Zweimal im Jahr gibt es große Tests für die SchülerInnen:
1. Zu Beginn des Schuljahres müssen alle Kinder an einem Mathetest teilnehmen. Dieser wird vom Schulamt konzipiert und ist für alle Schulen in Vantaa für den jeweiligen Jahrgang gleich. Der Test ist angelehnt an den Lehrplan des jeweils vorherigen Schuljahrgangs. Der Test möchte den Wissensstand, wie er nach einem Schuljahr sein sollte, überprüfen. Das Ergebnis ist in zweifacher Hinsicht interessant: Zum einen zeigt es, welche Kinder zusätzliche Hilfe und Unterstützung brauchen. Das ist relevant für die Lehrkräfte. Zum anderen liefert es dem Schulamt Einblicke in die jeweiligen Schulen und wie viele Gelder diese für die Einzelförderung der SchülerInnen brauchen. Abhängig vom dem Förderbedarf kann dann eine Schule einmal wöchentlich Extraförderung anbieten. Dafür bekommt die Lehrkraft 25 Euro pro 45 Minuten.
2. Einmal im Jahr nehmen die SchülerInnen verpflichtend an einem Test zum Leseverstehen teil. Dieser wurde von der Universität Turku entwickelt und von der Laajavuori-Schule gekauft. Die Tests werden von der Universität ausgewertet. Die Ergebnisse sind besonders für die Schule aufschlussreich, da die SchülerInnen in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden: sehr gut; Durchschnitt (gut); Förderbedarf. Abhängig von der Zuordnung in eine Gruppe erhalten die SchülerInnen aus der letzten Gruppe Förderung im Leseverstehen durch die Sonderpädagogin bzw. die Finnischlehrerin. Es bekommen dementsprechend besonders die Migrantenkinder eine Unterstützung – abhängig von ihrem Abschneiden im Leseverstehen im Vergleich zu allen Kindern.
Die Schule legt großen Wert auf die Elternarbeit. Mindestens dreimal im Schuljahr werden die Eltern zu Gesprächen oder Treffen in die Schule eingeladen. Alles, was darüber hinaus geht, liegt im Einsatz und in den Möglichkeiten der einzelnen Lehrkraft:
1. Zu Beginn des Schuljahres gibt es einen großen Elternabend. Alle Eltern werden zunächst gemeinsam in der Sporthalle von der Schulleitung begrüßt. Bereits da werden die Ziele der Schule transparent gemacht sowie die Aufgaben der Eltern verdeutlicht. In der zweiten Phase des Elternabends werden die Eltern auf die KlassenlehrerInnen ihrer Kinder aufgeteilt. In den jeweiligen Klassenräumen wird dann nochmals über die Rechte und Pflichten der Kinder, Eltern und der Schule gesprochen; es wird erklärt, was das Kind unter welchen Bedingungen lernen kann; die individuellen Zielsetzungen und Schwerpunkte der jeweiligen KlassenlehrerInnen werden erläutert. Feedback und Evaluation von und durch die Eltern sind jederzeit im Laufe des Schuljahres erwünscht und erfordert.
2. Vor Weihnachten werden die Eltern von den KlassenlehrerInnen zu einem Weihnachtsbasteln eingeladen.
3. Im Februar finden obligatorische Treffen zu einer „Halbzeit-Evaluation“ mit Kind, Eltern und Lehrkraft statt. Die Lehrkraft hat mehrere Tage Zeit dafür, sich abends mit allen SchülerInnen ihrer Klasse und deren Eltern einzeln zu treffen. Dabei wird besprochen, wo das Kind momentan steht, wie es sich im Laufe des 1. Halbjahres entwickelt hat, wie es sich im 2. Halbjahr verbessern bzw. weiterentwickeln kann und was von zu Hause und von der Schule aus unterstützend dafür getan werden kann.
4. Weitere Treffen sind freiwillig und liegen im Ermessen der Lehrkraft.
Darüber hinaus kommunizieren Lehrkräfte und Eltern (besonders in den ersten Schuljahren) über spezielle Hefte. Dort gibt die Lehrperson regelmäßig Rückmeldung über die Entwicklung und das Verhalten des Kindes (1-5 mal in der Woche). Die Eltern nehmen das mit einer Unterschrift zur Kenntnis und können selbst auch Fragen oder Kommentare hinein schreiben. Mit Hilfe dieser Hefte haben demnach alle Beteiligten immer einen Überblick über den Stand des Kindes (sowohl kognitiv als auch sozial). Bei Problemen werden Eltern mittels des Heftes zu einem Elterngespräch in die Schule eingeladen.
Sonntag, 26. April 2009
Besuch des Sotungin lukio in Vantaa
Es geht auch offen :-)
Endlich habe ich es geschafft, die gymnasiale Oberstufe des Sotungin lukio in Vantaa zu besuchen. Schon im Vorfeld hatte ich eine sehr nette Konversation per E-Mail mit der stellvertretenden Schulleiterin und wir einigten uns auf den 20. April 2009 für einen 1-Tages-Besuch an dieser Schule. Ich verbrachte einen ganzen Schultag von 9-15 Uhr an der Schule und dies war eine ganz fantastische Erfahrung für mich!!!
Schon beim Ankommen war ich von dem Schulgelände sehr beeindruckt! Es war sehr großflächig, weitläufig und bot viel Raum für unterschiedliche Sportplätze und sportliche Aktivitäten aller Art! Später erfuhr ich, dass die Schule u. a. einen Schwerpunkt auf Sport setzt und viele SchülerInnen schon zu der Nr. 1 in Fußball, Eishockey etc. gehören. Aber eins nach dem anderen. In der Schule selbst wurde ich sehr herzlich und freundlich von der Konrektorin empfangen – nach anfänglichen Schwierigkeiten, da ich im falschen Sekretariat saß, und zwar dem von der Mittelstufe und nicht dem von der gymnasialen Oberstufe! Die Konrektorin hatte mich schon gesucht! Das war mir sehr unangenehm, aber wir konnten direkt gemeinsam lachen! Danach stellte sie mich einigen KollegInnen vor und die Offenheit, die mir von ihnen entgegengebracht wurde – unglaublich! So etwas war ich bisher kaum gewohnt! Die Lehrkräfte waren sehr interessiert an mir (woher ich komme, was ich momentan mache, was ich über die finnischen Schulen denke und wie die Schulsituation in Deutschland aussieht) und sie sprachen fast alle spontan Deutsch! Selbst wenn sie kein Deutsch unterrichteten! Einfach toll! Ich fühlte mich auf Anhieb sehr wohl!
Daraufhin führte mich die Konrektorin durch die Schule und zeigte mir sowohl die Räumlichkeiten, die gemeinsam von der Mittelstufe und der gymnasialen Oberstufe genutzt werden, als auch die Flure, die von den älteren SchülerInnen genutzt werden. Ich spürte eine offene, entspannte und einladende Atmosphäre in der ganzen Schule! Diese wird meiner Meinung nach einerseits durch die weißen Wände, die durch Schülerarbeiten (Bilder, Skulpturen, Ausstellungen) gestaltet sind, gefördert und andererseits durch die vielen, großen Fenster, die das Licht in das Schulgebäude lassen. Im 1. Stockwerk ist eine große Mensa, die diese Woche unter dem Motto „Chinesisches Essen“ stand (wie auch die ganze Schule das Motto „China“ hatte.) (Generell ist die Internationalität ein weiterer Schwerpunkt der Schule. Sie ist an zwei Comenius-Projekten beteiligt, die vor den Sommerferien Ende Mai in einem Fest an dieser Schule münden.) Des Weiteren befindet sich dort eine große Bibliothek, die für die SchülerInnen jederzeit frei zugänglich ist, und eine Bühne für Elternabende, Auftritte etc. Im Flur des 2. Stockwerks stehen rote Sofas und Sessel, die zum Verweilen einladen. Im selben Bereich befindet sich auch ein großer PC-Raum mit vielen PCs (sowie zusätzlichen Computern im Flur), die von allen SchülerInnen zu jeder Zeit (bis 21 Uhr) ohne Aufsicht von Lehrkräften genutzt werden können. Das Internet ist ebenfalls frei zugänglich für sie. Ich finde die Idee klasse, dass den Jugendlichen so viel Vertrauen entgegengebracht wird und sie auf diese Weise Verantwortung lernen. An dieser Stelle sollte jedoch bemerkt werden, dass sich in diesem Bereich eine Kamera befindet. Sie scheint die Jugendlichen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit und in ihren Handlungen einzuschränken.
Von 9.15 – 14.55 Uhr habe ich mir insgesamt fünf unterschiedliche Klassen, Lehrkräfte und Fächer angeschaut (2x Englisch, Deutsch, Geschichte und Mathe). Alle LehrerInnen waren sofort offen und bereit, mich hospitieren zu lassen, auch wenn es im Vorfeld nicht immer abgesprochen war! Das hat mich sehr überrascht und auch gefreut! Die Konrektorin betonte immer wieder, dass die Schule Besuch gewohnt sei: aus den deutschsprachigen Ländern (allen voran Deutschland ;-) ), von (deutschen) PraktikantInnen, aber auch von anderen Lehrkräften aus der unmittelbaren Umgebung und ganz Finnland. Somit sind auch die KollegInnen der Schule Hospitationen gewohnt und die Türen sind für Gäste immer offen!
Die finnischen SchülerInnen reagierten – es war nicht anders zu erwarten – sehr zurückhaltend und hatten, nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte, keine Fragen an mich. Der Deutschlehrer nutzte die Gelegenheit, eine Muttersprachlerin im Unterricht zu haben, und ließ mich mehr über das deutsche Schulsystem im Vergleich zum finnischen erzählen. Daraufhin wagte es ein Schüler, mich zu fragen, woher ich aus Deutschland komme :-) Insgesamt sind mir hinsichtlich des Unterrichts wieder das hohe Niveau und Tempo aufgefallen, die teilweise großen Klassen bei so gut wie keinen Unterrichtsstörungen (große Disziplin), die vielen Lehrervorträge als Unterrichtsmethode und das Arbeiten mit dem Lehrwerk. In diesem Zusammenhang kam von den LehrerInnen immer wieder der hohe Druck durch die Lehrpläne zur Sprache. Schließlich stehe den SchülerInnen das Finnland weite Zentralabitur bevor.
Eine weitere Besonderheit der Schule neben den Schwerpunkten auf Sport und Internationalität war das „virtual learning“. Die Schule bietet online Kurse in Form von bestimmten Unterrichtsfächern auf der ‚Fronter’-Plattform an – sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche dieser Schule, die ihr Wissen vertiefen oder den Stoff wiederholen möchten. Diese Tatsache deutet bereits auf etwas anderes hin: die technische Ausstattung der Schule im Allgemeinen und die der einzelnen Klassenzimmer im Besonderen. Jeder Klassenraum, den ich gesehen haben, verfügte über: Laptop, Internet-Zugang, Beamer, große Projektionsflächen, Dokumenten-Kamera sowie CD/DVD-Player mit Lautsprecher-System. Die meisten Klassenzimmer hatten zudem keine Tafeln mit Kreide mehr, sondern weiße Tafeln mit speziellen Whiteboardmarkern. (Das Prinzip der Nutzung ähnelt natürlich dem der herkömmlichen Tafel, es ging jedoch schneller und war sauberer! Laut Aussage der Konrektorin hatten sich die meisten Lehrkräfte nach der Renovierung der Schule vor ca. 10 Jahren für Whiteboards entschieden.) Einige Klassenzimmer waren darüber hinaus mit einem ganzen Klassensatz kabelloser Kopfhörer ausgestattet, was besonders ein Vorteil für den Fremdsprachenunterricht ist.
