Montag, 27. April 2009

Kostenlose Schulartikel - Bestellungen für das nächste Schuljahr

Kleinstarbeit für einen guten Zweck ;-)

Huch, wer ist denn da so fleißig und konzentriert bei der Arbeit?

Meine „Mentorin“ ist dieser Tage über eine seitenlange Liste mit kleinster Schrift, tabellenformartig gegliedert und mit vielen freien Feldern gebeugt, blättert parallel in einem Katalog und trägt Zahlen in die Liste ein.
Was macht sie da bloß?
Das sieht nun wirklich nicht wie Unterrichtsmaterial aus und auch nicht nach Unterrichtsvorbereitung! Was macht aber eine Lehrerin sonst in der Schule an ihrem Pult?
Hochkonzentriert blickt sie auf und lässt sich nur ungern stören…doch für mich macht sie eine Ausnahme ;-)
Die Auflösung ist: Sie macht die Lehr- und Lernmittelbestellungen für ihre kommende neue 1. Klasse im nächsten Schuljahr!!!

Aha, nun wird mir einiges klar!
Die vollen Schränke mit Heften, Stiften aller Art, Anspitzern, Linealen, Scheren, Klebestiften, Papier etc. etc. in jedem Klassenzimmer sind nicht einfach nur da (naja, das war auch ein bisschen einfach von mir gedacht…), sondern sie müssen erst in mühevoller Arbeit von dem/der zukünftigen KlassenlehrerIn bestellt werden!
Dafür muss erst geschaut werden, was noch da und brauchbar ist, dann abhängig von der Klassenstärke abgeschätzt werden, wie der Verbrauch in einem Schuljahr sein wird und dann noch einmal die Qualität der vorhandenen Produkte überprüft und verglichen werden. Daraufhin werden Katalog und eine ca. zehnseitige Liste nebeneinander gelegt und los geht’s mit der Kleinstarbeit: erst entscheidet die Lehrkraft aus einer Auswahl von ca. elf unterschiedlichen Anspitzern (als Beispiel), welchen sie nun haben möchte, dann muss sie den Namen und die Bestellnummer dieses Anspitzers in der Liste finden, danach den Preis berücksichtigen und zum Schluss die Anzahl auf drei Parallelklassen überschlagen und in die super kleingedruckte Liste eintragen. Und diese Prozedur muss für jeden einzelnen Schulartikel wiederholt werden. Die Armen…

Insgesamt ist dies eine Arbeit von ca. 5 Stunden, wenn man nicht gestört wird und alleine arbeitet. Abhängig von Klassenstufenteams kann auch in einer Gruppe gearbeitet werden. Beides hat natürlich Vor- und Nachteile.

Das Tolle an der Sache ist – wenn man von der Arbeit absieht –, dass die Kinder zu Schuljahresbeginn in die Klassenzimmer kommen und es ist für alles gesorgt! Niemand muss Hefte, Radiergummis, Bleistifte etc. kaufen! Es ist einfach alles da!
Ich finde diese Lehr- und Lernmittelfreiheit bis zum 9. Schuljahr einfach klasse!
Es kann in finnischen Klassenzimmer nicht heißen (so wie ich es in einigen meiner Klasse des Öfteren gehört habe): „Ich habe kein Blatt!“; „Ich habe nix zu schreiben!“; „Kann mir mal jemand ein Blatt und einen Stift leihen?“
Kein Kind und kein/e Jugendliche/r muss sich dafür schämen und erniedrigt fühlen, dass die Eltern kein Geld für Schulmaterial haben (oder ausgeben möchten), ob es sich nun um einen Stift oder um ein Arbeitsbuch handelt. Hier in Finnland ist es selbstverständlich, dass die Schule (bzw. die Kommune dahinter) für jegliche Schulbücher und jegliches Schulmaterial sorgt!!!

Liebe Kollegin, dafür lohnt sich die Arbeit! Ich würde solche Listen auch gern ausfüllen, wenn die Politik nur das Geld für das Material zur Verfügung stellen würde…

Bestellungen für das nächste Jahr

Sonntag, 26. April 2009

Einblicke in eine finnische Mittelstufe (Klassen 7-9)

Durch die Pubertät muss wohl jede/r durch…

Bisher waren meine Beobachtungen, dass die finnischen GrundschülerInnen (Klassen 1-6) und die finnischen OberstufenschülerInnen (nach der 9. Klasse) mentalitätsbedingt nicht mit unseren zu vergleichen sind und eine große Schüchternheit sowie einen hohen Eifer, zu lernen, an den Tag legen. Am 22. April 2009 habe ich es dann endlich geschafft, die Martinlaakson koulu zu besuchen, die die Schuljahre 7-9 umfasst. Dort habe ich den Gegenbeweis zu dieser Hypothese gefunden und es bot sich mir ein bekannteres Bild: die Jugendlichen in dem Alter 14 – 16 sind unseren doch sehr ähnlich! Der Phase der Identitäts- und Selbstfindung und der Einstellung „Hauptsache dagegen“ kann wohl niemand entkommen.

