Huch, wer ist denn da so fleißig und konzentriert bei der Arbeit?
Meine „Mentorin“ ist dieser Tage über eine seitenlange Liste mit kleinster Schrift, tabellenformartig gegliedert und mit vielen freien Feldern gebeugt, blättert parallel in einem Katalog und trägt Zahlen in die Liste ein.
Was macht sie da bloß?
Das sieht nun wirklich nicht wie Unterrichtsmaterial aus und auch nicht nach Unterrichtsvorbereitung! Was macht aber eine Lehrerin sonst in der Schule an ihrem Pult?
Hochkonzentriert blickt sie auf und lässt sich nur ungern stören…doch für mich macht sie eine Ausnahme ;-)
Die Auflösung ist: Sie macht die Lehr- und Lernmittelbestellungen für ihre kommende neue 1. Klasse im nächsten Schuljahr!!!
Aha, nun wird mir einiges klar!
Die vollen Schränke mit Heften, Stiften aller Art, Anspitzern, Linealen, Scheren, Klebestiften, Papier etc. etc. in jedem Klassenzimmer sind nicht einfach nur da (naja, das war auch ein bisschen einfach von mir gedacht…), sondern sie müssen erst in mühevoller Arbeit von dem/der zukünftigen KlassenlehrerIn bestellt werden!
Dafür muss erst geschaut werden, was noch da und brauchbar ist, dann abhängig von der Klassenstärke abgeschätzt werden, wie der Verbrauch in einem Schuljahr sein wird und dann noch einmal die Qualität der vorhandenen Produkte überprüft und verglichen werden. Daraufhin werden Katalog und eine ca. zehnseitige Liste nebeneinander gelegt und los geht’s mit der Kleinstarbeit: erst entscheidet die Lehrkraft aus einer Auswahl von ca. elf unterschiedlichen Anspitzern (als Beispiel), welchen sie nun haben möchte, dann muss sie den Namen und die Bestellnummer dieses Anspitzers in der Liste finden, danach den Preis berücksichtigen und zum Schluss die Anzahl auf drei Parallelklassen überschlagen und in die super kleingedruckte Liste eintragen. Und diese Prozedur muss für jeden einzelnen Schulartikel wiederholt werden. Die Armen…
Insgesamt ist dies eine Arbeit von ca. 5 Stunden, wenn man nicht gestört wird und alleine arbeitet. Abhängig von Klassenstufenteams kann auch in einer Gruppe gearbeitet werden. Beides hat natürlich Vor- und Nachteile.
Das Tolle an der Sache ist – wenn man von der Arbeit absieht –, dass die Kinder zu Schuljahresbeginn in die Klassenzimmer kommen und es ist für alles gesorgt! Niemand muss Hefte, Radiergummis, Bleistifte etc. kaufen! Es ist einfach alles da!
Ich finde diese Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zum 9. Schuljahr einfach klasse!
Es kann in finnischen Klassenzimmer nicht heißen (so wie ich es in einigen meiner Klasse des Öfteren gehört habe): „Ich habe kein Blatt!“; „Ich habe nix zu schreiben!“; „Kann mir mal jemand ein Blatt und einen Stift leihen?“
Kein Kind und kein/e Jugendliche/r muss sich dafür schämen und erniedrigt fühlen, dass die Eltern kein Geld für Schulmaterial haben (oder ausgeben möchten), ob es sich nun um einen Stift oder um ein Arbeitsbuch handelt. Hier in Finnland ist es selbstverständlich, dass die Schule (bzw. die Kommune dahinter) für jegliche Schulbücher und jegliches Schulmaterial sorgt!!!
Liebe Kollegin, dafür lohnt sich die Arbeit! Ich würde solche Listen auch gern ausfüllen, wenn die Politik nur das Geld für das Material zur Verfügung stellen würde…
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| Bestellungen für das nächste Jahr |


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