Mein Aufenthalt in Finnland ist nun vorbei...
Wie ihr meinem Blog sicherlich entnehmen konntet, habe ich viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht - schulisch und kulturell.
Darüber bin ich sehr froh :-)
Ich möchte allen Menschen danken, denen ich in Finnland begegnet bin und die mich auf meinen Wegen dort begleitet haben! Ohne sie wäre die Zeit dort nicht so schön und lehrreich gewesen!!!
Für meinen beruflichen Weg habe ich viele Anregungen, Ideen, vor allem aber auch Ideale mitgenommen. Es wäre so viel möglich in Deutschland, wenn man kleine, aber entscheidende Dinge verändern würde...
Ich werde frohen Mutes versuchen, im Kleinen anzufangen... ;-)
An dieser Stelle würde ich mich über Fragen, Kommentare, Anregungen etc. aller Art freuen und bin gerne bereit, bei Unklarheiten weitere Erläuterungen zu liefern.
Auf geht's Deutschland - es gibt viel zu tun ;-)
Donnerstag, 21. Mai 2009
Montag, 18. Mai 2009
Einwöchiges Praktikum an der Deutschen Schule Helsinki
Hier ist immer wieder etwas los :-)
In meiner letzten Woche in Helsinki besuchte ich die Deutsche Schule Helsinki (DSH) an den Tagen 4. Mai und 6. – 8. Mai 2009. Diese Zeit hat mir viele neue und interessante Eindrücke verschafft und war noch einmal ein guter Kontrast zu den finnischen Schulen (die ich bis dahin besucht hatte), bevor ich am 9. Mai nach Deutschland zurückkehrte. Wie der Name schon sagt, ist es eine deutsche Schule mit deutschen Büchern, deutschem Lehrplan und deutscher Strukturierung der Schuljahre (das Schuljahr besteht nicht aus mehreren mehrwöchigen Epochen mit abschließender Testwoche). So wurde ich schon einmal ganz langsam wieder an die Schulen und das Unterrichten in Deutschland herangeführt… ;-)
Nach außen hin ist die DSH wie eine finnische Schule aufgebaut. Sie ist eine Gesamtschule, in der alle SchülerInnen gemeinsam bis zur 9. Klasse (einschließlich) lernen. Danach können sich sie Jugendlichen entscheiden, ob sie das Abitur an dieser Schule oder einer anderen gymnasialen Oberstufe machen (der Notendurchschnitt entscheidet dabei über die Aufnahme zu anderen gymnasialen Oberstufen) oder ob sie eine berufliche Schule besuchen. Die Besonderheit an der DSH ist, dass ab der 1. Klasse jene SchülerInnen die Schule besuchen, die die deutsche Sprache bereits beherrschen. Sie bilden bis zum Abitur die A-Klassen. Ab der 3. Klasse werden finnische Kinder eingeschult und lernen Deutsch als 1. Fremdsprache mit bis zu 7 Wochenstunden. Die finnischen Kinder bilden die B-Klassen bis zum Abitur.
Ein großer Unterschied zwischen den von mir besuchten finnischen Schulen und der DSH waren die Kinder! An der deutschen Schule herrschte einfach eine andere Mentalität vor und dies hatte Auswirkungen auf den Unterricht! Er war einfach anders! Selbst in den B-Klassen mit den finnischen Kindern war eine andere Atmosphäre zu spüren! Die Kinder und Jugendlichen dieser Schule waren insgesamt viel lebhafter und gesprächiger! Im Unterricht wurde sehr viel kommuniziert, was teilweise auch mit den kooperativen Lernformen wie Gruppenpuzzle und Dialogen in der Fremdsprache Deutsch zusammen hing. Durch das Bewertungssystem wie bei uns in Deutschland (mündliche Beteiligung und schriftliche Arbeiten fließen in die Halbjahresnote ein) wurde unweigerlich mehr gesprochen! Diese Gesprächigkeit fand aber auch in ungelegenen Situationen und zu unpassenden Momentan statt – will heißen, dass ich an der DSH mehr Unterrichtsstörungen aufgrund der Lebhaftigkeit der SchülerInnen beobachten konnte als an den finnischen Schulen. Das erscheint mir als ein interessanter Zusammenhang… ;-)
Das Spannende an der DSH waren die vielen außerunterrichtlichen Projekte für die gesamte Schulgemeinschaft oder für einzelne Klassen während oder nach der Unterrichtszeit. So habe ich in meiner kurzen Zeit an der Schule Folgendes miterlebt:
• Studierende der Universität Helsinki machten Praktika oder Umfragen.
• Eine 8. Klasse drehte ein ironisches Video über die DSH unter Leitung von Jan Quilitzsch und der „Partnerschaft Deutsch“.
• Austauschprogramm (zweiwöchiger Schüleraustausch aus Bremen – im Schulhaus hieß es immer wieder: „Die Bremer kommen!“ :-) )
• „Tagesöffnung“ am Freitagmorgen – ein Fachbereich bereitet in regelmäßigen Abständen ein Thema auf und stellt es der Schulgemeinschaft freitags in der 1. Stunde vor (20-40 Minuten)
Außerdem:
• Musikwettbewerbe und Förderung von Musikbands
• Theateraufführungen
• Übernachtungen
Zudem erklärte mir ein Kollege, dass fünf Mal im Jahr Samstagsunterricht stattfindet, damit man eine Woche Herbstferien einrichten kann. Aus diesen Samstagen werden meistens Projekttage gemacht. Schließlich gibt es zwei bis drei Mal im Jahr Gottesdienste für die gesamte Schulgemeinschaft, die oft von SchülerInnen gestaltet werden.
Viele der KollegInnen aus Deutschland, mit denen ich gesprochen habe, möchten nicht gerne zurück nach Deutschland gehen. Sie genießen ihre drei bis sechs Jahre Auslandsschuldienst (bzw. acht Jahre bei einer Funktionsstelle) in Finnland sehr. Die Begründungen liefen beinahe alle in dieselbe Richtung: die Rahmenbedingungen des finnischen Schulsystems!
• Als Lehrkraft erfährt man eine hohe Anerkennung.
• Man erhält viel Unterstützung von qualifiziertem und stets erreichbarem Personal (Schulpsychologe, Sonder- und Sozialpädagoginnen, Schulkrankenpflegerin, EDV-Berater etc.).
• Die Kinder erhalten kostenlosen Stützunterricht statt teurer Nachhilfe.
• Das Gesamtschulsystem ist insgesamt humaner und gibt allen SchülerInnen die Chance auf eine gute Grundbildung; dabei stehen nicht die Noten, sondern der Spaß am Lernen im Vordergrund! Es wird kein Kind zurück gelassen oder selektiv behandelt. Jedes Kind mit Schwierigkeiten im kognitiven oder sozialen Bereich wird gefördert und unterstützt!
• Durch das kostenlose Schulmaterial bis zur 9. Klasse und das kostenlose Schulessen werden die Grundbedürfnisse der SchülerInnen gedeckt. Kein Kind muss hungern oder wird am Lernen gehindert durch fehlendes Schreibmaterial wie Zettel und Stift.
• Abschließend sei nochmals auf die klasse Ausstattung hingewiesen: Laptop mit Internetzugang, Beamer, Dokumentenkamera, Leinwand und oft Whiteboard in jedem Klassenzimmer! Einige sind sogar mit dem Smart Board ausgestattet!
Bei solchen Bedingungen fällt es einem ganz schön schwer, zurück ins „Kreidezeitalter“, das in Deutschland nach wie vor vorherrscht, zurückzukehren. Ich habe den Weg allerdings schon wieder angetreten und – tja was soll ich sagen – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und das ist auch gut so… ;-)
Einige Eindrücke zur Deutschen Schule Helsinki:
In meiner letzten Woche in Helsinki besuchte ich die Deutsche Schule Helsinki (DSH) an den Tagen 4. Mai und 6. – 8. Mai 2009. Diese Zeit hat mir viele neue und interessante Eindrücke verschafft und war noch einmal ein guter Kontrast zu den finnischen Schulen (die ich bis dahin besucht hatte), bevor ich am 9. Mai nach Deutschland zurückkehrte. Wie der Name schon sagt, ist es eine deutsche Schule mit deutschen Büchern, deutschem Lehrplan und deutscher Strukturierung der Schuljahre (das Schuljahr besteht nicht aus mehreren mehrwöchigen Epochen mit abschließender Testwoche). So wurde ich schon einmal ganz langsam wieder an die Schulen und das Unterrichten in Deutschland herangeführt… ;-)
Nach außen hin ist die DSH wie eine finnische Schule aufgebaut. Sie ist eine Gesamtschule, in der alle SchülerInnen gemeinsam bis zur 9. Klasse (einschließlich) lernen. Danach können sich sie Jugendlichen entscheiden, ob sie das Abitur an dieser Schule oder einer anderen gymnasialen Oberstufe machen (der Notendurchschnitt entscheidet dabei über die Aufnahme zu anderen gymnasialen Oberstufen) oder ob sie eine berufliche Schule besuchen. Die Besonderheit an der DSH ist, dass ab der 1. Klasse jene SchülerInnen die Schule besuchen, die die deutsche Sprache bereits beherrschen. Sie bilden bis zum Abitur die A-Klassen. Ab der 3. Klasse werden finnische Kinder eingeschult und lernen Deutsch als 1. Fremdsprache mit bis zu 7 Wochenstunden. Die finnischen Kinder bilden die B-Klassen bis zum Abitur.
Ein großer Unterschied zwischen den von mir besuchten finnischen Schulen und der DSH waren die Kinder! An der deutschen Schule herrschte einfach eine andere Mentalität vor und dies hatte Auswirkungen auf den Unterricht! Er war einfach anders! Selbst in den B-Klassen mit den finnischen Kindern war eine andere Atmosphäre zu spüren! Die Kinder und Jugendlichen dieser Schule waren insgesamt viel lebhafter und gesprächiger! Im Unterricht wurde sehr viel kommuniziert, was teilweise auch mit den kooperativen Lernformen wie Gruppenpuzzle und Dialogen in der Fremdsprache Deutsch zusammen hing. Durch das Bewertungssystem wie bei uns in Deutschland (mündliche Beteiligung und schriftliche Arbeiten fließen in die Halbjahresnote ein) wurde unweigerlich mehr gesprochen! Diese Gesprächigkeit fand aber auch in ungelegenen Situationen und zu unpassenden Momentan statt – will heißen, dass ich an der DSH mehr Unterrichtsstörungen aufgrund der Lebhaftigkeit der SchülerInnen beobachten konnte als an den finnischen Schulen. Das erscheint mir als ein interessanter Zusammenhang… ;-)
Das Spannende an der DSH waren die vielen außerunterrichtlichen Projekte für die gesamte Schulgemeinschaft oder für einzelne Klassen während oder nach der Unterrichtszeit. So habe ich in meiner kurzen Zeit an der Schule Folgendes miterlebt:
• Studierende der Universität Helsinki machten Praktika oder Umfragen.
• Eine 8. Klasse drehte ein ironisches Video über die DSH unter Leitung von Jan Quilitzsch und der „Partnerschaft Deutsch“.
• Austauschprogramm (zweiwöchiger Schüleraustausch aus Bremen – im Schulhaus hieß es immer wieder: „Die Bremer kommen!“ :-) )
• „Tagesöffnung“ am Freitagmorgen – ein Fachbereich bereitet in regelmäßigen Abständen ein Thema auf und stellt es der Schulgemeinschaft freitags in der 1. Stunde vor (20-40 Minuten)
Außerdem:
• Musikwettbewerbe und Förderung von Musikbands
• Theateraufführungen
• Übernachtungen
Zudem erklärte mir ein Kollege, dass fünf Mal im Jahr Samstagsunterricht stattfindet, damit man eine Woche Herbstferien einrichten kann. Aus diesen Samstagen werden meistens Projekttage gemacht. Schließlich gibt es zwei bis drei Mal im Jahr Gottesdienste für die gesamte Schulgemeinschaft, die oft von SchülerInnen gestaltet werden.
Viele der KollegInnen aus Deutschland, mit denen ich gesprochen habe, möchten nicht gerne zurück nach Deutschland gehen. Sie genießen ihre drei bis sechs Jahre Auslandsschuldienst (bzw. acht Jahre bei einer Funktionsstelle) in Finnland sehr. Die Begründungen liefen beinahe alle in dieselbe Richtung: die Rahmenbedingungen des finnischen Schulsystems!
• Als Lehrkraft erfährt man eine hohe Anerkennung.
• Man erhält viel Unterstützung von qualifiziertem und stets erreichbarem Personal (Schulpsychologe, Sonder- und Sozialpädagoginnen, Schulkrankenpflegerin, EDV-Berater etc.).
• Die Kinder erhalten kostenlosen Stützunterricht statt teurer Nachhilfe.
• Das Gesamtschulsystem ist insgesamt humaner und gibt allen SchülerInnen die Chance auf eine gute Grundbildung; dabei stehen nicht die Noten, sondern der Spaß am Lernen im Vordergrund! Es wird kein Kind zurück gelassen oder selektiv behandelt. Jedes Kind mit Schwierigkeiten im kognitiven oder sozialen Bereich wird gefördert und unterstützt!
• Durch das kostenlose Schulmaterial bis zur 9. Klasse und das kostenlose Schulessen werden die Grundbedürfnisse der SchülerInnen gedeckt. Kein Kind muss hungern oder wird am Lernen gehindert durch fehlendes Schreibmaterial wie Zettel und Stift.
• Abschließend sei nochmals auf die klasse Ausstattung hingewiesen: Laptop mit Internetzugang, Beamer, Dokumentenkamera, Leinwand und oft Whiteboard in jedem Klassenzimmer! Einige sind sogar mit dem Smart Board ausgestattet!
Bei solchen Bedingungen fällt es einem ganz schön schwer, zurück ins „Kreidezeitalter“, das in Deutschland nach wie vor vorherrscht, zurückzukehren. Ich habe den Weg allerdings schon wieder angetreten und – tja was soll ich sagen – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und das ist auch gut so… ;-)
Einige Eindrücke zur Deutschen Schule Helsinki:
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| Einblicke in die Deutsche Schule Helsinki |
Sonntag, 3. Mai 2009
Mein 1. Mai in Helsinki
Die Sonne und das Leben feiern :-)
Kaum in Helsinki angekommen und vom Schiff gegangen, machten wir uns zu dritt mit tausenden von Menschen auf in den Kaivopuisto, einen riesigen Stadtpark in Helsinki mit Grünflächen, großen Granitsteinen und in der Nähe des Hafens – eine wunderschöne Szenerie. Um 10.30 Uhr waren bereits viele Menschen dort, doch es war noch gut möglich, sich ein schönes Plätzchen zu suchen. Wir ließen uns auf einen Felsenvorsprung nieder und breiteten unsere paar Süßigkeiten und unseren Spritzwein aus. Üblicher ist ein Picknick mit Kuchen, Salaten, Hackbällchen, Grillgut etc. etc. – und viel Alkohol. Da wir nun aber direkt aus Stockholm kamen, war das natürlich nicht möglich. Einige Freunde von Henna und Jari, die später zu uns stießen, hatten allerdings viele Leckereien mit dabei und das Picknick konnte beginnen. Sie brachten auch zwei traditionelle Sachen mit: ‚Munkki’ (eine Art Gebäck) und mehrere Flaschen gefüllt mit ‚Sima’. Dieses Getränk wird auf spezielle Art und Weise zubereitet und ca. eine Woche lang gären gelassen. Einfach köstlich :-) Zu all dem Süßen wurden noch M&Ms verteilt (diese wurden erst letztes Jahr in Finnland eingeführt)!
Wieder wurden wir mit Sonne gesegnet (in der Winterjacke wurde es richtig warm ;-) und mein Sonnenbrand freute sich über noch mehr Sonne ;-) Sonnencreme war natürlich nicht in Sicht) und hatten einen wunderschönen Ausblick auf das Meer. Mit jeder Stunde wurden es mehr und mehr Menschen und schon bald schien jeder mögliche Platz besetzt. Es bot sich mir ein buntes und schönes Bild: Alle, die je Abitur gemacht haben, trugen ihre weißen Mützen, die sie zum Abschluss bekommen haben. Diese werden einmal im Jahr zum 1. Mai rausgeholt und aufgesetzt. Es wurden auch unterschiedliche Kostüme getragen, wie sie bei uns an Karneval üblich sind. Das war jedoch eher eine Ausnahme. Zudem trugen Studierende traditionell ihre bunten Overalls: jeder Fachbereich hat eine andere und eigene Farbe. Auf den Overalls werden alle möglichen Aufnäher gesammelt, die die StudentInnen für eine bestimmte getrunkene Menge an Alkohol bekommen oder für jegliche Party, die sie besucht haben etc.
Die Studenten haben mit dem Feiern und mit dem Tragen ihrer Overalls schon eine Woche vor dem 1. Mai angefangen. Aber erst am 30. April um 18 Uhr beginnt jedes Jahr offiziell der Studenten- und Arbeitertag, hier Vappu genannt. Der Havis Amanda (Frauenstatue im Brunnen am Hafen von Helsinki) wird dann die weiße Mütze aufgesetzt und es wird mit Sekt angestoßen. Dann beginnt die Party und die Studierenden übernehmen die Stadt.
Der 1. Mai ist mehr ein Studenten- als ein Arbeitertag in Finnland. Aber eigentlich ist der 1. Mai der „Kater-Tag“ nach den Feiern und dem Trinken des Vortages. Meine Erfahrung war (den 30.04. habe ich ja nicht miterlebt, da ich in Stockholm war), dass die Menschen den Tag brauchen, um mehr oder weniger nüchtern zu werden. Dazu versammeln sie sich in den Parks und treffen Freunde, picknicken und trinken gemütlich weiter. Dabei herrschte eine ausgelassene und positive Stimmung. Die Menschen hatten Spaß und waren gut gelaunt. So sieht man die Finnen nicht immer ;-)
Ein Problem bei solchen Open-Air-Feiern sind natürlich immer die öffentlichen Toiletten. Es wurden im Park zwar mehrere Toilettenkabinen aufgestellt, aber bei weitem nicht genug für die Masse an Menschen. Bei dem hohen Alkoholkonsum hat man dann teilweise unschöne Szenen gesehen… Aber lassen wir das. Henna, Jari und ich sind gegen 14 Uhr (der Park war zu diesem Zeitpunkt voller Menschen) zurück in die Stadt gegangen und haben 45 Minuten im Silja Line – Terminal gewartet, bis wir auf Toilette gehen konnten… In der Stadt waren ständig Menschenmassen in Bewegung. Die Leute kamen und gingen. Die Straßenbahnen hielten in Richtung Stadtzentrum gar nicht mehr an. Ich frage mich die ganze Zeit, woher diese Menschen alle kamen! Man sieht sie sonst nicht in der Stadt! Es scheint, als ob sie zum 1. Mai aus ihren Löchern kriechen: die Sonne und der Alkohol locken sie ;-)
Für den Nachmittag fuhren wir je in unsere Wohnungen, um uns etwas frisch zu machen. Wir waren schon ganz schön erschöpft von Stockholm und der Sonne ;-)
Abends traf ich mich noch einmal mit Henna im Stadtzentrum und wir nahmen die Beobachterrollen ein: Die Menschenmassen waren wieder verschwunden, dafür wurden aber die Alkoholwirkungen deutlich. Menschen (jung und alt, Mann und Frau, arm und reich) torkelten durch die Straßen; fielen über Bordsteinkanten oder stolperten Treppen hinunter; übergaben sich; waren nicht mehr in der Lage, richtig zu sprechen; tanzten wie in Trance; weinten lauthals in ihre Handys hinein oder schrien sich in aller Öffentlichkeit an; stritten sich um einen Sitzplatz an der Straßenbahnhaltestelle, obwohl die Bank noch viel Platz hatte; lachten laut über sich und andere; sprachen fremde Menschen an oder äfften sie nach, wozu sie im Alltag nicht in der Lage sind – ja sie schauen sich noch nicht einmal an; schliefen in den Straßenbahnen, auf Parkbanken, an Häuserwände gelehnt, an Haltestellen; und sie tranken immer weiter und weiter… Viele Menschen sah man auch in Bars, wo das Eishockey-Spiel zwischen Finnland und Slowenien übertragen wurde. Eishockey ist ein Nationalsport hier, aber selbst da kommt es den Finnen nicht in den Sinn, das eigene Team lauthals anzufeuern. Doch im betrunkenen Zustand geht das alles viel leichter und die gesellschaftliche Norm wird über Bord geworfen: es wird geschrien und geflucht, bis einem die Stimme versagt… Darüber hinaus standen viele junge Menschen an Nacht-Club Eingängen Schlange.
Henna erzählte, dass es um 4 Uhr morgens wieder voller werden würde. Denn da machten Pubs, Bars und Clubs zu und die Menschen hätten Hunger. Sie würden an Fast-Food-Kiosken Schlange stehen und da würde das Gerangel weiter gehen…
Insgesamt war die Atmosphäre am 1. Mai in Helsinki aber super, positiv, friedlich und sehr ausgelassen! Die Menschen haben Spaß gehabt und sich, die Sonne und ihr Leben gefeiert. Das war klasse! Ich fand es sehr entspannend und habe viele weitere Eindrücke von den Finnen gewonnen und positive Erinnerungen mitgenommen! 1. Mai in Helsinki: jeder Zeit wieder :-)
Einige fotografische Eindrücke:
Kaum in Helsinki angekommen und vom Schiff gegangen, machten wir uns zu dritt mit tausenden von Menschen auf in den Kaivopuisto, einen riesigen Stadtpark in Helsinki mit Grünflächen, großen Granitsteinen und in der Nähe des Hafens – eine wunderschöne Szenerie. Um 10.30 Uhr waren bereits viele Menschen dort, doch es war noch gut möglich, sich ein schönes Plätzchen zu suchen. Wir ließen uns auf einen Felsenvorsprung nieder und breiteten unsere paar Süßigkeiten und unseren Spritzwein aus. Üblicher ist ein Picknick mit Kuchen, Salaten, Hackbällchen, Grillgut etc. etc. – und viel Alkohol. Da wir nun aber direkt aus Stockholm kamen, war das natürlich nicht möglich. Einige Freunde von Henna und Jari, die später zu uns stießen, hatten allerdings viele Leckereien mit dabei und das Picknick konnte beginnen. Sie brachten auch zwei traditionelle Sachen mit: ‚Munkki’ (eine Art Gebäck) und mehrere Flaschen gefüllt mit ‚Sima’. Dieses Getränk wird auf spezielle Art und Weise zubereitet und ca. eine Woche lang gären gelassen. Einfach köstlich :-) Zu all dem Süßen wurden noch M&Ms verteilt (diese wurden erst letztes Jahr in Finnland eingeführt)!
Wieder wurden wir mit Sonne gesegnet (in der Winterjacke wurde es richtig warm ;-) und mein Sonnenbrand freute sich über noch mehr Sonne ;-) Sonnencreme war natürlich nicht in Sicht) und hatten einen wunderschönen Ausblick auf das Meer. Mit jeder Stunde wurden es mehr und mehr Menschen und schon bald schien jeder mögliche Platz besetzt. Es bot sich mir ein buntes und schönes Bild: Alle, die je Abitur gemacht haben, trugen ihre weißen Mützen, die sie zum Abschluss bekommen haben. Diese werden einmal im Jahr zum 1. Mai rausgeholt und aufgesetzt. Es wurden auch unterschiedliche Kostüme getragen, wie sie bei uns an Karneval üblich sind. Das war jedoch eher eine Ausnahme. Zudem trugen Studierende traditionell ihre bunten Overalls: jeder Fachbereich hat eine andere und eigene Farbe. Auf den Overalls werden alle möglichen Aufnäher gesammelt, die die StudentInnen für eine bestimmte getrunkene Menge an Alkohol bekommen oder für jegliche Party, die sie besucht haben etc.
Die Studenten haben mit dem Feiern und mit dem Tragen ihrer Overalls schon eine Woche vor dem 1. Mai angefangen. Aber erst am 30. April um 18 Uhr beginnt jedes Jahr offiziell der Studenten- und Arbeitertag, hier Vappu genannt. Der Havis Amanda (Frauenstatue im Brunnen am Hafen von Helsinki) wird dann die weiße Mütze aufgesetzt und es wird mit Sekt angestoßen. Dann beginnt die Party und die Studierenden übernehmen die Stadt.
Der 1. Mai ist mehr ein Studenten- als ein Arbeitertag in Finnland. Aber eigentlich ist der 1. Mai der „Kater-Tag“ nach den Feiern und dem Trinken des Vortages. Meine Erfahrung war (den 30.04. habe ich ja nicht miterlebt, da ich in Stockholm war), dass die Menschen den Tag brauchen, um mehr oder weniger nüchtern zu werden. Dazu versammeln sie sich in den Parks und treffen Freunde, picknicken und trinken gemütlich weiter. Dabei herrschte eine ausgelassene und positive Stimmung. Die Menschen hatten Spaß und waren gut gelaunt. So sieht man die Finnen nicht immer ;-)
Ein Problem bei solchen Open-Air-Feiern sind natürlich immer die öffentlichen Toiletten. Es wurden im Park zwar mehrere Toilettenkabinen aufgestellt, aber bei weitem nicht genug für die Masse an Menschen. Bei dem hohen Alkoholkonsum hat man dann teilweise unschöne Szenen gesehen… Aber lassen wir das. Henna, Jari und ich sind gegen 14 Uhr (der Park war zu diesem Zeitpunkt voller Menschen) zurück in die Stadt gegangen und haben 45 Minuten im Silja Line – Terminal gewartet, bis wir auf Toilette gehen konnten… In der Stadt waren ständig Menschenmassen in Bewegung. Die Leute kamen und gingen. Die Straßenbahnen hielten in Richtung Stadtzentrum gar nicht mehr an. Ich frage mich die ganze Zeit, woher diese Menschen alle kamen! Man sieht sie sonst nicht in der Stadt! Es scheint, als ob sie zum 1. Mai aus ihren Löchern kriechen: die Sonne und der Alkohol locken sie ;-)
Für den Nachmittag fuhren wir je in unsere Wohnungen, um uns etwas frisch zu machen. Wir waren schon ganz schön erschöpft von Stockholm und der Sonne ;-)
Abends traf ich mich noch einmal mit Henna im Stadtzentrum und wir nahmen die Beobachterrollen ein: Die Menschenmassen waren wieder verschwunden, dafür wurden aber die Alkoholwirkungen deutlich. Menschen (jung und alt, Mann und Frau, arm und reich) torkelten durch die Straßen; fielen über Bordsteinkanten oder stolperten Treppen hinunter; übergaben sich; waren nicht mehr in der Lage, richtig zu sprechen; tanzten wie in Trance; weinten lauthals in ihre Handys hinein oder schrien sich in aller Öffentlichkeit an; stritten sich um einen Sitzplatz an der Straßenbahnhaltestelle, obwohl die Bank noch viel Platz hatte; lachten laut über sich und andere; sprachen fremde Menschen an oder äfften sie nach, wozu sie im Alltag nicht in der Lage sind – ja sie schauen sich noch nicht einmal an; schliefen in den Straßenbahnen, auf Parkbanken, an Häuserwände gelehnt, an Haltestellen; und sie tranken immer weiter und weiter… Viele Menschen sah man auch in Bars, wo das Eishockey-Spiel zwischen Finnland und Slowenien übertragen wurde. Eishockey ist ein Nationalsport hier, aber selbst da kommt es den Finnen nicht in den Sinn, das eigene Team lauthals anzufeuern. Doch im betrunkenen Zustand geht das alles viel leichter und die gesellschaftliche Norm wird über Bord geworfen: es wird geschrien und geflucht, bis einem die Stimme versagt… Darüber hinaus standen viele junge Menschen an Nacht-Club Eingängen Schlange.