Konkret hieß das, dass der Unterricht nicht so leise und ungestört durchgeführt werden konnte, wie in den niedrigeren Klassen der Gesamtschule (bis Klasse 6) oder der gymnasialen Oberstufe. Es war bei den Jugendlichen in den Jahrgängen 7-9 diese „Null-Bock-Stimmung“ zu spüren, wie es auch bei uns in Deutschland (zumindest war das meine Erfahrung in den Haupt- und Realschulen) der Fall ist. Andere Dinge wie Kleidung, Styling, Handys, Musik, Coolness, Provokation, Austausch mit Gleichaltrigen auch während der Stunden etc. sind eben in dieser Lebensphase viel wichtiger als Schule, LehrerInnen, Noten und Bildung. Dennoch muss ich sagen, dass die Unterrichtsstörungen nicht so enorm waren, wie ich sie in meinem Unterricht teilweise erlebt habe. So fanden einige Privatgespräche in den hinteren Reihen statt, die zeitweise auch etwas lauter wurden, aber der Unterricht konnte trotzdem weitergeführt werden und beeinträchtigte nicht die, die lernen wollten. Die Einstellung der meisten LehrerInnen an der Schule war (so wie ich das beobachtet habe), die Jugendlichen in Ruhe zu lassen (solange die Nebengespräche nicht zu laut wurden). Es wurde sich also auf diejenigen konzentriert, die etwas lernen wollten. Jene Jugendlichen haben dann auch die Aufgaben, die an sie herangetragen wurden, immer sofort begonnen und gewissenhaft erledigt, ohne sich zu beschweren. Ich hatte den Eindruck, dass es den SchülerInnen praktisch frei gestellt wurde, ob sie mitarbeiten wollten.

Dieses Prinzip der Freiheit und des Ignorierens wurde auch auf die (wenigen) sehr schwierigen Fälle angewandt. Ein Schüler bspw. konnte weitestgehend machen, was er wollte (natürlich nur bis zu einem gewissen Grad) und die Lehrkräfte haben ihn gewähren lassen. Er hat nicht am Unterricht teilgenommen (physisch war er schon anwesend) und Privatgespräche mit seinen unmittelbaren NachbarInnen geführt. Es war jedoch erstaunlich, dass jene nach einer gewissen Zeit eigenständig zu ihren Aufgaben zurückfanden und ihn so auch mitzogen. Zu keiner Zeit während dieses Schultages haben die Nebengespräche oder andere (störende) Verhaltensweisen der SchülerInnen Überhand genommen und das Unterrichten negativ beeinflusst.

Ein Grund für das zurückhaltende Verhalten der Lehrkräfte und ihre Einstellung „die SchülerInnen gewähren lassen“ könnte einerseits das Verständnis für und die Akzeptanz gegenüber der schwierigen Phase, in welcher sich die Jugendlichen befinden, sein. Andererseits könnte es sein, dass die LehrerInnen die Verantwortung für das erfolgreiche Lernen in die Hände der SchülerInnen selbst legen, die ihr Können in einer Vielzahl von Prüfungen unter Beweis stellen müssen. Denn auch in der Mittelstufe ist das Schuljahr so ähnlich aufgebaut wie in der gymnasialen Oberstufe: Das Schuljahr besteht aus vier Epochen und eine Epoche aus ca. acht Wochen. Während einer Epoche belegen die SchülerInnen ca. sechs Pflichtkurse (je 4 Wochenstunden) und wählen sich in zwei bis drei wahlfreie Kurse sowie Sport ein, die weniger Wochenstunden umfassen. Am Ende einer Epoche erfolgt eine Testwoche, in welcher die SchülerInnen dann ca. sechs bis acht Prüfungen (meistens schriftlich) ablegen müssen. Wenn sie eine Prüfung nicht bestehen, müssen sie in eine Nachprüfung oder den Kurs wiederholen. Hier liegt es also ganz im Interesse der Jugendlichen selbst, während des Kurses mitzuarbeiten, um die Prüfung zu bestehen. Eine Deutschlehrerin meinte, diese Testwochen seien eine große psychische Belastung für die Jugendlichen und sehr stressig für alle Beteiligten.