Mein absolutes Highlight war jedoch das SMART Board in Action! Ich habe zwar schon viel davon gehört, es aber noch nie in der unterrichtlichen Praxis gesehen! Ich war echt total begeistert! Was für eine Erfahrung! Eine Mathelehrerin hat mich spontan in ihren Unterricht eingeladen (danke noch einmal!) und das Hauptmedium war eben das SMART Board. Sie sagte, sie wolle es nicht mehr missen und es sei Hauptbestandteil ihres Unterrichts geworden. Während einer Stillarbeitsphase der SchülerInnen ermutigte sie mich, das interaktive Whiteboard selbst einmal auszuprobieren! Natürlich verleitete es mich in diesem Moment zu allerlei Spielereien, aber ich muss sagen, es hat mich echt in seinen Bann gezogen! Das SMART Board hat unglaublich viele Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten, die im Unterricht und im Klassenzimmer genutzt werden können! Zudem gibt es einige Programme für alle Fächer mit Bildern, Vorlagen, Arbeitsblättern, Spielen etc. Nichts, das erarbeitet wird, geht verloren, da das interaktive Whiteboard mit dem PC verbunden ist und alle „Tafelbilder“ gespeichert werden können. Die Mathelehrerin machte großen Gebrauch davon und stellte alle Stundenergebnisse ins Internet auf die ‚Fronter’-Plattform, die wiederum für den Mathekurs zugänglich ist. Somit war eine Wiederholung und Nachvollziehung des Stoffes zu jeder Zeit möglich. Für mich war dies eine faszinierende Erfahrung!
Allerdings sind die Berührungsängste mit diesem Medium laut Aussage der Lehrerin auch an ihrer Schule sehr hoch und neben ihr benutzt nur Chemielehrer das SMART Board. Sie selbst ermutigt die KollegInnen immer wieder, sich an das berührungssensitive Whiteboard heranzutrauen, da die Bedienung schnell zu lernen ist, vor allem, weil sie der von normalen PC-Programmen ähnelt.
Generell sind die LehrerInnen dieser Schule jedoch sehr offen gegenüber neuen Technologien, insbesondere wenn es um neue Anwendungen im Internet oder offline-Programmen geht. Die Konrektorin sagte, dass die älteste Kollegin an der Schule die Fitteste sei! Es werden viele Kurse bzw. Fortbildungen für LehrerInnen angeboten, in welchen sie in die Nutzung der neuen Medien eingeführt und darin geschult werden. Diese Kurse werden von den Lehrkräften gerne angenommen und zahlreich besucht.
Insgesamt habe ich mich an dieser Schule sehr gut gefühlt! Es wurde sich zu jeder Zeit freundlich um mich gekümmert, auch wenn es nur ein 1-Tages-Besuch war! Ein Besuch an dieser Schule ist sehr empfehlenswert!
Endlich habe ich es geschafft, die gymnasiale Oberstufe des Sotungin lukio in Vantaa zu besuchen. Schon im Vorfeld hatte ich eine sehr nette Konversation per E-Mail mit der stellvertretenden Schulleiterin und wir einigten uns auf den 20. April 2009 für einen 1-Tages-Besuch an dieser Schule. Ich verbrachte einen ganzen Schultag von 9-15 Uhr an der Schule und dies war eine ganz fantastische Erfahrung für mich!!!
Schon beim Ankommen war ich von dem Schulgelände sehr beeindruckt! Es war sehr großflächig, weitläufig und bot viel Raum für unterschiedliche Sportplätze und sportliche Aktivitäten aller Art! Später erfuhr ich, dass die Schule u. a. einen Schwerpunkt auf Sport setzt und viele SchülerInnen schon zu der Nr. 1 in Fußball, Eishockey etc. gehören. Aber eins nach dem anderen. In der Schule selbst wurde ich sehr herzlich und freundlich von der Konrektorin empfangen – nach anfänglichen Schwierigkeiten, da ich im falschen Sekretariat saß, und zwar dem von der Mittelstufe und nicht dem von der gymnasialen Oberstufe! Die Konrektorin hatte mich schon gesucht! Das war mir sehr unangenehm, aber wir konnten direkt gemeinsam lachen! Danach stellte sie mich einigen KollegInnen vor und die Offenheit, die mir von ihnen entgegengebracht wurde – unglaublich! So etwas war ich bisher kaum gewohnt! Die Lehrkräfte waren sehr interessiert an mir (woher ich komme, was ich momentan mache, was ich über die finnischen Schulen denke und wie die Schulsituation in Deutschland aussieht) und sie sprachen fast alle spontan Deutsch! Selbst wenn sie kein Deutsch unterrichteten! Einfach toll! Ich fühlte mich auf Anhieb sehr wohl!
Daraufhin führte mich die Konrektorin durch die Schule und zeigte mir sowohl die Räumlichkeiten, die gemeinsam von der Mittelstufe und der gymnasialen Oberstufe genutzt werden, als auch die Flure, die von den älteren SchülerInnen genutzt werden. Ich spürte eine offene, entspannte und einladende Atmosphäre in der ganzen Schule! Diese wird meiner Meinung nach einerseits durch die weißen Wände, die durch Schülerarbeiten (Bilder, Skulpturen, Ausstellungen) gestaltet sind, gefördert und andererseits durch die vielen, großen Fenster, die das Licht in das Schulgebäude lassen. Im 1. Stockwerk ist eine große Mensa, die diese Woche unter dem Motto „Chinesisches Essen“ stand (wie auch die ganze Schule das Motto „China“ hatte.) (Generell ist die Internationalität ein weiterer Schwerpunkt der Schule. Sie ist an zwei Comenius-Projekten beteiligt, die vor den Sommerferien Ende Mai in einem Fest an dieser Schule münden.) Des Weiteren befindet sich dort eine große Bibliothek, die für die SchülerInnen jederzeit frei zugänglich ist, und eine Bühne für Elternabende, Auftritte etc. Im Flur des 2. Stockwerks stehen rote Sofas und Sessel, die zum Verweilen einladen. Im selben Bereich befindet sich auch ein großer PC-Raum mit vielen PCs (sowie zusätzlichen Computern im Flur), die von allen SchülerInnen zu jeder Zeit (bis 21 Uhr) ohne Aufsicht von Lehrkräften genutzt werden können. Das Internet ist ebenfalls frei zugänglich für sie. Ich finde die Idee klasse, dass den Jugendlichen so viel Vertrauen entgegengebracht wird und sie auf diese Weise Verantwortung lernen. An dieser Stelle sollte jedoch bemerkt werden, dass sich in diesem Bereich eine Kamera befindet. Sie scheint die Jugendlichen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit und in ihren Handlungen einzuschränken.
Von 9.15 – 14.55 Uhr habe ich mir insgesamt fünf unterschiedliche Klassen, Lehrkräfte und Fächer angeschaut (2x Englisch, Deutsch, Geschichte und Mathe). Alle LehrerInnen waren sofort offen und bereit, mich hospitieren zu lassen, auch wenn es im Vorfeld nicht immer abgesprochen war! Das hat mich sehr überrascht und auch gefreut! Die Konrektorin betonte immer wieder, dass die Schule Besuch gewohnt sei: aus den deutschsprachigen Ländern (allen voran Deutschland ;-) ), von (deutschen) PraktikantInnen, aber auch von anderen Lehrkräften aus der unmittelbaren Umgebung und ganz Finnland. Somit sind auch die KollegInnen der Schule Hospitationen gewohnt und die Türen sind für Gäste immer offen!
Die finnischen SchülerInnen reagierten – es war nicht anders zu erwarten – sehr zurückhaltend und hatten, nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte, keine Fragen an mich. Der Deutschlehrer nutzte die Gelegenheit, eine Muttersprachlerin im Unterricht zu haben, und ließ mich mehr über das deutsche Schulsystem im Vergleich zum finnischen erzählen. Daraufhin wagte es ein Schüler, mich zu fragen, woher ich aus Deutschland komme :-) Insgesamt sind mir hinsichtlich des Unterrichts wieder das hohe Niveau und Tempo aufgefallen, die teilweise großen Klassen bei so gut wie keinen Unterrichtsstörungen (große Disziplin), die vielen Lehrervorträge als Unterrichtsmethode und das Arbeiten mit dem Lehrwerk. In diesem Zusammenhang kam von den LehrerInnen immer wieder der hohe Druck durch die Lehrpläne zur Sprache. Schließlich stehe den SchülerInnen das Finnland weite Zentralabitur bevor.
Eine weitere Besonderheit der Schule neben den Schwerpunkten auf Sport und Internationalität war das „virtual learning“. Die Schule bietet online Kurse in Form von bestimmten Unterrichtsfächern auf der ‚Fronter’-Plattform an – sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche dieser Schule, die ihr Wissen vertiefen oder den Stoff wiederholen möchten. Diese Tatsache deutet bereits auf etwas anderes hin: die technische Ausstattung der Schule im Allgemeinen und die der einzelnen Klassenzimmer im Besonderen. Jeder Klassenraum, den ich gesehen haben, verfügte über: Laptop, Internet-Zugang, Beamer, große Projektionsflächen, Dokumenten-Kamera sowie CD/DVD-Player mit Lautsprecher-System. Die meisten Klassenzimmer hatten zudem keine Tafeln mit Kreide mehr, sondern weiße Tafeln mit speziellen Whiteboardmarkern. (Das Prinzip der Nutzung ähnelt natürlich dem der herkömmlichen Tafel, es ging jedoch schneller und war sauberer! Laut Aussage der Konrektorin hatten sich die meisten Lehrkräfte nach der Renovierung der Schule vor ca. 10 Jahren für Whiteboards entschieden.) Einige Klassenzimmer waren darüber hinaus mit einem ganzen Klassensatz kabelloser Kopfhörer ausgestattet, was besonders ein Vorteil für den Fremdsprachenunterricht ist.
Mein absolutes Highlight war jedoch das SMART Board in Action! Ich habe zwar schon viel davon gehört, es aber noch nie in der unterrichtlichen Praxis gesehen! Ich war echt total begeistert! Was für eine Erfahrung! Eine Mathelehrerin hat mich spontan in ihren Unterricht eingeladen (danke noch einmal!) und das Hauptmedium war eben das SMART Board. Sie sagte, sie wolle es nicht mehr missen und es sei Hauptbestandteil ihres Unterrichts geworden. Während einer Stillarbeitsphase der SchülerInnen ermutigte sie mich, das interaktive Whiteboard selbst einmal auszuprobieren! Natürlich verleitete es mich in diesem Moment zu allerlei Spielereien, aber ich muss sagen, es hat mich echt in seinen Bann gezogen! Das SMART Board hat unglaublich viele Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten, die im Unterricht und im Klassenzimmer genutzt werden können! Zudem gibt es einige Programme für alle Fächer mit Bildern, Vorlagen, Arbeitsblättern, Spielen etc. Nichts, das erarbeitet wird, geht verloren, da das interaktive Whiteboard mit dem PC verbunden ist und alle „Tafelbilder“ gespeichert werden können. Die Mathelehrerin machte großen Gebrauch davon und stellte alle Stundenergebnisse ins Internet auf die ‚Fronter’-Plattform, die wiederum für den Mathekurs zugänglich ist. Somit war eine Wiederholung und Nachvollziehung des Stoffes zu jeder Zeit möglich. Für mich war dies eine faszinierende Erfahrung!