Henna erzählte, dass es um 4 Uhr morgens wieder voller werden würde. Denn da machten Pubs, Bars und Clubs zu und die Menschen hätten Hunger. Sie würden an Fast-Food-Kiosken Schlange stehen und da würde das Gerangel weiter gehen…
Insgesamt war die Atmosphäre am 1. Mai in Helsinki aber super, positiv, friedlich und sehr ausgelassen! Die Menschen haben Spaß gehabt und sich, die Sonne und ihr Leben gefeiert. Das war klasse! Ich fand es sehr entspannend und habe viele weitere Eindrücke von den Finnen gewonnen und positive Erinnerungen mitgenommen! 1. Mai in Helsinki: jeder Zeit wieder :-)
Einige fotografische Eindrücke:
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| 1. Mai in Helsinki |
Stockholm – Fahrt (29. April – 1. Mai 2009)
I love Stockholm :-)
Glück muss der Mensch haben… Mein Glück war, dass ich mit einem riesigen und luxuriösen Kreuzfahrtschiff nach Stockholm fahren durfte – als Geschenk!!! Dieses habe ich von meiner Super-Kollegin Sirpa bekommen :-) Ihr habe ich wieder eine unglaublich schöne Zeit zu verdanken (auch wenn sie leider nicht mitkommen konnte :-( )!
Die Vorfreude begann aber schon lange vor diesem tollen Ereignis!
Bei meiner ersten Helsinki Sightseeing-Tour Anfang März habe ich bereits das gigantische Kreuzfahrtschiff „Silja Line“ im Hafen Helsinkis gesehen und war überwältigt angesichts seiner Größe und majestätischen Wirkung. Mir wurde gesagt, dass dieses Schiff täglich um 17 Uhr nach Stockholm fährt und eine Übernachtung ca. 300 Euro (http://www.seaeurope.com/pdffiles/STO_HEL_MIN.pdf; in US Dollar) kostet. Damals dachte ich mir: „Wow, wie toll das wäre, so etwas einmal zu erleben…“
In der Woche drauf eröffnete mir meine „Mentorin“ Sirpa in der Schule, dass sie Club-Mitglied bei der Silja Line sei und ein Spezialangebot für eine Kurzreise nach Stockholm in einer 4-Bett-Kabine bekommen hätte. Dazu würde sie mich gerne einladen! „WWWWWWWAAAAAASSSSSSS??? Ich? Kann ein Mensch allein so viel Glück haben?!“ Ich freute mich natürlich total über die Einladung und sagte sofort zu! Kurze Zeit später hatten wir uns auf den Zeitraum 29.04. für die Hinfahrt, 30.04. für Stockholm sowie die Rückfahrt und 01.05.09 für die Ankunft geeinigt. Seit Mitte März freute ich mich also schon auf das große Ereignis – meine erste Kreuzfahrt und dann auch noch nach Stockholm :-)
Die Woche vor der Fahrt selbst musste meine Kollegin allerdings ihre Teilnahme an der Fahrt aus schulischen Gründen absagen. Die Enttäuschung war natürlich groß. Doch Sirpa übertrug die Fahrt nach einigen Absprachen mit dem Betreiber auf mich und bot mir an, jemanden mitzunehmen (schließlich war die 4-Bett-Kabine schon gebucht!)! Danke, Sirpa! Glücklicherweise hatte ich in der Zwischenzeit ein sehr nettes finnisches Pärchen in meinem Alter kennengelernt: Henna und Jari. Ich hatte schön des Öfteren etwas mit ihnen unternommen und sie waren sofort Feuer und Flamme, als ich ihnen ‚meine’ Einladung nach Stockholm mit dem Kreuzfahrtschiff „Silja Line“ eröffnete! Henna hatte bereits einen Sommer lang in Stockholm gearbeitet (sie liebt diese Stadt) und kannte sich aus! Perfekt :-) Jetzt mussten die beiden nur die zwei Tage (29. und 30.04.) frei bekommen (1. Mai ist auch in Finnland Feiertag und daher frei). Trotz der Kurzfristigkeit haben beide ohne Probleme Urlaub gekommen…es hat also sein sollen ;-)
Nach all den Anfangsschwierigkeiten fuhr ich schließlich um 15.30 Uhr überglücklich und voller Vorfreude mit Sirpa zum Terminal der „Silja Line“ in Helsinki und sie holte die Tickets ab. Dort trafen wir zufälligerweise Rainer Domisch, Unterrichtsrat in der obersten Schulbehörde Finnlands (Zentralamt für Unterrichtswesen), mit dem wir im Zuge des Deutsch-Projekts an unserer Schule in ständigem und regem Kontakt waren. Er hatte dasselbe vor wie wir :-)
Nachdem ich mich von Sirpa verabschiedet hatte und sie uns eine schöne Fahrt wünschte, kamen Henna und Jari zum Terminal und wir konnten unser Glück gar nicht fassen. Unsere Freude war riesig!
Dann betraten wir das Schiff und fühlten uns wie in einer anderen Welt! Alle Gäste wurden von den MitarbeiterInnen im Eingangsbereich freundlich empfangen. Das Schiff war wie ein 5-Sterne-Hotel und ein Stadtzentrum in einem und dann auch noch beweglich! Wir suchten zunächst unsere Kabine. Ich war positiv überrascht von der Sauberkeit und Geräumigkeit der doch eher kleinen Kabine, in der vier Menschen Platz gehabt hätten. Wir hatten eine Innenkabine in der achten „Etage“ mit Blick auf die „Promenade“ des Schiffes. Dort befanden sich Boutiquen, Restaurants, Cafes, Spielautomaten, ein Nacht-Club und abends bot die „Einkaufsstraße“ Raum für Unterhaltungsshows. Es fehlte einfach an gar nichts! Pünktlich um 17 Uhr lief das Schiff aus dem Hafen.
Wir begaben uns auf die sechste Etage und bestellten das Buffet für 35 Euro pro Person (!)! Ich weiß, das klingt unglaublich und ich kann es selbst immer noch nicht fassen, dass ich das mitgemacht habe, aber ich bereue es nicht! Es war ein ganz eigenes, besonderes Erlebnis und gehörte zur Kultur des Schiffes dazu! Jeder Tisch (und es gab viele davon!) war belegt! Und das Angebot – unbeschreiblich! Man konnte so viel essen und trinken, wie man wollte (bzw. konnte… ;-) )! Die Auswahl ließ nichts vermissen: kalte Platten an Fisch, Meeresfrüchten, Käse, Wurst, Salat, Gemüse, Wraps etc; warme Speisen mit unterschiedlichen Komponenten wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Kartoffeln und die leckersten Saucen und Dips; verschiedene Brotsorten; und dann die Nachspeisen: zahlreiche Kuchen-, Eis- und Süßspeisensorten sowie typische finnische und schwedische Süßigkeiten. Zum Trinken standen auf jedem Tisch von Beginn an zwei Flaschen Wein (je rot und weiß) und zusätzlich konnte man sich selbst bedienen an Kaffee, Tee, Wasser, Cola, Fanta etc. etc.
Es war unglaublich lecker, aber schier unmöglich, von allem zu probieren! Ziemlich untypisch finnisch: wir haben zu dritt nicht einmal zwei Flaschen Wein geschafft! In beiden blieb je fast die Hälfte übrig… Andere Tische hingegen hatten mehr Flaschen als Teller und Personen…
Gut gesättigt und frohen Mutes machten wir uns nach zwei Stunden Buffet auf, das Schiff (zwölf „Etagen“) und die Sonnendecks zu erkunden. Innen entdeckten wir zusätzlich zu dem, was wir schon aus unserer Kabine heraus sehen konnten, ein großes Geschäft nur für Alkohol und Süßigkeiten (tax free), Spielhallen, eine Playstation Lounge, Karaoke-Bars, Pubs, Parfümerien, eine Sauna (die darf natürlich nicht fehlen ;-) ) und ein Schwimmbad. Draußen drehten wir einige Runden auf den Decks und genossen die untergehende Sonne. Es war einfach herrlich und so entspannend! Die See war total ruhig (was meinem Magen sehr gut tat) und die Sonne schaffte es, trotz des starken Windes Wärme zu spenden (naja, wie üblich hier geht ohne Winterjacke noch nichts). Auf dem Rückweg von Stockholm am nächsten Tag bekam ich sogar einen Sonnenbrand im Gesicht – um 19 Uhr abends!!! Da muss ich nach Schweden fahren, um einen Sonnenbrand zu bekommen!!!! :-) :-) :-) In Finnland ist kaum Sonne bzw. Wärme und ich fahre einmal nach Schweden und bekomme einen Sonnenbrand! Ich musste echt über mich selbst lachen. An Sonnencreme habe ich bei den bisherigen Temperaturen hier (max. 15 °C, dies ist aber eine totale Ausnahme) natürlich nicht gedacht.
Um Mitternacht schauten wir uns eine wunderbare und geniale Tanz- und Singshow an! Das Ensemble und die ausgewählten Lieder waren einfach super gut! Einige Finnen schafften es sogar (mit reichlich Alkohol im Blut), mehr Emotionen als nur Klatschen zu zeigen ;-)
Die Betten waren sehr gemütlich und so hatten wir einen kurzen, aber erholsamen Schlaf. Am nächsten Morgen machten wir wieder etwas Verrücktes: wir begaben uns zum Frühstücks-Buffet für 10,50 Euro! All you can eat and drink! Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: das stärkte uns wirklich für den ganzen Tag in Stockholm und wir mussten den ganzen Tag nichts mehr essen…
Dann endlich konnten wir an Land – zum ersten Mal betrat ich schwedischen Boden! Und was erblickten meine frühlingshungrigen Augen? Bäume mit leuchtend grünen Blättern! Sattgrüne Wiesen! Ja sogar ein Baum mit rosafarbenen Blüten! Ich konnte es nicht fassen! In Stockholm war der Frühling schon eingezogen! In Helsinki warte ich bis zum heutigen Tage auf den Frühling. Keine Blätter an den Bäumen, keine Blumen, fad-grüne Wiesen und so richtig warm will es auch nicht werden….
Schon das Grün allein gab mir so viel Energie! Ich hatte den ganzen Tag die rosarote Brille auf und habe alles in einem wunderschönen Licht gesehen (es hat aber auch tatsächlich den ganzen Tag die Sonne geschienen und es war vergleichsweise warm)! Je mehr ich von Stockholm sah, desto mehr verliebte ich mich in diese Stadt! Sie hat eine tolle Atmosphäre und Ausstrahlung! Durch ihre vielen kleinen Inseln und Brücken bietet sie eine tolle Aussicht auf viel Wasser, Yachten, Schiffe, Stege, Wiesen, Hafencafés etc. und hat somit ein mediterranes Ambiente. Dieser Eindruck wird durch die zahlreichen Parks, Grünflächen sowie die Architektur der Gebäude, der Straßen und der offiziellen Plätze unterstützt. Der Jugendstil dominiert das Stadtbild in weiten Teilen. Ganz besonders die Altstadt (Gamla Stan) ist einen Spaziergang wert. Dort herrscht eine ausgelassene Stimmung, die Menschen sind freundlich, fröhlich und entspannt und man fühlt sich richtig wohl! Auf original schwedisches Eis sollte man hier auf keinen Fall verzichten ;-) Auch die Postkarten sind wunderschön! Doch Vorsicht bei den Briefmarken: eine kostet 1,20 Euro!!! Noch eine Kleinigkeit: es gibt kaum öffentliche Toiletten und viele Cafés sind so klein, dass es dort auch keine Kunden-WC gibt…
Ein besonderes Highlight für Henna und mich war der Besuch von Junibacken. Das ist ein Kindermuseum, in dem man insbesondere Astrid Lindgrens Figuren und Geschichten auf spezielle Weise näher kommen kann. Dort wurden Kindheitserinnerungen wach! Sogar Villa Kunterbunt konnte erkundet werden. Wir hatten sogar das Glück, einer Pippi Langstrumpf – Vorstellung beizuwohnen! Was für ein Spaß! Die Kinder dort haben Pippi geliebt und auch ich habe das Stück trotz der schwedischen Sprache verstanden! Pippi ist einfach die Beste und Stärkste ;-) Auffällig war in diesem Zusammenhang der kulturelle Unterschied zwischen finnischen und schwedischen Kindern: die schwedischen Kinder haben mit Pippi gesungen, ihr auf ihre Fragen geantwortet, mit den Piraten gesprochen, geklatscht etc. So eine Offenheit und Fröhlichkeit habe ich in den zwei Monate in Finnland nicht erlebt…
Leider war dann die Zeit auch schon wieder vorbei :-( Wir mussten zurück an Bord der Silja Line. Es fiel uns allen schwer, Stockholm zu verlassen. Aber ich komme definitiv zurück!!!
Abends haben wir wieder eine tolle Show gesehen und sind danach total erschöpft ins Bett gefallen! Ich habe geschlafen wie ein Stein, auch wenn der Wind in dieser Nacht etwas stärker war und das Boot etwas mehr schwankte…Doch auf der achten Etage war davon nicht viel zu merken – glücklicherweise ;-)
Am nächsten Tag um 10 Uhr morgens betraten wir wieder finnischen Boden, doch das Abenteuer des Trios Henna, Jari und Liz war noch nicht zu Ende: es folgte der 1. Mai in Helsinki – das muss man erlebt haben… Mehr dazu im nächsten Beitrag meines Blogs!
In der Bildergalerie sind einige Eindrücke zu finden, doch nichts wirkt wie das Original…
Also besser: Auf nach Stockholm!
Glück muss der Mensch haben… Mein Glück war, dass ich mit einem riesigen und luxuriösen Kreuzfahrtschiff nach Stockholm fahren durfte – als Geschenk!!! Dieses habe ich von meiner Super-Kollegin Sirpa bekommen :-) Ihr habe ich wieder eine unglaublich schöne Zeit zu verdanken (auch wenn sie leider nicht mitkommen konnte :-( )!
Die Vorfreude begann aber schon lange vor diesem tollen Ereignis!
Bei meiner ersten Helsinki Sightseeing-Tour Anfang März habe ich bereits das gigantische Kreuzfahrtschiff „Silja Line“ im Hafen Helsinkis gesehen und war überwältigt angesichts seiner Größe und majestätischen Wirkung. Mir wurde gesagt, dass dieses Schiff täglich um 17 Uhr nach Stockholm fährt und eine Übernachtung ca. 300 Euro (http://www.seaeurope.com/pdffiles/STO_HEL_MIN.pdf; in US Dollar) kostet. Damals dachte ich mir: „Wow, wie toll das wäre, so etwas einmal zu erleben…“
In der Woche drauf eröffnete mir meine „Mentorin“ Sirpa in der Schule, dass sie Club-Mitglied bei der Silja Line sei und ein Spezialangebot für eine Kurzreise nach Stockholm in einer 4-Bett-Kabine bekommen hätte. Dazu würde sie mich gerne einladen! „WWWWWWWAAAAAASSSSSSS??? Ich? Kann ein Mensch allein so viel Glück haben?!“ Ich freute mich natürlich total über die Einladung und sagte sofort zu! Kurze Zeit später hatten wir uns auf den Zeitraum 29.04. für die Hinfahrt, 30.04. für Stockholm sowie die Rückfahrt und 01.05.09 für die Ankunft geeinigt. Seit Mitte März freute ich mich also schon auf das große Ereignis – meine erste Kreuzfahrt und dann auch noch nach Stockholm :-)
Die Woche vor der Fahrt selbst musste meine Kollegin allerdings ihre Teilnahme an der Fahrt aus schulischen Gründen absagen. Die Enttäuschung war natürlich groß. Doch Sirpa übertrug die Fahrt nach einigen Absprachen mit dem Betreiber auf mich und bot mir an, jemanden mitzunehmen (schließlich war die 4-Bett-Kabine schon gebucht!)! Danke, Sirpa! Glücklicherweise hatte ich in der Zwischenzeit ein sehr nettes finnisches Pärchen in meinem Alter kennengelernt: Henna und Jari. Ich hatte schön des Öfteren etwas mit ihnen unternommen und sie waren sofort Feuer und Flamme, als ich ihnen ‚meine’ Einladung nach Stockholm mit dem Kreuzfahrtschiff „Silja Line“ eröffnete! Henna hatte bereits einen Sommer lang in Stockholm gearbeitet (sie liebt diese Stadt) und kannte sich aus! Perfekt :-) Jetzt mussten die beiden nur die zwei Tage (29. und 30.04.) frei bekommen (1. Mai ist auch in Finnland Feiertag und daher frei). Trotz der Kurzfristigkeit haben beide ohne Probleme Urlaub gekommen…es hat also sein sollen ;-)
Nach all den Anfangsschwierigkeiten fuhr ich schließlich um 15.30 Uhr überglücklich und voller Vorfreude mit Sirpa zum Terminal der „Silja Line“ in Helsinki und sie holte die Tickets ab. Dort trafen wir zufälligerweise Rainer Domisch, Unterrichtsrat in der obersten Schulbehörde Finnlands (Zentralamt für Unterrichtswesen), mit dem wir im Zuge des Deutsch-Projekts an unserer Schule in ständigem und regem Kontakt waren. Er hatte dasselbe vor wie wir :-)
Nachdem ich mich von Sirpa verabschiedet hatte und sie uns eine schöne Fahrt wünschte, kamen Henna und Jari zum Terminal und wir konnten unser Glück gar nicht fassen. Unsere Freude war riesig!
Dann betraten wir das Schiff und fühlten uns wie in einer anderen Welt! Alle Gäste wurden von den MitarbeiterInnen im Eingangsbereich freundlich empfangen. Das Schiff war wie ein 5-Sterne-Hotel und ein Stadtzentrum in einem und dann auch noch beweglich! Wir suchten zunächst unsere Kabine. Ich war positiv überrascht von der Sauberkeit und Geräumigkeit der doch eher kleinen Kabine, in der vier Menschen Platz gehabt hätten. Wir hatten eine Innenkabine in der achten „Etage“ mit Blick auf die „Promenade“ des Schiffes. Dort befanden sich Boutiquen, Restaurants, Cafes, Spielautomaten, ein Nacht-Club und abends bot die „Einkaufsstraße“ Raum für Unterhaltungsshows. Es fehlte einfach an gar nichts! Pünktlich um 17 Uhr lief das Schiff aus dem Hafen.
Wir begaben uns auf die sechste Etage und bestellten das Buffet für 35 Euro pro Person (!)! Ich weiß, das klingt unglaublich und ich kann es selbst immer noch nicht fassen, dass ich das mitgemacht habe, aber ich bereue es nicht! Es war ein ganz eigenes, besonderes Erlebnis und gehörte zur Kultur des Schiffes dazu! Jeder Tisch (und es gab viele davon!) war belegt! Und das Angebot – unbeschreiblich! Man konnte so viel essen und trinken, wie man wollte (bzw. konnte… ;-) )! Die Auswahl ließ nichts vermissen: kalte Platten an Fisch, Meeresfrüchten, Käse, Wurst, Salat, Gemüse, Wraps etc; warme Speisen mit unterschiedlichen Komponenten wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Kartoffeln und die leckersten Saucen und Dips; verschiedene Brotsorten; und dann die Nachspeisen: zahlreiche Kuchen-, Eis- und Süßspeisensorten sowie typische finnische und schwedische Süßigkeiten. Zum Trinken standen auf jedem Tisch von Beginn an zwei Flaschen Wein (je rot und weiß) und zusätzlich konnte man sich selbst bedienen an Kaffee, Tee, Wasser, Cola, Fanta etc. etc.
Es war unglaublich lecker, aber schier unmöglich, von allem zu probieren! Ziemlich untypisch finnisch: wir haben zu dritt nicht einmal zwei Flaschen Wein geschafft! In beiden blieb je fast die Hälfte übrig… Andere Tische hingegen hatten mehr Flaschen als Teller und Personen…
Gut gesättigt und frohen Mutes machten wir uns nach zwei Stunden Buffet auf, das Schiff (zwölf „Etagen“) und die Sonnendecks zu erkunden. Innen entdeckten wir zusätzlich zu dem, was wir schon aus unserer Kabine heraus sehen konnten, ein großes Geschäft nur für Alkohol und Süßigkeiten (tax free), Spielhallen, eine Playstation Lounge, Karaoke-Bars, Pubs, Parfümerien, eine Sauna (die darf natürlich nicht fehlen ;-) ) und ein Schwimmbad. Draußen drehten wir einige Runden auf den Decks und genossen die untergehende Sonne. Es war einfach herrlich und so entspannend! Die See war total ruhig (was meinem Magen sehr gut tat) und die Sonne schaffte es, trotz des starken Windes Wärme zu spenden (naja, wie üblich hier geht ohne Winterjacke noch nichts). Auf dem Rückweg von Stockholm am nächsten Tag bekam ich sogar einen Sonnenbrand im Gesicht – um 19 Uhr abends!!! Da muss ich nach Schweden fahren, um einen Sonnenbrand zu bekommen!!!! :-) :-) :-) In Finnland ist kaum Sonne bzw. Wärme und ich fahre einmal nach Schweden und bekomme einen Sonnenbrand! Ich musste echt über mich selbst lachen. An Sonnencreme habe ich bei den bisherigen Temperaturen hier (max. 15 °C, dies ist aber eine totale Ausnahme) natürlich nicht gedacht.
Um Mitternacht schauten wir uns eine wunderbare und geniale Tanz- und Singshow an! Das Ensemble und die ausgewählten Lieder waren einfach super gut! Einige Finnen schafften es sogar (mit reichlich Alkohol im Blut), mehr Emotionen als nur Klatschen zu zeigen ;-)
Die Betten waren sehr gemütlich und so hatten wir einen kurzen, aber erholsamen Schlaf. Am nächsten Morgen machten wir wieder etwas Verrücktes: wir begaben uns zum Frühstücks-Buffet für 10,50 Euro! All you can eat and drink! Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: das stärkte uns wirklich für den ganzen Tag in Stockholm und wir mussten den ganzen Tag nichts mehr essen…
Dann endlich konnten wir an Land – zum ersten Mal betrat ich schwedischen Boden! Und was erblickten meine frühlingshungrigen Augen? Bäume mit leuchtend grünen Blättern! Sattgrüne Wiesen! Ja sogar ein Baum mit rosafarbenen Blüten! Ich konnte es nicht fassen! In Stockholm war der Frühling schon eingezogen! In Helsinki warte ich bis zum heutigen Tage auf den Frühling. Keine Blätter an den Bäumen, keine Blumen, fad-grüne Wiesen und so richtig warm will es auch nicht werden….
Schon das Grün allein gab mir so viel Energie! Ich hatte den ganzen Tag die rosarote Brille auf und habe alles in einem wunderschönen Licht gesehen (es hat aber auch tatsächlich den ganzen Tag die Sonne geschienen und es war vergleichsweise warm)! Je mehr ich von Stockholm sah, desto mehr verliebte ich mich in diese Stadt! Sie hat eine tolle Atmosphäre und Ausstrahlung! Durch ihre vielen kleinen Inseln und Brücken bietet sie eine tolle Aussicht auf viel Wasser, Yachten, Schiffe, Stege, Wiesen, Hafencafés etc. und hat somit ein mediterranes Ambiente. Dieser Eindruck wird durch die zahlreichen Parks, Grünflächen sowie die Architektur der Gebäude, der Straßen und der offiziellen Plätze unterstützt. Der Jugendstil dominiert das Stadtbild in weiten Teilen. Ganz besonders die Altstadt (Gamla Stan) ist einen Spaziergang wert. Dort herrscht eine ausgelassene Stimmung, die Menschen sind freundlich, fröhlich und entspannt und man fühlt sich richtig wohl! Auf original schwedisches Eis sollte man hier auf keinen Fall verzichten ;-) Auch die Postkarten sind wunderschön! Doch Vorsicht bei den Briefmarken: eine kostet 1,20 Euro!!! Noch eine Kleinigkeit: es gibt kaum öffentliche Toiletten und viele Cafés sind so klein, dass es dort auch keine Kunden-WC gibt…
Ein besonderes Highlight für Henna und mich war der Besuch von Junibacken. Das ist ein Kindermuseum, in dem man insbesondere Astrid Lindgrens Figuren und Geschichten auf spezielle Weise näher kommen kann. Dort wurden Kindheitserinnerungen wach! Sogar Villa Kunterbunt konnte erkundet werden. Wir hatten sogar das Glück, einer Pippi Langstrumpf – Vorstellung beizuwohnen! Was für ein Spaß! Die Kinder dort haben Pippi geliebt und auch ich habe das Stück trotz der schwedischen Sprache verstanden! Pippi ist einfach die Beste und Stärkste ;-) Auffällig war in diesem Zusammenhang der kulturelle Unterschied zwischen finnischen und schwedischen Kindern: die schwedischen Kinder haben mit Pippi gesungen, ihr auf ihre Fragen geantwortet, mit den Piraten gesprochen, geklatscht etc. So eine Offenheit und Fröhlichkeit habe ich in den zwei Monate in Finnland nicht erlebt…
Leider war dann die Zeit auch schon wieder vorbei :-( Wir mussten zurück an Bord der Silja Line. Es fiel uns allen schwer, Stockholm zu verlassen. Aber ich komme definitiv zurück!!!
