 7./8. März 2009

Auf nach Helsinki :-)

Am letzten Wochenende (7./8.03.) nahm ich mir Zeit, um Helsinki mit seinen Sehenswürdigkeiten näher kennenzulernen. Am Samstag war das Wetter nicht auf meiner Seite, denn zunächst schneite es und später war es sehr bewölkt (man bedenke: am Tag zuvor schien die Sonne und es war wunderschön draußen!!!). Am Sonntag hingegen schien die Sonne herrlich vom Himmel herab, doch es wehte ein eisiger Wind. Nun zurück zum Samstag. Zunächst sollte mich mein Weg zur Touristen-Information führen. Natürlich stieg ich an der falschen Haltestelle aus und landete im Viertel „Erottajank“. Doch da steckt nicht drin, was der Name verheißt (bloß das wusste ich ja zu dem Zeitpunkt noch nicht…Mein Mitbewohner klärte mich dann später darüber auf, dass es das Viertel der ‚Reichen und Schönen’ sei…na da hab ich ja noch mal Glück gehabt ;-) ). Gut, dass ich in solchen Situationen über mich selbst lachen kann, da diese ja öfter passieren…
Auf der Suche nach der Touristen-Information habe ich dann schon einiges von der Stadt gesehen – auch nicht schlecht ;-) Als Optimistin ziehe ich stets die positiven Dinge aus einer Sache! In der Touristen-Information angekommen, kaufte ich mir die „Helsinki Card“ für zwei Tage. Die Karte ist für alle, die die Stadt besuchen möchten, sehr empfehlenswert. Mit ihr kann man alle (!) öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos benutzen, man erhält kostenlosen Zutritt zu beinahe allen Museen (und Helsinki hat viele davon, ca. 80!) und Sehenswürdigkeiten (z.B. die vermutlich weltweit größte Festung ‚Suomenlinna’) sowie die ‚Audio City Tour’ kostenlos und die ‚Guided City Tour’ stark vergünstigt.
Als erstes nahm ich also an der ‚Audio City Tour’ im Bus teil und erhielt bereits einen guten Überblick über die Stadt, Stadtstruktur und die historischen Hintergründe.
So wurde die Stadt 1550 von dem schwedischen König Gustav I. Wasa gegründet. Helsinki war zu diesem Zeitpunkt eher klein und unbedeutend. Die Region war schon seit dem 12. Jahrhundert unter schwedischer Herrschaft und blieb es bis 1809. Im Jahr 1808 wurde Helsinki von den Russen erobert und dabei durch einen Brand fast ganz zerstört. Im Jahre 1809 wurde ganz Finnland unter russische Führung gestellt und blieb es bis 1917. Unter russischer Herrschaft wurde Helsinki zur Hauptstadt des Großfürstentums Finnland und vom deutschen Architekten Carl Ludwig Engel im klassizistischen Stil neu geplant. 1917 erfolgte die Unabhängigkeit Finnlands und Helsinki wurde die Hauptstadt des Staates Finnland. Im Zweiten Weltkrieg kam es zu mehreren Kriegshandlungen und Bombardierungen durch die Sowjetunion, doch im Vergleich zu anderen europäischen Städten blieb Helsinki weitestgehend verschont. Dennoch haben die vielen Brände der Vergangenheit, zahlreiche Kriege (vor allem schwedisch-russische) und andere Kämpfe immer wieder Zerstörung über die Stadt gebracht. Dementsprechend waren Erneuerungen immer wieder von Nöten.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Stadtbild Helsinkis also von schwedischen, aber noch viel stärker von russischen Einflüssen geprägt ist. Es wird behauptet, dass die Stadt als Miniatur von St. Petersburg gilt, vor allem an den Plätzen/Orten, wo der deutsche Architekt Carl Ludwig Engel wirkte. Neben dem Klassizismus waren zudem die Kunstepochen des Jugendstils und des Funktionalismus in Helsinkis Architektur stark vorherrschend. Ich finde, Helsinki zeigt eine schöne Mischung aus Historisch und Modern.

Am Samstag habe ich die Hauptsehenswürdigkeiten von Helsinki besucht, dazu noch neun Museen. Am nächsten Tag nahm ich an einer weiteren ‚Guided City Tour’ teil und fuhr danach mit einer Fähre nach Suomenlinna, der finnischen Festung auf einer vorgelegenen Insel (von den 300 Inseln…). Dies nahm einige Zeit in Anspruch. Die Festung wurde ursprünglich von den Schweden gebaut, um sich vor den russischen Übergriffen zu schützen. Doch im Jahre 1808 reichte eine kurze russische Belagerung aus und die Festung und damit Helsinki waren eingenommen...Nach der Rückkehr von der Insel besuchte ich zwei weitere Museen. Abends kehrte ich erschöpft, aber sehr zufrieden nach Hause zurück, weil ich einen guten Überblick über die Stadt bekommen habe. Ich mag Helsinki wegen seines sehr kleinen Stadtkerns und seiner sehenswerten und ansprechenden Architektur.
Die Stadt ist einen Besuch wert, es reichen jedoch zwei Tage völlig, um sie kennenzulernen.
In diesem Sinne, auf nach Helsinki :-)

Anbei noch einige festgehaltene Eindrücke:

Sehenswürdigkeiten Helsinki

Donnerstag, 12. März 2009

Amoklauf in Deutschland

Ich bin entsetzt darüber, was ich gestern aus Deutschland hören musste. Es ist so traurig, dass 15 unschuldige Menschen, vor allem so viele junge Menschen darunter, sinnlos sterben mussten. Und das durch die Hand eines weiteren sehr jungen Menschen. Wie verzweifelt muss dieser junge Täter gewesen sein? Wie Hass erfüllt? Ich frage mich aber auch, was wir als Gesellschaft falsch machen, dass es überhaupt zu so etwas kommen muss und so viele unbeteiligte und unschuldige Menschen sterben müssen. Mir fallen einige Aspekte ein, doch ich möchte an dieser Stelle nicht politisch werden. Meine Gedanken sind jetzt bei den Familien und Freunden der Opfer und bei jenen, die diese schreckliche und abscheuliche Tat mit ansehen mussten. Ich wünsche ihnen viel Kraft.