Allerdings sind die Berührungsängste mit diesem Medium laut Aussage der Lehrerin auch an ihrer Schule sehr hoch und neben ihr benutzt nur Chemielehrer das SMART Board. Sie selbst ermutigt die KollegInnen immer wieder, sich an das berührungssensitive Whiteboard heranzutrauen, da die Bedienung schnell zu lernen ist, vor allem, weil sie der von normalen PC-Programmen ähnelt.
Generell sind die LehrerInnen dieser Schule jedoch sehr offen gegenüber neuen Technologien, insbesondere wenn es um neue Anwendungen im Internet oder offline-Programmen geht. Die Konrektorin sagte, dass die älteste Kollegin an der Schule die Fitteste sei! Es werden viele Kurse bzw. Fortbildungen für LehrerInnen angeboten, in welchen sie in die Nutzung der neuen Medien eingeführt und darin geschult werden. Diese Kurse werden von den Lehrkräften gerne angenommen und zahlreich besucht.
Insgesamt habe ich mich an dieser Schule sehr gut gefühlt! Es wurde sich zu jeder Zeit freundlich um mich gekümmert, auch wenn es nur ein 1-Tages-Besuch war! Ein Besuch an dieser Schule ist sehr empfehlenswert!
Sonntag, 19. April 2009
Deutsch-Projekt "Sprachstern"
Am 15. April 2009 fand an der Laajavuori-Schule ein Projekttag zur Förderung der deutschen Sprache und zur Motivation für das Deutschlernen statt. In Kooperation mit dem Goethe-Institut, der Deutschen Schule Helsinki und dem Projektleiter Jan Quilitzsch (TietoTaito Ry) sowie der Koordinatorin an unserer Schule, Sirpa Rönkä, sollte ein Projekt durchgeführt werden, das die Kinder und Jugendlichen von heute anspricht. Deshalb standen im Mittelpunkt des Projektes die neuen Medien, das Interesse der SchülerInnen an Musik und Idolen, die Initiative und Eigenaktivität der Lernenden und das Prinzip "Jüngere SchülerInnen lernen von älteren SchülerInnen", die von der Deutschen Schule Helsinki kamen. Somit war auch garantiert, dass die Sprache des Tages (hauptsächlich) Deutsch war.
Die ursprüngliche Idee des Projektleiters war, diesen Tag lediglich für die Deutschklassen 4, 5 und 6 zu veranstalten. Doch auf Initiative von der Deutschlehrerin Sirpa Rönkä konnte die ganze Schule dafür gewonnen werden, eigene Schwerpunkte an diesem Tag zu setzen, die sich alle um das Thema "Deutsch" (deutschsprachige Länder, Farben, Landeskunde, Kunst, Musik, Literatur etc.) drehten, hauptsächlich aber auf Finnisch durchgeführt wurden.
Alle Deutschlernenden haben sich hingegen in fünf Workshop-Gruppen eingewählt:
• Die Obstsalat-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und Frau Kleiser, der Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Finnland, hat sich mit einer deutschsprachigen Software beschäftigt, die Aufgaben darin bearbeitet, Stationen durchlaufen und am Ende einen Obstsalat gemacht (und gegessen :-) )
• Die Kunst-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und einem Lehrer unserer Schule hat aus recyclebarem Material das Bühnenbild gestaltet.
• Die Tanz-Gruppe unter Leitung von einem Schüler der Deutschen Schule und der Sozialpädagogin unserer Schule hat eine Choreographie einstudiert.
• Die Musik-Gruppe unter Leitung von SchülerInnen der Deutschen Schule und einer Lehrerin unserer Schule hat ein Lied eingeübt.
• Die Presse-Gruppe unter Leitung von einer Mediendesignerin, einer Lehrerin unserer Schule und mir hat den gesamten Projekttag dokumentiert.
Der gesamte Projekttag lief auf ein Ereignis zu - den Höhepunkt des ereignisreichen Tages - den Auftritt von einem Schüler der Deutschen Schule, der auch den ersten Preis bei "Jugend musiziert" gewonnen hat und vor der gesamten Schulgemeinschaft auftreten sollte. Untermalt wurde dieser Auftritt durch das Singen von deutschen und schweizerischen Kinderliedern und von einem traditionellen finnischen Lied.
Der Auftritt vom neuen Talent der Deutschen Schule (und wer weiß, vielleicht bald finnlandweit), Silvius, hat unsere SchülerInnen mit seiner deutschen Pop-Musik total mitgerissen und begeistert. Unterstützt wurde er eben durch die Musik-Gruppe, die der Background für ihn war. Zudem hat das Bühnenbild und die Choreographie der Kunst- und Tanz-Gruppe zum Erfolg des Auftrittes beigetragen.
Die Evaluationen in den Deutschklassen am nächsten Tag haben ergeben, dass die SchülerInnen den Projekttag durchgängig mit gut bis sehr gut bewertet haben, gerne noch einmal so ein Projekt durchführen würden und sich immer gut betreut gefühlt haben - selbst unter deutschsprachiger Gruppenleitung. Dies lag daran, dass die SchülerInnen die GruppenleiterInnen der Deutschen Schule zum Teil schon im Vorfeld durch Videos kennenlernten. Dort stellten diese sich vor und erzählten etwas über sich. Diese Phase stellte das Ausprobieren und Einführen neuer Unterrichtsmaterialien (vor allem in Form von neuen Medien) in den Deutschunterricht dar.
Eine Sonderrolle hat die Presse-Gruppe (Sechsklässler) eingenommen. Deren Aufgabenfeld war sehr vielfältig und enorm anspruchsvoll. So bestand das Team aus einer Interview-Gruppe (Interviews wurden von Kindern geführt und auch selbst gefilmt), Fotografen (die alle Aktivitäten in der Schule fotografiert haben), Designerinnen (die Informationen über Stationsnamen, Namen der Lehrkräfte und aller SchülerInnen eingeholt haben) und Reportern (die in jeder Klasse und jedem Workshop Notizen zu ihren Beobachtungen anfertigten - auf Deutsch!!!). So kam am Ende (leider konnte ihre Arbeit aufgrund der Vielfältigkeit erst am nächsten Tag fertig gestellt werden) eine breitgefächerte und ausführliche Dokumentation des Projekttages heraus, die einen guten Einblick in die Aktivitäten des ganzen Tages gab:
• von der Mediendesignerin wird ein professionelles Making Of - Video produziert
• von den SchülerInnen selbst gab es folgende Ergebnisse:
1. eine Videoshow (Power Point Präsentation mit selbst gefilmten Mitschnitten)
2. eine Fotoshow (Power Point Präsentation mit selbst gemachten Fotos)
3. ein Wandplakat (zwei riesige Wandposter mit allen Klassenräumen, wo Aktivitäten stattgefunden haben, gefüllt mit Fotos und Namen aller Beteiligten; Wandplakat hängt nun im Eingangsbereich der Schule)
4. ein Bericht (auf Deutsch (mit Hilfe einer Textvorlage) und auf Finnisch (selbstständig übersetzt); dieser Bericht ist im Anschluss weiter unten zu lesen)
Da ich an der Planung, Vorbereitung und Durchführung des Projekts beteiligt war, habe ich enorm viel für mich gelernt und freue mich auf weitere eigene Projekte, die ich an einer deutschen Schule durchführen kann. Der Zeitaufwand ist dabei natürlich sehr hoch. Deshalb sind Teamarbeit und Zusammenarbeit im Kollegium und mit außerschulischen Kooperationspartnern das A&O. Und wenn man will, geht alles :-)
Die ursprüngliche Idee des Projektleiters war, diesen Tag lediglich für die Deutschklassen 4, 5 und 6 zu veranstalten. Doch auf Initiative von der Deutschlehrerin Sirpa Rönkä konnte die ganze Schule dafür gewonnen werden, eigene Schwerpunkte an diesem Tag zu setzen, die sich alle um das Thema "Deutsch" (deutschsprachige Länder, Farben, Landeskunde, Kunst, Musik, Literatur etc.) drehten, hauptsächlich aber auf Finnisch durchgeführt wurden.
Alle Deutschlernenden haben sich hingegen in fünf Workshop-Gruppen eingewählt:
• Die Obstsalat-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und Frau Kleiser, der Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Finnland, hat sich mit einer deutschsprachigen Software beschäftigt, die Aufgaben darin bearbeitet, Stationen durchlaufen und am Ende einen Obstsalat gemacht (und gegessen :-) )
• Die Kunst-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und einem Lehrer unserer Schule hat aus recyclebarem Material das Bühnenbild gestaltet.
• Die Tanz-Gruppe unter Leitung von einem Schüler der Deutschen Schule und der Sozialpädagogin unserer Schule hat eine Choreographie einstudiert.
• Die Musik-Gruppe unter Leitung von SchülerInnen der Deutschen Schule und einer Lehrerin unserer Schule hat ein Lied eingeübt.
• Die Presse-Gruppe unter Leitung von einer Mediendesignerin, einer Lehrerin unserer Schule und mir hat den gesamten Projekttag dokumentiert.
Der gesamte Projekttag lief auf ein Ereignis zu - den Höhepunkt des ereignisreichen Tages - den Auftritt von einem Schüler der Deutschen Schule, der auch den ersten Preis bei "Jugend musiziert" gewonnen hat und vor der gesamten Schulgemeinschaft auftreten sollte. Untermalt wurde dieser Auftritt durch das Singen von deutschen und schweizerischen Kinderliedern und von einem traditionellen finnischen Lied.
Der Auftritt vom neuen Talent der Deutschen Schule (und wer weiß, vielleicht bald finnlandweit), Silvius, hat unsere SchülerInnen mit seiner deutschen Pop-Musik total mitgerissen und begeistert. Unterstützt wurde er eben durch die Musik-Gruppe, die der Background für ihn war. Zudem hat das Bühnenbild und die Choreographie der Kunst- und Tanz-Gruppe zum Erfolg des Auftrittes beigetragen.
Die Evaluationen in den Deutschklassen am nächsten Tag haben ergeben, dass die SchülerInnen den Projekttag durchgängig mit gut bis sehr gut bewertet haben, gerne noch einmal so ein Projekt durchführen würden und sich immer gut betreut gefühlt haben - selbst unter deutschsprachiger Gruppenleitung. Dies lag daran, dass die SchülerInnen die GruppenleiterInnen der Deutschen Schule zum Teil schon im Vorfeld durch Videos kennenlernten. Dort stellten diese sich vor und erzählten etwas über sich. Diese Phase stellte das Ausprobieren und Einführen neuer Unterrichtsmaterialien (vor allem in Form von neuen Medien) in den Deutschunterricht dar.