In Bezug auf den Unterricht kam immer wieder zum Ausdruck, wie groß der Druck vom Lehrplan ist. In den acht Wochen muss (oder sollte) ein ganzes Kursbuch (Textbuch und Schülerarbeitsbuch) durchgearbeitet und am Ende abgeprüft werden. Das hieß in der Konsequenz, dass auch an dieser Schule das Niveau und das Tempo sehr hoch waren. Überwiegend wurde dementsprechend lehrerzentriert und lehrwerksorientiert unterrichtet. (Dies ist natürlich nur der Eindruck eines Tages. Im Englischunterricht habe ich z.B. eine tolle Gruppenarbeit gesehen, in welcher die Jugendlichen ein Werbeposter für einen Stadtteil Helsinkis oder Vantaas erstellt haben. Dabei waren sie sehr kreativ und motiviert, obwohl die Verhältnisse im PC-Raum sehr beengt waren und sie zudem zu dritt an einem PC saßen! Die Disziplin war enorm hoch und die Ergebnisse toll!) Den SchülerInnen war es – wie bereits oben erwähnt – selbst überlassen, ob sie mitarbeiteten oder nicht. Diejenigen, die Ambitionen haben, auf die gymnasiale Oberstufe zu wechseln und Abitur zu machen, haben den Ehrgeiz, gewissenhaft zu arbeiten. Diese Einstellung kommt bei einigen früher, bei einigen später. Schließlich gehen 50-60% eines Jahrgangs nach der 9. Klasse auf die gymnasiale Oberstufe.

Weitere Informationen zur Struktur der Schule:
• Die ca. 400 SchülerInnen sind in einer großen Schule mit drei Stockwerken untergebracht. Die Flure sind mit vielen Schülerarbeiten, Postern und Gruppenarbeitsplakaten gestaltet. Über dem Treppenhaus hängt ein riesiges Plakat (von Schülern gemalt), welches die Tage bis zum Beginn der Sommerferien runterzählt. Im obersten Stockwerk befinden sich die Verwaltungsräume sowie ein großes, geräumiges und gemütlich eingerichtetes Lehrerzimmer (mit Sofas, kleiner Küche und PCs), das sich praktisch über die ganze Etage erstreckt.
• Der Aufbau eines Schultages ist ebenfalls sehr ansprechend für mich und bringt Ruhe und Entspannung in den Tag: Unterrichtsbeginn ist um 8 Uhr. Eine Unterrichtsstunde umfasst 45 Minuten. Nach jeder Unterrichtsstunde gibt es 15 Minuten Pause! Von 11.45 – 12.15 Uhr ist Mittagspause, in der die ganze Schulgemeinschaft zum Mittagessen in die Mensa geht. Ab da geht der Rhythmus von 45 Minuten Unterricht und 15 Minuten Pause weiter, bis der Schultag um 16 Uhr endet.
• Ab der 7. Klasse gibt es nicht mehr das Klassenlehrerprinzip. Die SchülerInnen werden nur von FachlehrerInnen unterrichtet. Es wird kaum fachfremd unterrichtet (und wenn doch, dann nur in dem Bereich der eigenen Fächer, z.B. Physik, wenn man Biologie und Chemie studiert hat).
• Die SchülerInnen werden in den Pflichtfächern im Klassenverband unterrichtet, darüber hinaus wählen sie sich in angebotene wahlfreie Kurse und sind mit anderen SchülerInnen eines Jahrgangs im Kurs.
• Jeder Klasse wird ein/e BetreuerIn zugeordnet, die eine/n KlassenlehrerIn ersetzt. Sie übernimmt die organisatorischen Aufgaben für diese Klasse. Jeden Mittwoch von 12.15 – 12.30 Uhr finden Treffen zwischen BetreuerIn und Klasse statt und es werden Informationen weitergegeben bzw. Absprachen getroffen oder aktuelle Dinge besprochen.
• Bei großen Schwierigkeiten einer/eines Jugendlichen wird im Team gearbeitet: Eltern, SchulpsychologIn, Lehrkräfte, Sonder- oder SozialpädagogIn und die/der betroffene Jugendliche arbeiten gemeinsam an der Lösung des Problems.
Es war eine tolle Erfahrung für mich, die Mittelstufe besuchen und viele Parallelen zu deutschen SchülerInnen in diesem Alter ziehen zu können!