Der Amoklauf in Winnenden löste hier in Finnland eine große Diskussion aus und erinnert die Menschen an den Amoklauf in Finnland im letzten Jahr. Im Kollegium meiner Schule herrschte heute morgen Entsetzten und viele KollegInnen sprachen mich mit den Worten an „I’m sorry about what happened in Germany.“ Nach dem Amoklauf in Finnland herrschte Ausnahmezustand und es gab an jeder (!) Schule im ganzen Land psychologische und andere seelsorgerische Betreuungsangebote. Ich wünsche mir, dass der Amoklauf auch in ganz Deutschland zum Thema gemacht wird und die Kinder und Jugendlichen nicht allein damit gelassen werden.

In den finnischen Zeitungen war das Massaker ein großes Thema und oftmals auf der Titelseite zu finden. Es wurde ausführlich darüber berichtet. Hier zwei Fotos zur Berichterstattung:



















Ich verurteile diese Tat zutiefst.

Dienstag, 10. März 2009

Weitere Erlebnisse

Kleingruppenunterricht macht Spaß :-)

Seit dieser Woche arbeite ich intensiv mit unterschiedlichen Deutsch-Lerngruppen (1. Klasse, 2. Klasse, 4. Klasse, 5. Klasse und 6. Klasse) zusammen und übe in Zweier- bis Vierergruppen maximal die deutsche Alltagssprache mit ihnen. Mit den Kleinen kommuniziere ich viel über Lieder, kurze Vorstellungsrunden und Themenfelder wie Farben, Körperteile und Familie. Mit den Größeren mache ich längere und weitreichende Vorstellungsrunden und spreche über deutsche Musik mit ihnen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Kinder über Gestik und Mimik aufnehmen und verstehen. Die Größeren haben bereits einen großen Wortschatz entwickelt. Natürlich verstehen sie mehr als sie sprechen können, doch was sie bereits ausdrücken können und wie beinahe fehlerfrei sie das tun – das ist enorm. Und wenn wir uns tatsächlich einmal nicht verstehen oder sie sich gar nicht ausdrücken können, was nicht oft passiert, dann sprechen wir auf Englisch! Diese Sprache scheint so selbstverständlich für die Kinder und Jugendlichen in Finnland zu sein!!! Ich vermute, dass dies in hohem Maße mit dem Schauen von Originalfilmen und –sendungen zu tun hat. Insgesamt kann ich jetzt schon zusammenfassen, dass die Kinder stark davon profitieren, in Kleingruppen von zwei bis vier Deutsch zu hören und zu sprechen. Es ist eine intensive Arbeit für alle Beteiligten. Natürlich lerne ich die Kinder nebenbei gut kennen, was bei so vielen unterschiedlichen Klassen sehr wichtig ist.

Im Gespräch mit einer Kollegin habe ich herausgefunden, dass es neben der Einzelförderung von Kindern mit Lernproblemen bzw. Verhaltensauffälligkeiten oder von Migrantenkindern zum Erwerb der finnischen Sprache (sie werden in bestimmten Stunden aus dem Klassenunterricht abgeholt) auch spezielle Förderschulen für Lern- und Erziehungshilfe gibt. Sie umfassen wie auch bei uns die Jahrgangsstufen 1-9 (ich hoffe, das stimmt so). Entweder gehen Kinder dort auf Empfehlung der ErzieherInnen oder nach Überprüfungen und Tests durch SonderpädagogInnen hin.

Eine andere Kollegin fragte mich, wie die Ausbildung zur Lehrkraft bei uns in Deutschland strukturiert sei. Ich erklärte ihr, dass es die Zweiteilung von Studium und Referendariat gebe. Dies war ihr völlig fremd. Sie erzählte, dass das Lehramtsstudium in Finnland vier bis fünf Jahre dauerte, wie bei uns zwei bis drei Fächer umfasste und man nach Beendigung des Studiums voll ausgebildete Lehrkraft mit vollem Gehalt sei. Während des Studiums gebe es Praktika, man hätte aber vor allem die Möglichkeit und die Zeit, bereits an Schulen zu arbeiten, Geld zu verdienen, Kontakte mit SchulleiterInnen zu knüpfen und Praxiserfahrung zu sammeln.
Im Vorfeld des Studiums gebe es allerdings Tests und nicht jede Person könne LehrerIn werden. So gab es zu der Zeit der Kollegin jeweils einen ganzen Prüfungstag. Man hatte zwei Stunden Zeit, eins von drei vorgegebenen Themen vorzubereiten und musste daraufhin eine Testklasse (echte Klasse mit echten Kindern) unterrichten. Im Anschluss daran gab es dann ein Prüfungsgespräch mit einer Prüfungskommission, in welchem es um die eigenen Beweggründe ging, Lehrkraft zu werden. (Und das alles, bevor man überhaupt studiert hatte!!!) Es ging dabei also nicht so sehr um bereits vorhandene didaktische und methodische Qualifikationen, sondern um zwischenmenschliche und empathische Fähigkeiten.
Ich denke, man kann diesen Prüfungstag auch Persönlichkeitstest nennen und ich muss sagen, ich finde das sehr sehr gut. Denn im Gegensatz zu Finnland, wo nur jede/r Dritte die Zulassung zum Lehramtsstudium nach diesem Testtag erhält, kann in Deutschland praktisch jede/r LehrerIn werden. Trotz Lehrermangel ist dies nicht unbedingt erstrebenswert...
Ich werde versuchen herauszufinden, ob dies bei den KollegInnen, die in den letzten 5-10 Jahren studiert haben, auch der Fall war.