Eine Sonderrolle hat die Presse-Gruppe (Sechsklässler) eingenommen. Deren Aufgabenfeld war sehr vielfältig und enorm anspruchsvoll. So bestand das Team aus einer Interview-Gruppe (Interviews wurden von Kindern geführt und auch selbst gefilmt), Fotografen (die alle Aktivitäten in der Schule fotografiert haben), Designerinnen (die Informationen über Stationsnamen, Namen der Lehrkräfte und aller SchülerInnen eingeholt haben) und Reportern (die in jeder Klasse und jedem Workshop Notizen zu ihren Beobachtungen anfertigten - auf Deutsch!!!). So kam am Ende (leider konnte ihre Arbeit aufgrund der Vielfältigkeit erst am nächsten Tag fertig gestellt werden) eine breitgefächerte und ausführliche Dokumentation des Projekttages heraus, die einen guten Einblick in die Aktivitäten des ganzen Tages gab:
• von der Mediendesignerin wird ein professionelles Making Of - Video produziert
• von den SchülerInnen selbst gab es folgende Ergebnisse:
1. eine Videoshow (Power Point Präsentation mit selbst gefilmten Mitschnitten)
2. eine Fotoshow (Power Point Präsentation mit selbst gemachten Fotos)
3. ein Wandplakat (zwei riesige Wandposter mit allen Klassenräumen, wo Aktivitäten stattgefunden haben, gefüllt mit Fotos und Namen aller Beteiligten; Wandplakat hängt nun im Eingangsbereich der Schule)
4. ein Bericht (auf Deutsch (mit Hilfe einer Textvorlage) und auf Finnisch (selbstständig übersetzt); dieser Bericht ist im Anschluss weiter unten zu lesen)
Da ich an der Planung, Vorbereitung und Durchführung des Projekts beteiligt war, habe ich enorm viel für mich gelernt und freue mich auf weitere eigene Projekte, die ich an einer deutschen Schule durchführen kann. Der Zeitaufwand ist dabei natürlich sehr hoch. Deshalb sind Teamarbeit und Zusammenarbeit im Kollegium und mit außerschulischen Kooperationspartnern das A&O. Und wenn man will, geht alles :-)
Montag, 6. April 2009
Ausflüge am 31. März und 03. April 2009
Diese Woche habe ich wieder ein bisschen mehr von Finnland gesehen :-)
Am Dienstag, 31.03., unternahm ich einen Ausflug nach Turku im Südwesten Finnlands. Zwei Kolleginnen von der Martinlaakson lukio haben ihre deutsche Praktikantin zu einem Ausflug eingeladen und mich freundlicherweise mitgenommen! Dafür bin ich sehr dankbar! Mit dem Auto machten wir uns schon morgens auf den Weg. Das Wetter war auf unserer Seite: wenn auch sehr kalt, so war es doch sonnig (nach dem Schneesturm am Wochenende war das nicht unbedingt zu erwarten!). Unser 1. Halt war vor Turku an einer Glasmanufaktur. Finnland ist bekannt für seine Glasdesigns. Hinter dem Verkaufsraum waren die Glashersteller bei der Arbeit zu sehen. Ihre Fähigkeiten sind wirklich enorm!
In Turku angekommen, besuchten wir zunächst die Universität, wo auch eine der finnischen Kolleginnen studiert und gearbeitet hat. Dann machten wir einen langen Spaziergang durch Turku und besuchten vor allem den Dom und die Burg. Mit dem Auto fuhren wir dann auch noch nach Naantali, ein wunderschöner kleiner Ort, dessen Kern aus der typischen finnischen Holzhausarchitektur besteht. Dort machten wir einen ausgedehnten Spaziergang :-) Im Sommer hat dort auch der Mumin-Freizeitpark geöffnet. In Naantali befindet sich zudem die Sommer-Residenz der finnischen Präsidentin. Ihr Schloss ist mit der finnischen Fahne beflaggt, wenn sie da ist. Danach schlenderten wir noch durch die Innenstadt von Turku und schauten in einige Geschäfte rein.
Ob es sich lohnt, Turku von Helsinki aus mit dem Zug oder Bus zu besuchen, ist eher fraglich, da die Fahrkarten sehr teuer sind und man vor Ort oftmals auf ein Auto angewiesen ist, vor allem, wenn man auch nach Naantali fahren möchte. Ansonsten wird es sehr umständlich, ist aber natürlich nicht unmöglich!!!
Historisch gesehen ist Turku eine wichtige Stadt:
Turku war die ehemalige Hauptstadt Finnlands (bis ins 19. Jahrhundert hinein) und ihre Anfänge als erste Stadt Finnlands liegen im 13. Jahrhundert. Dort wurde auch die erste Universität Finnlands errichtet. Nachdem Helsinki Hauptstadt geworden war, wurde die Universität dorthin verlegt. Einige Institute sind allerdings immer noch in Turku und man kann dort weiterhin studieren.
Der Dom von Turku ist für die Finnen wichtig, weil er die älteste erhaltene Kirche Finnlands ist. Die Burg von Turku wurde im Mittelalter erbaut und ist immer noch sehr gut erhalten.
Von einem bestimmten Gebäude (siehe Bilder) in Turku aus wird auch der ‚Weihnachtsfrieden’ am 24. Dezember ausgerufen, der den Beginn von Weihnachten für die Finnen darstellt. Die Mehrzahl von ihnen verfolgt die Verkündigung am Fernseher mit.
Am Freitag, 03.04., folgte ich der Einladung einer Kollegin nach Hämeenlinna, worüber ich mich sehr freute! Nach Schulschluss fuhren wir gemeinsam mit dem Bus in die Kleinstadt 100 km nördlich von Helsinki. Dort besuchten wir zunächst das Geburtshaus von Jean Sibelius, dem größten finnischen Komponisten, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Mittlerweile befindet sich in diesem Holzhaus ein Museum und es kann auch für Feiern gemietet werden. Die Stadt Hämeenlinna ist sehr stolz auf ihr berühmtes ‚Kind’ Sibelius, das dort auch zur Schule gegangen ist und Abitur gemacht hat. Darüber hinaus ist das Wahrzeichen der Stadt die Burg Häme, was auch der Name des Ortes ist – Hämeenlinna eben. Die Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. Für mich als Geschichtslehrerin sind diese Überreste der Vergangenheit natürlich von besonderem Interesse :-)
Im Anschluss an die Besichtigung lernte ich die Familie meiner Kollegin kennen, die mich sehr nett empfing. Wir aßen gemeinsam sehr lecker zu Abend und ich fühlte mich wohl dort! Ich danke der Familie herzlich für die Einladung und schätze diese Geste sehr, da ich weiß, dass die Finnen ihren Freiraum, ihren Platz und ihre Privatsphäre brauchen und als sehr wichtig empfinden. Es ist – kulturell bedingt – sehr untypisch, einer ‚fremden Person’ Einblick in diesen geschützten Bereich zu gewähren.
Am Abend nahm ich den Bus zurück in die Hauptstadt. Wie gesagt, die Infrastruktur in zumindest Südfinnland ist sehr gut ausgebaut.
Auf beiden Fahrten in den Südwesten Finnlands nach Turku und in Richtung Mittelfinnland nach Hämeenlinna hat sich mir ein ähnliches Landschaftsbild geboten: weite schneebedeckte Felder, große Waldflächen und teilweise hohe Granitfelswände, durch die der Weg für die Autobahnstrecke frei gesprengt oder durch Tunnel passierbar gemacht wurde. Zwischen den Städten findet man kaum Ortschaften, eher vereinzelte Häuser. Größtenteils sind die Strecken zwischen den Städten jedoch flache und unbewohnte Landschaftsstriche.
Nun einige fotografische Eindruecke:
Am Dienstag, 31.03., unternahm ich einen Ausflug nach Turku im Südwesten Finnlands. Zwei Kolleginnen von der Martinlaakson lukio haben ihre deutsche Praktikantin zu einem Ausflug eingeladen und mich freundlicherweise mitgenommen! Dafür bin ich sehr dankbar! Mit dem Auto machten wir uns schon morgens auf den Weg. Das Wetter war auf unserer Seite: wenn auch sehr kalt, so war es doch sonnig (nach dem Schneesturm am Wochenende war das nicht unbedingt zu erwarten!). Unser 1. Halt war vor Turku an einer Glasmanufaktur. Finnland ist bekannt für seine Glasdesigns. Hinter dem Verkaufsraum waren die Glashersteller bei der Arbeit zu sehen. Ihre Fähigkeiten sind wirklich enorm!
In Turku angekommen, besuchten wir zunächst die Universität, wo auch eine der finnischen Kolleginnen studiert und gearbeitet hat. Dann machten wir einen langen Spaziergang durch Turku und besuchten vor allem den Dom und die Burg. Mit dem Auto fuhren wir dann auch noch nach Naantali, ein wunderschöner kleiner Ort, dessen Kern aus der typischen finnischen Holzhausarchitektur besteht. Dort machten wir einen ausgedehnten Spaziergang :-) Im Sommer hat dort auch der Mumin-Freizeitpark geöffnet. In Naantali befindet sich zudem die Sommer-Residenz der finnischen Präsidentin. Ihr Schloss ist mit der finnischen Fahne beflaggt, wenn sie da ist. Danach schlenderten wir noch durch die Innenstadt von Turku und schauten in einige Geschäfte rein.
Ob es sich lohnt, Turku von Helsinki aus mit dem Zug oder Bus zu besuchen, ist eher fraglich, da die Fahrkarten sehr teuer sind und man vor Ort oftmals auf ein Auto angewiesen ist, vor allem, wenn man auch nach Naantali fahren möchte. Ansonsten wird es sehr umständlich, ist aber natürlich nicht unmöglich!!!
Historisch gesehen ist Turku eine wichtige Stadt:
Turku war die ehemalige Hauptstadt Finnlands (bis ins 19. Jahrhundert hinein) und ihre Anfänge als erste Stadt Finnlands liegen im 13. Jahrhundert. Dort wurde auch die erste Universität Finnlands errichtet. Nachdem Helsinki Hauptstadt geworden war, wurde die Universität dorthin verlegt. Einige Institute sind allerdings immer noch in Turku und man kann dort weiterhin studieren.
Der Dom von Turku ist für die Finnen wichtig, weil er die älteste erhaltene Kirche Finnlands ist. Die Burg von Turku wurde im Mittelalter erbaut und ist immer noch sehr gut erhalten.
Von einem bestimmten Gebäude (siehe Bilder) in Turku aus wird auch der ‚Weihnachtsfrieden’ am 24. Dezember ausgerufen, der den Beginn von Weihnachten für die Finnen darstellt. Die Mehrzahl von ihnen verfolgt die Verkündigung am Fernseher mit.