Abends haben wir wieder eine tolle Show gesehen und sind danach total erschöpft ins Bett gefallen! Ich habe geschlafen wie ein Stein, auch wenn der Wind in dieser Nacht etwas stärker war und das Boot etwas mehr schwankte…Doch auf der achten Etage war davon nicht viel zu merken – glücklicherweise ;-)
Am nächsten Tag um 10 Uhr morgens betraten wir wieder finnischen Boden, doch das Abenteuer des Trios Henna, Jari und Liz war noch nicht zu Ende: es folgte der 1. Mai in Helsinki – das muss man erlebt haben… Mehr dazu im nächsten Beitrag meines Blogs!
In der Bildergalerie sind einige Eindrücke zu finden, doch nichts wirkt wie das Original…
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| Stockholm am 30. April 2009 |
Also besser: Auf nach Stockholm!
Freitag, 1. Mai 2009
Danke, Laajavuori-Schule :-)
Wie die Zeit vergeht...
Am 29. April war mein letzter Tag an der Laajavuori-Schule. Ich kann nicht glauben, dass zwei Monate so schnell vergangen sind!
Es war eine sehr lehrreiche Zeit für mich und in dieser habe ich sehr viele Einblicke in das finnische Schulleben gewinnen können.
Dafür bin ich sehr sehr dankbar!!!
Es war eine wichtige und richtige Entscheidung für mich, eine Auszeit zu nehmen und 2,5 Monate ins Ausland zu gehen, um neue Erfahrungen zu sammeln - schulisch, kulturell und menschlich.
Diese Schule und ihre LehrerInnen haben mir gezeigt, was alles möglich ist - in vielerlei Hinsicht. Ich nehme sehr viele Ideen (Ideale und Visionen...) mit zurück nach Deutschland und hoffe, dass ich wenigstens einige davon umsetzen kann... :-)
An dieser Stelle grüße ich alle Lehrerinnen und Lehrer der Laajavuori-Schule und bedanke mich für den schönen und herzlichen Abschied, die Geschenke und die Wünsche für meinen weiteren Lebensweg.
Ich grüße auch alle Schülerinnen und Schüler der Laajavuori-Schule und freue mich sehr über die vielen (zum Teil selbst gebastelten) Postkarten, Grüße und Wünsche. Das bedeutet mir sehr viel! Ich habe mich sehr wohl bei euch gefühlt und finde es toll, dass ich euch kennenlernen durfte.
Besonders möchte ich an dieser Stelle meiner Mentorin Sirpa danken. Sie hat mich unglaublich unterstützt und mir unzählige Möglichkeiten gegeben, mich auszuprobieren, zu entfalten und einzubringen. In allen (auch schwierigen) Situationen stand sie hinter mir, hat mir den Rücken gestärkt und sich für mich eingesetzt. Ohne sie wäre mein Praktikum und mein Aufenthalt in Finnland gar nicht möglich gewesen. Ohne sie an der Schule wäre diese Zeit bei weitem nicht so lehr- und erfahrungsreich gewesen. Danke für alles, Sirpa! Ich schätze dich, deinen Einsatz, deine Ideen und deine Energie sehr!

Alle, die möchten, können unter den Kommentaren noch eine Nachricht hinterlassen. Ich freue mich immer, von euch zu hören :-)
Alles Liebe und Gute,
Eure Liz
Am 29. April war mein letzter Tag an der Laajavuori-Schule. Ich kann nicht glauben, dass zwei Monate so schnell vergangen sind!
Es war eine sehr lehrreiche Zeit für mich und in dieser habe ich sehr viele Einblicke in das finnische Schulleben gewinnen können.
Dafür bin ich sehr sehr dankbar!!!
Es war eine wichtige und richtige Entscheidung für mich, eine Auszeit zu nehmen und 2,5 Monate ins Ausland zu gehen, um neue Erfahrungen zu sammeln - schulisch, kulturell und menschlich.
Diese Schule und ihre LehrerInnen haben mir gezeigt, was alles möglich ist - in vielerlei Hinsicht. Ich nehme sehr viele Ideen (Ideale und Visionen...) mit zurück nach Deutschland und hoffe, dass ich wenigstens einige davon umsetzen kann... :-)
An dieser Stelle grüße ich alle Lehrerinnen und Lehrer der Laajavuori-Schule und bedanke mich für den schönen und herzlichen Abschied, die Geschenke und die Wünsche für meinen weiteren Lebensweg.
Ich grüße auch alle Schülerinnen und Schüler der Laajavuori-Schule und freue mich sehr über die vielen (zum Teil selbst gebastelten) Postkarten, Grüße und Wünsche. Das bedeutet mir sehr viel! Ich habe mich sehr wohl bei euch gefühlt und finde es toll, dass ich euch kennenlernen durfte.
Besonders möchte ich an dieser Stelle meiner Mentorin Sirpa danken. Sie hat mich unglaublich unterstützt und mir unzählige Möglichkeiten gegeben, mich auszuprobieren, zu entfalten und einzubringen. In allen (auch schwierigen) Situationen stand sie hinter mir, hat mir den Rücken gestärkt und sich für mich eingesetzt. Ohne sie wäre mein Praktikum und mein Aufenthalt in Finnland gar nicht möglich gewesen. Ohne sie an der Schule wäre diese Zeit bei weitem nicht so lehr- und erfahrungsreich gewesen. Danke für alles, Sirpa! Ich schätze dich, deinen Einsatz, deine Ideen und deine Energie sehr!
Alle, die möchten, können unter den Kommentaren noch eine Nachricht hinterlassen. Ich freue mich immer, von euch zu hören :-)
Alles Liebe und Gute,
Eure Liz
Montag, 27. April 2009
Kostenlose Schulartikel - Bestellungen für das nächste Schuljahr
Kleinstarbeit für einen guten Zweck ;-)
Huch, wer ist denn da so fleißig und konzentriert bei der Arbeit?
Meine „Mentorin“ ist dieser Tage über eine seitenlange Liste mit kleinster Schrift, tabellenformartig gegliedert und mit vielen freien Feldern gebeugt, blättert parallel in einem Katalog und trägt Zahlen in die Liste ein.
Was macht sie da bloß?
Das sieht nun wirklich nicht wie Unterrichtsmaterial aus und auch nicht nach Unterrichtsvorbereitung! Was macht aber eine Lehrerin sonst in der Schule an ihrem Pult?
Hochkonzentriert blickt sie auf und lässt sich nur ungern stören…doch für mich macht sie eine Ausnahme ;-)
Die Auflösung ist: Sie macht die Lehr- und Lernmittelbestellungen für ihre kommende neue 1. Klasse im nächsten Schuljahr!!!
Aha, nun wird mir einiges klar!
Die vollen Schränke mit Heften, Stiften aller Art, Anspitzern, Linealen, Scheren, Klebestiften, Papier etc. etc. in jedem Klassenzimmer sind nicht einfach nur da (naja, das war auch ein bisschen einfach von mir gedacht…), sondern sie müssen erst in mühevoller Arbeit von dem/der zukünftigen KlassenlehrerIn bestellt werden!
Dafür muss erst geschaut werden, was noch da und brauchbar ist, dann abhängig von der Klassenstärke abgeschätzt werden, wie der Verbrauch in einem Schuljahr sein wird und dann noch einmal die Qualität der vorhandenen Produkte überprüft und verglichen werden. Daraufhin werden Katalog und eine ca. zehnseitige Liste nebeneinander gelegt und los geht’s mit der Kleinstarbeit: erst entscheidet die Lehrkraft aus einer Auswahl von ca. elf unterschiedlichen Anspitzern (als Beispiel), welchen sie nun haben möchte, dann muss sie den Namen und die Bestellnummer dieses Anspitzers in der Liste finden, danach den Preis berücksichtigen und zum Schluss die Anzahl auf drei Parallelklassen überschlagen und in die super kleingedruckte Liste eintragen. Und diese Prozedur muss für jeden einzelnen Schulartikel wiederholt werden. Die Armen…
Insgesamt ist dies eine Arbeit von ca. 5 Stunden, wenn man nicht gestört wird und alleine arbeitet. Abhängig von Klassenstufenteams kann auch in einer Gruppe gearbeitet werden. Beides hat natürlich Vor- und Nachteile.
Das Tolle an der Sache ist – wenn man von der Arbeit absieht –, dass die Kinder zu Schuljahresbeginn in die Klassenzimmer kommen und es ist für alles gesorgt! Niemand muss Hefte, Radiergummis, Bleistifte etc. kaufen! Es ist einfach alles da!
Ich finde diese Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zum 9. Schuljahr einfach klasse!
Es kann in finnischen Klassenzimmer nicht heißen (so wie ich es in einigen meiner Klasse des Öfteren gehört habe): „Ich habe kein Blatt!“; „Ich habe nix zu schreiben!“; „Kann mir mal jemand ein Blatt und einen Stift leihen?“
Kein Kind und kein/e Jugendliche/r muss sich dafür schämen und erniedrigt fühlen, dass die Eltern kein Geld für Schulmaterial haben (oder ausgeben möchten), ob es sich nun um einen Stift oder um ein Arbeitsbuch handelt. Hier in Finnland ist es selbstverständlich, dass die Schule (bzw. die Kommune dahinter) für jegliche Schulbücher und jegliches Schulmaterial sorgt!!!
Liebe Kollegin, dafür lohnt sich die Arbeit! Ich würde solche Listen auch gern ausfüllen, wenn die Politik nur das Geld für das Material zur Verfügung stellen würde…
Huch, wer ist denn da so fleißig und konzentriert bei der Arbeit?
Meine „Mentorin“ ist dieser Tage über eine seitenlange Liste mit kleinster Schrift, tabellenformartig gegliedert und mit vielen freien Feldern gebeugt, blättert parallel in einem Katalog und trägt Zahlen in die Liste ein.
Was macht sie da bloß?
Das sieht nun wirklich nicht wie Unterrichtsmaterial aus und auch nicht nach Unterrichtsvorbereitung! Was macht aber eine Lehrerin sonst in der Schule an ihrem Pult?
Hochkonzentriert blickt sie auf und lässt sich nur ungern stören…doch für mich macht sie eine Ausnahme ;-)
Die Auflösung ist: Sie macht die Lehr- und Lernmittelbestellungen für ihre kommende neue 1. Klasse im nächsten Schuljahr!!!
Aha, nun wird mir einiges klar!
Die vollen Schränke mit Heften, Stiften aller Art, Anspitzern, Linealen, Scheren, Klebestiften, Papier etc. etc. in jedem Klassenzimmer sind nicht einfach nur da (naja, das war auch ein bisschen einfach von mir gedacht…), sondern sie müssen erst in mühevoller Arbeit von dem/der zukünftigen KlassenlehrerIn bestellt werden!
Dafür muss erst geschaut werden, was noch da und brauchbar ist, dann abhängig von der Klassenstärke abgeschätzt werden, wie der Verbrauch in einem Schuljahr sein wird und dann noch einmal die Qualität der vorhandenen Produkte überprüft und verglichen werden. Daraufhin werden Katalog und eine ca. zehnseitige Liste nebeneinander gelegt und los geht’s mit der Kleinstarbeit: erst entscheidet die Lehrkraft aus einer Auswahl von ca. elf unterschiedlichen Anspitzern (als Beispiel), welchen sie nun haben möchte, dann muss sie den Namen und die Bestellnummer dieses Anspitzers in der Liste finden, danach den Preis berücksichtigen und zum Schluss die Anzahl auf drei Parallelklassen überschlagen und in die super kleingedruckte Liste eintragen. Und diese Prozedur muss für jeden einzelnen Schulartikel wiederholt werden. Die Armen…
Insgesamt ist dies eine Arbeit von ca. 5 Stunden, wenn man nicht gestört wird und alleine arbeitet. Abhängig von Klassenstufenteams kann auch in einer Gruppe gearbeitet werden. Beides hat natürlich Vor- und Nachteile.
Das Tolle an der Sache ist – wenn man von der Arbeit absieht –, dass die Kinder zu Schuljahresbeginn in die Klassenzimmer kommen und es ist für alles gesorgt! Niemand muss Hefte, Radiergummis, Bleistifte etc. kaufen! Es ist einfach alles da!
Ich finde diese Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zum 9. Schuljahr einfach klasse!
Es kann in finnischen Klassenzimmer nicht heißen (so wie ich es in einigen meiner Klasse des Öfteren gehört habe): „Ich habe kein Blatt!“; „Ich habe nix zu schreiben!“; „Kann mir mal jemand ein Blatt und einen Stift leihen?“
Kein Kind und kein/e Jugendliche/r muss sich dafür schämen und erniedrigt fühlen, dass die Eltern kein Geld für Schulmaterial haben (oder ausgeben möchten), ob es sich nun um einen Stift oder um ein Arbeitsbuch handelt. Hier in Finnland ist es selbstverständlich, dass die Schule (bzw. die Kommune dahinter) für jegliche Schulbücher und jegliches Schulmaterial sorgt!!!
Liebe Kollegin, dafür lohnt sich die Arbeit! Ich würde solche Listen auch gern ausfüllen, wenn die Politik nur das Geld für das Material zur Verfügung stellen würde…
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| Bestellungen für das nächste Jahr |
Sonntag, 26. April 2009
Einblicke in eine finnische Mittelstufe (Klassen 7-9)
Durch die Pubertät muss wohl jede/r durch…
Bisher waren meine Beobachtungen, dass die finnischen GrundschülerInnen (Klassen 1-6) und die finnischen OberstufenschülerInnen (nach der 9. Klasse) mentalitätsbedingt nicht mit unseren zu vergleichen sind und eine große Schüchternheit sowie einen hohen Eifer, zu lernen, an den Tag legen. Am 22. April 2009 habe ich es dann endlich geschafft, die Martinlaakson koulu zu besuchen, die die Schuljahre 7-9 umfasst. Dort habe ich den Gegenbeweis zu dieser Hypothese gefunden und es bot sich mir ein bekannteres Bild: die Jugendlichen in dem Alter 14 – 16 sind unseren doch sehr ähnlich! Der Phase der Identitäts- und Selbstfindung und der Einstellung „Hauptsache dagegen“ kann wohl niemand entkommen.
Konkret hieß das, dass der Unterricht nicht so leise und ungestört durchgeführt werden konnte, wie in den niedrigeren Klassen der Gesamtschule (bis Klasse 6) oder der gymnasialen Oberstufe. Es war bei den Jugendlichen in den Jahrgängen 7-9 diese „Null-Bock-Stimmung“ zu spüren, wie es auch bei uns in Deutschland (zumindest war das meine Erfahrung in den Haupt- und Realschulen) der Fall ist. Andere Dinge wie Kleidung, Styling, Handys, Musik, Coolness, Provokation, Austausch mit Gleichaltrigen auch während der Stunden etc. sind eben in dieser Lebensphase viel wichtiger als Schule, LehrerInnen, Noten und Bildung. Dennoch muss ich sagen, dass die Unterrichtsstörungen nicht so enorm waren, wie ich sie in meinem Unterricht teilweise erlebt habe. So fanden einige Privatgespräche in den hinteren Reihen statt, die zeitweise auch etwas lauter wurden, aber der Unterricht konnte trotzdem weitergeführt werden und beeinträchtigte nicht die, die lernen wollten. Die Einstellung der meisten LehrerInnen an der Schule war (so wie ich das beobachtet habe), die Jugendlichen in Ruhe zu lassen (solange die Nebengespräche nicht zu laut wurden). Es wurde sich also auf diejenigen konzentriert, die etwas lernen wollten. Jene Jugendlichen haben dann auch die Aufgaben, die an sie herangetragen wurden, immer sofort begonnen und gewissenhaft erledigt, ohne sich zu beschweren. Ich hatte den Eindruck, dass es den SchülerInnen praktisch frei gestellt wurde, ob sie mitarbeiten wollten.
Dieses Prinzip der Freiheit und des Ignorierens wurde auch auf die (wenigen) sehr schwierigen Fälle angewandt. Ein Schüler bspw. konnte weitestgehend machen, was er wollte (natürlich nur bis zu einem gewissen Grad) und die Lehrkräfte haben ihn gewähren lassen. Er hat nicht am Unterricht teilgenommen (physisch war er schon anwesend) und Privatgespräche mit seinen unmittelbaren NachbarInnen geführt. Es war jedoch erstaunlich, dass jene nach einer gewissen Zeit eigenständig zu ihren Aufgaben zurückfanden und ihn so auch mitzogen. Zu keiner Zeit während dieses Schultages haben die Nebengespräche oder andere (störende) Verhaltensweisen der SchülerInnen Überhand genommen und das Unterrichten negativ beeinflusst.
Ein Grund für das zurückhaltende Verhalten der Lehrkräfte und ihre Einstellung „die SchülerInnen gewähren lassen“ könnte einerseits das Verständnis für und die Akzeptanz gegenüber der schwierigen Phase, in welcher sich die Jugendlichen befinden, sein. Andererseits könnte es sein, dass die LehrerInnen die Verantwortung für das erfolgreiche Lernen in die Hände der SchülerInnen selbst legen, die ihr Können in einer Vielzahl von Prüfungen unter Beweis stellen müssen. Denn auch in der Mittelstufe ist das Schuljahr so ähnlich aufgebaut wie in der gymnasialen Oberstufe: Das Schuljahr besteht aus vier Epochen und eine Epoche aus ca. acht Wochen. Während einer Epoche belegen die SchülerInnen ca. sechs Pflichtkurse (je 4 Wochenstunden) und wählen sich in zwei bis drei wahlfreie Kurse sowie Sport ein, die weniger Wochenstunden umfassen. Am Ende einer Epoche erfolgt eine Testwoche, in welcher die SchülerInnen dann ca. sechs bis acht Prüfungen (meistens schriftlich) ablegen müssen. Wenn sie eine Prüfung nicht bestehen, müssen sie in eine Nachprüfung oder den Kurs wiederholen. Hier liegt es also ganz im Interesse der Jugendlichen selbst, während des Kurses mitzuarbeiten, um die Prüfung zu bestehen. Eine Deutschlehrerin meinte, diese Testwochen seien eine große psychische Belastung für die Jugendlichen und sehr stressig für alle Beteiligten.
In Bezug auf den Unterricht kam immer wieder zum Ausdruck, wie groß der Druck vom Lehrplan ist. In den acht Wochen muss (oder sollte) ein ganzes Kursbuch (Textbuch und Schülerarbeitsbuch) durchgearbeitet und am Ende abgeprüft werden. Das hieß in der Konsequenz, dass auch an dieser Schule das Niveau und das Tempo sehr hoch waren. Überwiegend wurde dementsprechend lehrerzentriert und lehrwerksorientiert unterrichtet. (Dies ist natürlich nur der Eindruck eines Tages. Im Englischunterricht habe ich z.B. eine tolle Gruppenarbeit gesehen, in welcher die Jugendlichen ein Werbeposter für einen Stadtteil Helsinkis oder Vantaas erstellt haben. Dabei waren sie sehr kreativ und motiviert, obwohl die Verhältnisse im PC-Raum sehr beengt waren und sie zudem zu dritt an einem PC saßen! Die Disziplin war enorm hoch und die Ergebnisse toll!) Den SchülerInnen war es – wie bereits oben erwähnt – selbst überlassen, ob sie mitarbeiteten oder nicht. Diejenigen, die Ambitionen haben, auf die gymnasiale Oberstufe zu wechseln und Abitur zu machen, haben den Ehrgeiz, gewissenhaft zu arbeiten. Diese Einstellung kommt bei einigen früher, bei einigen später. Schließlich gehen 50-60% eines Jahrgangs nach der 9. Klasse auf die gymnasiale Oberstufe.
Weitere Informationen zur Struktur der Schule:
• Die ca. 400 SchülerInnen sind in einer großen Schule mit drei Stockwerken untergebracht. Die Flure sind mit vielen Schülerarbeiten, Postern und Gruppenarbeitsplakaten gestaltet. Über dem Treppenhaus hängt ein riesiges Plakat (von Schülern gemalt), welches die Tage bis zum Beginn der Sommerferien runterzählt. Im obersten Stockwerk befinden sich die Verwaltungsräume sowie ein großes, geräumiges und gemütlich eingerichtetes Lehrerzimmer (mit Sofas, kleiner Küche und PCs), das sich praktisch über die ganze Etage erstreckt.
• Der Aufbau eines Schultages ist ebenfalls sehr ansprechend für mich und bringt Ruhe und Entspannung in den Tag: Unterrichtsbeginn ist um 8 Uhr. Eine Unterrichtsstunde umfasst 45 Minuten. Nach jeder Unterrichtsstunde gibt es 15 Minuten Pause! Von 11.45 – 12.15 Uhr ist Mittagspause, in der die ganze Schulgemeinschaft zum Mittagessen in die Mensa geht. Ab da geht der Rhythmus von 45 Minuten Unterricht und 15 Minuten Pause weiter, bis der Schultag um 16 Uhr endet.
• Ab der 7. Klasse gibt es nicht mehr das Klassenlehrerprinzip. Die SchülerInnen werden nur von FachlehrerInnen unterrichtet. Es wird kaum fachfremd unterrichtet (und wenn doch, dann nur in dem Bereich der eigenen Fächer, z.B. Physik, wenn man Biologie und Chemie studiert hat).
• Die SchülerInnen werden in den Pflichtfächern im Klassenverband unterrichtet, darüber hinaus wählen sie sich in angebotene wahlfreie Kurse und sind mit anderen SchülerInnen eines Jahrgangs im Kurs.
• Jeder Klasse wird ein/e BetreuerIn zugeordnet, die eine/n KlassenlehrerIn ersetzt. Sie übernimmt die organisatorischen Aufgaben für diese Klasse. Jeden Mittwoch von 12.15 – 12.30 Uhr finden Treffen zwischen BetreuerIn und Klasse statt und es werden Informationen weitergegeben bzw. Absprachen getroffen oder aktuelle Dinge besprochen.
• Bei großen Schwierigkeiten einer/eines Jugendlichen wird im Team gearbeitet: Eltern, SchulpsychologIn, Lehrkräfte, Sonder- oder SozialpädagogIn und die/der betroffene Jugendliche arbeiten gemeinsam an der Lösung des Problems.
Es war eine tolle Erfahrung für mich, die Mittelstufe besuchen und viele Parallelen zu deutschen SchülerInnen in diesem Alter ziehen zu können!
Des Weiteren hat es mir großen Spaß gemacht, zwei Deutschstunden in zwei unterschiedlichen 8. Jahrgangsstufen zu unterrichten. Dafür habe ich das Thema „Liebe“ gewählt und zwei deutsche Liebeslieder thematisiert. Das sprach die Jugendlichen größtenteils an! Obwohl ich beide Lerngruppen vorher noch nie gesehen habe und auch die SchülerInnen mich vorher noch nie gesehen haben, haben sie mir (von der Lehrkraft angeleitet) vorbereitete Fragen gestellt und wir kamen ins Gespräch. Die Lernenden konnten sehr gut Deutsch verstehen! Es fiel ihnen jedoch sehr schwer, sich auszudrücken. Die Vermutung liegt nahe, dass es an ihrer Angst lag, Fehler zu machen, sowie an ihrer Schüchternheit gegenüber neuen Personen (beides kulturbedingt), nicht aber an ihrem eigentlichen Vermögen, auf Deutsch zu sprechen.
Ich hoffe, in den verbleibenden zwei Schulwochen noch mehr Einblicke in die Mittelstufe bekommen zu können!
Bisher waren meine Beobachtungen, dass die finnischen GrundschülerInnen (Klassen 1-6) und die finnischen OberstufenschülerInnen (nach der 9. Klasse) mentalitätsbedingt nicht mit unseren zu vergleichen sind und eine große Schüchternheit sowie einen hohen Eifer, zu lernen, an den Tag legen. Am 22. April 2009 habe ich es dann endlich geschafft, die Martinlaakson koulu zu besuchen, die die Schuljahre 7-9 umfasst. Dort habe ich den Gegenbeweis zu dieser Hypothese gefunden und es bot sich mir ein bekannteres Bild: die Jugendlichen in dem Alter 14 – 16 sind unseren doch sehr ähnlich! Der Phase der Identitäts- und Selbstfindung und der Einstellung „Hauptsache dagegen“ kann wohl niemand entkommen.
Konkret hieß das, dass der Unterricht nicht so leise und ungestört durchgeführt werden konnte, wie in den niedrigeren Klassen der Gesamtschule (bis Klasse 6) oder der gymnasialen Oberstufe. Es war bei den Jugendlichen in den Jahrgängen 7-9 diese „Null-Bock-Stimmung“ zu spüren, wie es auch bei uns in Deutschland (zumindest war das meine Erfahrung in den Haupt- und Realschulen) der Fall ist. Andere Dinge wie Kleidung, Styling, Handys, Musik, Coolness, Provokation, Austausch mit Gleichaltrigen auch während der Stunden etc. sind eben in dieser Lebensphase viel wichtiger als Schule, LehrerInnen, Noten und Bildung. Dennoch muss ich sagen, dass die Unterrichtsstörungen nicht so enorm waren, wie ich sie in meinem Unterricht teilweise erlebt habe. So fanden einige Privatgespräche in den hinteren Reihen statt, die zeitweise auch etwas lauter wurden, aber der Unterricht konnte trotzdem weitergeführt werden und beeinträchtigte nicht die, die lernen wollten. Die Einstellung der meisten LehrerInnen an der Schule war (so wie ich das beobachtet habe), die Jugendlichen in Ruhe zu lassen (solange die Nebengespräche nicht zu laut wurden). Es wurde sich also auf diejenigen konzentriert, die etwas lernen wollten. Jene Jugendlichen haben dann auch die Aufgaben, die an sie herangetragen wurden, immer sofort begonnen und gewissenhaft erledigt, ohne sich zu beschweren. Ich hatte den Eindruck, dass es den SchülerInnen praktisch frei gestellt wurde, ob sie mitarbeiten wollten.
Dieses Prinzip der Freiheit und des Ignorierens wurde auch auf die (wenigen) sehr schwierigen Fälle angewandt. Ein Schüler bspw. konnte weitestgehend machen, was er wollte (natürlich nur bis zu einem gewissen Grad) und die Lehrkräfte haben ihn gewähren lassen. Er hat nicht am Unterricht teilgenommen (physisch war er schon anwesend) und Privatgespräche mit seinen unmittelbaren NachbarInnen geführt. Es war jedoch erstaunlich, dass jene nach einer gewissen Zeit eigenständig zu ihren Aufgaben zurückfanden und ihn so auch mitzogen. Zu keiner Zeit während dieses Schultages haben die Nebengespräche oder andere (störende) Verhaltensweisen der SchülerInnen Überhand genommen und das Unterrichten negativ beeinflusst.