Jeden Dienstag in der 7. Stunde besuche ich die Kollegin, die mir über das Studium erzählt hat, in ihrem Handarbeitskurs. Dort sind ca. 10 Mädchen in das Stricken, Häckeln, Nähen, Weben und Knüpfen vertieft. Es werden hauptsächlich alltagstaugliche Gebrauchsgegenstände gefertigt wie Blusen und kleine Täschchen. Darüber hinaus wird besonders großer Wert auf typische und traditionell finnische Muster gelegt, die bspw. auf Armbänder genäht werden. Die Mädchen haben großen Spaß dabei. Nebenbei stellen sie mir Fragen auf deutsch oder englisch und es herrscht eine lockere und entspannte Atmosphäre, die auch stark durch die Lehrerin begünstigt wird. Heute überraschte mich die Kollegin und die Handarbeitsgruppe mit einem selbst genähten Paar Handschuhen. Das war so süß und ich habe mich sehr darüber gefreut!!! Das wiederum hat die Schülerinnen und die Lehrerin sehr gefreut! So waren wir alle glücklich :-) Die Handschuhe sind unter den Fotos unten zu finden.

Noch eine kleine Ergänzung zu Finnland: Es gibt zwei Amtssprachen - finnisch und schwedisch. Deshalb werden alle Straßennamen, Ortsschilder, Abfahrten und alle möglichen Beschreibungen immer in beiden Sprachen angegeben. Es ist für alle Kinder Pflicht, schwedisch zu lernen. Dazu können noch deutsch, englisch, ggf. russisch, französisch und andere kommen...na, wenn es sonst nichts ist ;-)

Gemischt



Desweiteren gibt das Video hier einen kleinen Eindruck von einer typischen Pause an unserer Schule. Es wird Hockey und Fußball gespielt, im Schnee getollt, Schlitten gefahren, geschaukelt etc.:


Donnerstag, 5. März 2009

Der vierte Tag

Heute habe ich ausschließlich neue Klassen kennengelernt und kam aus dem Staunen wieder nicht heraus!!!

Zunächst besuchte ich eine dritte Klasse (Gruppengröße im Deutschunterricht: 10 Kinder!) bei einer Deutschkollegin, die ebenfalls perfekt Deutsch spricht. Die Klasse lernt Deutsch im zweiten Jahr mit zwei Stunden in der Woche. Die Kinder hatten sich schon im Vorfeld Fragen an mich in ihr Heft notiert. Nach anfänglicher Schüchternheit stellten sie mir viele Fragen und waren sehr interessiert. Danach stellte ich ihnen Fragen und sie konnten mich sehr gut verstehen!!! Dann wurden zwei Lieder auf Deutsch am Klavier gesungen (das Klavier gehört zum Grundinventar einer jeden Klasse, da an dieser Schule besonderer Wert auf die musikalische und die sprachliche Förderung gelegt wird) – es waren zwei lange Lieder und die Kinder wurden nicht müde zu singen, sie waren sehr motiviert und hatten eine klare Aussprache! Schließlich wurde gemeinsam eine kurze Geschichte gelesen, die in den nächsten Stunden als Schauspiel eingeübt wird und den fünften Klassen vorgestellt werden soll.

Daraufhin besuchte ich eine erste Klasse (22 Kinder) bei einer weiteren Deutschkollegin. Das Thema war „Weltall“! „Weltall“ in einer ersten Klasse und dann zur Hälfte auf Deutsch!!! Doch zunächst stellte ich mich vor und fragte die Kinder nach ihrem Namen, ihrem Alter und ihrem Wohnort. Anfangs waren die Kinder wieder sehr schüchtern, doch dann tauten sie auf und es wollten alle dran kommen. Sie wollten auch einige Sachen über mich wissen. Dies durften sie natürlich auf Finnisch fragen und die Lehrerin übersetzte für mich und dann wieder zurück. Dann legte die Lehrerin eine deutsche Geschichte über das Weltall auf den Dokumenten-Scanner und sprach mit den Kindern darüber. Es wurden die vier Begriffe Sonne, Mond, Sterne und Planeten auf die Tafel geschrieben und die Kinder malten die entsprechenden Sachen dazu. Nach dem Mittagessen (10.30 Uhr bis 11 Uhr!!!) wurde dies ins Deutschheft übertragen. Daraufhin schauten die Kinder einen kurzen Zeichentrickfilm auf Finnisch zum Thema. Am Ende sagten die Kinder „Auf Wiedersehen“ zu mir.
Eine Ergänzung: In der 3. Stunde wurden drei Migrantenkinder von einer anderen Lehrerin herausgeholt und in der finnischen Sprache geförderte. Eine Sonderpädagogin holte zudem einen motorisch sehr unruhigen Jungen ab und förderte ihn in einem gesonderten Raum.

In der fünften und sechsten Stunde sah ich eine dritte Klasse im Englischunterricht. Die eine Hälfte der Klasse (10 Kinder) hatte Englisch in der 5. Std. und die andere Hälfte der Klasse (11 Kinder) dieselbe Stunde und dasselbe Thema in der 6. Std. Beide Gruppen haben Englisch erst seit diesem Jahr und es ist erstaunlich, wie weit sie sind!!! Die Motivation für diese Sprache ist extrem hoch (was auch am sehr guten Englischlehrer liegt!!!) und die Kinder verstehen sehr viel, sprechen sehr viel und das Lesen und Schreiben gehört selbstverständlich zum Anfangsunterricht Englisch dazu! Die Hausaufgabe war z.B., einen zehnzeiligen Text zu lesen und dann die Wochentage zu den Aktivitäten aufzuschreiben!!! Im ersten Lernjahr!!! Ich vermute, der große Vorsprung zu unseren Kindern im ersten Lernjahr liegt tatsächlich darin, dass Fernsehen in der Originalsprache mit finnischen Untertiteln geschaut wird. Ich konnte heraushören, dass „The Simpsons“ von sehr vielen Kindern geschaut wird.