Am Freitag, 03.04., folgte ich der Einladung einer Kollegin nach Hämeenlinna, worüber ich mich sehr freute! Nach Schulschluss fuhren wir gemeinsam mit dem Bus in die Kleinstadt 100 km nördlich von Helsinki. Dort besuchten wir zunächst das Geburtshaus von Jean Sibelius, dem größten finnischen Komponisten, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Mittlerweile befindet sich in diesem Holzhaus ein Museum und es kann auch für Feiern gemietet werden. Die Stadt Hämeenlinna ist sehr stolz auf ihr berühmtes ‚Kind’ Sibelius, das dort auch zur Schule gegangen ist und Abitur gemacht hat. Darüber hinaus ist das Wahrzeichen der Stadt die Burg Häme, was auch der Name des Ortes ist – Hämeenlinna eben. Die Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. Für mich als Geschichtslehrerin sind diese Überreste der Vergangenheit natürlich von besonderem Interesse :-)
Im Anschluss an die Besichtigung lernte ich die Familie meiner Kollegin kennen, die mich sehr nett empfing. Wir aßen gemeinsam sehr lecker zu Abend und ich fühlte mich wohl dort! Ich danke der Familie herzlich für die Einladung und schätze diese Geste sehr, da ich weiß, dass die Finnen ihren Freiraum, ihren Platz und ihre Privatsphäre brauchen und als sehr wichtig empfinden. Es ist – kulturell bedingt – sehr untypisch, einer ‚fremden Person’ Einblick in diesen geschützten Bereich zu gewähren.
Am Abend nahm ich den Bus zurück in die Hauptstadt. Wie gesagt, die Infrastruktur in zumindest Südfinnland ist sehr gut ausgebaut.
Auf beiden Fahrten in den Südwesten Finnlands nach Turku und in Richtung Mittelfinnland nach Hämeenlinna hat sich mir ein ähnliches Landschaftsbild geboten: weite schneebedeckte Felder, große Waldflächen und teilweise hohe Granitfelswände, durch die der Weg für die Autobahnstrecke frei gesprengt oder durch Tunnel passierbar gemacht wurde. Zwischen den Städten findet man kaum Ortschaften, eher vereinzelte Häuser. Größtenteils sind die Strecken zwischen den Städten jedoch flache und unbewohnte Landschaftsstriche.
Nun einige fotografische Eindruecke:
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| Turku und Hämeenlinna |
Sonntag, 29. März 2009
Gespräch mit ‚unserem’ Schulpsychologen
Am 25. März hatte ich ein einstündiges Gespräch mit dem Schulpsychologen der Schule, was sehr aufschlussreich für mich war. Wieder kann ich nur sagen: was wir in Deutschland alles für Kinder und Jugendliche tun könnten, wenn wir nur das Geld und das qualifizierte Personal hätten!!!
Allgemeines:
• Der Schulpsychologe ist für vier Schulen in unmittelbarer Nähe zuständig und hat an jeder Schule einen eigenen Raum. Eine der Schulen ist jedoch seine Haupt-Schule. Dort ist er dreimal in der Woche. An ‚unserer’ Schule ist er zweimal in der Woche und die anderen zwei besucht er regelmäßig von diesen Schulen aus.
• Über sein Handy ist er immer zu erreichen, in Notfällen auch nach „Feierabend“. Mit seinem Auto kann er schnell an jeder Schule und an jedem Ort sein. Auch wenn ein normaler Arbeitstag bis 16 Uhr geht, finden häufig Gespräche mit Eltern nach 17 Uhr statt. Dazu kommen noch regelmäßige Elterninformationsabende.
• ‚Unser’ Schulpsychologe ist für 1300 SchülerInnen zuständig und das ist schon viel! Durchschnitt sind 1000 SchülerInnen auf eine/n PsychologIn. Allein im Kreis Vantaa, wo ‚meine’ Schule ist, sind 20 SchulpsychologInnen tätig! Ich mag jetzt nicht die Zahl aus Hessen zum Vergleich dazu aufzuschreiben. Diese ist nämlich schockierend…
• Pro Monat betreut und berät der Schulpsychologe ungefähr 90 Kinder. Dabei ist sein Terminplan aber sehr flexibel und hält vor allem Zeit für Notfälle und Krisen frei.
Aufgabenfelder:
• Das Hauptklientel der SchulpsychologInnen sind natürlich die Kinder und die Hauptaufgabe deren Unterstützung und Förderung. Doch auch die Kommunikation mit den Lehrkräften und der Schulleitung gehört selbstverständlich dazu. Darüber hinaus ist die Beratung von Eltern und Familien der betroffenen Kinder Hauptbestandteil der Arbeit.
• Wenn ein Kind im Unterricht auffällt – ob im Hinblick auf Lernschwierigkeiten oder auf Verhaltensauffälligkeiten – sucht die Lehrkraft den Schulpsychologen auf, der dann um die Erlaubnis der Eltern bittet, das Kind überprüfen bzw. ein Gespräch mit ihm führen zu dürfen.
• Darüber hinaus gehört zum Aufgabenfeld des Psychologen das Verfassen von Berichten über Tests, Überprüfungen sowie die Diagnose und entsprechende Hilfsmaßnahmen.
Um welche Probleme handelt es sich oft bei Kindern und Jugendlichen?
• Es kommt vor, dass Kinder ständig krank sind. Dahinter stecken meistens psychologische Ursachen. Dieses Problem tritt jedoch eher selten auf.
• Schwierigkeiten in Mathematik, im Lesen oder im Schreiben
• Verhaltensschwierigkeiten in sozialen Situationen
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Einsamkeit
• Beziehungsprobleme mit Freund/Freundin
Wie kann der Schulpsychologe helfen?
• Rat geben an Eltern und Lehrkräfte, wie das Kind unterstützt werden kann
• Bei Persönlichkeitsproblemen und psychologischem Leiden wird das betroffene Kind an eine Klinik oder Therapiestelle überwiesen. Diese arbeiten eng mit Schulen und SchulpsychologInnen zusammen. Der Schulpsychologe vor Ort ist zeitlich nicht in der Lage, ein Kind tiefenpsychologisch und therapeutisch zu betreuen.
• Zuhören (oft haben Kinder und vor allem Jugendliche das Bedürfnis, einfach mit einem/einer Erwachsenen zu sprechen; dies kommt besonders in stressigen Zeiten wie Prüfungsphasen oder Beziehungsproblemen vor) und versuchen, Selbstvertrauen der betroffenen SchülerInnen aufzubauen sowie ihnen positives Feedback zu geben. Oft helfen schon das Zuhören allein und ein kleiner Tipp, wie z.B. ‚frühzeitig mit dem Lernen anfangen’.
Was passiert, wenn Eltern ihr Einverständnis verweigern?
- Über allen Handlungen innerhalb und außerhalb der Schule steht das Gesetz: Das finnische Grundgesetz spricht dem Kind das Recht auf Unversehrtheit, Schutz, Unterstützung und Hilfe zu.
- Die Erfahrung des Schulpsychologen ist, dass meist Eltern mit Migrationshintergrund oder hohem sozialen Status ihre Einwilligung nicht geben.
• Wenn Eltern nicht sofort reagieren, wird ihnen zunächst etwas Zeit gegeben, über die Anfrage des Schulpsychologen nachzudenken.
• Dann werden die Eltern, die ihre Einwilligung immer noch nicht geben, zu einem Gespräch mit dem Schulpsychologen, der Klassenlehrerin und der Schulleitung in die Schule eingeladen. Dort wird mit ihnen über die Schwierigkeiten ihres Kindes, über mögliche Ursachen und Hilfsmaßnahmen diskutiert.
• Der nächste Schritt ist die Drohung, eine Instanz, die vergleichbar mit dem Jugendamt ist, zu benachrichtigen. In den meisten Fällen reicht diese aus und die Eltern geben ihre Einwilligung.
• Wenn Eltern weiterhin nicht kooperieren wollen und ihr Einverständnis zu Hilfsmaßnahmen für das Kind verweigern, muss das ‚Jugendamt’ eingeschaltet und darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass das Kind nicht genug unterstütz werden kann.
• Wenn die Schule sehr besorgt um das Wohlergehen eines Kindes ist, wird generell immer ein Mitarbeiter des ‚Jugendamtes’ hinzugezogen und es wird beraten, wie weiter vorgegangen werden soll.
Mein Fazit nach dem Gespräch: sehr beeindruckend und sehr interessant! Ich hatte das Gefühl, dass der Schulpsychologe seine Arbeit wirklich von Herzen macht und sich zuallererst für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einsetzt!
Allgemeines:
• Der Schulpsychologe ist für vier Schulen in unmittelbarer Nähe zuständig und hat an jeder Schule einen eigenen Raum. Eine der Schulen ist jedoch seine Haupt-Schule. Dort ist er dreimal in der Woche. An ‚unserer’ Schule ist er zweimal in der Woche und die anderen zwei besucht er regelmäßig von diesen Schulen aus.
• Über sein Handy ist er immer zu erreichen, in Notfällen auch nach „Feierabend“. Mit seinem Auto kann er schnell an jeder Schule und an jedem Ort sein. Auch wenn ein normaler Arbeitstag bis 16 Uhr geht, finden häufig Gespräche mit Eltern nach 17 Uhr statt. Dazu kommen noch regelmäßige Elterninformationsabende.
• ‚Unser’ Schulpsychologe ist für 1300 SchülerInnen zuständig und das ist schon viel! Durchschnitt sind 1000 SchülerInnen auf eine/n PsychologIn. Allein im Kreis Vantaa, wo ‚meine’ Schule ist, sind 20 SchulpsychologInnen tätig! Ich mag jetzt nicht die Zahl aus Hessen zum Vergleich dazu aufzuschreiben. Diese ist nämlich schockierend…
• Pro Monat betreut und berät der Schulpsychologe ungefähr 90 Kinder. Dabei ist sein Terminplan aber sehr flexibel und hält vor allem Zeit für Notfälle und Krisen frei.
Aufgabenfelder:
• Das Hauptklientel der SchulpsychologInnen sind natürlich die Kinder und die Hauptaufgabe deren Unterstützung und Förderung. Doch auch die Kommunikation mit den Lehrkräften und der Schulleitung gehört selbstverständlich dazu. Darüber hinaus ist die Beratung von Eltern und Familien der betroffenen Kinder Hauptbestandteil der Arbeit.
• Wenn ein Kind im Unterricht auffällt – ob im Hinblick auf Lernschwierigkeiten oder auf Verhaltensauffälligkeiten – sucht die Lehrkraft den Schulpsychologen auf, der dann um die Erlaubnis der Eltern bittet, das Kind überprüfen bzw. ein Gespräch mit ihm führen zu dürfen.
• Darüber hinaus gehört zum Aufgabenfeld des Psychologen das Verfassen von Berichten über Tests, Überprüfungen sowie die Diagnose und entsprechende Hilfsmaßnahmen.
Um welche Probleme handelt es sich oft bei Kindern und Jugendlichen?
• Es kommt vor, dass Kinder ständig krank sind. Dahinter stecken meistens psychologische Ursachen. Dieses Problem tritt jedoch eher selten auf.
• Schwierigkeiten in Mathematik, im Lesen oder im Schreiben
• Verhaltensschwierigkeiten in sozialen Situationen
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Einsamkeit
• Beziehungsprobleme mit Freund/Freundin
Wie kann der Schulpsychologe helfen?
• Rat geben an Eltern und Lehrkräfte, wie das Kind unterstützt werden kann
• Bei Persönlichkeitsproblemen und psychologischem Leiden wird das betroffene Kind an eine Klinik oder Therapiestelle überwiesen. Diese arbeiten eng mit Schulen und SchulpsychologInnen zusammen. Der Schulpsychologe vor Ort ist zeitlich nicht in der Lage, ein Kind tiefenpsychologisch und therapeutisch zu betreuen.