Ein Grund für das zurückhaltende Verhalten der Lehrkräfte und ihre Einstellung „die SchülerInnen gewähren lassen“ könnte einerseits das Verständnis für und die Akzeptanz gegenüber der schwierigen Phase, in welcher sich die Jugendlichen befinden, sein. Andererseits könnte es sein, dass die LehrerInnen die Verantwortung für das erfolgreiche Lernen in die Hände der SchülerInnen selbst legen, die ihr Können in einer Vielzahl von Prüfungen unter Beweis stellen müssen. Denn auch in der Mittelstufe ist das Schuljahr so ähnlich aufgebaut wie in der gymnasialen Oberstufe: Das Schuljahr besteht aus vier Epochen und eine Epoche aus ca. acht Wochen. Während einer Epoche belegen die SchülerInnen ca. sechs Pflichtkurse (je 4 Wochenstunden) und wählen sich in zwei bis drei wahlfreie Kurse sowie Sport ein, die weniger Wochenstunden umfassen. Am Ende einer Epoche erfolgt eine Testwoche, in welcher die SchülerInnen dann ca. sechs bis acht Prüfungen (meistens schriftlich) ablegen müssen. Wenn sie eine Prüfung nicht bestehen, müssen sie in eine Nachprüfung oder den Kurs wiederholen. Hier liegt es also ganz im Interesse der Jugendlichen selbst, während des Kurses mitzuarbeiten, um die Prüfung zu bestehen. Eine Deutschlehrerin meinte, diese Testwochen seien eine große psychische Belastung für die Jugendlichen und sehr stressig für alle Beteiligten.
In Bezug auf den Unterricht kam immer wieder zum Ausdruck, wie groß der Druck vom Lehrplan ist. In den acht Wochen muss (oder sollte) ein ganzes Kursbuch (Textbuch und Schülerarbeitsbuch) durchgearbeitet und am Ende abgeprüft werden. Das hieß in der Konsequenz, dass auch an dieser Schule das Niveau und das Tempo sehr hoch waren. Überwiegend wurde dementsprechend lehrerzentriert und lehrwerksorientiert unterrichtet. (Dies ist natürlich nur der Eindruck eines Tages. Im Englischunterricht habe ich z.B. eine tolle Gruppenarbeit gesehen, in welcher die Jugendlichen ein Werbeposter für einen Stadtteil Helsinkis oder Vantaas erstellt haben. Dabei waren sie sehr kreativ und motiviert, obwohl die Verhältnisse im PC-Raum sehr beengt waren und sie zudem zu dritt an einem PC saßen! Die Disziplin war enorm hoch und die Ergebnisse toll!) Den SchülerInnen war es – wie bereits oben erwähnt – selbst überlassen, ob sie mitarbeiteten oder nicht. Diejenigen, die Ambitionen haben, auf die gymnasiale Oberstufe zu wechseln und Abitur zu machen, haben den Ehrgeiz, gewissenhaft zu arbeiten. Diese Einstellung kommt bei einigen früher, bei einigen später. Schließlich gehen 50-60% eines Jahrgangs nach der 9. Klasse auf die gymnasiale Oberstufe.
Weitere Informationen zur Struktur der Schule:
• Die ca. 400 SchülerInnen sind in einer großen Schule mit drei Stockwerken untergebracht. Die Flure sind mit vielen Schülerarbeiten, Postern und Gruppenarbeitsplakaten gestaltet. Über dem Treppenhaus hängt ein riesiges Plakat (von Schülern gemalt), welches die Tage bis zum Beginn der Sommerferien runterzählt. Im obersten Stockwerk befinden sich die Verwaltungsräume sowie ein großes, geräumiges und gemütlich eingerichtetes Lehrerzimmer (mit Sofas, kleiner Küche und PCs), das sich praktisch über die ganze Etage erstreckt.
• Der Aufbau eines Schultages ist ebenfalls sehr ansprechend für mich und bringt Ruhe und Entspannung in den Tag: Unterrichtsbeginn ist um 8 Uhr. Eine Unterrichtsstunde umfasst 45 Minuten. Nach jeder Unterrichtsstunde gibt es 15 Minuten Pause! Von 11.45 – 12.15 Uhr ist Mittagspause, in der die ganze Schulgemeinschaft zum Mittagessen in die Mensa geht. Ab da geht der Rhythmus von 45 Minuten Unterricht und 15 Minuten Pause weiter, bis der Schultag um 16 Uhr endet.
• Ab der 7. Klasse gibt es nicht mehr das Klassenlehrerprinzip. Die SchülerInnen werden nur von FachlehrerInnen unterrichtet. Es wird kaum fachfremd unterrichtet (und wenn doch, dann nur in dem Bereich der eigenen Fächer, z.B. Physik, wenn man Biologie und Chemie studiert hat).
• Die SchülerInnen werden in den Pflichtfächern im Klassenverband unterrichtet, darüber hinaus wählen sie sich in angebotene wahlfreie Kurse und sind mit anderen SchülerInnen eines Jahrgangs im Kurs.
• Jeder Klasse wird ein/e BetreuerIn zugeordnet, die eine/n KlassenlehrerIn ersetzt. Sie übernimmt die organisatorischen Aufgaben für diese Klasse. Jeden Mittwoch von 12.15 – 12.30 Uhr finden Treffen zwischen BetreuerIn und Klasse statt und es werden Informationen weitergegeben bzw. Absprachen getroffen oder aktuelle Dinge besprochen.
• Bei großen Schwierigkeiten einer/eines Jugendlichen wird im Team gearbeitet: Eltern, SchulpsychologIn, Lehrkräfte, Sonder- oder SozialpädagogIn und die/der betroffene Jugendliche arbeiten gemeinsam an der Lösung des Problems.
Es war eine tolle Erfahrung für mich, die Mittelstufe besuchen und viele Parallelen zu deutschen SchülerInnen in diesem Alter ziehen zu können!
Des Weiteren hat es mir großen Spaß gemacht, zwei Deutschstunden in zwei unterschiedlichen 8. Jahrgangsstufen zu unterrichten. Dafür habe ich das Thema „Liebe“ gewählt und zwei deutsche Liebeslieder thematisiert. Das sprach die Jugendlichen größtenteils an! Obwohl ich beide Lerngruppen vorher noch nie gesehen habe und auch die SchülerInnen mich vorher noch nie gesehen haben, haben sie mir (von der Lehrkraft angeleitet) vorbereitete Fragen gestellt und wir kamen ins Gespräch. Die Lernenden konnten sehr gut Deutsch verstehen! Es fiel ihnen jedoch sehr schwer, sich auszudrücken. Die Vermutung liegt nahe, dass es an ihrer Angst lag, Fehler zu machen, sowie an ihrer Schüchternheit gegenüber neuen Personen (beides kulturbedingt), nicht aber an ihrem eigentlichen Vermögen, auf Deutsch zu sprechen.
Ich hoffe, in den verbleibenden zwei Schulwochen noch mehr Einblicke in die Mittelstufe bekommen zu können!
Besonderheiten an der Laajavuori-Schule
Zweimal im Jahr gibt es große Tests für die SchülerInnen:
1. Zu Beginn des Schuljahres müssen alle Kinder an einem Mathetest teilnehmen. Dieser wird vom Schulamt konzipiert und ist für alle Schulen in Vantaa für den jeweiligen Jahrgang gleich. Der Test ist angelehnt an den Lehrplan des jeweils vorherigen Schuljahrgangs. Der Test möchte den Wissensstand, wie er nach einem Schuljahr sein sollte, überprüfen. Das Ergebnis ist in zweifacher Hinsicht interessant: Zum einen zeigt es, welche Kinder zusätzliche Hilfe und Unterstützung brauchen. Das ist relevant für die Lehrkräfte. Zum anderen liefert es dem Schulamt Einblicke in die jeweiligen Schulen und wie viele Gelder diese für die Einzelförderung der SchülerInnen brauchen. Abhängig vom dem Förderbedarf kann dann eine Schule einmal wöchentlich Extraförderung anbieten. Dafür bekommt die Lehrkraft 25 Euro pro 45 Minuten.
2. Einmal im Jahr nehmen die SchülerInnen verpflichtend an einem Test zum Leseverstehen teil. Dieser wurde von der Universität Turku entwickelt und von der Laajavuori-Schule gekauft. Die Tests werden von der Universität ausgewertet. Die Ergebnisse sind besonders für die Schule aufschlussreich, da die SchülerInnen in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden: sehr gut; Durchschnitt (gut); Förderbedarf. Abhängig von der Zuordnung in eine Gruppe erhalten die SchülerInnen aus der letzten Gruppe Förderung im Leseverstehen durch die Sonderpädagogin bzw. die Finnischlehrerin. Es bekommen dementsprechend besonders die Migrantenkinder eine Unterstützung – abhängig von ihrem Abschneiden im Leseverstehen im Vergleich zu allen Kindern.
Die Schule legt großen Wert auf die Elternarbeit. Mindestens dreimal im Schuljahr werden die Eltern zu Gesprächen oder Treffen in die Schule eingeladen. Alles, was darüber hinaus geht, liegt im Einsatz und in den Möglichkeiten der einzelnen Lehrkraft:
1. Zu Beginn des Schuljahres gibt es einen großen Elternabend. Alle Eltern werden zunächst gemeinsam in der Sporthalle von der Schulleitung begrüßt. Bereits da werden die Ziele der Schule transparent gemacht sowie die Aufgaben der Eltern verdeutlicht. In der zweiten Phase des Elternabends werden die Eltern auf die KlassenlehrerInnen ihrer Kinder aufgeteilt. In den jeweiligen Klassenräumen wird dann nochmals über die Rechte und Pflichten der Kinder, Eltern und der Schule gesprochen; es wird erklärt, was das Kind unter welchen Bedingungen lernen kann; die individuellen Zielsetzungen und Schwerpunkte der jeweiligen KlassenlehrerInnen werden erläutert. Feedback und Evaluation von und durch die Eltern sind jederzeit im Laufe des Schuljahres erwünscht und erfordert.
2. Vor Weihnachten werden die Eltern von den KlassenlehrerInnen zu einem Weihnachtsbasteln eingeladen.
3. Im Februar finden obligatorische Treffen zu einer „Halbzeit-Evaluation“ mit Kind, Eltern und Lehrkraft statt. Die Lehrkraft hat mehrere Tage Zeit dafür, sich abends mit allen SchülerInnen ihrer Klasse und deren Eltern einzeln zu treffen. Dabei wird besprochen, wo das Kind momentan steht, wie es sich im Laufe des 1. Halbjahres entwickelt hat, wie es sich im 2. Halbjahr verbessern bzw. weiterentwickeln kann und was von zu Hause und von der Schule aus unterstützend dafür getan werden kann.
4. Weitere Treffen sind freiwillig und liegen im Ermessen der Lehrkraft.
Darüber hinaus kommunizieren Lehrkräfte und Eltern (besonders in den ersten Schuljahren) über spezielle Hefte. Dort gibt die Lehrperson regelmäßig Rückmeldung über die Entwicklung und das Verhalten des Kindes (1-5 mal in der Woche). Die Eltern nehmen das mit einer Unterschrift zur Kenntnis und können selbst auch Fragen oder Kommentare hinein schreiben. Mit Hilfe dieser Hefte haben demnach alle Beteiligten immer einen Überblick über den Stand des Kindes (sowohl kognitiv als auch sozial). Bei Problemen werden Eltern mittels des Heftes zu einem Elterngespräch in die Schule eingeladen.
1. Zu Beginn des Schuljahres müssen alle Kinder an einem Mathetest teilnehmen. Dieser wird vom Schulamt konzipiert und ist für alle Schulen in Vantaa für den jeweiligen Jahrgang gleich. Der Test ist angelehnt an den Lehrplan des jeweils vorherigen Schuljahrgangs. Der Test möchte den Wissensstand, wie er nach einem Schuljahr sein sollte, überprüfen. Das Ergebnis ist in zweifacher Hinsicht interessant: Zum einen zeigt es, welche Kinder zusätzliche Hilfe und Unterstützung brauchen. Das ist relevant für die Lehrkräfte. Zum anderen liefert es dem Schulamt Einblicke in die jeweiligen Schulen und wie viele Gelder diese für die Einzelförderung der SchülerInnen brauchen. Abhängig vom dem Förderbedarf kann dann eine Schule einmal wöchentlich Extraförderung anbieten. Dafür bekommt die Lehrkraft 25 Euro pro 45 Minuten.
2. Einmal im Jahr nehmen die SchülerInnen verpflichtend an einem Test zum Leseverstehen teil. Dieser wurde von der Universität Turku entwickelt und von der Laajavuori-Schule gekauft. Die Tests werden von der Universität ausgewertet. Die Ergebnisse sind besonders für die Schule aufschlussreich, da die SchülerInnen in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden: sehr gut; Durchschnitt (gut); Förderbedarf. Abhängig von der Zuordnung in eine Gruppe erhalten die SchülerInnen aus der letzten Gruppe Förderung im Leseverstehen durch die Sonderpädagogin bzw. die Finnischlehrerin. Es bekommen dementsprechend besonders die Migrantenkinder eine Unterstützung – abhängig von ihrem Abschneiden im Leseverstehen im Vergleich zu allen Kindern.
Die Schule legt großen Wert auf die Elternarbeit. Mindestens dreimal im Schuljahr werden die Eltern zu Gesprächen oder Treffen in die Schule eingeladen. Alles, was darüber hinaus geht, liegt im Einsatz und in den Möglichkeiten der einzelnen Lehrkraft:
1. Zu Beginn des Schuljahres gibt es einen großen Elternabend. Alle Eltern werden zunächst gemeinsam in der Sporthalle von der Schulleitung begrüßt. Bereits da werden die Ziele der Schule transparent gemacht sowie die Aufgaben der Eltern verdeutlicht. In der zweiten Phase des Elternabends werden die Eltern auf die KlassenlehrerInnen ihrer Kinder aufgeteilt. In den jeweiligen Klassenräumen wird dann nochmals über die Rechte und Pflichten der Kinder, Eltern und der Schule gesprochen; es wird erklärt, was das Kind unter welchen Bedingungen lernen kann; die individuellen Zielsetzungen und Schwerpunkte der jeweiligen KlassenlehrerInnen werden erläutert. Feedback und Evaluation von und durch die Eltern sind jederzeit im Laufe des Schuljahres erwünscht und erfordert.
2. Vor Weihnachten werden die Eltern von den KlassenlehrerInnen zu einem Weihnachtsbasteln eingeladen.
3. Im Februar finden obligatorische Treffen zu einer „Halbzeit-Evaluation“ mit Kind, Eltern und Lehrkraft statt. Die Lehrkraft hat mehrere Tage Zeit dafür, sich abends mit allen SchülerInnen ihrer Klasse und deren Eltern einzeln zu treffen. Dabei wird besprochen, wo das Kind momentan steht, wie es sich im Laufe des 1. Halbjahres entwickelt hat, wie es sich im 2. Halbjahr verbessern bzw. weiterentwickeln kann und was von zu Hause und von der Schule aus unterstützend dafür getan werden kann.
4. Weitere Treffen sind freiwillig und liegen im Ermessen der Lehrkraft.
Darüber hinaus kommunizieren Lehrkräfte und Eltern (besonders in den ersten Schuljahren) über spezielle Hefte. Dort gibt die Lehrperson regelmäßig Rückmeldung über die Entwicklung und das Verhalten des Kindes (1-5 mal in der Woche). Die Eltern nehmen das mit einer Unterschrift zur Kenntnis und können selbst auch Fragen oder Kommentare hinein schreiben. Mit Hilfe dieser Hefte haben demnach alle Beteiligten immer einen Überblick über den Stand des Kindes (sowohl kognitiv als auch sozial). Bei Problemen werden Eltern mittels des Heftes zu einem Elterngespräch in die Schule eingeladen.
Besuch des Sotungin lukio in Vantaa
Es geht auch offen :-)
Endlich habe ich es geschafft, die gymnasiale Oberstufe des Sotungin lukio in Vantaa zu besuchen. Schon im Vorfeld hatte ich eine sehr nette Konversation per E-Mail mit der stellvertretenden Schulleiterin und wir einigten uns auf den 20. April 2009 für einen 1-Tages-Besuch an dieser Schule. Ich verbrachte einen ganzen Schultag von 9-15 Uhr an der Schule und dies war eine ganz fantastische Erfahrung für mich!!!
Schon beim Ankommen war ich von dem Schulgelände sehr beeindruckt! Es war sehr großflächig, weitläufig und bot viel Raum für unterschiedliche Sportplätze und sportliche Aktivitäten aller Art! Später erfuhr ich, dass die Schule u. a. einen Schwerpunkt auf Sport setzt und viele SchülerInnen schon zu der Nr. 1 in Fußball, Eishockey etc. gehören. Aber eins nach dem anderen. In der Schule selbst wurde ich sehr herzlich und freundlich von der Konrektorin empfangen – nach anfänglichen Schwierigkeiten, da ich im falschen Sekretariat saß, und zwar dem von der Mittelstufe und nicht dem von der gymnasialen Oberstufe! Die Konrektorin hatte mich schon gesucht! Das war mir sehr unangenehm, aber wir konnten direkt gemeinsam lachen! Danach stellte sie mich einigen KollegInnen vor und die Offenheit, die mir von ihnen entgegengebracht wurde – unglaublich! So etwas war ich bisher kaum gewohnt! Die Lehrkräfte waren sehr interessiert an mir (woher ich komme, was ich momentan mache, was ich über die finnischen Schulen denke und wie die Schulsituation in Deutschland aussieht) und sie sprachen fast alle spontan Deutsch! Selbst wenn sie kein Deutsch unterrichteten! Einfach toll! Ich fühlte mich auf Anhieb sehr wohl!
Daraufhin führte mich die Konrektorin durch die Schule und zeigte mir sowohl die Räumlichkeiten, die gemeinsam von der Mittelstufe und der gymnasialen Oberstufe genutzt werden, als auch die Flure, die von den älteren SchülerInnen genutzt werden. Ich spürte eine offene, entspannte und einladende Atmosphäre in der ganzen Schule! Diese wird meiner Meinung nach einerseits durch die weißen Wände, die durch Schülerarbeiten (Bilder, Skulpturen, Ausstellungen) gestaltet sind, gefördert und andererseits durch die vielen, großen Fenster, die das Licht in das Schulgebäude lassen. Im 1. Stockwerk ist eine große Mensa, die diese Woche unter dem Motto „Chinesisches Essen“ stand (wie auch die ganze Schule das Motto „China“ hatte.) (Generell ist die Internationalität ein weiterer Schwerpunkt der Schule. Sie ist an zwei Comenius-Projekten beteiligt, die vor den Sommerferien Ende Mai in einem Fest an dieser Schule münden.) Des Weiteren befindet sich dort eine große Bibliothek, die für die SchülerInnen jederzeit frei zugänglich ist, und eine Bühne für Elternabende, Auftritte etc. Im Flur des 2. Stockwerks stehen rote Sofas und Sessel, die zum Verweilen einladen. Im selben Bereich befindet sich auch ein großer PC-Raum mit vielen PCs (sowie zusätzlichen Computern im Flur), die von allen SchülerInnen zu jeder Zeit (bis 21 Uhr) ohne Aufsicht von Lehrkräften genutzt werden können. Das Internet ist ebenfalls frei zugänglich für sie. Ich finde die Idee klasse, dass den Jugendlichen so viel Vertrauen entgegengebracht wird und sie auf diese Weise Verantwortung lernen. An dieser Stelle sollte jedoch bemerkt werden, dass sich in diesem Bereich eine Kamera befindet. Sie scheint die Jugendlichen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit und in ihren Handlungen einzuschränken.
Von 9.15 – 14.55 Uhr habe ich mir insgesamt fünf unterschiedliche Klassen, Lehrkräfte und Fächer angeschaut (2x Englisch, Deutsch, Geschichte und Mathe). Alle LehrerInnen waren sofort offen und bereit, mich hospitieren zu lassen, auch wenn es im Vorfeld nicht immer abgesprochen war! Das hat mich sehr überrascht und auch gefreut! Die Konrektorin betonte immer wieder, dass die Schule Besuch gewohnt sei: aus den deutschsprachigen Ländern (allen voran Deutschland ;-) ), von (deutschen) PraktikantInnen, aber auch von anderen Lehrkräften aus der unmittelbaren Umgebung und ganz Finnland. Somit sind auch die KollegInnen der Schule Hospitationen gewohnt und die Türen sind für Gäste immer offen!
Die finnischen SchülerInnen reagierten – es war nicht anders zu erwarten – sehr zurückhaltend und hatten, nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte, keine Fragen an mich. Der Deutschlehrer nutzte die Gelegenheit, eine Muttersprachlerin im Unterricht zu haben, und ließ mich mehr über das deutsche Schulsystem im Vergleich zum finnischen erzählen. Daraufhin wagte es ein Schüler, mich zu fragen, woher ich aus Deutschland komme :-) Insgesamt sind mir hinsichtlich des Unterrichts wieder das hohe Niveau und Tempo aufgefallen, die teilweise großen Klassen bei so gut wie keinen Unterrichtsstörungen (große Disziplin), die vielen Lehrervorträge als Unterrichtsmethode und das Arbeiten mit dem Lehrwerk. In diesem Zusammenhang kam von den LehrerInnen immer wieder der hohe Druck durch die Lehrpläne zur Sprache. Schließlich stehe den SchülerInnen das Finnland weite Zentralabitur bevor.
Eine weitere Besonderheit der Schule neben den Schwerpunkten auf Sport und Internationalität war das „virtual learning“. Die Schule bietet online Kurse in Form von bestimmten Unterrichtsfächern auf der ‚Fronter’-Plattform an – sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche dieser Schule, die ihr Wissen vertiefen oder den Stoff wiederholen möchten. Diese Tatsache deutet bereits auf etwas anderes hin: die technische Ausstattung der Schule im Allgemeinen und die der einzelnen Klassenzimmer im Besonderen. Jeder Klassenraum, den ich gesehen haben, verfügte über: Laptop, Internet-Zugang, Beamer, große Projektionsflächen, Dokumenten-Kamera sowie CD/DVD-Player mit Lautsprecher-System. Die meisten Klassenzimmer hatten zudem keine Tafeln mit Kreide mehr, sondern weiße Tafeln mit speziellen Whiteboardmarkern. (Das Prinzip der Nutzung ähnelt natürlich dem der herkömmlichen Tafel, es ging jedoch schneller und war sauberer! Laut Aussage der Konrektorin hatten sich die meisten Lehrkräfte nach der Renovierung der Schule vor ca. 10 Jahren für Whiteboards entschieden.) Einige Klassenzimmer waren darüber hinaus mit einem ganzen Klassensatz kabelloser Kopfhörer ausgestattet, was besonders ein Vorteil für den Fremdsprachenunterricht ist.
Mein absolutes Highlight war jedoch das SMART Board in Action! Ich habe zwar schon viel davon gehört, es aber noch nie in der unterrichtlichen Praxis gesehen! Ich war echt total begeistert! Was für eine Erfahrung! Eine Mathelehrerin hat mich spontan in ihren Unterricht eingeladen (danke noch einmal!) und das Hauptmedium war eben das SMART Board. Sie sagte, sie wolle es nicht mehr missen und es sei Hauptbestandteil ihres Unterrichts geworden. Während einer Stillarbeitsphase der SchülerInnen ermutigte sie mich, das interaktive Whiteboard selbst einmal auszuprobieren! Natürlich verleitete es mich in diesem Moment zu allerlei Spielereien, aber ich muss sagen, es hat mich echt in seinen Bann gezogen! Das SMART Board hat unglaublich viele Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten, die im Unterricht und im Klassenzimmer genutzt werden können! Zudem gibt es einige Programme für alle Fächer mit Bildern, Vorlagen, Arbeitsblättern, Spielen etc. Nichts, das erarbeitet wird, geht verloren, da das interaktive Whiteboard mit dem PC verbunden ist und alle „Tafelbilder“ gespeichert werden können. Die Mathelehrerin machte großen Gebrauch davon und stellte alle Stundenergebnisse ins Internet auf die ‚Fronter’-Plattform, die wiederum für den Mathekurs zugänglich ist. Somit war eine Wiederholung und Nachvollziehung des Stoffes zu jeder Zeit möglich. Für mich war dies eine faszinierende Erfahrung!
Allerdings sind die Berührungsängste mit diesem Medium laut Aussage der Lehrerin auch an ihrer Schule sehr hoch und neben ihr benutzt nur Chemielehrer das SMART Board. Sie selbst ermutigt die KollegInnen immer wieder, sich an das berührungssensitive Whiteboard heranzutrauen, da die Bedienung schnell zu lernen ist, vor allem, weil sie der von normalen PC-Programmen ähnelt.
Generell sind die LehrerInnen dieser Schule jedoch sehr offen gegenüber neuen Technologien, insbesondere wenn es um neue Anwendungen im Internet oder offline-Programmen geht. Die Konrektorin sagte, dass die älteste Kollegin an der Schule die Fitteste sei! Es werden viele Kurse bzw. Fortbildungen für LehrerInnen angeboten, in welchen sie in die Nutzung der neuen Medien eingeführt und darin geschult werden. Diese Kurse werden von den Lehrkräften gerne angenommen und zahlreich besucht.
Insgesamt habe ich mich an dieser Schule sehr gut gefühlt! Es wurde sich zu jeder Zeit freundlich um mich gekümmert, auch wenn es nur ein 1-Tages-Besuch war! Ein Besuch an dieser Schule ist sehr empfehlenswert!
Endlich habe ich es geschafft, die gymnasiale Oberstufe des Sotungin lukio in Vantaa zu besuchen. Schon im Vorfeld hatte ich eine sehr nette Konversation per E-Mail mit der stellvertretenden Schulleiterin und wir einigten uns auf den 20. April 2009 für einen 1-Tages-Besuch an dieser Schule. Ich verbrachte einen ganzen Schultag von 9-15 Uhr an der Schule und dies war eine ganz fantastische Erfahrung für mich!!!