Mein Schlusswort:
Das Unterrichten in Deutschland könnte sehr viel besser werden, wenn wir einige wenige grundlegende Dinge verändern würden und die Politik etwas mehr Geld in Bildung investieren würde…

Nun noch mehr Bilder von der Schule:

Noch mehr Fotos von der Schule

Mittwoch, 4. März 2009

Aufbau eines Schultages

Die ersten zwei Tage blickte ich noch nicht so ganz durch, wie ein Schultag an dieser Schule aufgebaut ist. Dann ließ ich mir den Stundenplan und damit auch die Zeiten meiner "Mentorin" geben. Das ist das Ergebnis:













Ganz schön viele Pausen...aber das macht den Schulvormittag so angenehm und so entspannt - es ist gar nicht so spürbar, dass der Unterricht bis kurz vor drei geht. Die Kinder sind ebenfalls entspannt, da sie sich in den vielen Pausen im Schnee austoben, ein ordentliches Mittagessen bekommen und viel an der frischen Luft sind.
So funktioniert Rhythmisierung von ganz allein :-)

Zum Mittagessen: um 10.45 Uhr gehen die ersten Klassen zum Mittagessen, um kurz nach 11 Uhr die zweiten Klassen, dann die dritten usw. Obwohl im Stundenplan nur 15 Minuten einberaumt sind, dauert das Mittagessen eben so lange wie es dauert. Die Kinder werden nicht gehetzt. Danach gehen sie zufrieden in den Rest-Unterricht der 4. Stunde.

Ich kann nur sagen, dass ich das als sehr angenehm und sehr entspannend empfinde. Es herrscht viel Austausch mit den KollegInnen in den Pausen und man hat trotzdem noch Zeit für sich oder für kleine Erledigungen wie Kopieren etc.

Dienstag, 3. März 2009

Moderne Architektur

Viel kann ich dazu nicht schreiben, außer dass in meiner Wohngegend vielen jungen Architekten die Chance gegeben wurde, sich auszuprobieren. Und das kam dabei heraus:

Moderne Architektur



Und noch ein kleines Video dazu:

Zweiter Tag an der Schule

Vorab: Das Leben ist so viel schöner mit so vielen netten Menschen um einen herum!!!

Doch zunächst: What a weather!!! Ich stand heute Morgen auf und hatte noch keine Kontaktlinsen drin. Beim ersten Blick aus dem Fenster dachte ich: „Oh Nebel gibt’s hier auch!“ Als ich dann näher ans Fenster trat, entdeckte ich zu meinem Entsetzen, dass es kein Nebel war, sondern ein heftiger Schneesturm!!! Na toll…das konnte ja nichts Gutes heißen – und dem war auch so:

1. Ich musste meine Hand ausstrecken, sonst wäre der Bus vorbeigefahren.
2. Ich stieg zu meinem Pech an der falschen Bushaltestelle aus und fand meine Schule nicht!
Im Bus gibt es nämlich keine Ansagen und auch keine Schilder, was der nächste Halt ist und da ich nicht weitsichtig bin und die Namen der Bushaltestellen teilweise so lang und so ähnlich und mir so fremd sind, bin ich eben zu früh ausgestiegen :-( Ich war total verloren. An irgendeiner anderen Bushaltestelle sprach ich eine Frau mit zwei kleinen Kindern an. Ich glaube, sie war Russin. Meine hoffnungsvolle Frage: „Do you speak English?“ Antwort: „Yes, a bit…“ Meine Rettung!!! Great!!! Sie hat sich so bemüht und wollte mir so gerne helfen! Nur konnte sie mir auch nicht erklären, wo die Schule war :-( Ich wartete also einfach auf den nächsten Bus und dort ging das Spiel von vorne los. Ich hatte so ein Glück mit diesem Busfahrer: Er konnte Englisch UND er hat sich die Zeit genommen, auf der Karte nachzuschauen, wo die Straße mit der Schule liegt. Schließlich fuhr er mich zum Bahnhof und erklärte mir den Weg von dort zur Schule. Und dann hatte ich es endlich geschafft!!!

Einige Impressionen zum Schneesturm:

Der Schneesturm



In der Schule wurde ich wie auch gestern sehr freundlich und herzlich empfangen. Obwohl ich etwas zu spät war und nichts mit dem Englischkollegen abgesprochen hatte, klopfte ich an seiner Tür und er nahm mich sofort in seinen Unterricht! Thema war „a“ und „an“ und er hatte eine tolle Methode dazu! Es waren nur 13 Kinder in der Klasse!!! Sie waren Viertklässler, die Englisch im zweiten Jahr lernen. Was mich sehr erstaunte: Die Kinder formulierten freiwillig Sätze auf Englisch, die sie hätten gar nicht oder auch auf finnisch in die Klasse rufen können, z.B. „The alligator eat the horse!“ oder „The horse wants to escape!“ Im zweiten Jahr Englisch das Wort „escape“ zu benutzen finde ich schon sehr erstaunlich und es gehörte noch nicht einmal zu einer thematischen Einheit! Zudem taten sie es von sich aus.

Dann ging ich zu meiner „Mentorin“ in den Unterricht und bekam den Rest des Musikunterrichts mit: die Zweitklässler waren um das Klavier versammelt, wo die Lehrerin drauf spielte, und sangen mit voller Inbrunst drei deutsche Lieder. Zum Abschluss kam dann noch ein finnisches Lied. Die Kinder wollten mit dem Singen gar nicht mehr aufhören!
Dann wurde noch Mathematik und Sachkunde teilweise auf Deutsch unterrichtet. Es ist einfach erstaunlich, was die Zweitklässler schon verstehen und aufnehmen können. Natürlich können sie in dem Maße nicht auf Deutsch antworten, doch sie können alle Zahlen bis 100 auf Deutsch und viele Begriffe aus dem Sachunterricht wie Körperteile, Getreide-, Obst- und Gemüsesorten, Begriffe zum Beschreiben der Umgebung, Länder und Kontinente usw. Man muss sich dabei immer vor Augen halten, dass Finnisch keiner anderen Sprache ähnlich ist und die Kinder nichts daraus ableiten können!