Des Weiteren hat es mir großen Spaß gemacht, zwei Deutschstunden in zwei unterschiedlichen 8. Jahrgangsstufen zu unterrichten. Dafür habe ich das Thema „Liebe“ gewählt und zwei deutsche Liebeslieder thematisiert. Das sprach die Jugendlichen größtenteils an! Obwohl ich beide Lerngruppen vorher noch nie gesehen habe und auch die SchülerInnen mich vorher noch nie gesehen haben, haben sie mir (von der Lehrkraft angeleitet) vorbereitete Fragen gestellt und wir kamen ins Gespräch. Die Lernenden konnten sehr gut Deutsch verstehen! Es fiel ihnen jedoch sehr schwer, sich auszudrücken. Die Vermutung liegt nahe, dass es an ihrer Angst lag, Fehler zu machen, sowie an ihrer Schüchternheit gegenüber neuen Personen (beides kulturbedingt), nicht aber an ihrem eigentlichen Vermögen, auf Deutsch zu sprechen.

Ich hoffe, in den verbleibenden zwei Schulwochen noch mehr Einblicke in die Mittelstufe bekommen zu können!

Besonderheiten an der Laajavuori-Schule

Zweimal im Jahr gibt es große Tests für die SchülerInnen:
1. Zu Beginn des Schuljahres müssen alle Kinder an einem Mathetest teilnehmen. Dieser wird vom Schulamt konzipiert und ist für alle Schulen in Vantaa für den jeweiligen Jahrgang gleich. Der Test ist angelehnt an den Lehrplan des jeweils vorherigen Schuljahrgangs. Der Test möchte den Wissensstand, wie er nach einem Schuljahr sein sollte, überprüfen. Das Ergebnis ist in zweifacher Hinsicht interessant: Zum einen zeigt es, welche Kinder zusätzliche Hilfe und Unterstützung brauchen. Das ist relevant für die Lehrkräfte. Zum anderen liefert es dem Schulamt Einblicke in die jeweiligen Schulen und wie viele Gelder diese für die Einzelförderung der SchülerInnen brauchen. Abhängig vom dem Förderbedarf kann dann eine Schule einmal wöchentlich Extraförderung anbieten. Dafür bekommt die Lehrkraft 25 Euro pro 45 Minuten.
2. Einmal im Jahr nehmen die SchülerInnen verpflichtend an einem Test zum Leseverstehen teil. Dieser wurde von der Universität Turku entwickelt und von der Laajavuori-Schule gekauft. Die Tests werden von der Universität ausgewertet. Die Ergebnisse sind besonders für die Schule aufschlussreich, da die SchülerInnen in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden: sehr gut; Durchschnitt (gut); Förderbedarf. Abhängig von der Zuordnung in eine Gruppe erhalten die SchülerInnen aus der letzten Gruppe Förderung im Leseverstehen durch die Sonderpädagogin bzw. die Finnischlehrerin. Es bekommen dementsprechend besonders die Migrantenkinder eine Unterstützung – abhängig von ihrem Abschneiden im Leseverstehen im Vergleich zu allen Kindern.


Die Schule legt großen Wert auf die Elternarbeit. Mindestens dreimal im Schuljahr werden die Eltern zu Gesprächen oder Treffen in die Schule eingeladen. Alles, was darüber hinaus geht, liegt im Einsatz und in den Möglichkeiten der einzelnen Lehrkraft:
1. Zu Beginn des Schuljahres gibt es einen großen Elternabend. Alle Eltern werden zunächst gemeinsam in der Sporthalle von der Schulleitung begrüßt. Bereits da werden die Ziele der Schule transparent gemacht sowie die Aufgaben der Eltern verdeutlicht. In der zweiten Phase des Elternabends werden die Eltern auf die KlassenlehrerInnen ihrer Kinder aufgeteilt. In den jeweiligen Klassenräumen wird dann nochmals über die Rechte und Pflichten der Kinder, Eltern und der Schule gesprochen; es wird erklärt, was das Kind unter welchen Bedingungen lernen kann; die individuellen Zielsetzungen und Schwerpunkte der jeweiligen KlassenlehrerInnen werden erläutert. Feedback und Evaluation von und durch die Eltern sind jederzeit im Laufe des Schuljahres erwünscht und erfordert.
2. Vor Weihnachten werden die Eltern von den KlassenlehrerInnen zu einem Weihnachtsbasteln eingeladen.
3. Im Februar finden obligatorische Treffen zu einer „Halbzeit-Evaluation“ mit Kind, Eltern und Lehrkraft statt. Die Lehrkraft hat mehrere Tage Zeit dafür, sich abends mit allen SchülerInnen ihrer Klasse und deren Eltern einzeln zu treffen. Dabei wird besprochen, wo das Kind momentan steht, wie es sich im Laufe des 1. Halbjahres entwickelt hat, wie es sich im 2. Halbjahr verbessern bzw. weiterentwickeln kann und was von zu Hause und von der Schule aus unterstützend dafür getan werden kann.
4. Weitere Treffen sind freiwillig und liegen im Ermessen der Lehrkraft.