Schon beim Ankommen war ich von dem Schulgelände sehr beeindruckt! Es war sehr großflächig, weitläufig und bot viel Raum für unterschiedliche Sportplätze und sportliche Aktivitäten aller Art! Später erfuhr ich, dass die Schule u. a. einen Schwerpunkt auf Sport setzt und viele SchülerInnen schon zu der Nr. 1 in Fußball, Eishockey etc. gehören. Aber eins nach dem anderen. In der Schule selbst wurde ich sehr herzlich und freundlich von der Konrektorin empfangen – nach anfänglichen Schwierigkeiten, da ich im falschen Sekretariat saß, und zwar dem von der Mittelstufe und nicht dem von der gymnasialen Oberstufe! Die Konrektorin hatte mich schon gesucht! Das war mir sehr unangenehm, aber wir konnten direkt gemeinsam lachen! Danach stellte sie mich einigen KollegInnen vor und die Offenheit, die mir von ihnen entgegengebracht wurde – unglaublich! So etwas war ich bisher kaum gewohnt! Die Lehrkräfte waren sehr interessiert an mir (woher ich komme, was ich momentan mache, was ich über die finnischen Schulen denke und wie die Schulsituation in Deutschland aussieht) und sie sprachen fast alle spontan Deutsch! Selbst wenn sie kein Deutsch unterrichteten! Einfach toll! Ich fühlte mich auf Anhieb sehr wohl!
Daraufhin führte mich die Konrektorin durch die Schule und zeigte mir sowohl die Räumlichkeiten, die gemeinsam von der Mittelstufe und der gymnasialen Oberstufe genutzt werden, als auch die Flure, die von den älteren SchülerInnen genutzt werden. Ich spürte eine offene, entspannte und einladende Atmosphäre in der ganzen Schule! Diese wird meiner Meinung nach einerseits durch die weißen Wände, die durch Schülerarbeiten (Bilder, Skulpturen, Ausstellungen) gestaltet sind, gefördert und andererseits durch die vielen, großen Fenster, die das Licht in das Schulgebäude lassen. Im 1. Stockwerk ist eine große Mensa, die diese Woche unter dem Motto „Chinesisches Essen“ stand (wie auch die ganze Schule das Motto „China“ hatte.) (Generell ist die Internationalität ein weiterer Schwerpunkt der Schule. Sie ist an zwei Comenius-Projekten beteiligt, die vor den Sommerferien Ende Mai in einem Fest an dieser Schule münden.) Des Weiteren befindet sich dort eine große Bibliothek, die für die SchülerInnen jederzeit frei zugänglich ist, und eine Bühne für Elternabende, Auftritte etc. Im Flur des 2. Stockwerks stehen rote Sofas und Sessel, die zum Verweilen einladen. Im selben Bereich befindet sich auch ein großer PC-Raum mit vielen PCs (sowie zusätzlichen Computern im Flur), die von allen SchülerInnen zu jeder Zeit (bis 21 Uhr) ohne Aufsicht von Lehrkräften genutzt werden können. Das Internet ist ebenfalls frei zugänglich für sie. Ich finde die Idee klasse, dass den Jugendlichen so viel Vertrauen entgegengebracht wird und sie auf diese Weise Verantwortung lernen. An dieser Stelle sollte jedoch bemerkt werden, dass sich in diesem Bereich eine Kamera befindet. Sie scheint die Jugendlichen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit und in ihren Handlungen einzuschränken.
Von 9.15 – 14.55 Uhr habe ich mir insgesamt fünf unterschiedliche Klassen, Lehrkräfte und Fächer angeschaut (2x Englisch, Deutsch, Geschichte und Mathe). Alle LehrerInnen waren sofort offen und bereit, mich hospitieren zu lassen, auch wenn es im Vorfeld nicht immer abgesprochen war! Das hat mich sehr überrascht und auch gefreut! Die Konrektorin betonte immer wieder, dass die Schule Besuch gewohnt sei: aus den deutschsprachigen Ländern (allen voran Deutschland ;-) ), von (deutschen) PraktikantInnen, aber auch von anderen Lehrkräften aus der unmittelbaren Umgebung und ganz Finnland. Somit sind auch die KollegInnen der Schule Hospitationen gewohnt und die Türen sind für Gäste immer offen!
Die finnischen SchülerInnen reagierten – es war nicht anders zu erwarten – sehr zurückhaltend und hatten, nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte, keine Fragen an mich. Der Deutschlehrer nutzte die Gelegenheit, eine Muttersprachlerin im Unterricht zu haben, und ließ mich mehr über das deutsche Schulsystem im Vergleich zum finnischen erzählen. Daraufhin wagte es ein Schüler, mich zu fragen, woher ich aus Deutschland komme :-) Insgesamt sind mir hinsichtlich des Unterrichts wieder das hohe Niveau und Tempo aufgefallen, die teilweise großen Klassen bei so gut wie keinen Unterrichtsstörungen (große Disziplin), die vielen Lehrervorträge als Unterrichtsmethode und das Arbeiten mit dem Lehrwerk. In diesem Zusammenhang kam von den LehrerInnen immer wieder der hohe Druck durch die Lehrpläne zur Sprache. Schließlich stehe den SchülerInnen das Finnland weite Zentralabitur bevor.
Eine weitere Besonderheit der Schule neben den Schwerpunkten auf Sport und Internationalität war das „virtual learning“. Die Schule bietet online Kurse in Form von bestimmten Unterrichtsfächern auf der ‚Fronter’-Plattform an – sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche dieser Schule, die ihr Wissen vertiefen oder den Stoff wiederholen möchten. Diese Tatsache deutet bereits auf etwas anderes hin: die technische Ausstattung der Schule im Allgemeinen und die der einzelnen Klassenzimmer im Besonderen. Jeder Klassenraum, den ich gesehen haben, verfügte über: Laptop, Internet-Zugang, Beamer, große Projektionsflächen, Dokumenten-Kamera sowie CD/DVD-Player mit Lautsprecher-System. Die meisten Klassenzimmer hatten zudem keine Tafeln mit Kreide mehr, sondern weiße Tafeln mit speziellen Whiteboardmarkern. (Das Prinzip der Nutzung ähnelt natürlich dem der herkömmlichen Tafel, es ging jedoch schneller und war sauberer! Laut Aussage der Konrektorin hatten sich die meisten Lehrkräfte nach der Renovierung der Schule vor ca. 10 Jahren für Whiteboards entschieden.) Einige Klassenzimmer waren darüber hinaus mit einem ganzen Klassensatz kabelloser Kopfhörer ausgestattet, was besonders ein Vorteil für den Fremdsprachenunterricht ist.
Mein absolutes Highlight war jedoch das SMART Board in Action! Ich habe zwar schon viel davon gehört, es aber noch nie in der unterrichtlichen Praxis gesehen! Ich war echt total begeistert! Was für eine Erfahrung! Eine Mathelehrerin hat mich spontan in ihren Unterricht eingeladen (danke noch einmal!) und das Hauptmedium war eben das SMART Board. Sie sagte, sie wolle es nicht mehr missen und es sei Hauptbestandteil ihres Unterrichts geworden. Während einer Stillarbeitsphase der SchülerInnen ermutigte sie mich, das interaktive Whiteboard selbst einmal auszuprobieren! Natürlich verleitete es mich in diesem Moment zu allerlei Spielereien, aber ich muss sagen, es hat mich echt in seinen Bann gezogen! Das SMART Board hat unglaublich viele Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten, die im Unterricht und im Klassenzimmer genutzt werden können! Zudem gibt es einige Programme für alle Fächer mit Bildern, Vorlagen, Arbeitsblättern, Spielen etc. Nichts, das erarbeitet wird, geht verloren, da das interaktive Whiteboard mit dem PC verbunden ist und alle „Tafelbilder“ gespeichert werden können. Die Mathelehrerin machte großen Gebrauch davon und stellte alle Stundenergebnisse ins Internet auf die ‚Fronter’-Plattform, die wiederum für den Mathekurs zugänglich ist. Somit war eine Wiederholung und Nachvollziehung des Stoffes zu jeder Zeit möglich. Für mich war dies eine faszinierende Erfahrung!
Allerdings sind die Berührungsängste mit diesem Medium laut Aussage der Lehrerin auch an ihrer Schule sehr hoch und neben ihr benutzt nur Chemielehrer das SMART Board. Sie selbst ermutigt die KollegInnen immer wieder, sich an das berührungssensitive Whiteboard heranzutrauen, da die Bedienung schnell zu lernen ist, vor allem, weil sie der von normalen PC-Programmen ähnelt.
Generell sind die LehrerInnen dieser Schule jedoch sehr offen gegenüber neuen Technologien, insbesondere wenn es um neue Anwendungen im Internet oder offline-Programmen geht. Die Konrektorin sagte, dass die älteste Kollegin an der Schule die Fitteste sei! Es werden viele Kurse bzw. Fortbildungen für LehrerInnen angeboten, in welchen sie in die Nutzung der neuen Medien eingeführt und darin geschult werden. Diese Kurse werden von den Lehrkräften gerne angenommen und zahlreich besucht.
Insgesamt habe ich mich an dieser Schule sehr gut gefühlt! Es wurde sich zu jeder Zeit freundlich um mich gekümmert, auch wenn es nur ein 1-Tages-Besuch war! Ein Besuch an dieser Schule ist sehr empfehlenswert!
Sonntag, 19. April 2009
Deutsch-Projekt "Sprachstern"
Am 15. April 2009 fand an der Laajavuori-Schule ein Projekttag zur Förderung der deutschen Sprache und zur Motivation für das Deutschlernen statt. In Kooperation mit dem Goethe-Institut, der Deutschen Schule Helsinki und dem Projektleiter Jan Quilitzsch (TietoTaito Ry) sowie der Koordinatorin an unserer Schule, Sirpa Rönkä, sollte ein Projekt durchgeführt werden, das die Kinder und Jugendlichen von heute anspricht. Deshalb standen im Mittelpunkt des Projektes die neuen Medien, das Interesse der SchülerInnen an Musik und Idolen, die Initiative und Eigenaktivität der Lernenden und das Prinzip "Jüngere SchülerInnen lernen von älteren SchülerInnen", die von der Deutschen Schule Helsinki kamen. Somit war auch garantiert, dass die Sprache des Tages (hauptsächlich) Deutsch war.
Die ursprüngliche Idee des Projektleiters war, diesen Tag lediglich für die Deutschklassen 4, 5 und 6 zu veranstalten. Doch auf Initiative von der Deutschlehrerin Sirpa Rönkä konnte die ganze Schule dafür gewonnen werden, eigene Schwerpunkte an diesem Tag zu setzen, die sich alle um das Thema "Deutsch" (deutschsprachige Länder, Farben, Landeskunde, Kunst, Musik, Literatur etc.) drehten, hauptsächlich aber auf Finnisch durchgeführt wurden.
Alle Deutschlernenden haben sich hingegen in fünf Workshop-Gruppen eingewählt:
• Die Obstsalat-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und Frau Kleiser, der Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Finnland, hat sich mit einer deutschsprachigen Software beschäftigt, die Aufgaben darin bearbeitet, Stationen durchlaufen und am Ende einen Obstsalat gemacht (und gegessen :-) )
• Die Kunst-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und einem Lehrer unserer Schule hat aus recyclebarem Material das Bühnenbild gestaltet.
• Die Tanz-Gruppe unter Leitung von einem Schüler der Deutschen Schule und der Sozialpädagogin unserer Schule hat eine Choreographie einstudiert.
• Die Musik-Gruppe unter Leitung von SchülerInnen der Deutschen Schule und einer Lehrerin unserer Schule hat ein Lied eingeübt.
• Die Presse-Gruppe unter Leitung von einer Mediendesignerin, einer Lehrerin unserer Schule und mir hat den gesamten Projekttag dokumentiert.
Der gesamte Projekttag lief auf ein Ereignis zu - den Höhepunkt des ereignisreichen Tages - den Auftritt von einem Schüler der Deutschen Schule, der auch den ersten Preis bei "Jugend musiziert" gewonnen hat und vor der gesamten Schulgemeinschaft auftreten sollte. Untermalt wurde dieser Auftritt durch das Singen von deutschen und schweizerischen Kinderliedern und von einem traditionellen finnischen Lied.
Der Auftritt vom neuen Talent der Deutschen Schule (und wer weiß, vielleicht bald finnlandweit), Silvius, hat unsere SchülerInnen mit seiner deutschen Pop-Musik total mitgerissen und begeistert. Unterstützt wurde er eben durch die Musik-Gruppe, die der Background für ihn war. Zudem hat das Bühnenbild und die Choreographie der Kunst- und Tanz-Gruppe zum Erfolg des Auftrittes beigetragen.
Die Evaluationen in den Deutschklassen am nächsten Tag haben ergeben, dass die SchülerInnen den Projekttag durchgängig mit gut bis sehr gut bewertet haben, gerne noch einmal so ein Projekt durchführen würden und sich immer gut betreut gefühlt haben - selbst unter deutschsprachiger Gruppenleitung. Dies lag daran, dass die SchülerInnen die GruppenleiterInnen der Deutschen Schule zum Teil schon im Vorfeld durch Videos kennenlernten. Dort stellten diese sich vor und erzählten etwas über sich. Diese Phase stellte das Ausprobieren und Einführen neuer Unterrichtsmaterialien (vor allem in Form von neuen Medien) in den Deutschunterricht dar.
Eine Sonderrolle hat die Presse-Gruppe (Sechsklässler) eingenommen. Deren Aufgabenfeld war sehr vielfältig und enorm anspruchsvoll. So bestand das Team aus einer Interview-Gruppe (Interviews wurden von Kindern geführt und auch selbst gefilmt), Fotografen (die alle Aktivitäten in der Schule fotografiert haben), Designerinnen (die Informationen über Stationsnamen, Namen der Lehrkräfte und aller SchülerInnen eingeholt haben) und Reportern (die in jeder Klasse und jedem Workshop Notizen zu ihren Beobachtungen anfertigten - auf Deutsch!!!). So kam am Ende (leider konnte ihre Arbeit aufgrund der Vielfältigkeit erst am nächsten Tag fertig gestellt werden) eine breitgefächerte und ausführliche Dokumentation des Projekttages heraus, die einen guten Einblick in die Aktivitäten des ganzen Tages gab:
• von der Mediendesignerin wird ein professionelles Making Of - Video produziert
• von den SchülerInnen selbst gab es folgende Ergebnisse:
1. eine Videoshow (Power Point Präsentation mit selbst gefilmten Mitschnitten)
2. eine Fotoshow (Power Point Präsentation mit selbst gemachten Fotos)
3. ein Wandplakat (zwei riesige Wandposter mit allen Klassenräumen, wo Aktivitäten stattgefunden haben, gefüllt mit Fotos und Namen aller Beteiligten; Wandplakat hängt nun im Eingangsbereich der Schule)
4. ein Bericht (auf Deutsch (mit Hilfe einer Textvorlage) und auf Finnisch (selbstständig übersetzt); dieser Bericht ist im Anschluss weiter unten zu lesen)
Da ich an der Planung, Vorbereitung und Durchführung des Projekts beteiligt war, habe ich enorm viel für mich gelernt und freue mich auf weitere eigene Projekte, die ich an einer deutschen Schule durchführen kann. Der Zeitaufwand ist dabei natürlich sehr hoch. Deshalb sind Teamarbeit und Zusammenarbeit im Kollegium und mit außerschulischen Kooperationspartnern das A&O. Und wenn man will, geht alles :-)
Die ursprüngliche Idee des Projektleiters war, diesen Tag lediglich für die Deutschklassen 4, 5 und 6 zu veranstalten. Doch auf Initiative von der Deutschlehrerin Sirpa Rönkä konnte die ganze Schule dafür gewonnen werden, eigene Schwerpunkte an diesem Tag zu setzen, die sich alle um das Thema "Deutsch" (deutschsprachige Länder, Farben, Landeskunde, Kunst, Musik, Literatur etc.) drehten, hauptsächlich aber auf Finnisch durchgeführt wurden.
Alle Deutschlernenden haben sich hingegen in fünf Workshop-Gruppen eingewählt:
• Die Obstsalat-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und Frau Kleiser, der Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Finnland, hat sich mit einer deutschsprachigen Software beschäftigt, die Aufgaben darin bearbeitet, Stationen durchlaufen und am Ende einen Obstsalat gemacht (und gegessen :-) )
• Die Kunst-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und einem Lehrer unserer Schule hat aus recyclebarem Material das Bühnenbild gestaltet.
• Die Tanz-Gruppe unter Leitung von einem Schüler der Deutschen Schule und der Sozialpädagogin unserer Schule hat eine Choreographie einstudiert.
• Die Musik-Gruppe unter Leitung von SchülerInnen der Deutschen Schule und einer Lehrerin unserer Schule hat ein Lied eingeübt.
• Die Presse-Gruppe unter Leitung von einer Mediendesignerin, einer Lehrerin unserer Schule und mir hat den gesamten Projekttag dokumentiert.
Der gesamte Projekttag lief auf ein Ereignis zu - den Höhepunkt des ereignisreichen Tages - den Auftritt von einem Schüler der Deutschen Schule, der auch den ersten Preis bei "Jugend musiziert" gewonnen hat und vor der gesamten Schulgemeinschaft auftreten sollte. Untermalt wurde dieser Auftritt durch das Singen von deutschen und schweizerischen Kinderliedern und von einem traditionellen finnischen Lied.
Der Auftritt vom neuen Talent der Deutschen Schule (und wer weiß, vielleicht bald finnlandweit), Silvius, hat unsere SchülerInnen mit seiner deutschen Pop-Musik total mitgerissen und begeistert. Unterstützt wurde er eben durch die Musik-Gruppe, die der Background für ihn war. Zudem hat das Bühnenbild und die Choreographie der Kunst- und Tanz-Gruppe zum Erfolg des Auftrittes beigetragen.
Die Evaluationen in den Deutschklassen am nächsten Tag haben ergeben, dass die SchülerInnen den Projekttag durchgängig mit gut bis sehr gut bewertet haben, gerne noch einmal so ein Projekt durchführen würden und sich immer gut betreut gefühlt haben - selbst unter deutschsprachiger Gruppenleitung. Dies lag daran, dass die SchülerInnen die GruppenleiterInnen der Deutschen Schule zum Teil schon im Vorfeld durch Videos kennenlernten. Dort stellten diese sich vor und erzählten etwas über sich. Diese Phase stellte das Ausprobieren und Einführen neuer Unterrichtsmaterialien (vor allem in Form von neuen Medien) in den Deutschunterricht dar.
Eine Sonderrolle hat die Presse-Gruppe (Sechsklässler) eingenommen. Deren Aufgabenfeld war sehr vielfältig und enorm anspruchsvoll. So bestand das Team aus einer Interview-Gruppe (Interviews wurden von Kindern geführt und auch selbst gefilmt), Fotografen (die alle Aktivitäten in der Schule fotografiert haben), Designerinnen (die Informationen über Stationsnamen, Namen der Lehrkräfte und aller SchülerInnen eingeholt haben) und Reportern (die in jeder Klasse und jedem Workshop Notizen zu ihren Beobachtungen anfertigten - auf Deutsch!!!). So kam am Ende (leider konnte ihre Arbeit aufgrund der Vielfältigkeit erst am nächsten Tag fertig gestellt werden) eine breitgefächerte und ausführliche Dokumentation des Projekttages heraus, die einen guten Einblick in die Aktivitäten des ganzen Tages gab:
• von der Mediendesignerin wird ein professionelles Making Of - Video produziert
• von den SchülerInnen selbst gab es folgende Ergebnisse:
1. eine Videoshow (Power Point Präsentation mit selbst gefilmten Mitschnitten)
2. eine Fotoshow (Power Point Präsentation mit selbst gemachten Fotos)
3. ein Wandplakat (zwei riesige Wandposter mit allen Klassenräumen, wo Aktivitäten stattgefunden haben, gefüllt mit Fotos und Namen aller Beteiligten; Wandplakat hängt nun im Eingangsbereich der Schule)
4. ein Bericht (auf Deutsch (mit Hilfe einer Textvorlage) und auf Finnisch (selbstständig übersetzt); dieser Bericht ist im Anschluss weiter unten zu lesen)
Da ich an der Planung, Vorbereitung und Durchführung des Projekts beteiligt war, habe ich enorm viel für mich gelernt und freue mich auf weitere eigene Projekte, die ich an einer deutschen Schule durchführen kann. Der Zeitaufwand ist dabei natürlich sehr hoch. Deshalb sind Teamarbeit und Zusammenarbeit im Kollegium und mit außerschulischen Kooperationspartnern das A&O. Und wenn man will, geht alles :-)
Montag, 6. April 2009
Ausflüge am 31. März und 03. April 2009
Diese Woche habe ich wieder ein bisschen mehr von Finnland gesehen :-)
Am Dienstag, 31.03., unternahm ich einen Ausflug nach Turku im Südwesten Finnlands. Zwei Kolleginnen von der Martinlaakson lukio haben ihre deutsche Praktikantin zu einem Ausflug eingeladen und mich freundlicherweise mitgenommen! Dafür bin ich sehr dankbar! Mit dem Auto machten wir uns schon morgens auf den Weg. Das Wetter war auf unserer Seite: wenn auch sehr kalt, so war es doch sonnig (nach dem Schneesturm am Wochenende war das nicht unbedingt zu erwarten!). Unser 1. Halt war vor Turku an einer Glasmanufaktur. Finnland ist bekannt für seine Glasdesigns. Hinter dem Verkaufsraum waren die Glashersteller bei der Arbeit zu sehen. Ihre Fähigkeiten sind wirklich enorm!
In Turku angekommen, besuchten wir zunächst die Universität, wo auch eine der finnischen Kolleginnen studiert und gearbeitet hat. Dann machten wir einen langen Spaziergang durch Turku und besuchten vor allem den Dom und die Burg. Mit dem Auto fuhren wir dann auch noch nach Naantali, ein wunderschöner kleiner Ort, dessen Kern aus der typischen finnischen Holzhausarchitektur besteht. Dort machten wir einen ausgedehnten Spaziergang :-) Im Sommer hat dort auch der Mumin-Freizeitpark geöffnet. In Naantali befindet sich zudem die Sommer-Residenz der finnischen Präsidentin. Ihr Schloss ist mit der finnischen Fahne beflaggt, wenn sie da ist. Danach schlenderten wir noch durch die Innenstadt von Turku und schauten in einige Geschäfte rein.
Ob es sich lohnt, Turku von Helsinki aus mit dem Zug oder Bus zu besuchen, ist eher fraglich, da die Fahrkarten sehr teuer sind und man vor Ort oftmals auf ein Auto angewiesen ist, vor allem, wenn man auch nach Naantali fahren möchte. Ansonsten wird es sehr umständlich, ist aber natürlich nicht unmöglich!!!
Historisch gesehen ist Turku eine wichtige Stadt:
Turku war die ehemalige Hauptstadt Finnlands (bis ins 19. Jahrhundert hinein) und ihre Anfänge als erste Stadt Finnlands liegen im 13. Jahrhundert. Dort wurde auch die erste Universität Finnlands errichtet. Nachdem Helsinki Hauptstadt geworden war, wurde die Universität dorthin verlegt. Einige Institute sind allerdings immer noch in Turku und man kann dort weiterhin studieren.
Der Dom von Turku ist für die Finnen wichtig, weil er die älteste erhaltene Kirche Finnlands ist. Die Burg von Turku wurde im Mittelalter erbaut und ist immer noch sehr gut erhalten.
Von einem bestimmten Gebäude (siehe Bilder) in Turku aus wird auch der ‚Weihnachtsfrieden’ am 24. Dezember ausgerufen, der den Beginn von Weihnachten für die Finnen darstellt. Die Mehrzahl von ihnen verfolgt die Verkündigung am Fernseher mit.
Am Freitag, 03.04., folgte ich der Einladung einer Kollegin nach Hämeenlinna, worüber ich mich sehr freute! Nach Schulschluss fuhren wir gemeinsam mit dem Bus in die Kleinstadt 100 km nördlich von Helsinki. Dort besuchten wir zunächst das Geburtshaus von Jean Sibelius, dem größten finnischen Komponisten, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Mittlerweile befindet sich in diesem Holzhaus ein Museum und es kann auch für Feiern gemietet werden. Die Stadt Hämeenlinna ist sehr stolz auf ihr berühmtes ‚Kind’ Sibelius, das dort auch zur Schule gegangen ist und Abitur gemacht hat. Darüber hinaus ist das Wahrzeichen der Stadt die Burg Häme, was auch der Name des Ortes ist – Hämeenlinna eben. Die Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. Für mich als Geschichtslehrerin sind diese Überreste der Vergangenheit natürlich von besonderem Interesse :-)
Im Anschluss an die Besichtigung lernte ich die Familie meiner Kollegin kennen, die mich sehr nett empfing. Wir aßen gemeinsam sehr lecker zu Abend und ich fühlte mich wohl dort! Ich danke der Familie herzlich für die Einladung und schätze diese Geste sehr, da ich weiß, dass die Finnen ihren Freiraum, ihren Platz und ihre Privatsphäre brauchen und als sehr wichtig empfinden. Es ist – kulturell bedingt – sehr untypisch, einer ‚fremden Person’ Einblick in diesen geschützten Bereich zu gewähren.
Am Abend nahm ich den Bus zurück in die Hauptstadt. Wie gesagt, die Infrastruktur in zumindest Südfinnland ist sehr gut ausgebaut.
Auf beiden Fahrten in den Südwesten Finnlands nach Turku und in Richtung Mittelfinnland nach Hämeenlinna hat sich mir ein ähnliches Landschaftsbild geboten: weite schneebedeckte Felder, große Waldflächen und teilweise hohe Granitfelswände, durch die der Weg für die Autobahnstrecke frei gesprengt oder durch Tunnel passierbar gemacht wurde. Zwischen den Städten findet man kaum Ortschaften, eher vereinzelte Häuser. Größtenteils sind die Strecken zwischen den Städten jedoch flache und unbewohnte Landschaftsstriche.
Nun einige fotografische Eindruecke:
Am Dienstag, 31.03., unternahm ich einen Ausflug nach Turku im Südwesten Finnlands. Zwei Kolleginnen von der Martinlaakson lukio haben ihre deutsche Praktikantin zu einem Ausflug eingeladen und mich freundlicherweise mitgenommen! Dafür bin ich sehr dankbar! Mit dem Auto machten wir uns schon morgens auf den Weg. Das Wetter war auf unserer Seite: wenn auch sehr kalt, so war es doch sonnig (nach dem Schneesturm am Wochenende war das nicht unbedingt zu erwarten!). Unser 1. Halt war vor Turku an einer Glasmanufaktur. Finnland ist bekannt für seine Glasdesigns. Hinter dem Verkaufsraum waren die Glashersteller bei der Arbeit zu sehen. Ihre Fähigkeiten sind wirklich enorm!