Noch ein Unterschied zu meinen bisherigen Erfahrungen in deutschen Schulen: die Klassenzimmer werden nicht abgeschlossen! Sie bleiben den ganzen Tag über und auch während des Unterrichtens offen!!!

Letzter Punkt für heute: Viele Klassenräume, in denen vor allem Sprachen unterrichtet werden, haben eine Mikrofonanlage! Die Lehrkraft hat ein Headset mit Mikrofon auf und es gibt ein zusätzliches loses Mikrofon für die SchülerInnen zum Herumreichen…no comment ;-)

Und noch einige Bilder zur Cafeteria:

Die Cafeteria

Montag, 2. März 2009

Erster Tag an „meiner Schule“

Ich kann nur sagen: „I’m so thrilled!!! What a day!!!“

Es war so ein toller erster Tag, ich wollte die Schule gar nicht verlassen! Ich hätte dort den ganzen Tag verbringen können!!!

Aber eins nach dem anderen: die Busfahrt. Ich hatte ja schon etwas Angst, nachdem mir mein Mitbewohner eröffnet hatte, dass die meisten Busfahrer KEIN Englisch sprechen…Na das konnte ja ein Spaß werden…
Ich machte mich also zwanzig vor acht auf den Weg zur Bushaltestelle. Die war dann auch 10 Minuten später erreicht. So far so good. Nächste Hürde: in Finnland halten die Busse nicht automatisch an, man muss winken und also schon aus 200 m Entfernung erkennen, welcher Bus kommt – und es kommen so ca. zwei Busse pro Minute an einer Bushaltestelle vorbei und dann auch noch der restliche Verkehr. Und das Winken ist auch nicht so mein Fall…Ich entdeckte also die Busnummer 453 und sah zu meinem Unglück, dass die andere Person an der Bushaltestelle NICHT die Hand hob. Also musste ich ran…ABER glücklicherweise blinkte der Bus in Richtung Bushaltestelle – es muss wohl Telepathie gewesen sein, denn es wollte keine Person da aussteigen!!! So jetzt: „Sorry, do you speak English?“ Die Antwort: „No!“ Ups, es wäre ja zu schön gewesen…Also holte ich meinen Zettel raus und zeigte dem Busfahrer Name der Schule und Name der Straße. Damit konnte er leider auf Anhieb nichts anfangen :-( Dann musste also Plan B her (der ja eh der bessere ist ;-) ): Ich hatte noch in Deutschland eine Karte ausgedruckt, wo sich die Schule befinden sollte. Der Busfahrer erkannte etwas wieder :-) Ich bezahlte 4 Euro für eine einfache Fahrt (!!!) und los gings!!! Jeden Kilometer auf der Stadtautobahn gab es eine Bushaltestelle und ich wunderte mich, wo die Leute herkamen! Aber sie hoben fleißig ihre Hand und der Bus hielt an!!!

Die Busfahrt



Nach 20 Minuten Busfahrt und dem Verlassen Helsinkis sagte mir der Busfahrer auf Finnisch, dass ich hier aussteigen müsste. Wo die Schule war, wusste er allerdings nicht. So verließ ich mich einfach auf meine Intuition und entdeckte nach dem wahllosen Einbiegen in eine Straße plötzlich den Namen der Schule mit großen Buchstaben auf einem Gebäude! Was für eine Freude!!!

Ich nahm einen der vielen Eingänge und musste ziemlich ratlos aussehen, weil mich eine Person auf Finnisch ansprach. Ich frage nur „Do you speak English?“ Die Antwort: „Yes!“ Und ich dachte nur so: „Oh yes!!!“ Ich erklärte ihr, wer ich war und wen ich suchte – nämlich die Kollegin, mit der ich in E-Mail Kontakt war und die für die deutschen PraktikantInnen zuständig war. Die Englisch sprechende Lehrerin nahm mich also mit in das Lehrerzimmer und kümmerte sich rührend um mich. Sie erklärte mir, dass jede Lehrkraft Englisch sprechen könne, da dies ein Pflichtfach im Lehramtsstudium sei. Ich entschuldigte mich dafür, dass ich kein Finnisch sprechen kann und zählte ihr die paar jämmerlich wenigen Wörter auf, die ich bereits gelernt hatte! Da erstrahlte ein Lächeln über ihr Gesicht und sie ermutigte mich, die Wörter auch tatsächlich zu benutzen!!! Das ist sehr typisch für die Finnen: sie freuen sich sehr darüber, wenn man es wenigstens versucht, Finnisch zu sprechen! Es reichte schon ein „Kiitos!“ (danke) beim Busfahrer und er freute sich!!!