• Zuhören (oft haben Kinder und vor allem Jugendliche das Bedürfnis, einfach mit einem/einer Erwachsenen zu sprechen; dies kommt besonders in stressigen Zeiten wie Prüfungsphasen oder Beziehungsproblemen vor) und versuchen, Selbstvertrauen der betroffenen SchülerInnen aufzubauen sowie ihnen positives Feedback zu geben. Oft helfen schon das Zuhören allein und ein kleiner Tipp, wie z.B. ‚frühzeitig mit dem Lernen anfangen’.
Was passiert, wenn Eltern ihr Einverständnis verweigern?
- Über allen Handlungen innerhalb und außerhalb der Schule steht das Gesetz: Das finnische Grundgesetz spricht dem Kind das Recht auf Unversehrtheit, Schutz, Unterstützung und Hilfe zu.
- Die Erfahrung des Schulpsychologen ist, dass meist Eltern mit Migrationshintergrund oder hohem sozialen Status ihre Einwilligung nicht geben.
• Wenn Eltern nicht sofort reagieren, wird ihnen zunächst etwas Zeit gegeben, über die Anfrage des Schulpsychologen nachzudenken.
• Dann werden die Eltern, die ihre Einwilligung immer noch nicht geben, zu einem Gespräch mit dem Schulpsychologen, der Klassenlehrerin und der Schulleitung in die Schule eingeladen. Dort wird mit ihnen über die Schwierigkeiten ihres Kindes, über mögliche Ursachen und Hilfsmaßnahmen diskutiert.
• Der nächste Schritt ist die Drohung, eine Instanz, die vergleichbar mit dem Jugendamt ist, zu benachrichtigen. In den meisten Fällen reicht diese aus und die Eltern geben ihre Einwilligung.
• Wenn Eltern weiterhin nicht kooperieren wollen und ihr Einverständnis zu Hilfsmaßnahmen für das Kind verweigern, muss das ‚Jugendamt’ eingeschaltet und darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass das Kind nicht genug unterstütz werden kann.
• Wenn die Schule sehr besorgt um das Wohlergehen eines Kindes ist, wird generell immer ein Mitarbeiter des ‚Jugendamtes’ hinzugezogen und es wird beraten, wie weiter vorgegangen werden soll.
Mein Fazit nach dem Gespräch: sehr beeindruckend und sehr interessant! Ich hatte das Gefühl, dass der Schulpsychologe seine Arbeit wirklich von Herzen macht und sich zuallererst für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einsetzt!
Was machen die finnischen Schulen anders?
Unterschiede zu Deutschland und das Geheimnis von PISA:
Wie ich bereits mehrmals angedeutet habe, liegt das gute Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA nicht am Unterricht, der insgesamt frontal, auf das Lehrwerk und die Lehrkraft ausgerichtet ist. Es werden kaum Methoden angewendet und es gibt auch keine Binnendifferenzierung (und das an Gesamtschulen, wo alle Kinder gemeinsam und gleich lernen und es keine Aufteilung auf Förder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien gibt)! Auffällig sind weiterhin die vielen Hausaufgaben, die den SchülerInnen in den meisten Fächern aufgegeben werden und der Vergleich der Hausaufgaben einen nicht geringen Teil der Stunde einnimmt. Die Frage ist nun: Was machen die Finnen anders und was machen sie so besonders gut? Die Antwort: eigentlich alles!!!
Hier nun meine persönliche Zusammenfassung:
• Das Gesamtschulsystem (nicht zu vergleichen und zu verwechseln mit den Integrativen Gesamtschulen in Deutschland, wo Kinder trotzdem auf A B C Kurse verteilt und getrennt unterrichtet werden und unterschiedliche Abschlüsse erreichen; das gibt es in Finnland nicht, hier werden alle gemeinsam bis zur 9. Klasse unterrichtet, je nach Bedarf zusätzlich gefördert und machen denselben Abschluss) bietet bis zur 9. Klasse eine gemeinsame Grundbildung für alle Kinder und eröffnet damit gleiche Bildungschancen unabhängig vom sozioökonomischen Status der Familien und vom kognitiven Entwicklungsstand des einzelnen Kindes.
→ Aufgrund des Gesamtschulsystems fühlen sich alle SchülerInnen gleichwertig und sie sind es tatsächlich auch, da alle dieselben Bildungs- und Zugangschancen haben! Es gibt keine VerliererInnen des Bildungssystems und der Gesellschaft. (Ich brauche wohl nicht die andauernde und absolut notwendige und gerechtfertigte Diskussion, die das deutsche Schulsystem in Frage stellt, zu wiederholen…)
• In die Bildung wird viel mehr Geld investiert als in Deutschland! Die Steuern für die Einzelnen sind in Finnland zwar relativ hoch, doch ein erheblicher Teil der Steuergelder wird eben in die Schulen gesteckt! Und das wird auch von der Gesellschaft wohlwollend mitgetragen! Einige Beispiele: sehr gute technische Ausstattung, große Klassenräume und Einzeltische, die schnell verschoben werden können, relativ kleine Klassen, Unterstützung der Lehrkräfte durch SchulpsychologInnen, Sonder- und SozialpädagogInnen, kostenloses Mittagessen für jedes Kind, gute Gesundheitsfürsorge durch (Zahn-)ÄrztInnen und Schulkrankenschwestern, regelmäßige Projekte, internationale Austauschprogramme, Förderung von Migrantenkindern (insbesondere im Erlernen der finnischen Sprache), Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zur 9. Klasse (vom Radiergummi über das Heft bis hin zu allen Schulbüchern und Begleitmaterialien), Förderung von lernschwächeren Kindern und Jugendlichen durch Lehrkräfte selbst oder qualifiziertes Personal von außen im Anschluss an den Unterricht, was auch vergütet wird etc.
→ Durch die Politik und die Gesellschaft wird der Schule und der Bildung eine hohe Wertschätzung entgegengebracht und das kommt auch bei den Kindern und Jugendlichen an! Zudem wird kein Kind zurückgelassen, da es genügend Unterstützungsinstanzen gibt, die sich um Kinder mit Schwierigkeiten in jeglicher Hinsicht kümmern. Wenn wir uns den Zustand an deutschen Schulen anschauen, dann kann man nicht unbedingt behaupten, dass der Politik etwas an Bildung und unseren Kindern, die die Zukunft der Gesellschaft darstellen, liegt…
• Die Ausbildung von Lehrkräften hat einen hohen Stellenwert: Bereits ErzieherInnen (für Kitas, Kindergärten und Vorschulen, die das Alter von eins bis sechs Jahren umfassen) werden universitär ausgebildet. GrundschullehrerInnen können sich speziell zu KlassenlehrerInnen ausbilden lassen. Sie können aber auch ein Fachstudium wählen, das ca. 4 Jahre umfasst, und dann ein Jahr lang ein Pädagogikstudium anhängen. Besonders hervorzuheben sind allerdings die Auswahltests, die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Entscheidet man sich also für den Lehrberuf, muss man drei Testphasen durchlaufen, die bereits Pädagogikwissen, Teamarbeit und eine Unterrichtseinheit sowie einen psychologischen Test und somit die psychologische Eignung umfassen, und bestehen. Nur jede/r Dritte wird nach diesen Tests zum Lehramtsstudium zugelassen.
→ In Finnland werden durch diese Persönlichkeitstests auch nur wirklich diejenigen zum Studium zugelassen, die LehrerInnen aus Überzeugung werden möchten und dafür geeignet sind. Wer wird bei uns in Deutschland daran gehindert, LehrerIn zu werden…?
• Es werden alle Fächer gleichermaßen gefördert:
- Finnisch (der finnischen Sprache wird ein hoher Stellenwert zugeschrieben)
- die geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (in diesem Zusammenhang wird das Nationalgefühl der Finnen stark gefördert und geprägt)
- die Fremdsprachen (hoher Wert wird auf möglichst viele Sprachen gelegt und dabei wird meist ein sehr hohes Niveau erreicht, wenn auch Englisch immer mehr dominiert und gewählt wird)
- die Naturwissenschaften
- die musischen und künstlerischen Fächer (diese sollen besonders zur Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen beitragen)
- Sport in allen möglichen Variationen (es gibt kaum übergewichtige Kinder in Finnland)
- (traditionelle) Handarbeit und Werken
- Einbindung der neuen Medien in möglichst viele Fächer
→ Dadurch haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, alle Gebiete des gesellschaftlichen Lebens und die Anforderungen der Arbeitswelt bzw. des Studiums kennenzulernen. Ihnen wird die Chance gegeben, ihre Persönlichkeit durch ein breites Angebotsspektrum zu entfalten. Dabei können sich persönliche Interessen herauskristallisieren, die den Jugendlichen helfen, einen zukünftigen Beruf ins Auge zu fassen. Meine Erfahrung aus Deutschland ist, dass es stark von den politischen und gesellschaftlichen Strömungen und bestimmten Lobbygruppen abhängt, welches Fach besonders gefördert oder eben vernachlässigt wird. Leider wird dabei die Hauptsache vergessen: die bestmögliche Entwicklung des Kindes.
=> Durch die vielen Unterstützungsinstanzen, den hohen Stellenwert der Bildung, die gut ausgebildeten Lehrkräfte, gleiche Bildungs- und Zugangschancen für ALLE SchülerInnen (hohe Erwartungen an die eigene Zukunft), die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und natürlich auch aufgrund der finnischen Mentalität gibt es kaum erwähnenswerte Unterrichtsstörungen! Insofern kann ein hohes Tempo und ein hohes Niveau des Unterrichts (auch wenn es meist um die Reproduktion von Wissen geht, nicht um Transferleistungen) aufrechterhalten werden. Man denke nur an einige deutsche Hauptschulen und auch Realschulen, in denen das Unterrichten zum großen Teil überhaupt nicht möglich ist, weil Unterrichtsstörungen und pädagogische Maßnahmen (bzw. leider sehr oft Ordnungsmaßnahmen) den Schulalltag bestimmen… (hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: ich sehe nicht die Kinder als Ursache für die Unterrichtsstörungen; ihr Verhalten ist lediglich das Ergebnis von vielen tiefgehenden, weitreichenden und oft weiter zurückliegenden Ursachen…)
Gegebenenfalls steckt in diesen Aspekten, die zum größten Teil meine Beobachtungen widerspiegeln, das Geheimnis vom guten Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA?
Wie ich bereits mehrmals angedeutet habe, liegt das gute Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA nicht am Unterricht, der insgesamt frontal, auf das Lehrwerk und die Lehrkraft ausgerichtet ist. Es werden kaum Methoden angewendet und es gibt auch keine Binnendifferenzierung (und das an Gesamtschulen, wo alle Kinder gemeinsam und gleich lernen und es keine Aufteilung auf Förder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien gibt)! Auffällig sind weiterhin die vielen Hausaufgaben, die den SchülerInnen in den meisten Fächern aufgegeben werden und der Vergleich der Hausaufgaben einen nicht geringen Teil der Stunde einnimmt. Die Frage ist nun: Was machen die Finnen anders und was machen sie so besonders gut? Die Antwort: eigentlich alles!!!