In Turku angekommen, besuchten wir zunächst die Universität, wo auch eine der finnischen Kolleginnen studiert und gearbeitet hat. Dann machten wir einen langen Spaziergang durch Turku und besuchten vor allem den Dom und die Burg. Mit dem Auto fuhren wir dann auch noch nach Naantali, ein wunderschöner kleiner Ort, dessen Kern aus der typischen finnischen Holzhausarchitektur besteht. Dort machten wir einen ausgedehnten Spaziergang :-) Im Sommer hat dort auch der Mumin-Freizeitpark geöffnet. In Naantali befindet sich zudem die Sommer-Residenz der finnischen Präsidentin. Ihr Schloss ist mit der finnischen Fahne beflaggt, wenn sie da ist. Danach schlenderten wir noch durch die Innenstadt von Turku und schauten in einige Geschäfte rein.
Ob es sich lohnt, Turku von Helsinki aus mit dem Zug oder Bus zu besuchen, ist eher fraglich, da die Fahrkarten sehr teuer sind und man vor Ort oftmals auf ein Auto angewiesen ist, vor allem, wenn man auch nach Naantali fahren möchte. Ansonsten wird es sehr umständlich, ist aber natürlich nicht unmöglich!!!
Historisch gesehen ist Turku eine wichtige Stadt:
Turku war die ehemalige Hauptstadt Finnlands (bis ins 19. Jahrhundert hinein) und ihre Anfänge als erste Stadt Finnlands liegen im 13. Jahrhundert. Dort wurde auch die erste Universität Finnlands errichtet. Nachdem Helsinki Hauptstadt geworden war, wurde die Universität dorthin verlegt. Einige Institute sind allerdings immer noch in Turku und man kann dort weiterhin studieren.
Der Dom von Turku ist für die Finnen wichtig, weil er die älteste erhaltene Kirche Finnlands ist. Die Burg von Turku wurde im Mittelalter erbaut und ist immer noch sehr gut erhalten.
Von einem bestimmten Gebäude (siehe Bilder) in Turku aus wird auch der ‚Weihnachtsfrieden’ am 24. Dezember ausgerufen, der den Beginn von Weihnachten für die Finnen darstellt. Die Mehrzahl von ihnen verfolgt die Verkündigung am Fernseher mit.
Am Freitag, 03.04., folgte ich der Einladung einer Kollegin nach Hämeenlinna, worüber ich mich sehr freute! Nach Schulschluss fuhren wir gemeinsam mit dem Bus in die Kleinstadt 100 km nördlich von Helsinki. Dort besuchten wir zunächst das Geburtshaus von Jean Sibelius, dem größten finnischen Komponisten, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Mittlerweile befindet sich in diesem Holzhaus ein Museum und es kann auch für Feiern gemietet werden. Die Stadt Hämeenlinna ist sehr stolz auf ihr berühmtes ‚Kind’ Sibelius, das dort auch zur Schule gegangen ist und Abitur gemacht hat. Darüber hinaus ist das Wahrzeichen der Stadt die Burg Häme, was auch der Name des Ortes ist – Hämeenlinna eben. Die Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. Für mich als Geschichtslehrerin sind diese Überreste der Vergangenheit natürlich von besonderem Interesse :-)
Im Anschluss an die Besichtigung lernte ich die Familie meiner Kollegin kennen, die mich sehr nett empfing. Wir aßen gemeinsam sehr lecker zu Abend und ich fühlte mich wohl dort! Ich danke der Familie herzlich für die Einladung und schätze diese Geste sehr, da ich weiß, dass die Finnen ihren Freiraum, ihren Platz und ihre Privatsphäre brauchen und als sehr wichtig empfinden. Es ist – kulturell bedingt – sehr untypisch, einer ‚fremden Person’ Einblick in diesen geschützten Bereich zu gewähren.
Am Abend nahm ich den Bus zurück in die Hauptstadt. Wie gesagt, die Infrastruktur in zumindest Südfinnland ist sehr gut ausgebaut.
Auf beiden Fahrten in den Südwesten Finnlands nach Turku und in Richtung Mittelfinnland nach Hämeenlinna hat sich mir ein ähnliches Landschaftsbild geboten: weite schneebedeckte Felder, große Waldflächen und teilweise hohe Granitfelswände, durch die der Weg für die Autobahnstrecke frei gesprengt oder durch Tunnel passierbar gemacht wurde. Zwischen den Städten findet man kaum Ortschaften, eher vereinzelte Häuser. Größtenteils sind die Strecken zwischen den Städten jedoch flache und unbewohnte Landschaftsstriche.
Nun einige fotografische Eindruecke:
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| Turku und Hämeenlinna |
Sonntag, 29. März 2009
Gespräch mit ‚unserem’ Schulpsychologen
Am 25. März hatte ich ein einstündiges Gespräch mit dem Schulpsychologen der Schule, was sehr aufschlussreich für mich war. Wieder kann ich nur sagen: was wir in Deutschland alles für Kinder und Jugendliche tun könnten, wenn wir nur das Geld und das qualifizierte Personal hätten!!!
Allgemeines:
• Der Schulpsychologe ist für vier Schulen in unmittelbarer Nähe zuständig und hat an jeder Schule einen eigenen Raum. Eine der Schulen ist jedoch seine Haupt-Schule. Dort ist er dreimal in der Woche. An ‚unserer’ Schule ist er zweimal in der Woche und die anderen zwei besucht er regelmäßig von diesen Schulen aus.
• Über sein Handy ist er immer zu erreichen, in Notfällen auch nach „Feierabend“. Mit seinem Auto kann er schnell an jeder Schule und an jedem Ort sein. Auch wenn ein normaler Arbeitstag bis 16 Uhr geht, finden häufig Gespräche mit Eltern nach 17 Uhr statt. Dazu kommen noch regelmäßige Elterninformationsabende.
• ‚Unser’ Schulpsychologe ist für 1300 SchülerInnen zuständig und das ist schon viel! Durchschnitt sind 1000 SchülerInnen auf eine/n PsychologIn. Allein im Kreis Vantaa, wo ‚meine’ Schule ist, sind 20 SchulpsychologInnen tätig! Ich mag jetzt nicht die Zahl aus Hessen zum Vergleich dazu aufzuschreiben. Diese ist nämlich schockierend…
• Pro Monat betreut und berät der Schulpsychologe ungefähr 90 Kinder. Dabei ist sein Terminplan aber sehr flexibel und hält vor allem Zeit für Notfälle und Krisen frei.
Aufgabenfelder:
• Das Hauptklientel der SchulpsychologInnen sind natürlich die Kinder und die Hauptaufgabe deren Unterstützung und Förderung. Doch auch die Kommunikation mit den Lehrkräften und der Schulleitung gehört selbstverständlich dazu. Darüber hinaus ist die Beratung von Eltern und Familien der betroffenen Kinder Hauptbestandteil der Arbeit.
• Wenn ein Kind im Unterricht auffällt – ob im Hinblick auf Lernschwierigkeiten oder auf Verhaltensauffälligkeiten – sucht die Lehrkraft den Schulpsychologen auf, der dann um die Erlaubnis der Eltern bittet, das Kind überprüfen bzw. ein Gespräch mit ihm führen zu dürfen.
• Darüber hinaus gehört zum Aufgabenfeld des Psychologen das Verfassen von Berichten über Tests, Überprüfungen sowie die Diagnose und entsprechende Hilfsmaßnahmen.
Um welche Probleme handelt es sich oft bei Kindern und Jugendlichen?
• Es kommt vor, dass Kinder ständig krank sind. Dahinter stecken meistens psychologische Ursachen. Dieses Problem tritt jedoch eher selten auf.
• Schwierigkeiten in Mathematik, im Lesen oder im Schreiben
• Verhaltensschwierigkeiten in sozialen Situationen
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Einsamkeit
• Beziehungsprobleme mit Freund/Freundin
Wie kann der Schulpsychologe helfen?
• Rat geben an Eltern und Lehrkräfte, wie das Kind unterstützt werden kann
• Bei Persönlichkeitsproblemen und psychologischem Leiden wird das betroffene Kind an eine Klinik oder Therapiestelle überwiesen. Diese arbeiten eng mit Schulen und SchulpsychologInnen zusammen. Der Schulpsychologe vor Ort ist zeitlich nicht in der Lage, ein Kind tiefenpsychologisch und therapeutisch zu betreuen.
• Zuhören (oft haben Kinder und vor allem Jugendliche das Bedürfnis, einfach mit einem/einer Erwachsenen zu sprechen; dies kommt besonders in stressigen Zeiten wie Prüfungsphasen oder Beziehungsproblemen vor) und versuchen, Selbstvertrauen der betroffenen SchülerInnen aufzubauen sowie ihnen positives Feedback zu geben. Oft helfen schon das Zuhören allein und ein kleiner Tipp, wie z.B. ‚frühzeitig mit dem Lernen anfangen’.
Was passiert, wenn Eltern ihr Einverständnis verweigern?
- Über allen Handlungen innerhalb und außerhalb der Schule steht das Gesetz: Das finnische Grundgesetz spricht dem Kind das Recht auf Unversehrtheit, Schutz, Unterstützung und Hilfe zu.
- Die Erfahrung des Schulpsychologen ist, dass meist Eltern mit Migrationshintergrund oder hohem sozialen Status ihre Einwilligung nicht geben.
• Wenn Eltern nicht sofort reagieren, wird ihnen zunächst etwas Zeit gegeben, über die Anfrage des Schulpsychologen nachzudenken.
• Dann werden die Eltern, die ihre Einwilligung immer noch nicht geben, zu einem Gespräch mit dem Schulpsychologen, der Klassenlehrerin und der Schulleitung in die Schule eingeladen. Dort wird mit ihnen über die Schwierigkeiten ihres Kindes, über mögliche Ursachen und Hilfsmaßnahmen diskutiert.
• Der nächste Schritt ist die Drohung, eine Instanz, die vergleichbar mit dem Jugendamt ist, zu benachrichtigen. In den meisten Fällen reicht diese aus und die Eltern geben ihre Einwilligung.
• Wenn Eltern weiterhin nicht kooperieren wollen und ihr Einverständnis zu Hilfsmaßnahmen für das Kind verweigern, muss das ‚Jugendamt’ eingeschaltet und darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass das Kind nicht genug unterstütz werden kann.
• Wenn die Schule sehr besorgt um das Wohlergehen eines Kindes ist, wird generell immer ein Mitarbeiter des ‚Jugendamtes’ hinzugezogen und es wird beraten, wie weiter vorgegangen werden soll.
Mein Fazit nach dem Gespräch: sehr beeindruckend und sehr interessant! Ich hatte das Gefühl, dass der Schulpsychologe seine Arbeit wirklich von Herzen macht und sich zuallererst für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einsetzt!
Allgemeines:
• Der Schulpsychologe ist für vier Schulen in unmittelbarer Nähe zuständig und hat an jeder Schule einen eigenen Raum. Eine der Schulen ist jedoch seine Haupt-Schule. Dort ist er dreimal in der Woche. An ‚unserer’ Schule ist er zweimal in der Woche und die anderen zwei besucht er regelmäßig von diesen Schulen aus.
• Über sein Handy ist er immer zu erreichen, in Notfällen auch nach „Feierabend“. Mit seinem Auto kann er schnell an jeder Schule und an jedem Ort sein. Auch wenn ein normaler Arbeitstag bis 16 Uhr geht, finden häufig Gespräche mit Eltern nach 17 Uhr statt. Dazu kommen noch regelmäßige Elterninformationsabende.
• ‚Unser’ Schulpsychologe ist für 1300 SchülerInnen zuständig und das ist schon viel! Durchschnitt sind 1000 SchülerInnen auf eine/n PsychologIn. Allein im Kreis Vantaa, wo ‚meine’ Schule ist, sind 20 SchulpsychologInnen tätig! Ich mag jetzt nicht die Zahl aus Hessen zum Vergleich dazu aufzuschreiben. Diese ist nämlich schockierend…
• Pro Monat betreut und berät der Schulpsychologe ungefähr 90 Kinder. Dabei ist sein Terminplan aber sehr flexibel und hält vor allem Zeit für Notfälle und Krisen frei.
Aufgabenfelder:
• Das Hauptklientel der SchulpsychologInnen sind natürlich die Kinder und die Hauptaufgabe deren Unterstützung und Förderung. Doch auch die Kommunikation mit den Lehrkräften und der Schulleitung gehört selbstverständlich dazu. Darüber hinaus ist die Beratung von Eltern und Familien der betroffenen Kinder Hauptbestandteil der Arbeit.
• Wenn ein Kind im Unterricht auffällt – ob im Hinblick auf Lernschwierigkeiten oder auf Verhaltensauffälligkeiten – sucht die Lehrkraft den Schulpsychologen auf, der dann um die Erlaubnis der Eltern bittet, das Kind überprüfen bzw. ein Gespräch mit ihm führen zu dürfen.
• Darüber hinaus gehört zum Aufgabenfeld des Psychologen das Verfassen von Berichten über Tests, Überprüfungen sowie die Diagnose und entsprechende Hilfsmaßnahmen.
Um welche Probleme handelt es sich oft bei Kindern und Jugendlichen?
• Es kommt vor, dass Kinder ständig krank sind. Dahinter stecken meistens psychologische Ursachen. Dieses Problem tritt jedoch eher selten auf.
• Schwierigkeiten in Mathematik, im Lesen oder im Schreiben
• Verhaltensschwierigkeiten in sozialen Situationen
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Einsamkeit
• Beziehungsprobleme mit Freund/Freundin
Wie kann der Schulpsychologe helfen?
• Rat geben an Eltern und Lehrkräfte, wie das Kind unterstützt werden kann
• Bei Persönlichkeitsproblemen und psychologischem Leiden wird das betroffene Kind an eine Klinik oder Therapiestelle überwiesen. Diese arbeiten eng mit Schulen und SchulpsychologInnen zusammen. Der Schulpsychologe vor Ort ist zeitlich nicht in der Lage, ein Kind tiefenpsychologisch und therapeutisch zu betreuen.
• Zuhören (oft haben Kinder und vor allem Jugendliche das Bedürfnis, einfach mit einem/einer Erwachsenen zu sprechen; dies kommt besonders in stressigen Zeiten wie Prüfungsphasen oder Beziehungsproblemen vor) und versuchen, Selbstvertrauen der betroffenen SchülerInnen aufzubauen sowie ihnen positives Feedback zu geben. Oft helfen schon das Zuhören allein und ein kleiner Tipp, wie z.B. ‚frühzeitig mit dem Lernen anfangen’.
Was passiert, wenn Eltern ihr Einverständnis verweigern?
- Über allen Handlungen innerhalb und außerhalb der Schule steht das Gesetz: Das finnische Grundgesetz spricht dem Kind das Recht auf Unversehrtheit, Schutz, Unterstützung und Hilfe zu.
- Die Erfahrung des Schulpsychologen ist, dass meist Eltern mit Migrationshintergrund oder hohem sozialen Status ihre Einwilligung nicht geben.
• Wenn Eltern nicht sofort reagieren, wird ihnen zunächst etwas Zeit gegeben, über die Anfrage des Schulpsychologen nachzudenken.
• Dann werden die Eltern, die ihre Einwilligung immer noch nicht geben, zu einem Gespräch mit dem Schulpsychologen, der Klassenlehrerin und der Schulleitung in die Schule eingeladen. Dort wird mit ihnen über die Schwierigkeiten ihres Kindes, über mögliche Ursachen und Hilfsmaßnahmen diskutiert.
• Der nächste Schritt ist die Drohung, eine Instanz, die vergleichbar mit dem Jugendamt ist, zu benachrichtigen. In den meisten Fällen reicht diese aus und die Eltern geben ihre Einwilligung.
• Wenn Eltern weiterhin nicht kooperieren wollen und ihr Einverständnis zu Hilfsmaßnahmen für das Kind verweigern, muss das ‚Jugendamt’ eingeschaltet und darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass das Kind nicht genug unterstütz werden kann.
• Wenn die Schule sehr besorgt um das Wohlergehen eines Kindes ist, wird generell immer ein Mitarbeiter des ‚Jugendamtes’ hinzugezogen und es wird beraten, wie weiter vorgegangen werden soll.
Mein Fazit nach dem Gespräch: sehr beeindruckend und sehr interessant! Ich hatte das Gefühl, dass der Schulpsychologe seine Arbeit wirklich von Herzen macht und sich zuallererst für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einsetzt!
Was machen die finnischen Schulen anders?
Unterschiede zu Deutschland und das Geheimnis von PISA:
Wie ich bereits mehrmals angedeutet habe, liegt das gute Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA nicht am Unterricht, der insgesamt frontal, auf das Lehrwerk und die Lehrkraft ausgerichtet ist. Es werden kaum Methoden angewendet und es gibt auch keine Binnendifferenzierung (und das an Gesamtschulen, wo alle Kinder gemeinsam und gleich lernen und es keine Aufteilung auf Förder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien gibt)! Auffällig sind weiterhin die vielen Hausaufgaben, die den SchülerInnen in den meisten Fächern aufgegeben werden und der Vergleich der Hausaufgaben einen nicht geringen Teil der Stunde einnimmt. Die Frage ist nun: Was machen die Finnen anders und was machen sie so besonders gut? Die Antwort: eigentlich alles!!!
Hier nun meine persönliche Zusammenfassung:
• Das Gesamtschulsystem (nicht zu vergleichen und zu verwechseln mit den Integrativen Gesamtschulen in Deutschland, wo Kinder trotzdem auf A B C Kurse verteilt und getrennt unterrichtet werden und unterschiedliche Abschlüsse erreichen; das gibt es in Finnland nicht, hier werden alle gemeinsam bis zur 9. Klasse unterrichtet, je nach Bedarf zusätzlich gefördert und machen denselben Abschluss) bietet bis zur 9. Klasse eine gemeinsame Grundbildung für alle Kinder und eröffnet damit gleiche Bildungschancen unabhängig vom sozioökonomischen Status der Familien und vom kognitiven Entwicklungsstand des einzelnen Kindes.
→ Aufgrund des Gesamtschulsystems fühlen sich alle SchülerInnen gleichwertig und sie sind es tatsächlich auch, da alle dieselben Bildungs- und Zugangschancen haben! Es gibt keine VerliererInnen des Bildungssystems und der Gesellschaft. (Ich brauche wohl nicht die andauernde und absolut notwendige und gerechtfertigte Diskussion, die das deutsche Schulsystem in Frage stellt, zu wiederholen…)
• In die Bildung wird viel mehr Geld investiert als in Deutschland! Die Steuern für die Einzelnen sind in Finnland zwar relativ hoch, doch ein erheblicher Teil der Steuergelder wird eben in die Schulen gesteckt! Und das wird auch von der Gesellschaft wohlwollend mitgetragen! Einige Beispiele: sehr gute technische Ausstattung, große Klassenräume und Einzeltische, die schnell verschoben werden können, relativ kleine Klassen, Unterstützung der Lehrkräfte durch SchulpsychologInnen, Sonder- und SozialpädagogInnen, kostenloses Mittagessen für jedes Kind, gute Gesundheitsfürsorge durch (Zahn-)ÄrztInnen und Schulkrankenschwestern, regelmäßige Projekte, internationale Austauschprogramme, Förderung von Migrantenkindern (insbesondere im Erlernen der finnischen Sprache), Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zur 9. Klasse (vom Radiergummi über das Heft bis hin zu allen Schulbüchern und Begleitmaterialien), Förderung von lernschwächeren Kindern und Jugendlichen durch Lehrkräfte selbst oder qualifiziertes Personal von außen im Anschluss an den Unterricht, was auch vergütet wird etc.
→ Durch die Politik und die Gesellschaft wird der Schule und der Bildung eine hohe Wertschätzung entgegengebracht und das kommt auch bei den Kindern und Jugendlichen an! Zudem wird kein Kind zurückgelassen, da es genügend Unterstützungsinstanzen gibt, die sich um Kinder mit Schwierigkeiten in jeglicher Hinsicht kümmern. Wenn wir uns den Zustand an deutschen Schulen anschauen, dann kann man nicht unbedingt behaupten, dass der Politik etwas an Bildung und unseren Kindern, die die Zukunft der Gesellschaft darstellen, liegt…
• Die Ausbildung von Lehrkräften hat einen hohen Stellenwert: Bereits ErzieherInnen (für Kitas, Kindergärten und Vorschulen, die das Alter von eins bis sechs Jahren umfassen) werden universitär ausgebildet. GrundschullehrerInnen können sich speziell zu KlassenlehrerInnen ausbilden lassen. Sie können aber auch ein Fachstudium wählen, das ca. 4 Jahre umfasst, und dann ein Jahr lang ein Pädagogikstudium anhängen. Besonders hervorzuheben sind allerdings die Auswahltests, die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Entscheidet man sich also für den Lehrberuf, muss man drei Testphasen durchlaufen, die bereits Pädagogikwissen, Teamarbeit und eine Unterrichtseinheit sowie einen psychologischen Test und somit die psychologische Eignung umfassen, und bestehen. Nur jede/r Dritte wird nach diesen Tests zum Lehramtsstudium zugelassen.
→ In Finnland werden durch diese Persönlichkeitstests auch nur wirklich diejenigen zum Studium zugelassen, die LehrerInnen aus Überzeugung werden möchten und dafür geeignet sind. Wer wird bei uns in Deutschland daran gehindert, LehrerIn zu werden…?
• Es werden alle Fächer gleichermaßen gefördert:
- Finnisch (der finnischen Sprache wird ein hoher Stellenwert zugeschrieben)
- die geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (in diesem Zusammenhang wird das Nationalgefühl der Finnen stark gefördert und geprägt)
- die Fremdsprachen (hoher Wert wird auf möglichst viele Sprachen gelegt und dabei wird meist ein sehr hohes Niveau erreicht, wenn auch Englisch immer mehr dominiert und gewählt wird)
- die Naturwissenschaften
- die musischen und künstlerischen Fächer (diese sollen besonders zur Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen beitragen)
- Sport in allen möglichen Variationen (es gibt kaum übergewichtige Kinder in Finnland)
- (traditionelle) Handarbeit und Werken
- Einbindung der neuen Medien in möglichst viele Fächer
→ Dadurch haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, alle Gebiete des gesellschaftlichen Lebens und die Anforderungen der Arbeitswelt bzw. des Studiums kennenzulernen. Ihnen wird die Chance gegeben, ihre Persönlichkeit durch ein breites Angebotsspektrum zu entfalten. Dabei können sich persönliche Interessen herauskristallisieren, die den Jugendlichen helfen, einen zukünftigen Beruf ins Auge zu fassen. Meine Erfahrung aus Deutschland ist, dass es stark von den politischen und gesellschaftlichen Strömungen und bestimmten Lobbygruppen abhängt, welches Fach besonders gefördert oder eben vernachlässigt wird. Leider wird dabei die Hauptsache vergessen: die bestmögliche Entwicklung des Kindes.
=> Durch die vielen Unterstützungsinstanzen, den hohen Stellenwert der Bildung, die gut ausgebildeten Lehrkräfte, gleiche Bildungs- und Zugangschancen für ALLE SchülerInnen (hohe Erwartungen an die eigene Zukunft), die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und natürlich auch aufgrund der finnischen Mentalität gibt es kaum erwähnenswerte Unterrichtsstörungen! Insofern kann ein hohes Tempo und ein hohes Niveau des Unterrichts (auch wenn es meist um die Reproduktion von Wissen geht, nicht um Transferleistungen) aufrechterhalten werden. Man denke nur an einige deutsche Hauptschulen und auch Realschulen, in denen das Unterrichten zum großen Teil überhaupt nicht möglich ist, weil Unterrichtsstörungen und pädagogische Maßnahmen (bzw. leider sehr oft Ordnungsmaßnahmen) den Schulalltag bestimmen… (hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: ich sehe nicht die Kinder als Ursache für die Unterrichtsstörungen; ihr Verhalten ist lediglich das Ergebnis von vielen tiefgehenden, weitreichenden und oft weiter zurückliegenden Ursachen…)
Gegebenenfalls steckt in diesen Aspekten, die zum größten Teil meine Beobachtungen widerspiegeln, das Geheimnis vom guten Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA?
Wie ich bereits mehrmals angedeutet habe, liegt das gute Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA nicht am Unterricht, der insgesamt frontal, auf das Lehrwerk und die Lehrkraft ausgerichtet ist. Es werden kaum Methoden angewendet und es gibt auch keine Binnendifferenzierung (und das an Gesamtschulen, wo alle Kinder gemeinsam und gleich lernen und es keine Aufteilung auf Förder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien gibt)! Auffällig sind weiterhin die vielen Hausaufgaben, die den SchülerInnen in den meisten Fächern aufgegeben werden und der Vergleich der Hausaufgaben einen nicht geringen Teil der Stunde einnimmt. Die Frage ist nun: Was machen die Finnen anders und was machen sie so besonders gut? Die Antwort: eigentlich alles!!!
Hier nun meine persönliche Zusammenfassung:
• Das Gesamtschulsystem (nicht zu vergleichen und zu verwechseln mit den Integrativen Gesamtschulen in Deutschland, wo Kinder trotzdem auf A B C Kurse verteilt und getrennt unterrichtet werden und unterschiedliche Abschlüsse erreichen; das gibt es in Finnland nicht, hier werden alle gemeinsam bis zur 9. Klasse unterrichtet, je nach Bedarf zusätzlich gefördert und machen denselben Abschluss) bietet bis zur 9. Klasse eine gemeinsame Grundbildung für alle Kinder und eröffnet damit gleiche Bildungschancen unabhängig vom sozioökonomischen Status der Familien und vom kognitiven Entwicklungsstand des einzelnen Kindes.
→ Aufgrund des Gesamtschulsystems fühlen sich alle SchülerInnen gleichwertig und sie sind es tatsächlich auch, da alle dieselben Bildungs- und Zugangschancen haben! Es gibt keine VerliererInnen des Bildungssystems und der Gesellschaft. (Ich brauche wohl nicht die andauernde und absolut notwendige und gerechtfertigte Diskussion, die das deutsche Schulsystem in Frage stellt, zu wiederholen…)
• In die Bildung wird viel mehr Geld investiert als in Deutschland! Die Steuern für die Einzelnen sind in Finnland zwar relativ hoch, doch ein erheblicher Teil der Steuergelder wird eben in die Schulen gesteckt! Und das wird auch von der Gesellschaft wohlwollend mitgetragen! Einige Beispiele: sehr gute technische Ausstattung, große Klassenräume und Einzeltische, die schnell verschoben werden können, relativ kleine Klassen, Unterstützung der Lehrkräfte durch SchulpsychologInnen, Sonder- und SozialpädagogInnen, kostenloses Mittagessen für jedes Kind, gute Gesundheitsfürsorge durch (Zahn-)ÄrztInnen und Schulkrankenschwestern, regelmäßige Projekte, internationale Austauschprogramme, Förderung von Migrantenkindern (insbesondere im Erlernen der finnischen Sprache), Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zur 9. Klasse (vom Radiergummi über das Heft bis hin zu allen Schulbüchern und Begleitmaterialien), Förderung von lernschwächeren Kindern und Jugendlichen durch Lehrkräfte selbst oder qualifiziertes Personal von außen im Anschluss an den Unterricht, was auch vergütet wird etc.