Dann brachte sie mich zu meiner Kontaktperson und mein Staunen nahm kein Ende. Die finnische Deutschkollegin sprach ein perfektes Deutsch und empfing mich sehr herzlich und freundlich. Wir sind sofort auf das „Du“ umgestiegen und auch die Kinder sprechen die Lehrkräfte mit Vornamen und „du“ an. Dann sah ich eine Deutschstunde in einer 6. Klasse – wow! Die waren richtig gut und stark! Zunächst richtete jedes Kind eine Frage an mich – in perfektem Deutsch! Die Kinder waren aber insgesamt sehr schüchtern mir gegenüber, was auch typisch für die finnische Kultur ist. Die Finnen sind eher distanziert und es braucht eine Weile, bis sie sich an eine Person gewöhnen. Dann sah ich eine sehr zügige Deutschstunde zum Thema „Perfekt“ – gestützt auf ein Deutschbuch, ein Schülerarbeitsheft und mit vielen kommunikativen Phasen. Es sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass an diesem Vormittag neun Kinder in der Klasse waren. Neun Kinder!!! Das ist ja ein Traum jeder Lehrkraft!!! Vier waren krank, aber trotzdem! Fremdsprachenunterricht mit so wenigen Kindern! Das sei aber nicht immer der Fall, versicherte mir die Deutschkollegin…
Dann kam die erste große Pause, die eine halbe Stunde dauert. Was für eine Entspannung! 30 Minuten und die Lehrkräfte waren völlig entspannt! Überhaupt keine Hetze! Nach 15 Minuten leitete die Schulleiterin eine Versammlung ein und an dieser Stelle wurde ich vorgestellt. Sie sprach auf Englisch und das schien so selbstverständlich! Alle im Raum verstanden sie und alle verstanden mich, als ich mich auf Englisch vorstellte! Alle hießen mich willkommen, lächelten mir zu und im Laufe des weiteren Vormittags kamen viele persönlich auf mich zu, stellten sich vor und ich lernte viele KollegInnen mit Vornamen kennen. Wir sprachen ganz selbstverständlich Englisch oder eben Deutsch mit den drei Deutschkolleginnen. Es war eine tolle Erfahrung!

Ich begleitete meine „Mentorin“ und ihre Klasse 2c zum Mittagessen – um 11 Uhr!!! Die Finnen essen SO früh zu Mittag in den Schulen!!! Es gibt eine Reihenfolge – die ersten Klassen beginnen schon um 10.45 Uhr mit dem Essen und dann geht es der Reihe nach im 15 oder 20 Minuten Rhythmus weiter. Wahnsinn!!! Da in Finnland sehr viele Allergien vorherrschen, gibt es immer neben der normalen Milch laktosefreie Milch (aber eben immer Milch) und vier unterschiedliche Soßen zu den Pellkartoffeln (z.B.): zwei Fleischsoßen, vegetarisch und glutamatfrei bzw. laktosefrei, was aber vorbestellt werden muss. Die Kinder bezahlen wie gesagt nichts, die Lehrkräfte ca. 1 Euro und alle von außerhalb, wie z.B. ich, 3,80 Euro pro Mahlzeit. Das wird mich also einiges kosten, aber was solls – dafür mache ich tolle Erfahrungen und habe eine warme Mahlzeit am (Vormit-)Tag :-)

Eine Sache hat mich auch sehr erstaunt: Es gibt eine Vorschulklasse an der Schule, in welcher Migrantenkindern finnisch beigebracht wird. Die Bedingungen: zwei Lehrkräfte unterrichten sieben Kinder 20 Stunden in der Woche!!! Sieben Kinder zu zweit!!! Das ist der Wahnsinn!!! Ein siebenjähriges russisches Mädchen z.B. lebt seit 1,5 Jahren hier und beherrscht die Sprache mittlerweile sehr gut – und finnisch ist unglaublich schwer zu erlernen. Mir wurde heute gesagt, dass Finnisch zu den fünf am schwierigsten zu erlernenden Sprachen weltweit zählt! Ich habe keinen Nachweis dafür gefunden, aber vorstellen kann ich es mir! Ich habe viel Finnisch heute gehört, aber ich habe einfach kein Wort verstanden, auch kein ähnliches zu den vier Sprachen, die ich kenne!!! Absolut nichts!!!

Ich könnte noch tausend Sachen erzählen, wie z.B., dass alle Kinder mit Hausschuhen rumlaufen und auch die Großzahl der Lehrkräfte mit Hausschuhen durch die Schule läuft und dass es eine Lüftung in jedem Klassenzimmer gibt und ich total gefroren haben und immer noch nicht verstehe, warum die Finnen bei den eisigen Temperaturen (am Wochenende waren es -10°C) eine Lüftung brauchen, aber ich lasse es gut sein und verweise hiermit auf die Bilder, die ich heute gemacht habe, um einen Eindruck von der Schule zu bekommen. Das Video von 5 Minuten Länge ist leider zu groß, um es hochzuladen :-(

1. Tag an der Laajavuoren koulu

Sonntag, 1. März 2009

Die Deutsche Schule Helsinki

Tja, ich bin ja nun hier, um hinter das Geheimnis des guten Abschneidens der Finnen bei PISA zu kommen und nach dem Besuch der Deutschen Schule Helsinki (DSH) habe ich so einige Ideen...

Als Vorabinformation: durch meinen verspäteten Abflug aus Deutschland habe ich den Besuch der Sotunki-Schule in der Nähe von Helsinki verpasst. Die anderen Gruppenmitglieder waren allerdings sehr begeistert von dieser Schule und empfahlen mir, sie im Laufe meines Aufenthalts hier einmal zu besuchen. Besonders stellten sie die unglaubliche technische Ausstattung und die "Wohnzimmer"-Atmosphäre heraus. Es war praktisch jedes Klassenzimmer mit Smart Board, Beamer, Laptop, Internet-Zugang und Dokumenten-Scanner ausgestattet. Sie stellten aber auch heraus, dass der Unterricht dadurch sehr frontal ausgerichtet war. Es wäre schön, wenn all jene, die an der Schule waren und das hier lesen, ihre Eindrücke einmal hier schildern könnten!