Hier nun meine persönliche Zusammenfassung:
• Das Gesamtschulsystem (nicht zu vergleichen und zu verwechseln mit den Integrativen Gesamtschulen in Deutschland, wo Kinder trotzdem auf A B C Kurse verteilt und getrennt unterrichtet werden und unterschiedliche Abschlüsse erreichen; das gibt es in Finnland nicht, hier werden alle gemeinsam bis zur 9. Klasse unterrichtet, je nach Bedarf zusätzlich gefördert und machen denselben Abschluss) bietet bis zur 9. Klasse eine gemeinsame Grundbildung für alle Kinder und eröffnet damit gleiche Bildungschancen unabhängig vom sozioökonomischen Status der Familien und vom kognitiven Entwicklungsstand des einzelnen Kindes.
→ Aufgrund des Gesamtschulsystems fühlen sich alle SchülerInnen gleichwertig und sie sind es tatsächlich auch, da alle dieselben Bildungs- und Zugangschancen haben! Es gibt keine VerliererInnen des Bildungssystems und der Gesellschaft. (Ich brauche wohl nicht die andauernde und absolut notwendige und gerechtfertigte Diskussion, die das deutsche Schulsystem in Frage stellt, zu wiederholen…)
• In die Bildung wird viel mehr Geld investiert als in Deutschland! Die Steuern für die Einzelnen sind in Finnland zwar relativ hoch, doch ein erheblicher Teil der Steuergelder wird eben in die Schulen gesteckt! Und das wird auch von der Gesellschaft wohlwollend mitgetragen! Einige Beispiele: sehr gute technische Ausstattung, große Klassenräume und Einzeltische, die schnell verschoben werden können, relativ kleine Klassen, Unterstützung der Lehrkräfte durch SchulpsychologInnen, Sonder- und SozialpädagogInnen, kostenloses Mittagessen für jedes Kind, gute Gesundheitsfürsorge durch (Zahn-)ÄrztInnen und Schulkrankenschwestern, regelmäßige Projekte, internationale Austauschprogramme, Förderung von Migrantenkindern (insbesondere im Erlernen der finnischen Sprache), Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zur 9. Klasse (vom Radiergummi über das Heft bis hin zu allen Schulbüchern und Begleitmaterialien), Förderung von lernschwächeren Kindern und Jugendlichen durch Lehrkräfte selbst oder qualifiziertes Personal von außen im Anschluss an den Unterricht, was auch vergütet wird etc.
→ Durch die Politik und die Gesellschaft wird der Schule und der Bildung eine hohe Wertschätzung entgegengebracht und das kommt auch bei den Kindern und Jugendlichen an! Zudem wird kein Kind zurückgelassen, da es genügend Unterstützungsinstanzen gibt, die sich um Kinder mit Schwierigkeiten in jeglicher Hinsicht kümmern. Wenn wir uns den Zustand an deutschen Schulen anschauen, dann kann man nicht unbedingt behaupten, dass der Politik etwas an Bildung und unseren Kindern, die die Zukunft der Gesellschaft darstellen, liegt…
• Die Ausbildung von Lehrkräften hat einen hohen Stellenwert: Bereits ErzieherInnen (für Kitas, Kindergärten und Vorschulen, die das Alter von eins bis sechs Jahren umfassen) werden universitär ausgebildet. GrundschullehrerInnen können sich speziell zu KlassenlehrerInnen ausbilden lassen. Sie können aber auch ein Fachstudium wählen, das ca. 4 Jahre umfasst, und dann ein Jahr lang ein Pädagogikstudium anhängen. Besonders hervorzuheben sind allerdings die Auswahltests, die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Entscheidet man sich also für den Lehrberuf, muss man drei Testphasen durchlaufen, die bereits Pädagogikwissen, Teamarbeit und eine Unterrichtseinheit sowie einen psychologischen Test und somit die psychologische Eignung umfassen, und bestehen. Nur jede/r Dritte wird nach diesen Tests zum Lehramtsstudium zugelassen.
→ In Finnland werden durch diese Persönlichkeitstests auch nur wirklich diejenigen zum Studium zugelassen, die LehrerInnen aus Überzeugung werden möchten und dafür geeignet sind. Wer wird bei uns in Deutschland daran gehindert, LehrerIn zu werden…?
• Es werden alle Fächer gleichermaßen gefördert:
- Finnisch (der finnischen Sprache wird ein hoher Stellenwert zugeschrieben)
- die geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (in diesem Zusammenhang wird das Nationalgefühl der Finnen stark gefördert und geprägt)
- die Fremdsprachen (hoher Wert wird auf möglichst viele Sprachen gelegt und dabei wird meist ein sehr hohes Niveau erreicht, wenn auch Englisch immer mehr dominiert und gewählt wird)
- die Naturwissenschaften
- die musischen und künstlerischen Fächer (diese sollen besonders zur Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen beitragen)
- Sport in allen möglichen Variationen (es gibt kaum übergewichtige Kinder in Finnland)
- (traditionelle) Handarbeit und Werken
- Einbindung der neuen Medien in möglichst viele Fächer
→ Dadurch haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, alle Gebiete des gesellschaftlichen Lebens und die Anforderungen der Arbeitswelt bzw. des Studiums kennenzulernen. Ihnen wird die Chance gegeben, ihre Persönlichkeit durch ein breites Angebotsspektrum zu entfalten. Dabei können sich persönliche Interessen herauskristallisieren, die den Jugendlichen helfen, einen zukünftigen Beruf ins Auge zu fassen. Meine Erfahrung aus Deutschland ist, dass es stark von den politischen und gesellschaftlichen Strömungen und bestimmten Lobbygruppen abhängt, welches Fach besonders gefördert oder eben vernachlässigt wird. Leider wird dabei die Hauptsache vergessen: die bestmögliche Entwicklung des Kindes.
=> Durch die vielen Unterstützungsinstanzen, den hohen Stellenwert der Bildung, die gut ausgebildeten Lehrkräfte, gleiche Bildungs- und Zugangschancen für ALLE SchülerInnen (hohe Erwartungen an die eigene Zukunft), die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und natürlich auch aufgrund der finnischen Mentalität gibt es kaum erwähnenswerte Unterrichtsstörungen! Insofern kann ein hohes Tempo und ein hohes Niveau des Unterrichts (auch wenn es meist um die Reproduktion von Wissen geht, nicht um Transferleistungen) aufrechterhalten werden. Man denke nur an einige deutsche Hauptschulen und auch Realschulen, in denen das Unterrichten zum großen Teil überhaupt nicht möglich ist, weil Unterrichtsstörungen und pädagogische Maßnahmen (bzw. leider sehr oft Ordnungsmaßnahmen) den Schulalltag bestimmen… (hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: ich sehe nicht die Kinder als Ursache für die Unterrichtsstörungen; ihr Verhalten ist lediglich das Ergebnis von vielen tiefgehenden, weitreichenden und oft weiter zurückliegenden Ursachen…)
Gegebenenfalls steckt in diesen Aspekten, die zum größten Teil meine Beobachtungen widerspiegeln, das Geheimnis vom guten Abschneiden der finnischen SchülerInnen bei PISA?
Einblick in die gymnasiale Oberstufe
Am 23. und 24. März besuchte ich für einige Schulstunden die Nachbarschule der Laajavuoren koulu, die Martinlaakson lukio. Das ist eine gymnasiale Oberstufe, die max. drei Jahre umfasst und zum Abitur führt. Ich habe sowohl einige Eindrücke vom Deutsch- und Englischunterricht als auch einen tieferen Einblick in die finnische Schulstruktur gewinnen können.
Zunächst einige Unterrichtsbeobachtungen: Auch die finnische SchülerInnen, die schon 17 und 18 Jahre alt sind, waren immer noch so schüchtern wie die GrundschülerInnen. Sie schauten mich nicht an und hatten auch keine Fragen.
Das Anforderungsniveau war sehr hoch. Meistens ging es bei fremdsprachigen Texten um das Hör- und Leseverständnis (richtig/falsch, Synonyme, Übersetzen/Wiederfinden/Paraphrasieren von Sätzen, Wortschatzarbeit, Grammatik). Es wurde kaum über Texte gesprochen, über das inhaltliche Thema diskutiert und es wurden kaum kreative Aufgabenstellungen angeboten. Die Kommunikation der SchülerInnen untereinander und ihr Redeanteil waren in diesen Stunden eher gering im Vergleich zum hohen Redeanteil der Lehrkraft.
Auffällig war ebenfalls, dass der Unterricht mit dem Vergleich der Hausaufgaben begann, und zwar in der Weise, dass die Lehrkraft die Ergebnisse über Dokumentenkamera, Beamer und Leinwand auflegte und es den SchülerInnen selbst überließ, ob diese verglichen und ggf. verbesserten oder nicht. Nach einer gewissen Zeit wurde das Dokument weggenommen und der Unterricht begann, indem die Lehrperson den Verlauf der Unterrichtsstunde vorstellte. Besonders erstaunlich war für mich das hohe Tempo der Unterrichtsstunden, v. a. im Englischunterricht. Da wurde keine Minute ungenutzt gelassen. Insofern konnte sehr viel Stoff in relativ kurzer Zeit behandelt werden. Die SchülerInnen waren sehr diszipliniert und es gab keine Unterrichtsstörungen (das Einzige, was ich beobachten konnte, waren einige Mädchen, die sich ihre Hände gegenseitig anmalten oder ihre Hefte und Arbeitsblätter verschönerten :-) …doch der Unterricht verlief völlig ungestört und das von halb zwei bis viertel vor drei). Während die Jugendlichen in Stillarbeit oder Partnerarbeit Aufgaben bearbeiteten, trug die Lehrkraft die fehlenden SchülerInnen in die online-Plattform „Wilma“ ein, die für alle LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern jederzeit einsehbar ist. Insofern sind die Klassenzimmer immer auch (neben der normalen Ausstattung mit Dokumentenkamera, Beamer, Leinwand und oft Mikrofonanlage) mit einem Laptop ausgestattet und zu jeder Zeit online. Somit können Internetseiten immer auch direkt im Unterricht eingesetzt werden.
Weitere Besonderheiten:
• die Fächer (Kurse) sind den Klassenräumen und Lehrkräften zugeordnet und nicht andersrum.
• Eine Stunde umfasst 75 Minuten.
• Es klingelt nicht.
• Die Lehrkräfte unterrichten meistens: Sprachen oder Naturwissenschaften oder Nebenfächer. Ansonsten sind die Einstellungschancen sehr gering.
• Die Abiturprüfungen werden ganz unspektakulär geschrieben. In den Nebenräumen findet normaler Unterricht statt.
Nun etwas zum Aufbau der gymnasialen Oberstufe:
Nach der neunten Klasse (mit 16/17 Jahren, es gibt kein Sitzenbleiben) verlassen alle SchülerInnen die neunjährige Gesamtschule und entscheiden sich dann, welchen Weg sie einschlagen: gymnasiale Oberstufe, Berufsschule oder Arbeitsleben. 50-60% eines Jahrgangs besuchen die gymnasiale Oberstufe. 40-50% besuchen eine Berufsschule.