→ Durch die Politik und die Gesellschaft wird der Schule und der Bildung eine hohe Wertschätzung entgegengebracht und das kommt auch bei den Kindern und Jugendlichen an! Zudem wird kein Kind zurückgelassen, da es genügend Unterstützungsinstanzen gibt, die sich um Kinder mit Schwierigkeiten in jeglicher Hinsicht kümmern. Wenn wir uns den Zustand an deutschen Schulen anschauen, dann kann man nicht unbedingt behaupten, dass der Politik etwas an Bildung und unseren Kindern, die die Zukunft der Gesellschaft darstellen, liegt…
• Die Ausbildung von Lehrkräften hat einen hohen Stellenwert: Bereits ErzieherInnen (für Kitas, Kindergärten und Vorschulen, die das Alter von eins bis sechs Jahren umfassen) werden universitär ausgebildet. GrundschullehrerInnen können sich speziell zu KlassenlehrerInnen ausbilden lassen. Sie können aber auch ein Fachstudium wählen, das ca. 4 Jahre umfasst, und dann ein Jahr lang ein Pädagogikstudium anhängen. Besonders hervorzuheben sind allerdings die Auswahltests, die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Entscheidet man sich also für den Lehrberuf, muss man drei Testphasen durchlaufen, die bereits Pädagogikwissen, Teamarbeit und eine Unterrichtseinheit sowie einen psychologischen Test und somit die psychologische Eignung umfassen, und bestehen. Nur jede/r Dritte wird nach diesen Tests zum Lehramtsstudium zugelassen.
→ In Finnland werden durch diese Persönlichkeitstests auch nur wirklich diejenigen zum Studium zugelassen, die LehrerInnen aus Überzeugung werden möchten und dafür geeignet sind. Wer wird bei uns in Deutschland daran gehindert, LehrerIn zu werden…?
• Es werden alle Fächer gleichermaßen gefördert:
- Finnisch (der finnischen Sprache wird ein hoher Stellenwert zugeschrieben)
- die geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (in diesem Zusammenhang wird das Nationalgefühl der Finnen stark gefördert und geprägt)
- die Fremdsprachen (hoher Wert wird auf möglichst viele Sprachen gelegt und dabei wird meist ein sehr hohes Niveau erreicht, wenn auch Englisch immer mehr dominiert und gewählt wird)
- die Naturwissenschaften
- die musischen und künstlerischen Fächer (diese sollen besonders zur Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen beitragen)
- Sport in allen möglichen Variationen (es gibt kaum übergewichtige Kinder in Finnland)
- (traditionelle) Handarbeit und Werken
- Einbindung der neuen Medien in möglichst viele Fächer
→ Dadurch haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, alle Gebiete des gesellschaftlichen Lebens und die Anforderungen der Arbeitswelt bzw. des Studiums kennenzulernen. Ihnen wird die Chance gegeben, ihre Persönlichkeit durch ein breites Angebotsspektrum zu entfalten. Dabei können sich persönliche Interessen herauskristallisieren, die den Jugendlichen helfen, einen zukünftigen Beruf ins Auge zu fassen. Meine Erfahrung aus Deutschland ist, dass es stark von den politischen und gesellschaftlichen Strömungen und bestimmten Lobbygruppen abhängt, welches Fach besonders gefördert oder eben vernachlässigt wird. Leider wird dabei die Hauptsache vergessen: die bestmögliche Entwicklung des Kindes.
=> Durch die vielen Unterstützungsinstanzen, den hohen Stellenwert der Bildung, die gut ausgebildeten Lehrkräfte, gleiche Bildungs- und Zugangschancen für ALLE SchülerInnen (hohe Erwartungen an die eigene Zukunft), die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und natürlich auch aufgrund der finnischen Mentalität gibt es kaum erwähnenswerte Unterrichtsstörungen! Insofern kann ein hohes Tempo und ein hohes Niveau des Unterrichts (auch wenn es meist um die Reproduktion von Wissen geht, nicht um Transferleistungen) aufrechterhalten werden. Man denke nur an einige deutsche Hauptschulen und auch Realschulen, in denen das Unterrichten zum großen Teil überhaupt nicht möglich ist, weil Unterrichtsstörungen und pädagogische Maßnahmen (bzw. leider sehr oft Ordnungsmaßnahmen) den Schulalltag bestimmen… (hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: ich sehe nicht die Kinder als Ursache für die Unterrichtsstörungen; ihr Verhalten ist lediglich das Ergebnis von vielen tiefgehenden, weitreichenden und oft weiter zurückliegenden Ursachen…)
Gegebenenfalls steckt in diesen Aspekten, die zum größten Teil meine Beobachtungen widerspiegeln, das Geheimnis vom guten Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA?
Einblick in die gymnasiale Oberstufe
Am 23. und 24. März besuchte ich für einige Schulstunden die Nachbarschule der Laajavuoren koulu, die Martinlaakson lukio. Das ist eine gymnasiale Oberstufe, die max. drei Jahre umfasst und zum Abitur führt. Ich habe sowohl einige Eindrücke vom Deutsch- und Englischunterricht als auch einen tieferen Einblick in die finnische Schulstruktur gewinnen können.
Zunächst einige Unterrichtsbeobachtungen: Auch die finnische SchülerInnen, die schon 17 und 18 Jahre alt sind, waren immer noch so schüchtern wie die GrundschülerInnen. Sie schauten mich nicht an und hatten auch keine Fragen.
Das Anforderungsniveau war sehr hoch. Meistens ging es bei fremdsprachigen Texten um das Hör- und Leseverständnis (richtig/falsch, Synonyme, Übersetzen/Wiederfinden/Paraphrasieren von Sätzen, Wortschatzarbeit, Grammatik). Es wurde kaum über Texte gesprochen, über das inhaltliche Thema diskutiert und es wurden kaum kreative Aufgabenstellungen angeboten. Die Kommunikation der SchülerInnen untereinander und ihr Redeanteil waren in diesen Stunden eher gering im Vergleich zum hohen Redeanteil der Lehrkraft.
Auffällig war ebenfalls, dass der Unterricht mit dem Vergleich der Hausaufgaben begann, und zwar in der Weise, dass die Lehrkraft die Ergebnisse über Dokumentenkamera, Beamer und Leinwand auflegte und es den SchülerInnen selbst überließ, ob diese verglichen und ggf. verbesserten oder nicht. Nach einer gewissen Zeit wurde das Dokument weggenommen und der Unterricht begann, indem die Lehrperson den Verlauf der Unterrichtsstunde vorstellte. Besonders erstaunlich war für mich das hohe Tempo der Unterrichtsstunden, v. a. im Englischunterricht. Da wurde keine Minute ungenutzt gelassen. Insofern konnte sehr viel Stoff in relativ kurzer Zeit behandelt werden. Die SchülerInnen waren sehr diszipliniert und es gab keine Unterrichtsstörungen (das Einzige, was ich beobachten konnte, waren einige Mädchen, die sich ihre Hände gegenseitig anmalten oder ihre Hefte und Arbeitsblätter verschönerten :-) …doch der Unterricht verlief völlig ungestört und das von halb zwei bis viertel vor drei). Während die Jugendlichen in Stillarbeit oder Partnerarbeit Aufgaben bearbeiteten, trug die Lehrkraft die fehlenden SchülerInnen in die online-Plattform „Wilma“ ein, die für alle LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern jederzeit einsehbar ist. Insofern sind die Klassenzimmer immer auch (neben der normalen Ausstattung mit Dokumentenkamera, Beamer, Leinwand und oft Mikrofonanlage) mit einem Laptop ausgestattet und zu jeder Zeit online. Somit können Internetseiten immer auch direkt im Unterricht eingesetzt werden.
Weitere Besonderheiten:
• die Fächer (Kurse) sind den Klassenräumen und Lehrkräften zugeordnet und nicht andersrum.
• Eine Stunde umfasst 75 Minuten.
• Es klingelt nicht.
• Die Lehrkräfte unterrichten meistens: Sprachen oder Naturwissenschaften oder Nebenfächer. Ansonsten sind die Einstellungschancen sehr gering.
• Die Abiturprüfungen werden ganz unspektakulär geschrieben. In den Nebenräumen findet normaler Unterricht statt.
Nun etwas zum Aufbau der gymnasialen Oberstufe:
Nach der neunten Klasse (mit 16/17 Jahren, es gibt kein Sitzenbleiben) verlassen alle SchülerInnen die neunjährige Gesamtschule und entscheiden sich dann, welchen Weg sie einschlagen: gymnasiale Oberstufe, Berufsschule oder Arbeitsleben. 50-60% eines Jahrgangs besuchen die gymnasiale Oberstufe. 40-50% besuchen eine Berufsschule.
Die gymnasiale Oberstufe umfasst die Schuljahre 10 bis 12 und schließt mit den Abiturprüfungen ab, die zweimal im Jahr geschrieben werden: im Frühjahr und im Herbst. Sie besteht weiterhin aus einem klassenlosen Kurssystem, d. h. dass die Fächer in Kursen gelernt werden. Ein Kurs umfasst 38 Stunden. Die SchülerInnen wählen sich in 6-8 Kurse (30-40 Stunden pro Woche) pro Epoche ein. Ein Schuljahr besteht aus 5 Epochen. Am Ende einer Epoche gibt es eine Testwoche (Dauer: 1,5 Wochen), in der jeder Kurs mit einer Klausur oder einer mündlichen Prüfung abgeschlossen wird. D. h. zum Teil haben die SchülerInnen acht Prüfungen in 1,5 Wochen, abhängig davon in wie viele Kurse sie sich eingewählt haben. Wenn sie alle bestehen (es gibt kein Sitzenbleiben, ein Kurs kann wiederholt werden) und dieses Tempo beibehalten, können sie bereits nach zwei oder zweieinhalb Jahren Abitur machen. Es ist aber so, dass speziell die gymnasialen Oberstufen Studienberatungen anbieten und den SchülerInnen helfen, ein gesundes Maß an Kursen zu belegen. (Weiterhin steht den SchülerInnen Förderunterricht sowie die Gesundheits- und Schülerfürsorge zur Verfügung.) Den SchülerInnen wird empfohlen, max. 7 Kurse pro Epoche zu belegen. Jeder Kurs hat ein bestimmtes Thema, dass in ca. 6 Wochen behandelt wird. Daraufhin erfolgt die Testwoche. Bis zum Abitur brauchen die Lernenden min. 75 Kurse. In Finnland wird ein Zentralabitur geschrieben, dass auch zentral korrigiert wird, nicht von der Lehrkraft. D. h. es herrscht eine relativ echte (!) Vergleichbarkeit landesweit vor (wobei ich nicht vom Zentralabitur überzeugt bin). Insofern ist der Druck auf SchülerInnen und Lehrkräfte sehr hoch, den geforderten Stoff zu behandeln und durchzukriegen und es ist nachvollziehbar, warum das Tempo so hoch und die Unterrichtsform der Frontalunterricht ist (meiner Meinung nach ist das System allerdings sehr fraglich – wie auch die Abschlussprüfungen in der 9. und 10 Klasse in Deutschland, da ein „learning to the test“ forciert wird).
Im 1. Jahr der gymnasialen Oberstufe (10. Schuljahr) wählen die SchülerInnen meistens die obligatorischen Kurse: eine bestimmte Anzahl an…
- Finnisch- und Schwedischkursen
- Mathekursen
- Physikkursen
- Musik- und Kunstkursen
- Fremdsprachkursen (meist Englisch)
(Das ist nicht vollständig. Leider habe ich nicht mehr Informationen aus erster Hand bekommen können.)
Alle anderen und weiteren Kurse sind wahlfrei.
Die Noten eines Kurses setzen sich zum größten Teil aus der Note der schriftlichen oder mündlichen Prüfung am Ende des Kurses zusammen. Die Lehrkraft kann aber eine Note höher oder tiefer gehen, wenn z.B. ein Referat gehalten wurde oder die Bemühungen im Kurs besonders gut bzw. besonders gering waren. Diese Noten zählen auch mit ins Abitur hinein. Hier weiß ich wiederum leider nichts Genaueres.
Die Kurs- und auch Abiturprüfungen in den Fremdsprachen sehen nach meinem Wissen unseren Abschlussprüfungen (vom Aufbau, nicht vom Inhalt her!) ähnlich: Hörverstehen, Leseverstehen, Grammatik, Schreiben.
Nun noch einmal etwas zu den finnischen Schulen in der Zusammenfassung von Rainer Domisch, Leiter des Zentralamts für das finnische Unterrichtswesen. Des Weiteren eine Kopie zum Aufbau des finnischen Schulsystems am Beispiel von drei Schulen in Vantaa, die in zwei Minuten Entfernung zueinander liegen und aufeinander aufbauen.

Zunächst einige Unterrichtsbeobachtungen: Auch die finnische SchülerInnen, die schon 17 und 18 Jahre alt sind, waren immer noch so schüchtern wie die GrundschülerInnen. Sie schauten mich nicht an und hatten auch keine Fragen.
Das Anforderungsniveau war sehr hoch. Meistens ging es bei fremdsprachigen Texten um das Hör- und Leseverständnis (richtig/falsch, Synonyme, Übersetzen/Wiederfinden/Paraphrasieren von Sätzen, Wortschatzarbeit, Grammatik). Es wurde kaum über Texte gesprochen, über das inhaltliche Thema diskutiert und es wurden kaum kreative Aufgabenstellungen angeboten. Die Kommunikation der SchülerInnen untereinander und ihr Redeanteil waren in diesen Stunden eher gering im Vergleich zum hohen Redeanteil der Lehrkraft.
Auffällig war ebenfalls, dass der Unterricht mit dem Vergleich der Hausaufgaben begann, und zwar in der Weise, dass die Lehrkraft die Ergebnisse über Dokumentenkamera, Beamer und Leinwand auflegte und es den SchülerInnen selbst überließ, ob diese verglichen und ggf. verbesserten oder nicht. Nach einer gewissen Zeit wurde das Dokument weggenommen und der Unterricht begann, indem die Lehrperson den Verlauf der Unterrichtsstunde vorstellte. Besonders erstaunlich war für mich das hohe Tempo der Unterrichtsstunden, v. a. im Englischunterricht. Da wurde keine Minute ungenutzt gelassen. Insofern konnte sehr viel Stoff in relativ kurzer Zeit behandelt werden. Die SchülerInnen waren sehr diszipliniert und es gab keine Unterrichtsstörungen (das Einzige, was ich beobachten konnte, waren einige Mädchen, die sich ihre Hände gegenseitig anmalten oder ihre Hefte und Arbeitsblätter verschönerten :-) …doch der Unterricht verlief völlig ungestört und das von halb zwei bis viertel vor drei). Während die Jugendlichen in Stillarbeit oder Partnerarbeit Aufgaben bearbeiteten, trug die Lehrkraft die fehlenden SchülerInnen in die online-Plattform „Wilma“ ein, die für alle LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern jederzeit einsehbar ist. Insofern sind die Klassenzimmer immer auch (neben der normalen Ausstattung mit Dokumentenkamera, Beamer, Leinwand und oft Mikrofonanlage) mit einem Laptop ausgestattet und zu jeder Zeit online. Somit können Internetseiten immer auch direkt im Unterricht eingesetzt werden.
Weitere Besonderheiten:
• die Fächer (Kurse) sind den Klassenräumen und Lehrkräften zugeordnet und nicht andersrum.
• Eine Stunde umfasst 75 Minuten.
• Es klingelt nicht.
• Die Lehrkräfte unterrichten meistens: Sprachen oder Naturwissenschaften oder Nebenfächer. Ansonsten sind die Einstellungschancen sehr gering.
• Die Abiturprüfungen werden ganz unspektakulär geschrieben. In den Nebenräumen findet normaler Unterricht statt.
Nun etwas zum Aufbau der gymnasialen Oberstufe:
Nach der neunten Klasse (mit 16/17 Jahren, es gibt kein Sitzenbleiben) verlassen alle SchülerInnen die neunjährige Gesamtschule und entscheiden sich dann, welchen Weg sie einschlagen: gymnasiale Oberstufe, Berufsschule oder Arbeitsleben. 50-60% eines Jahrgangs besuchen die gymnasiale Oberstufe. 40-50% besuchen eine Berufsschule.
Die gymnasiale Oberstufe umfasst die Schuljahre 10 bis 12 und schließt mit den Abiturprüfungen ab, die zweimal im Jahr geschrieben werden: im Frühjahr und im Herbst. Sie besteht weiterhin aus einem klassenlosen Kurssystem, d. h. dass die Fächer in Kursen gelernt werden. Ein Kurs umfasst 38 Stunden. Die SchülerInnen wählen sich in 6-8 Kurse (30-40 Stunden pro Woche) pro Epoche ein. Ein Schuljahr besteht aus 5 Epochen. Am Ende einer Epoche gibt es eine Testwoche (Dauer: 1,5 Wochen), in der jeder Kurs mit einer Klausur oder einer mündlichen Prüfung abgeschlossen wird. D. h. zum Teil haben die SchülerInnen acht Prüfungen in 1,5 Wochen, abhängig davon in wie viele Kurse sie sich eingewählt haben. Wenn sie alle bestehen (es gibt kein Sitzenbleiben, ein Kurs kann wiederholt werden) und dieses Tempo beibehalten, können sie bereits nach zwei oder zweieinhalb Jahren Abitur machen. Es ist aber so, dass speziell die gymnasialen Oberstufen Studienberatungen anbieten und den SchülerInnen helfen, ein gesundes Maß an Kursen zu belegen. (Weiterhin steht den SchülerInnen Förderunterricht sowie die Gesundheits- und Schülerfürsorge zur Verfügung.) Den SchülerInnen wird empfohlen, max. 7 Kurse pro Epoche zu belegen. Jeder Kurs hat ein bestimmtes Thema, dass in ca. 6 Wochen behandelt wird. Daraufhin erfolgt die Testwoche. Bis zum Abitur brauchen die Lernenden min. 75 Kurse. In Finnland wird ein Zentralabitur geschrieben, dass auch zentral korrigiert wird, nicht von der Lehrkraft. D. h. es herrscht eine relativ echte (!) Vergleichbarkeit landesweit vor (wobei ich nicht vom Zentralabitur überzeugt bin). Insofern ist der Druck auf SchülerInnen und Lehrkräfte sehr hoch, den geforderten Stoff zu behandeln und durchzukriegen und es ist nachvollziehbar, warum das Tempo so hoch und die Unterrichtsform der Frontalunterricht ist (meiner Meinung nach ist das System allerdings sehr fraglich – wie auch die Abschlussprüfungen in der 9. und 10 Klasse in Deutschland, da ein „learning to the test“ forciert wird).
Im 1. Jahr der gymnasialen Oberstufe (10. Schuljahr) wählen die SchülerInnen meistens die obligatorischen Kurse: eine bestimmte Anzahl an…
- Finnisch- und Schwedischkursen
- Mathekursen
- Physikkursen
- Musik- und Kunstkursen
- Fremdsprachkursen (meist Englisch)
(Das ist nicht vollständig. Leider habe ich nicht mehr Informationen aus erster Hand bekommen können.)
Alle anderen und weiteren Kurse sind wahlfrei.
Die Noten eines Kurses setzen sich zum größten Teil aus der Note der schriftlichen oder mündlichen Prüfung am Ende des Kurses zusammen. Die Lehrkraft kann aber eine Note höher oder tiefer gehen, wenn z.B. ein Referat gehalten wurde oder die Bemühungen im Kurs besonders gut bzw. besonders gering waren. Diese Noten zählen auch mit ins Abitur hinein. Hier weiß ich wiederum leider nichts Genaueres.
Die Kurs- und auch Abiturprüfungen in den Fremdsprachen sehen nach meinem Wissen unseren Abschlussprüfungen (vom Aufbau, nicht vom Inhalt her!) ähnlich: Hörverstehen, Leseverstehen, Grammatik, Schreiben.
Nun noch einmal etwas zu den finnischen Schulen in der Zusammenfassung von Rainer Domisch, Leiter des Zentralamts für das finnische Unterrichtswesen. Des Weiteren eine Kopie zum Aufbau des finnischen Schulsystems am Beispiel von drei Schulen in Vantaa, die in zwei Minuten Entfernung zueinander liegen und aufeinander aufbauen.
Sonntag, 22. März 2009
Wochenrückblick II
Meine Erlebnisse in der Schule:
• 80% der KollegInnen haben kein Auto und kommen mit dem Bus oder dem Zug zur Arbeit. Selbst wenn sie ein Auto haben, kommen sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule. Die wenigen Finnen, die ich außerhalb des Schulkollegiums getroffen habe, hatten in den meisten Fällen auch kein Auto. Wenn man in Helsinki oder Nachbarort wohnt, braucht man einfach kein Auto. Die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr gut ausgebaut! Generell sind auch die Zug- und Busverbindungen ins Landesinnere Finnlands sehr gut (nur eben sehr teuer…).
• Die Lehrkraft sorgt sich selbst um die Vertretung ihrer Stunden, wenn sie im Vorfeld weiß, dass sie dann und dann fehlen wird. So kann sie ihre Geschwister, Freunde, Bekannten, PraktikantInnen ( ;-) ) etc. fragen, dies zu tun. Fehlt man plötzlich krankheitsbedingt, dann regelt das die Schule. Meist springen dann die Sonder- und SozialpädagogInnen ein.
• Diese Schule hat nicht das Prinzip „Die Lehrkraft geht zu den Klassen“, sondern „Die Klassen gehen zur Lehrkraft“! D.h. der Deutschunterricht der einzelnen Klassen findet immer im Klassenzimmer meiner Mentorin statt, die den Raum entsprechend lernförderlich und lernanregend gestaltet hat. Was sich mir als Englisch- und Geschichtslehrerin da für Möglichkeiten eröffnen würden! Ich könnte meinen Raum nach meinem Ermessen gestalten und nicht in jedem Klassenraum, wo ich Englisch oder Geschichte unterrichte, da vereinzelt ein Plakat oder da ohne Zusammenhang ein Poster hinhängen. Ich könnte eine interessante Lernumgebung schaffen und Bücher sowie Materialien zur Verfügung stellen, welche die Motivation der SchülerInnen wecken…
• Ich hatte ja schon öfters die Schüchternheit der finnischen Kinder beschrieben. Im Gespräch mit einigen KollegInnen kam nun zum Vorschein, dass sie sich selbst darüber wundern und Schwierigkeiten im Unterricht haben, weil die Kinder nicht aus sich herauskommen und sich nicht melden. Besonders im Sprachunterricht ist das natürlich ein Problem. In meinen Kleingruppenarbeiten mit zwei bis drei SchülerInnen habe ich wiederum ganz andere Erfahrungen gemacht und ich kann wunderbar mit den Kindern und Jugendlichen sprechen und arbeiten!
• Die meisten Finnen bleiben lieber unter sich. Das ist im Kollegium auch spürbar. Es können zwar alle Lehrkräfte mindestens Englisch, doch abhängig von ihren Auslandserfahrungen kommen sie nicht freiwillig auf einen zu. Es ist deutlich zu erkennen, dass diejenigen, die selbst schon einmal im Ausland gelebt haben oder Kontakte außerhalb Finnlands pflegen, offen und interessiert an Menschen aus dem Ausland sind. Alle anderen unterhalten sich lieber mit ihresgleichen. Wenn man allerdings auch auf diese KollegInnen zugeht oder Fragen hat, sind sie sehr freundlich und antworten und helfen und tun, was in ihrer Macht steht. Eine komische Mischung…
• Dieses Phänomen des Zusammenhangs von Weltoffenheit und Auslandskontakten ist auch in den Klassen zu spüren. Rein finnische Klassen ohne Migrantenkinder sind sehr still, schüchtern und introvertiert. Reine Migrantengruppen (z.B. der Finnischunterricht für die Migrantenkinder) sind sehr lebhaft, lauter, offener gegenüber Fremden und kommunikativer. Gemischte Klassen (die Regel) mit Kindern mit Migrationshintergrund sind aus meiner Sicht insofern eine Bereicherung für den Unterricht. Dies gilt übrigens meiner Meinung nach auch in Deutschland! Es ist eine Bereicherung für alle Beteiligten, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenkommen und es einen toleranten und offenen Austausch über unterschiedliche Sichtweisen, Traditionen und Erfahrungen gibt!
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag!
• 80% der KollegInnen haben kein Auto und kommen mit dem Bus oder dem Zug zur Arbeit. Selbst wenn sie ein Auto haben, kommen sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule. Die wenigen Finnen, die ich außerhalb des Schulkollegiums getroffen habe, hatten in den meisten Fällen auch kein Auto. Wenn man in Helsinki oder Nachbarort wohnt, braucht man einfach kein Auto. Die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr gut ausgebaut! Generell sind auch die Zug- und Busverbindungen ins Landesinnere Finnlands sehr gut (nur eben sehr teuer…).
• Die Lehrkraft sorgt sich selbst um die Vertretung ihrer Stunden, wenn sie im Vorfeld weiß, dass sie dann und dann fehlen wird. So kann sie ihre Geschwister, Freunde, Bekannten, PraktikantInnen ( ;-) ) etc. fragen, dies zu tun. Fehlt man plötzlich krankheitsbedingt, dann regelt das die Schule. Meist springen dann die Sonder- und SozialpädagogInnen ein.