Jetzt also zurück zur DSH. Wie schon an der Sotunki-Schule und auch an der DSH festgestellt werden konnte: Der Unterrichtsstil ist nicht das Geheimnis der Finnen!!! Von wegen Methodenvielfalt...durch die vorhandenen Medien wird sehr viel frontal gearbeitet!!! Und laut Aussage einer deutschen Lehrerin aus Berlin, die seit zwei Jahren an der DSH unterrichtet, haben es die finnischen SchülerInnen am liebsten, wenn man 90 Minuten einen Lehrervortrag hält und sie sich Notizen machen können! Gruppenpuzzle ist nicht so ganz ihr Ding!
Was ist es also dann, das die Finnen bei PISA so gut abschneiden lässt?
Der stellvertretende Schulleiter der Schule, der auch deutscher Lehrer aus Köln ist, versuchte uns das so zu erklären:
Die Bildung hat einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft!
Es herrscht ein hoher gesellschaftlicher Konsens bzgl. der Gesamtschule in Finnland vor!
Behörden und Gesellschaft haben ein hohes Vertrauen in die Leistungen der Schulen!
Die Lehrkräfte erfahren eine hohe Anerkennung von Gesellschaft und SchülerInnen!
Bei den Finnen herrscht eine lange Lesetradition vor - sowohl im Vorlesen von Sagen und Nationalepen als auch im Lesen von finnischen Untertiteln zu Filmen in Originalsprache! So lernen die Kinder, schnell zu lesen und schnell zu erfassen, gleichzeitig wird das Hörverstehen und die Gewöhnung an die Fremdsprachen geschult!
Die Schulen investieren viel Geld in die individuelle Förderung unter dem Motto "no child left behind"! Es werden viele Nachhilfelehrkräfte in die Schule geholt und von der Schule finanziert, um den leistungsschwächeren SchülerInnen zu helfen.
Als letzter Punkt kommen die kostenlose Schulspeisung für alle Kinder, die absolute Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zur 9. Klasse (dazu gehören auch z. B. Radiergummis in den Anfangsklassen), die Gesundheitsfürsorge und die Steigerung des Wohlbefindens als ein wesentlicher Teil des Lehrplans hinzu.

In jeder finnischen Schule könnten folgende Personen eingestellt sein - abhängig davon, was eine Schule braucht und was sie finanziell aufbringen kann:
Lehrkräfte
SonderpädagogIn
SozialarbeiterIn
SchulpsychologIn
GesundheitsfürsorgerIn (meist eine Krankenschwester, dazu kommt ein Arzt regelmäßig vorbei)
ErzieherIn für die Nachmittagsbetreuung
Verwaltungskräfte
Zivildienstleistende
Küchenpersonal
HausmeisterIn
EDV-BeraterIn

Zudem ist es die Aufgabe jeder Schule dafür zu sorgen, dass Kinder mit Migrationshintergrund die finnische Sprache erlernen. Dafür werden wieder NachhilfelehrerInnen von außerhalb eingestellt und bezahlt. Dies nennt sich dann "Stützunterricht".

Es gibt keine Vorschriften über die Klassenstärke. Das ist eher Sache der Schule. Es gibt auch keine formale Notengebung bis einschließlich Klasse 7. Es werden Gutachten ausgestellt und erst ab Klasse 8 gibt es Zeugnisse mit Noten.

Alle Schulen in Finnland arbeiten mit zwei Internetplattformen: Wilma und Fronter. Bei Wilma wird eingetragen, wer fehlt, Regelverstöße, Zeugnisnoten u.ä. Eltern haben immer auch von zu Hause aus Zugriff darauf. Fronter ist eine Plattform für die Lehrkräfte untereinander, dort werden aber auch Unterrichtsmaterial, die Ergebnissicherung der Stunde oder Tests für zu Hause eingestellt. Jedes Kind und jeder Jugendliche in Finnland hat Zugang zum Internet!

Sport ist sehr wichtig in Finnland. Beinahe jede/r SchülerIn geht nach der Schule zum Sportverein, ob es Eishockey oder Fußball ist. Die meisten kommen schon in Sportkleidung zur Schule und haben ihre Hockey-Schläger dabei. Und das täglich!!!

Noch ein letzter Aspekt, der zum guten Abschneiden der Finnen bei PISA beitragen könnte, ist die Ausstattung der finnischen Schulen. In vielen Räumen, v. a. in den Naturwissenschaften, befinden sich:
Smart Board
Beamer
Laptop, verbunden mit dem Internet
Dokumenten-Scanner
Video-/DVD-Recorder und Fernseher
OHP
Drucker
Farbausdrucke und Farbkopien auch für die SchülerInnen
Laptopwagen in den Fluren

Die Aussage eines Lehrers aus Bayern an der DSH bleibt mir in Erinnerung und ist meiner Meinung nach sehr vielsagend:
"Die finnischen SchülerInnen sind nicht intelligenter, sie sind eifriger!"

(Er unterrichtete eine finnische Klasse im Fach Physik auf deutsch zum Thema Aggregatzustände!!! Die Kinder konnten alles auf deutsch erklären! Dann bekamen sie einen dreiseitigen Versuchsaufbau auf deutsch mit Begriffen wie "funktionale und proportionale Zusammenhänge", sie lasen ihn, verstanden ihn, setzten um, was dort stand und schrieben die Versuchsergebnisse auf deutsch auf! Jede/r im eigenen Tempo und in selbst gebildeten Gruppen! Die Lehrkraft stand nur beratend zur Seite! Wir waren total verblüfft!)

Na wenn das alles ist, auf gehts...

Zum Schluss noch einige Bilder aus der Schule:

Der Besuch an der Deutschen Schule Helsinki

Die ersten paar Tage...

Am 25.02.09 war es dann tatsächlich so weit - ich machte mich auf den Weg nach Helsinki!!! Diesmal legal ausgewiesen, schwer bepackt und natürlich gespannt, was mich alles erwarten würde. Doch halt - so schnell ging das nicht! Erst einmal mussten zwei Flüge überstanden werden: von Frankfurt/Main nach Berlin-Tegel und von dort nach Helsinki. Das Flugzeug ist nicht wirklich mein Lieblingsverkehrsmittel...aber als Optimistin schaute ich nach vorne und war frohen Mutes!
Insgesamt waren beide Flüge sehr angenehm und ohne jegliche Komplikationen! Außer dem Druck auf meinen Ohren bei den Vorbereitungen auf die Landungen und dem langsamen Verlust an Höhe. Ich konnte zwei Tage nach der zweiten Landung immer noch nicht richtig hören, was vermutlich auch etwas mit meinem Schnupfen zu tun hatte...