Die gymnasiale Oberstufe umfasst die Schuljahre 10 bis 12 und schließt mit den Abiturprüfungen ab, die zweimal im Jahr geschrieben werden: im Frühjahr und im Herbst. Sie besteht weiterhin aus einem klassenlosen Kurssystem, d. h. dass die Fächer in Kursen gelernt werden. Ein Kurs umfasst 38 Stunden. Die SchülerInnen wählen sich in 6-8 Kurse (30-40 Stunden pro Woche) pro Epoche ein. Ein Schuljahr besteht aus 5 Epochen. Am Ende einer Epoche gibt es eine Testwoche (Dauer: 1,5 Wochen), in der jeder Kurs mit einer Klausur oder einer mündlichen Prüfung abgeschlossen wird. D. h. zum Teil haben die SchülerInnen acht Prüfungen in 1,5 Wochen, abhängig davon in wie viele Kurse sie sich eingewählt haben. Wenn sie alle bestehen (es gibt kein Sitzenbleiben, ein Kurs kann wiederholt werden) und dieses Tempo beibehalten, können sie bereits nach zwei oder zweieinhalb Jahren Abitur machen. Es ist aber so, dass speziell die gymnasialen Oberstufen Studienberatungen anbieten und den SchülerInnen helfen, ein gesundes Maß an Kursen zu belegen. (Weiterhin steht den SchülerInnen Förderunterricht sowie die Gesundheits- und Schülerfürsorge zur Verfügung.) Den SchülerInnen wird empfohlen, max. 7 Kurse pro Epoche zu belegen. Jeder Kurs hat ein bestimmtes Thema, dass in ca. 6 Wochen behandelt wird. Daraufhin erfolgt die Testwoche. Bis zum Abitur brauchen die Lernenden min. 75 Kurse. In Finnland wird ein Zentralabitur geschrieben, dass auch zentral korrigiert wird, nicht von der Lehrkraft. D. h. es herrscht eine relativ echte (!) Vergleichbarkeit landesweit vor (wobei ich nicht vom Zentralabitur überzeugt bin). Insofern ist der Druck auf SchülerInnen und Lehrkräfte sehr hoch, den geforderten Stoff zu behandeln und durchzukriegen und es ist nachvollziehbar, warum das Tempo so hoch und die Unterrichtsform der Frontalunterricht ist (meiner Meinung nach ist das System allerdings sehr fraglich – wie auch die Abschlussprüfungen in der 9. und 10 Klasse in Deutschland, da ein „learning to the test“ forciert wird).
Im 1. Jahr der gymnasialen Oberstufe (10. Schuljahr) wählen die SchülerInnen meistens die obligatorischen Kurse: eine bestimmte Anzahl an…
- Finnisch- und Schwedischkursen
- Mathekursen
- Physikkursen
- Musik- und Kunstkursen
- Fremdsprachkursen (meist Englisch)
(Das ist nicht vollständig. Leider habe ich nicht mehr Informationen aus erster Hand bekommen können.)
Alle anderen und weiteren Kurse sind wahlfrei.
Die Noten eines Kurses setzen sich zum größten Teil aus der Note der schriftlichen oder mündlichen Prüfung am Ende des Kurses zusammen. Die Lehrkraft kann aber eine Note höher oder tiefer gehen, wenn z.B. ein Referat gehalten wurde oder die Bemühungen im Kurs besonders gut bzw. besonders gering waren. Diese Noten zählen auch mit ins Abitur hinein. Hier weiß ich wiederum leider nichts Genaueres.
Die Kurs- und auch Abiturprüfungen in den Fremdsprachen sehen nach meinem Wissen unseren Abschlussprüfungen (vom Aufbau, nicht vom Inhalt her!) ähnlich: Hörverstehen, Leseverstehen, Grammatik, Schreiben.
Nun noch einmal etwas zu den finnischen Schulen in der Zusammenfassung von Rainer Domisch, Leiter des Zentralamts für das finnische Unterrichtswesen. Des Weiteren eine Kopie zum Aufbau des finnischen Schulsystems am Beispiel von drei Schulen in Vantaa, die in zwei Minuten Entfernung zueinander liegen und aufeinander aufbauen.

Zunächst einige Unterrichtsbeobachtungen: Auch die finnische SchülerInnen, die schon 17 und 18 Jahre alt sind, waren immer noch so schüchtern wie die GrundschülerInnen. Sie schauten mich nicht an und hatten auch keine Fragen.
Das Anforderungsniveau war sehr hoch. Meistens ging es bei fremdsprachigen Texten um das Hör- und Leseverständnis (richtig/falsch, Synonyme, Übersetzen/Wiederfinden/Paraphrasieren von Sätzen, Wortschatzarbeit, Grammatik). Es wurde kaum über Texte gesprochen, über das inhaltliche Thema diskutiert und es wurden kaum kreative Aufgabenstellungen angeboten. Die Kommunikation der SchülerInnen untereinander und ihr Redeanteil waren in diesen Stunden eher gering im Vergleich zum hohen Redeanteil der Lehrkraft.
Auffällig war ebenfalls, dass der Unterricht mit dem Vergleich der Hausaufgaben begann, und zwar in der Weise, dass die Lehrkraft die Ergebnisse über Dokumentenkamera, Beamer und Leinwand auflegte und es den SchülerInnen selbst überließ, ob diese verglichen und ggf. verbesserten oder nicht. Nach einer gewissen Zeit wurde das Dokument weggenommen und der Unterricht begann, indem die Lehrperson den Verlauf der Unterrichtsstunde vorstellte. Besonders erstaunlich war für mich das hohe Tempo der Unterrichtsstunden, v. a. im Englischunterricht. Da wurde keine Minute ungenutzt gelassen. Insofern konnte sehr viel Stoff in relativ kurzer Zeit behandelt werden. Die SchülerInnen waren sehr diszipliniert und es gab keine Unterrichtsstörungen (das Einzige, was ich beobachten konnte, waren einige Mädchen, die sich ihre Hände gegenseitig anmalten oder ihre Hefte und Arbeitsblätter verschönerten :-) …doch der Unterricht verlief völlig ungestört und das von halb zwei bis viertel vor drei). Während die Jugendlichen in Stillarbeit oder Partnerarbeit Aufgaben bearbeiteten, trug die Lehrkraft die fehlenden SchülerInnen in die online-Plattform „Wilma“ ein, die für alle LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern jederzeit einsehbar ist. Insofern sind die Klassenzimmer immer auch (neben der normalen Ausstattung mit Dokumentenkamera, Beamer, Leinwand und oft Mikrofonanlage) mit einem Laptop ausgestattet und zu jeder Zeit online. Somit können Internetseiten immer auch direkt im Unterricht eingesetzt werden.
Weitere Besonderheiten:
• die Fächer (Kurse) sind den Klassenräumen und Lehrkräften zugeordnet und nicht andersrum.
• Eine Stunde umfasst 75 Minuten.
• Es klingelt nicht.
• Die Lehrkräfte unterrichten meistens: Sprachen oder Naturwissenschaften oder Nebenfächer. Ansonsten sind die Einstellungschancen sehr gering.
• Die Abiturprüfungen werden ganz unspektakulär geschrieben. In den Nebenräumen findet normaler Unterricht statt.
Nun etwas zum Aufbau der gymnasialen Oberstufe:
Nach der neunten Klasse (mit 16/17 Jahren, es gibt kein Sitzenbleiben) verlassen alle SchülerInnen die neunjährige Gesamtschule und entscheiden sich dann, welchen Weg sie einschlagen: gymnasiale Oberstufe, Berufsschule oder Arbeitsleben. 50-60% eines Jahrgangs besuchen die gymnasiale Oberstufe. 40-50% besuchen eine Berufsschule.
Die gymnasiale Oberstufe umfasst die Schuljahre 10 bis 12 und schließt mit den Abiturprüfungen ab, die zweimal im Jahr geschrieben werden: im Frühjahr und im Herbst. Sie besteht weiterhin aus einem klassenlosen Kurssystem, d. h. dass die Fächer in Kursen gelernt werden. Ein Kurs umfasst 38 Stunden. Die SchülerInnen wählen sich in 6-8 Kurse (30-40 Stunden pro Woche) pro Epoche ein. Ein Schuljahr besteht aus 5 Epochen. Am Ende einer Epoche gibt es eine Testwoche (Dauer: 1,5 Wochen), in der jeder Kurs mit einer Klausur oder einer mündlichen Prüfung abgeschlossen wird. D. h. zum Teil haben die SchülerInnen acht Prüfungen in 1,5 Wochen, abhängig davon in wie viele Kurse sie sich eingewählt haben. Wenn sie alle bestehen (es gibt kein Sitzenbleiben, ein Kurs kann wiederholt werden) und dieses Tempo beibehalten, können sie bereits nach zwei oder zweieinhalb Jahren Abitur machen. Es ist aber so, dass speziell die gymnasialen Oberstufen Studienberatungen anbieten und den SchülerInnen helfen, ein gesundes Maß an Kursen zu belegen. (Weiterhin steht den SchülerInnen Förderunterricht sowie die Gesundheits- und Schülerfürsorge zur Verfügung.) Den SchülerInnen wird empfohlen, max. 7 Kurse pro Epoche zu belegen. Jeder Kurs hat ein bestimmtes Thema, dass in ca. 6 Wochen behandelt wird. Daraufhin erfolgt die Testwoche. Bis zum Abitur brauchen die Lernenden min. 75 Kurse. In Finnland wird ein Zentralabitur geschrieben, dass auch zentral korrigiert wird, nicht von der Lehrkraft. D. h. es herrscht eine relativ echte (!) Vergleichbarkeit landesweit vor (wobei ich nicht vom Zentralabitur überzeugt bin). Insofern ist der Druck auf SchülerInnen und Lehrkräfte sehr hoch, den geforderten Stoff zu behandeln und durchzukriegen und es ist nachvollziehbar, warum das Tempo so hoch und die Unterrichtsform der Frontalunterricht ist (meiner Meinung nach ist das System allerdings sehr fraglich – wie auch die Abschlussprüfungen in der 9. und 10 Klasse in Deutschland, da ein „learning to the test“ forciert wird).
Im 1. Jahr der gymnasialen Oberstufe (10. Schuljahr) wählen die SchülerInnen meistens die obligatorischen Kurse: eine bestimmte Anzahl an…
- Finnisch- und Schwedischkursen
- Mathekursen
- Physikkursen
- Musik- und Kunstkursen
- Fremdsprachkursen (meist Englisch)
(Das ist nicht vollständig. Leider habe ich nicht mehr Informationen aus erster Hand bekommen können.)
Alle anderen und weiteren Kurse sind wahlfrei.
Die Noten eines Kurses setzen sich zum größten Teil aus der Note der schriftlichen oder mündlichen Prüfung am Ende des Kurses zusammen. Die Lehrkraft kann aber eine Note höher oder tiefer gehen, wenn z.B. ein Referat gehalten wurde oder die Bemühungen im Kurs besonders gut bzw. besonders gering waren. Diese Noten zählen auch mit ins Abitur hinein. Hier weiß ich wiederum leider nichts Genaueres.
Die Kurs- und auch Abiturprüfungen in den Fremdsprachen sehen nach meinem Wissen unseren Abschlussprüfungen (vom Aufbau, nicht vom Inhalt her!) ähnlich: Hörverstehen, Leseverstehen, Grammatik, Schreiben.
Nun noch einmal etwas zu den finnischen Schulen in der Zusammenfassung von Rainer Domisch, Leiter des Zentralamts für das finnische Unterrichtswesen. Des Weiteren eine Kopie zum Aufbau des finnischen Schulsystems am Beispiel von drei Schulen in Vantaa, die in zwei Minuten Entfernung zueinander liegen und aufeinander aufbauen.
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