Sonntag, 26. April 2009

Besuch des Sotungin lukio in Vantaa

Es geht auch offen :-)

Endlich habe ich es geschafft, die gymnasiale Oberstufe des Sotungin lukio in Vantaa zu besuchen. Schon im Vorfeld hatte ich eine sehr nette Konversation per E-Mail mit der stellvertretenden Schulleiterin und wir einigten uns auf den 20. April 2009 für einen 1-Tages-Besuch an dieser Schule. Ich verbrachte einen ganzen Schultag von 9-15 Uhr an der Schule und dies war eine ganz fantastische Erfahrung für mich!!!

Schon beim Ankommen war ich von dem Schulgelände sehr beeindruckt! Es war sehr großflächig, weitläufig und bot viel Raum für unterschiedliche Sportplätze und sportliche Aktivitäten aller Art! Später erfuhr ich, dass die Schule u. a. einen Schwerpunkt auf Sport setzt und viele SchülerInnen schon zu der Nr. 1 in Fußball, Eishockey etc. gehören. Aber eins nach dem anderen. In der Schule selbst wurde ich sehr herzlich und freundlich von der Konrektorin empfangen – nach anfänglichen Schwierigkeiten, da ich im falschen Sekretariat saß, und zwar dem von der Mittelstufe und nicht dem von der gymnasialen Oberstufe! Die Konrektorin hatte mich schon gesucht! Das war mir sehr unangenehm, aber wir konnten direkt gemeinsam lachen! Danach stellte sie mich einigen KollegInnen vor und die Offenheit, die mir von ihnen entgegengebracht wurde – unglaublich! So etwas war ich bisher kaum gewohnt! Die Lehrkräfte waren sehr interessiert an mir (woher ich komme, was ich momentan mache, was ich über die finnischen Schulen denke und wie die Schulsituation in Deutschland aussieht) und sie sprachen fast alle spontan Deutsch! Selbst wenn sie kein Deutsch unterrichteten! Einfach toll! Ich fühlte mich auf Anhieb sehr wohl!

Daraufhin führte mich die Konrektorin durch die Schule und zeigte mir sowohl die Räumlichkeiten, die gemeinsam von der Mittelstufe und der gymnasialen Oberstufe genutzt werden, als auch die Flure, die von den älteren SchülerInnen genutzt werden. Ich spürte eine offene, entspannte und einladende Atmosphäre in der ganzen Schule! Diese wird meiner Meinung nach einerseits durch die weißen Wände, die durch Schülerarbeiten (Bilder, Skulpturen, Ausstellungen) gestaltet sind, gefördert und andererseits durch die vielen, großen Fenster, die das Licht in das Schulgebäude lassen. Im 1. Stockwerk ist eine große Mensa, die diese Woche unter dem Motto „Chinesisches Essen“ stand (wie auch die ganze Schule das Motto „China“ hatte.) (Generell ist die Internationalität ein weiterer Schwerpunkt der Schule. Sie ist an zwei Comenius-Projekten beteiligt, die vor den Sommerferien Ende Mai in einem Fest an dieser Schule münden.) Des Weiteren befindet sich dort eine große Bibliothek, die für die SchülerInnen jederzeit frei zugänglich ist, und eine Bühne für Elternabende, Auftritte etc. Im Flur des 2. Stockwerks stehen rote Sofas und Sessel, die zum Verweilen einladen. Im selben Bereich befindet sich auch ein großer PC-Raum mit vielen PCs (sowie zusätzlichen Computern im Flur), die von allen SchülerInnen zu jeder Zeit (bis 21 Uhr) ohne Aufsicht von Lehrkräften genutzt werden können. Das Internet ist ebenfalls frei zugänglich für sie. Ich finde die Idee klasse, dass den Jugendlichen so viel Vertrauen entgegengebracht wird und sie auf diese Weise Verantwortung lernen. An dieser Stelle sollte jedoch bemerkt werden, dass sich in diesem Bereich eine Kamera befindet. Sie scheint die Jugendlichen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit und in ihren Handlungen einzuschränken.

Von 9.15 – 14.55 Uhr habe ich mir insgesamt fünf unterschiedliche Klassen, Lehrkräfte und Fächer angeschaut (2x Englisch, Deutsch, Geschichte und Mathe). Alle LehrerInnen waren sofort offen und bereit, mich hospitieren zu lassen, auch wenn es im Vorfeld nicht immer abgesprochen war! Das hat mich sehr überrascht und auch gefreut! Die Konrektorin betonte immer wieder, dass die Schule Besuch gewohnt sei: aus den deutschsprachigen Ländern (allen voran Deutschland ;-) ), von (deutschen) PraktikantInnen, aber auch von anderen Lehrkräften aus der unmittelbaren Umgebung und ganz Finnland. Somit sind auch die KollegInnen der Schule Hospitationen gewohnt und die Türen sind für Gäste immer offen!
Die finnischen SchülerInnen reagierten – es war nicht anders zu erwarten – sehr zurückhaltend und hatten, nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte, keine Fragen an mich. Der Deutschlehrer nutzte die Gelegenheit, eine Muttersprachlerin im Unterricht zu haben, und ließ mich mehr über das deutsche Schulsystem im Vergleich zum finnischen erzählen. Daraufhin wagte es ein Schüler, mich zu fragen, woher ich aus Deutschland komme :-) Insgesamt sind mir hinsichtlich des Unterrichts wieder das hohe Niveau und Tempo aufgefallen, die teilweise großen Klassen bei so gut wie keinen Unterrichtsstörungen (große Disziplin), die vielen Lehrervorträge als Unterrichtsmethode und das Arbeiten mit dem Lehrwerk. In diesem Zusammenhang kam von den LehrerInnen immer wieder der hohe Druck durch die Lehrpläne zur Sprache. Schließlich stehe den SchülerInnen das Finnland weite Zentralabitur bevor.