Hier einige Impressionen vom Flugtag:
Die Flüge


In Helsinki-Vantaa angekommen, fand ich nach einigen Schreckensminuten meinen Koffer und suchte ein Taxi. Meine erste Frage an den Taxifahrer: "Do you speak English?" Er lächelte und antwortete freundlich "Yes." Da war ich ganz schön erleichtert. Die finnische Sprache ist nämlich so unglaublich schwierig zu erlernen. Sie hat 17 Fälle und ist von keiner einzigen europäischen Sprache abzuleiten. Die vier Sprachen, die ich kann oder einmal gelernt habe, helfen da überhaupt nicht!!! Schade eigentlich :-( Und mit meinen paar Floskeln, die ich schon gelernt hatte, hätte ich dem Taxifahrer nicht sagen können, wo ich hin wollte. Auch sonst wäre es eine schweigsame halbstündige Fahrt geworden...doch dem war ja glücklicherweise nicht so! Wir sprachen über dieses und jenes und sein Englisch war wirklich gut! Für mich war das auf jeden Fall ein guter Start in Finnland.

Am Hotel angekommen, traf gerade die Gruppe ein, mit der ich hätte am Vortag schon ankommen sollen...Ich rief nur: "I know them, I know someone here!" Und ich freute mich sehr darüber, bekannte Gesichter zu sehen!
Gemeinsam liefen wir abends noch durch die Stadt und ich schoss an dem und am folgenden Abend einige Fotos. Diese sind hier zu sehen:
Erste Eindrücke - Helsinki bei Nacht


Das Essen beim Thailänder war gut und erschwinglich (preislich ist das leider sehr selten der Fall...), das Hotelzimmer war gut (warum finnische Hotelzimmer allerdings die Klimaanlage rund um die Uhr laufen haben, dabei die Heizung nicht ausgeschaltet werden kann und die Jalousien immer unten sind, konnten wir uns bis zum Schluss nicht erklären!) und am nächsten Morgen ging es zur Deutschen Schule Helsinki (DSH), die im Stadtkern Helsinkis liegt. Dazu gibt es mehr in einem neuen Post.

Zunächst noch einige Eindrücke aus Helsinki: Die Finnen kommen nicht auf einen zu, um zu helfen, doch sie helfen immer, wenn man sie anspricht. Sobald man irgendwo "hello" sagt, schwingen sie um auf Englisch und man kann sich sehr gut mit ihnen verständigen. Die Jugendlichen, die ähnlich sind wie die deutschen Jugendlichen und sich abends vor großen Einkaufscentren treffen, dort rauchen und trinken, unterscheiden sich doch in einem Punkte: die finnischen Jugendlichen ziehen sich warm an!!! Sie tragen lange Winterjacken oder Mäntel, Schals, Mützen und Handschuhe, denn es ist sehr kalt hier! Auch wenn es sehr kalt war in Deutschland, so war das vielen Jugendlichen doch nicht so bewusst...
Hier laufen auf jeden Fall fast alle Menschen so rum...



...und das ist bei dieser Kälte und dem kalten Wind bitter nötig!





Insgesamt ist das Leben hier sehr sehr teuer! Ob es um Lebensmittel, Mieten, Ausgehen (Restaurants, Bars), Verkehrsmittel oder Klamotten geht...das Meiste ist erheblich teurer als in Deutschland! Meinem Geldbeutel tut das natürlich nicht sehr gut...Doch wie machen das die Finnen? Mein Mitbewohner, der Engländer ist und schon seit vielen Jahren hier lebt, erklärte mir, dass die finnischen Banken sehr schnell Kredite vergeben. Sobald man einen Job vorweisen kann, erhält man einen Kredit. Seiner Meinung nach sind sehr viele Finnen bis ins hohe Alter verschuldet.

Die einzige Sehenswürdigkeit, die ich am Donnerstagnachmittag gesehen habe, war die Felsenkirche in Helsinki.
Hier sind einige Bilder dazu:

Die Felsenkirche - eine Sehenswürdigkeit in Helsinki


Am Freitag, 27.02.09, fuhr ich schließlich zu "meiner" neuen Wohnung, in der ich die nächsten zwei Monate leben werde. Wegen des schweren Koffers nahm ich mir ein Taxi und dachte während der Fahrt, der Preiszähler würde gar nicht mehr aufhören zu steigen! Ich konnte mich gar nicht auf die Umgebung konzentrieren, da ich versuchte, das Ding zu hypnotisieren, damit es endlich aufhörte zu steigen...naja, das Taxi hat mich schließlich dann bis vor die Haustür gefahren. Ich lernte meinen Vermieter und gleichzeitig Mitbewohner kennen. Meine erste Frage war natürlich nach den Lebensmittelgeschäften - ich musste ja schließlich irgendwie das Wochenende überleben!!! Ab Montag werde ich hoffentlich in der Schule essen können...Und wieder wurde mein Geldbeutel um einiges leichter - für Grundnahrungsmittel! Dazu die nächste Theorie meines Mitbewohners: die Lebensmittelpreise wurden gerade jetzt enorm erhöht, weil es in einigen Monaten Mehrwertsteuersenkungen geben soll...somit sei Finnland momentan das teuerste Land Europas, wenn es um Lebensmittel geht...Das ist ja super, dass ich das miterleben darf ;-)
Am Samstag erkundete ich schließlich meine Umgebung und konnte feststellen, dass sie ganz schön schön ist. Hier einige Fotos dazu:

Meine neue Umgebung