• Diese Schule hat nicht das Prinzip „Die Lehrkraft geht zu den Klassen“, sondern „Die Klassen gehen zur Lehrkraft“! D.h. der Deutschunterricht der einzelnen Klassen findet immer im Klassenzimmer meiner Mentorin statt, die den Raum entsprechend lernförderlich und lernanregend gestaltet hat. Was sich mir als Englisch- und Geschichtslehrerin da für Möglichkeiten eröffnen würden! Ich könnte meinen Raum nach meinem Ermessen gestalten und nicht in jedem Klassenraum, wo ich Englisch oder Geschichte unterrichte, da vereinzelt ein Plakat oder da ohne Zusammenhang ein Poster hinhängen. Ich könnte eine interessante Lernumgebung schaffen und Bücher sowie Materialien zur Verfügung stellen, welche die Motivation der SchülerInnen wecken…
• Ich hatte ja schon öfters die Schüchternheit der finnischen Kinder beschrieben. Im Gespräch mit einigen KollegInnen kam nun zum Vorschein, dass sie sich selbst darüber wundern und Schwierigkeiten im Unterricht haben, weil die Kinder nicht aus sich herauskommen und sich nicht melden. Besonders im Sprachunterricht ist das natürlich ein Problem. In meinen Kleingruppenarbeiten mit zwei bis drei SchülerInnen habe ich wiederum ganz andere Erfahrungen gemacht und ich kann wunderbar mit den Kindern und Jugendlichen sprechen und arbeiten!
• Die meisten Finnen bleiben lieber unter sich. Das ist im Kollegium auch spürbar. Es können zwar alle Lehrkräfte mindestens Englisch, doch abhängig von ihren Auslandserfahrungen kommen sie nicht freiwillig auf einen zu. Es ist deutlich zu erkennen, dass diejenigen, die selbst schon einmal im Ausland gelebt haben oder Kontakte außerhalb Finnlands pflegen, offen und interessiert an Menschen aus dem Ausland sind. Alle anderen unterhalten sich lieber mit ihresgleichen. Wenn man allerdings auch auf diese KollegInnen zugeht oder Fragen hat, sind sie sehr freundlich und antworten und helfen und tun, was in ihrer Macht steht. Eine komische Mischung…
• Dieses Phänomen des Zusammenhangs von Weltoffenheit und Auslandskontakten ist auch in den Klassen zu spüren. Rein finnische Klassen ohne Migrantenkinder sind sehr still, schüchtern und introvertiert. Reine Migrantengruppen (z.B. der Finnischunterricht für die Migrantenkinder) sind sehr lebhaft, lauter, offener gegenüber Fremden und kommunikativer. Gemischte Klassen (die Regel) mit Kindern mit Migrationshintergrund sind aus meiner Sicht insofern eine Bereicherung für den Unterricht. Dies gilt übrigens meiner Meinung nach auch in Deutschland! Es ist eine Bereicherung für alle Beteiligten, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenkommen und es einen toleranten und offenen Austausch über unterschiedliche Sichtweisen, Traditionen und Erfahrungen gibt!
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag!
Wochenrückblick I
Meine Erfahrungen mit der finnischen Kultur:
• Seit letztem Sonntag war das Wetter ziemlich bescheiden. Es war ständig trüb, die Wolken hangen tief, es machte ständig den Anschein, als ob es gleich schneien würde, die Maximaltemperatur diese Woche war +3°C (wow!) (aber meistens um Null Grad oder darunter…). Ich war ständig müde und auch die Stimmung im Kollegium war teils gereizt. Am Donnerstag kam dann die Erlösung für alle: die Sonne!!! Das Gesprächsthema Nr. 1! (Die Menschen hier warten auf den Frühling, der noch etwas auf sich warten lassen wird. Ende April, Anfang Mai kann man mit dem Vollfrühling rechnen.) Es war zwar immer noch eisig kalt und windig, doch die Menschen wachten auf und waren entspannter! Mir ist dieser Effekt lange nicht mehr so bewusst gewesen wie hier! Am Freitag war es dann wieder trüb, doch man schöpfte noch Energie vom Vortag. Am Samstag (wie ich gestern schon beschrieben habe) hat sich die Sonne wieder gegen die Wolken durchgesetzt und das hält bis heute an. Momentan ziehen allerdings Wolken auf…doch mein Morgenspaziergang war unter strahlend blauem Himmel :-)
• Ca. 70% der finnischen Menschen haben blaue Augen und blonde Haare (darunter alle möglichen Nuancen des Blondtons). Alle anderen haben braune oder schwarze Haare mit blauer oder anderer Augenfarbe. Diese Menschen sind allerdings meistens nicht finnisch oder sie haben ein Elternteil, das gebürtig nicht aus Finnland kommt.
• Die Busfahrten – ein Kapitel für sich ;-) Meine Erfahrung ist, dass die BusfahrerInnen wie Wahnsinnige über die Stadtautobahn rasen und dann abrupt bremsen, wenn jemand von der Bushaltestelle aus winkt. Das Erstaunliche an den Bushaltestellen ist auch, dass sie meist hinter einer Schallmauer versteckt sind! D.h., erst wenn man kurz vor der Bushaltestelle ist, sieht man, ob da jemand winkt. Dann muss natürlich eine extrem starke Bremsung her! Da ist echt wichtig, dass man sich am Vorsitz festhält, um nicht davor geschleudert zu werden. Ich habe versucht, das mal in einem Video festzuhalten. Ich weiß aber nicht, ob die Szenerie so gut wirkt:
Weiterhin bekomme ich morgens regelmäßig Panikattacken, wenn fünf bis sechs Busse gleichzeitig auf meine Bushaltestelle zugefahren kommen und ich erkennen muss, ob mein Bus auch darunter ist und dann auch noch dem richtigen Bus winken muss, damit dieser anhält! Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft, ein Foto davon zu machen, da ich zu sehr damit beschäftig bin, meinen Bus zu bekommen…
• In Helsinki und dann vermutlich auch sonst nirgendwo in Finnland gibt es Hochhäuser, wie wir sie aus unseren Großstädten kennen (wobei unsere ja auch nicht so hoch sind im Vergleich zu einigen asiatischen und amerikanischen Großstädten…). Bisher habe ich als höchstes ein neunstöckiges Wohnhaus gefunden. Das ist schon zu einem Sport für mich geworden, in neuen Stadtteilen oder Orten die Stockwerke eines Hauses zu zählen ;-)
• Die Finnen lieben es, sich draußen aktiv zu bewegen. So sieht man speziell in Parks ständig Menschen mit Hunden, mit Kinderwagen, mit Kindern im Schnee, beim Spazierengehen, Joggen oder beim Nordic Walking mit Stöcken. Sie finden es auch ganz toll, über zugefrorene Seen, Flüsse oder das Meer zu laufen, auch wenn das Eis am Ufer schon taut… Ganz besonders lieben sie aber den Skilanglauf – auch auf kleinsten Parkflächen! Einige KollegInnen erzählten mir, dass sie vor der Schule oder während der Schulzeit mit ihren Klassen oder direkt nach der Schule Ski laufen gehen. Skilanglauf am Wochenende ist ein Muss für viele KollegInnen! Von meinem Fenster aus kann ich dieses Treiben im Park immer sehr gut beobachten!
• Die Finnen lieben auch Lakritz in allen Variationen! Als neuste Erfindung wurde die Kombination aus Schokolade und Lakritz-Füllung auf den Markt gebracht (das hat es mir auch angetan – ich liebe Lakritz und Schokolade und jetzt auch noch 2 in 1 – toll!!!)!
• Das Telefonieren und SMS verschicken ist in Finnland mit finnischen Handykarten unglaublich günstig – das ist wahrscheinlich das einzig günstigere, was ich bisher im Vergleich zu Deutschland gefunden habe! Eine SMS verschicken kostet 7 Cent, auch nach Deutschland, und eine Minute telefonieren kostet 4 Cent! Unglaublich! Die meisten Menschen in Finnland besitzen eins oder mehrere Nokia-Handys…
• Viele Finnen tragen Brillen, oft von D&G…
• Der Zebrastreifen dient meist der Zierde der Straße und nicht als Hinweis für die Autos und Busse, langsamer zu werden und Ausschau zu halten, ob FußgängerInnen die Straße überqueren wollen. Also Vorsicht bei Zebrastreifen! Die Autos halten in den allermeisten Fällen nicht an!
• In der Stadt gibt es kaum FahrradfahrerInnen. Ob das wetterbedingt ist, werde ich weiterhin beobachten.
• Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber ich habe den Eindruck, dass es nicht viele Postkästen in Helsinki und Umgebung gibt. Es dauerte ziemlich lange, bis ich EINEN Briefkasten in meinem Wohngebiet gefunden hatte und von dort einige Postkarten verschicken konnte. Auch im Zentrum freue ich mich jedes Mal, wenn ich einen orangefarbenen Kasten sehe, weil es irgendwie so wenige gibt…
• In Finnland gibt es in Lebensmittelgeschäften, Kiosken etc. keinen Alkohol zu kaufen außer billiges Bier und alkoholfreie Getränke. „Alko“ ist die einzige Kette in Finnland, die Alkohol verkaufen darf. Sie hat das Monopol auf diesem Gebiet und ist auch unabhängig vom Staat. Der Staat kann nicht über die Alkoholsteuer bestimmen. Insofern legt „Alko“ selbst die Preise fest. Alkohol in Finnland ist überdurchschnittlich teuer. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass die Schiffsfahrten nach Tallinn so berühmt-berüchtigt für die Alkoholexzesse sind…

• Viele Finnen schämen sich für diese „Schifftrinktouren“ ihrer Landsleute. Es gibt sogar extra Schiffe, die 24 Stunden über das Meer fahren…
• In Finnland werden keine 1 und 2 Cent Münzen benutzt. Die gibt es hier gar nicht und man bekommt sie auch nirgendwo. Bei einem Preis von z.B. 3,99 € bezahlt man automatisch 4 €. Es gibt keinen Cent zurück. Seit meinem Aufenthalt hier habe ich auch tatsächlich keine 1 und 2 Cent Stücke mehr im Portemonnaie.
• Seit letztem Sonntag war das Wetter ziemlich bescheiden. Es war ständig trüb, die Wolken hangen tief, es machte ständig den Anschein, als ob es gleich schneien würde, die Maximaltemperatur diese Woche war +3°C (wow!) (aber meistens um Null Grad oder darunter…). Ich war ständig müde und auch die Stimmung im Kollegium war teils gereizt. Am Donnerstag kam dann die Erlösung für alle: die Sonne!!! Das Gesprächsthema Nr. 1! (Die Menschen hier warten auf den Frühling, der noch etwas auf sich warten lassen wird. Ende April, Anfang Mai kann man mit dem Vollfrühling rechnen.) Es war zwar immer noch eisig kalt und windig, doch die Menschen wachten auf und waren entspannter! Mir ist dieser Effekt lange nicht mehr so bewusst gewesen wie hier! Am Freitag war es dann wieder trüb, doch man schöpfte noch Energie vom Vortag. Am Samstag (wie ich gestern schon beschrieben habe) hat sich die Sonne wieder gegen die Wolken durchgesetzt und das hält bis heute an. Momentan ziehen allerdings Wolken auf…doch mein Morgenspaziergang war unter strahlend blauem Himmel :-)
• Ca. 70% der finnischen Menschen haben blaue Augen und blonde Haare (darunter alle möglichen Nuancen des Blondtons). Alle anderen haben braune oder schwarze Haare mit blauer oder anderer Augenfarbe. Diese Menschen sind allerdings meistens nicht finnisch oder sie haben ein Elternteil, das gebürtig nicht aus Finnland kommt.
• Die Busfahrten – ein Kapitel für sich ;-) Meine Erfahrung ist, dass die BusfahrerInnen wie Wahnsinnige über die Stadtautobahn rasen und dann abrupt bremsen, wenn jemand von der Bushaltestelle aus winkt. Das Erstaunliche an den Bushaltestellen ist auch, dass sie meist hinter einer Schallmauer versteckt sind! D.h., erst wenn man kurz vor der Bushaltestelle ist, sieht man, ob da jemand winkt. Dann muss natürlich eine extrem starke Bremsung her! Da ist echt wichtig, dass man sich am Vorsitz festhält, um nicht davor geschleudert zu werden. Ich habe versucht, das mal in einem Video festzuhalten. Ich weiß aber nicht, ob die Szenerie so gut wirkt:
Weiterhin bekomme ich morgens regelmäßig Panikattacken, wenn fünf bis sechs Busse gleichzeitig auf meine Bushaltestelle zugefahren kommen und ich erkennen muss, ob mein Bus auch darunter ist und dann auch noch dem richtigen Bus winken muss, damit dieser anhält! Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft, ein Foto davon zu machen, da ich zu sehr damit beschäftig bin, meinen Bus zu bekommen…
• In Helsinki und dann vermutlich auch sonst nirgendwo in Finnland gibt es Hochhäuser, wie wir sie aus unseren Großstädten kennen (wobei unsere ja auch nicht so hoch sind im Vergleich zu einigen asiatischen und amerikanischen Großstädten…). Bisher habe ich als höchstes ein neunstöckiges Wohnhaus gefunden. Das ist schon zu einem Sport für mich geworden, in neuen Stadtteilen oder Orten die Stockwerke eines Hauses zu zählen ;-)
• Die Finnen lieben es, sich draußen aktiv zu bewegen. So sieht man speziell in Parks ständig Menschen mit Hunden, mit Kinderwagen, mit Kindern im Schnee, beim Spazierengehen, Joggen oder beim Nordic Walking mit Stöcken. Sie finden es auch ganz toll, über zugefrorene Seen, Flüsse oder das Meer zu laufen, auch wenn das Eis am Ufer schon taut… Ganz besonders lieben sie aber den Skilanglauf – auch auf kleinsten Parkflächen! Einige KollegInnen erzählten mir, dass sie vor der Schule oder während der Schulzeit mit ihren Klassen oder direkt nach der Schule Ski laufen gehen. Skilanglauf am Wochenende ist ein Muss für viele KollegInnen! Von meinem Fenster aus kann ich dieses Treiben im Park immer sehr gut beobachten!
• Die Finnen lieben auch Lakritz in allen Variationen! Als neuste Erfindung wurde die Kombination aus Schokolade und Lakritz-Füllung auf den Markt gebracht (das hat es mir auch angetan – ich liebe Lakritz und Schokolade und jetzt auch noch 2 in 1 – toll!!!)!
• Das Telefonieren und SMS verschicken ist in Finnland mit finnischen Handykarten unglaublich günstig – das ist wahrscheinlich das einzig günstigere, was ich bisher im Vergleich zu Deutschland gefunden habe! Eine SMS verschicken kostet 7 Cent, auch nach Deutschland, und eine Minute telefonieren kostet 4 Cent! Unglaublich! Die meisten Menschen in Finnland besitzen eins oder mehrere Nokia-Handys…
• Viele Finnen tragen Brillen, oft von D&G…
• Der Zebrastreifen dient meist der Zierde der Straße und nicht als Hinweis für die Autos und Busse, langsamer zu werden und Ausschau zu halten, ob FußgängerInnen die Straße überqueren wollen. Also Vorsicht bei Zebrastreifen! Die Autos halten in den allermeisten Fällen nicht an!
• In der Stadt gibt es kaum FahrradfahrerInnen. Ob das wetterbedingt ist, werde ich weiterhin beobachten.
• Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber ich habe den Eindruck, dass es nicht viele Postkästen in Helsinki und Umgebung gibt. Es dauerte ziemlich lange, bis ich EINEN Briefkasten in meinem Wohngebiet gefunden hatte und von dort einige Postkarten verschicken konnte. Auch im Zentrum freue ich mich jedes Mal, wenn ich einen orangefarbenen Kasten sehe, weil es irgendwie so wenige gibt…
• In Finnland gibt es in Lebensmittelgeschäften, Kiosken etc. keinen Alkohol zu kaufen außer billiges Bier und alkoholfreie Getränke. „Alko“ ist die einzige Kette in Finnland, die Alkohol verkaufen darf. Sie hat das Monopol auf diesem Gebiet und ist auch unabhängig vom Staat. Der Staat kann nicht über die Alkoholsteuer bestimmen. Insofern legt „Alko“ selbst die Preise fest. Alkohol in Finnland ist überdurchschnittlich teuer. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass die Schiffsfahrten nach Tallinn so berühmt-berüchtigt für die Alkoholexzesse sind…
• Viele Finnen schämen sich für diese „Schifftrinktouren“ ihrer Landsleute. Es gibt sogar extra Schiffe, die 24 Stunden über das Meer fahren…
• In Finnland werden keine 1 und 2 Cent Münzen benutzt. Die gibt es hier gar nicht und man bekommt sie auch nirgendwo. Bei einem Preis von z.B. 3,99 € bezahlt man automatisch 4 €. Es gibt keinen Cent zurück. Seit meinem Aufenthalt hier habe ich auch tatsächlich keine 1 und 2 Cent Stücke mehr im Portemonnaie.
Samstag, 21. März 2009
Porvoo am 21. März 2009
What a great day – what a great old town – what beautiful sunshine :-)
Alle, die noch etwas länger Zeit in Helsinki verbringen möchten und Interesse an typisch finnischer Holzhausarchitektur haben und in solch einer Atmosphäre verweilen möchten, sollten einen Halbtagesausflug nach Porvoo einplanen!!!
Dies nahm ich mir für den heutigen Tag also vor und irgendetwas war sehr gnädig mit mir: ich wachte auf und nahm den schönsten Sonnenschein draußen wahr!!! Welche Freude! Die Sonne! Und das am Frühlingsanfang (zumindest in Deutschland, soweit ich das mitbekomme…hier ist immer noch alles ziemlich kahl, keine Blätter an den Bäumen, keine Blumen, keine Grünflächen, keine klaren Seen, alles noch schneebedeckt…)!
Morgens um 10 Uhr bin ich mit dem ExpressBus vom Kamppi Busbahnhof (war auch eine neue Erfahrung für mich – in diesen unterirdischen Katakomben war ich bisher noch nicht unterwegs…der Busbahnhof unter dem Kamppi Einkaufszentrum ist beinahe wie ein Flughaben aufgebaut mit unterschiedlichen Gates für unterschiedliche Ziele…und man wartet in einer Schlange vor der Glastür bis der Bus davor ankommt, die Tür aufgemacht wird und man boarden kann ;-) ) nach Porvoo gefahren. Die etwas über 50 km werden je nach Strecke in einer Stunde zurückgelegt. Verlässt man Helsinki (was überraschenderweise sehr weitläufig ist!), kommt nichts weiter als schneeweiße Landschaft und zugefrorene und weiße Seen. Ab und zu entdeckt man vereinzelt die typischen Holzhäuser im Wald versteckt. Teilweise findet man diese vereinzelten Holzhäuser nebeneinander versammelt (so vier Häuser) und sie bilden einen Ort ;-) Bei der Einfahrt in Porvoo erwartet einen schon eine sehr schöne und einladende Kulisse. Dieser Eindruck wird beim Ausstieg am Busbahnhof in Porvoo leider nicht bestätigt. Da sieht es halt eben stadtmäßig aus. Der Wegweiser in Porvoo sieht auch etwas spärlich aus, erweist sich jedoch als sehr hilfreich und überschaubar! Zunächst (be-)suchte ich also das Runeberg Museum. Johan Ludvig Runeberg war der berühmteste finnischschwedische Nationaldichter und lebte einen Großteil seines Lebens in Porvoo in dem Haus, wo jetzt das Museum ist. Er schrieb „Fähnrich Stahl“, das vom schwedisch-russischen Krieg 1808/1809 handelt. Es machte ihn international berühmt. Zudem entstammt daraus die noch heute geltende finnische Nationalhymne „Unser Land“. An seinem Geburtstag (5. Februar) wird das ganze Land beflaggt und es finden Feste zu seinen Ehren statt. Der Museumsbesuch ist empfehlenswert.
Danach machte ich mich auf den Weg zum Hafen und genoss die Sonne (natürlich nicht ohne eisigen und heftigen Wind…), die Aussicht und die typischen finnischen Holzbauten am Fluss. In den Anblick dieses Genusses kam ich allerdings erst so richtig, als ich das Stadtzentrum verließ und mich auf den Weg in die „Old Town“ machte. Laut Marco Polo Reiseführer ist die „Holzhausarchitektur (…) – außer in Rauma – nirgendwo sonst in Finnland so komplett und schön erhalten wie in der Stadt aus dem 14. Jh.“ Das kann ich nur bestätigen! Ich machte einen langen und ausgiebigen Spaziergang durch das Wohngebiet lauter Holzhäuser und konnte mich gar nicht satt sehen! Ein Haus schöner und farbiger als das andere! Und die Menschen wohnen darin!!! Einfach klasse! Natürlich darf auch eine Kirche nicht fehlen! Die berühmte und geschichtsträchtige Kathedrale im Zentrum der Altstadt wurde im Jahr 2006 Ziel von Brandstiftung. Dabei wurden das historische Dach komplett und die Innenausstattung teilweise zerstört. Diese Tat rief in Finnland große Empörung hervor.
Gegenüber vom Dom befindet sich eine kleine aber feine Schokoladenfabrik!!! Sie besteht praktisch aus zwei Räumen: dem Raum, wo die Schokolode hergestellt wird, der auch von den BesucherInnen eingesehen kann, und dem Verkaufsraum, wo praktisch 7 Menschen Platz haben. Die Preise sind natürlich „hand-made“ entsprechend. Doch einen Besuch ist die kleine schnuckelige Schokoladenfabrik Wert und eine leckere heiße Schokolade war für mich auch drin ;-)
Um 14.40 Uhr nahm ich den Bus zurück nach Helsinki (die Busse fahren sehr regelmäßig, in manchen Stunden alle 20 Minuten!!!), war um 15.40 Uhr da und hatte noch den Rest des Tages für dies und jenes! Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und die Zeit hat, sollte bei einem Helsinkibesuch einen halben Tag für Porvoo einrechnen!
Hier einige Impressionen zu Porvoo:
Alle, die noch etwas länger Zeit in Helsinki verbringen möchten und Interesse an typisch finnischer Holzhausarchitektur haben und in solch einer Atmosphäre verweilen möchten, sollten einen Halbtagesausflug nach Porvoo einplanen!!!
Dies nahm ich mir für den heutigen Tag also vor und irgendetwas war sehr gnädig mit mir: ich wachte auf und nahm den schönsten Sonnenschein draußen wahr!!! Welche Freude! Die Sonne! Und das am Frühlingsanfang (zumindest in Deutschland, soweit ich das mitbekomme…hier ist immer noch alles ziemlich kahl, keine Blätter an den Bäumen, keine Blumen, keine Grünflächen, keine klaren Seen, alles noch schneebedeckt…)!
Morgens um 10 Uhr bin ich mit dem ExpressBus vom Kamppi Busbahnhof (war auch eine neue Erfahrung für mich – in diesen unterirdischen Katakomben war ich bisher noch nicht unterwegs…der Busbahnhof unter dem Kamppi Einkaufszentrum ist beinahe wie ein Flughaben aufgebaut mit unterschiedlichen Gates für unterschiedliche Ziele…und man wartet in einer Schlange vor der Glastür bis der Bus davor ankommt, die Tür aufgemacht wird und man boarden kann ;-) ) nach Porvoo gefahren. Die etwas über 50 km werden je nach Strecke in einer Stunde zurückgelegt. Verlässt man Helsinki (was überraschenderweise sehr weitläufig ist!), kommt nichts weiter als schneeweiße Landschaft und zugefrorene und weiße Seen. Ab und zu entdeckt man vereinzelt die typischen Holzhäuser im Wald versteckt. Teilweise findet man diese vereinzelten Holzhäuser nebeneinander versammelt (so vier Häuser) und sie bilden einen Ort ;-) Bei der Einfahrt in Porvoo erwartet einen schon eine sehr schöne und einladende Kulisse. Dieser Eindruck wird beim Ausstieg am Busbahnhof in Porvoo leider nicht bestätigt. Da sieht es halt eben stadtmäßig aus. Der Wegweiser in Porvoo sieht auch etwas spärlich aus, erweist sich jedoch als sehr hilfreich und überschaubar! Zunächst (be-)suchte ich also das Runeberg Museum. Johan Ludvig Runeberg war der berühmteste finnischschwedische Nationaldichter und lebte einen Großteil seines Lebens in Porvoo in dem Haus, wo jetzt das Museum ist. Er schrieb „Fähnrich Stahl“, das vom schwedisch-russischen Krieg 1808/1809 handelt. Es machte ihn international berühmt. Zudem entstammt daraus die noch heute geltende finnische Nationalhymne „Unser Land“. An seinem Geburtstag (5. Februar) wird das ganze Land beflaggt und es finden Feste zu seinen Ehren statt. Der Museumsbesuch ist empfehlenswert.
Danach machte ich mich auf den Weg zum Hafen und genoss die Sonne (natürlich nicht ohne eisigen und heftigen Wind…), die Aussicht und die typischen finnischen Holzbauten am Fluss. In den Anblick dieses Genusses kam ich allerdings erst so richtig, als ich das Stadtzentrum verließ und mich auf den Weg in die „Old Town“ machte. Laut Marco Polo Reiseführer ist die „Holzhausarchitektur (…) – außer in Rauma – nirgendwo sonst in Finnland so komplett und schön erhalten wie in der Stadt aus dem 14. Jh.“ Das kann ich nur bestätigen! Ich machte einen langen und ausgiebigen Spaziergang durch das Wohngebiet lauter Holzhäuser und konnte mich gar nicht satt sehen! Ein Haus schöner und farbiger als das andere! Und die Menschen wohnen darin!!! Einfach klasse! Natürlich darf auch eine Kirche nicht fehlen! Die berühmte und geschichtsträchtige Kathedrale im Zentrum der Altstadt wurde im Jahr 2006 Ziel von Brandstiftung. Dabei wurden das historische Dach komplett und die Innenausstattung teilweise zerstört. Diese Tat rief in Finnland große Empörung hervor.
Gegenüber vom Dom befindet sich eine kleine aber feine Schokoladenfabrik!!! Sie besteht praktisch aus zwei Räumen: dem Raum, wo die Schokolode hergestellt wird, der auch von den BesucherInnen eingesehen kann, und dem Verkaufsraum, wo praktisch 7 Menschen Platz haben. Die Preise sind natürlich „hand-made“ entsprechend. Doch einen Besuch ist die kleine schnuckelige Schokoladenfabrik Wert und eine leckere heiße Schokolade war für mich auch drin ;-)
Um 14.40 Uhr nahm ich den Bus zurück nach Helsinki (die Busse fahren sehr regelmäßig, in manchen Stunden alle 20 Minuten!!!), war um 15.40 Uhr da und hatte noch den Rest des Tages für dies und jenes! Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und die Zeit hat, sollte bei einem Helsinkibesuch einen halben Tag für Porvoo einrechnen!
Hier einige Impressionen zu Porvoo:
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| Porvoo am 21. März 2009 |
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