Eine weitere Besonderheit der Schule neben den Schwerpunkten auf Sport und Internationalität war das „virtual learning“. Die Schule bietet online Kurse in Form von bestimmten Unterrichtsfächern auf der ‚Fronter’-Plattform an – sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche dieser Schule, die ihr Wissen vertiefen oder den Stoff wiederholen möchten. Diese Tatsache deutet bereits auf etwas anderes hin: die technische Ausstattung der Schule im Allgemeinen und die der einzelnen Klassenzimmer im Besonderen. Jeder Klassenraum, den ich gesehen haben, verfügte über: Laptop, Internet-Zugang, Beamer, große Projektionsflächen, Dokumenten-Kamera sowie CD/DVD-Player mit Lautsprecher-System. Die meisten Klassenzimmer hatten zudem keine Tafeln mit Kreide mehr, sondern weiße Tafeln mit speziellen Whiteboardmarkern. (Das Prinzip der Nutzung ähnelt natürlich dem der herkömmlichen Tafel, es ging jedoch schneller und war sauberer! Laut Aussage der Konrektorin hatten sich die meisten Lehrkräfte nach der Renovierung der Schule vor ca. 10 Jahren für Whiteboards entschieden.) Einige Klassenzimmer waren darüber hinaus mit einem ganzen Klassensatz kabelloser Kopfhörer ausgestattet, was besonders ein Vorteil für den Fremdsprachenunterricht ist.

Mein absolutes Highlight war jedoch das SMART Board in Action! Ich habe zwar schon viel davon gehört, es aber noch nie in der unterrichtlichen Praxis gesehen! Ich war echt total begeistert! Was für eine Erfahrung! Eine Mathelehrerin hat mich spontan in ihren Unterricht eingeladen (danke noch einmal!) und das Hauptmedium war eben das SMART Board. Sie sagte, sie wolle es nicht mehr missen und es sei Hauptbestandteil ihres Unterrichts geworden. Während einer Stillarbeitsphase der SchülerInnen ermutigte sie mich, das interaktive Whiteboard selbst einmal auszuprobieren! Natürlich verleitete es mich in diesem Moment zu allerlei Spielereien, aber ich muss sagen, es hat mich echt in seinen Bann gezogen! Das SMART Board hat unglaublich viele Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten, die im Unterricht und im Klassenzimmer genutzt werden können! Zudem gibt es einige Programme für alle Fächer mit Bildern, Vorlagen, Arbeitsblättern, Spielen etc. Nichts, das erarbeitet wird, geht verloren, da das interaktive Whiteboard mit dem PC verbunden ist und alle „Tafelbilder“ gespeichert werden können. Die Mathelehrerin machte großen Gebrauch davon und stellte alle Stundenergebnisse ins Internet auf die ‚Fronter’-Plattform, die wiederum für den Mathekurs zugänglich ist. Somit war eine Wiederholung und Nachvollziehung des Stoffes zu jeder Zeit möglich. Für mich war dies eine faszinierende Erfahrung!

Allerdings sind die Berührungsängste mit diesem Medium laut Aussage der Lehrerin auch an ihrer Schule sehr hoch und neben ihr benutzt nur Chemielehrer das SMART Board. Sie selbst ermutigt die KollegInnen immer wieder, sich an das berührungssensitive Whiteboard heranzutrauen, da die Bedienung schnell zu lernen ist, vor allem, weil sie der von normalen PC-Programmen ähnelt.
Generell sind die LehrerInnen dieser Schule jedoch sehr offen gegenüber neuen Technologien, insbesondere wenn es um neue Anwendungen im Internet oder offline-Programmen geht. Die Konrektorin sagte, dass die älteste Kollegin an der Schule die Fitteste sei! Es werden viele Kurse bzw. Fortbildungen für LehrerInnen angeboten, in welchen sie in die Nutzung der neuen Medien eingeführt und darin geschult werden. Diese Kurse werden von den Lehrkräften gerne angenommen und zahlreich besucht.

Insgesamt habe ich mich an dieser Schule sehr gut gefühlt! Es wurde sich zu jeder Zeit freundlich um mich gekümmert, auch wenn es nur ein 1-Tages-Besuch war! Ein Besuch an dieser Schule ist sehr empfehlenswert!

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