Darüber hinaus kommunizieren Lehrkräfte und Eltern (besonders in den ersten Schuljahren) über spezielle Hefte. Dort gibt die Lehrperson regelmäßig Rückmeldung über die Entwicklung und das Verhalten des Kindes (1-5 mal in der Woche). Die Eltern nehmen das mit einer Unterschrift zur Kenntnis und können selbst auch Fragen oder Kommentare hinein schreiben. Mit Hilfe dieser Hefte haben demnach alle Beteiligten immer einen Überblick über den Stand des Kindes (sowohl kognitiv als auch sozial). Bei Problemen werden Eltern mittels des Heftes zu einem Elterngespräch in die Schule eingeladen.

Besuch des Sotungin lukio in Vantaa

Es geht auch offen :-)

Endlich habe ich es geschafft, die gymnasiale Oberstufe des Sotungin lukio in Vantaa zu besuchen. Schon im Vorfeld hatte ich eine sehr nette Konversation per E-Mail mit der stellvertretenden Schulleiterin und wir einigten uns auf den 20. April 2009 für einen 1-Tages-Besuch an dieser Schule. Ich verbrachte einen ganzen Schultag von 9-15 Uhr an der Schule und dies war eine ganz fantastische Erfahrung für mich!!!

Schon beim Ankommen war ich von dem Schulgelände sehr beeindruckt! Es war sehr großflächig, weitläufig und bot viel Raum für unterschiedliche Sportplätze und sportliche Aktivitäten aller Art! Später erfuhr ich, dass die Schule u. a. einen Schwerpunkt auf Sport setzt und viele SchülerInnen schon zu der Nr. 1 in Fußball, Eishockey etc. gehören. Aber eins nach dem anderen. In der Schule selbst wurde ich sehr herzlich und freundlich von der Konrektorin empfangen – nach anfänglichen Schwierigkeiten, da ich im falschen Sekretariat saß, und zwar dem von der Mittelstufe und nicht dem von der gymnasialen Oberstufe! Die Konrektorin hatte mich schon gesucht! Das war mir sehr unangenehm, aber wir konnten direkt gemeinsam lachen! Danach stellte sie mich einigen KollegInnen vor und die Offenheit, die mir von ihnen entgegengebracht wurde – unglaublich! So etwas war ich bisher kaum gewohnt! Die Lehrkräfte waren sehr interessiert an mir (woher ich komme, was ich momentan mache, was ich über die finnischen Schulen denke und wie die Schulsituation in Deutschland aussieht) und sie sprachen fast alle spontan Deutsch! Selbst wenn sie kein Deutsch unterrichteten! Einfach toll! Ich fühlte mich auf Anhieb sehr wohl!

Daraufhin führte mich die Konrektorin durch die Schule und zeigte mir sowohl die Räumlichkeiten, die gemeinsam von der Mittelstufe und der gymnasialen Oberstufe genutzt werden, als auch die Flure, die von den älteren SchülerInnen genutzt werden. Ich spürte eine offene, entspannte und einladende Atmosphäre in der ganzen Schule! Diese wird meiner Meinung nach einerseits durch die weißen Wände, die durch Schülerarbeiten (Bilder, Skulpturen, Ausstellungen) gestaltet sind, gefördert und andererseits durch die vielen, großen Fenster, die das Licht in das Schulgebäude lassen. Im 1. Stockwerk ist eine große Mensa, die diese Woche unter dem Motto „Chinesisches Essen“ stand (wie auch die ganze Schule das Motto „China“ hatte.) (Generell ist die Internationalität ein weiterer Schwerpunkt der Schule. Sie ist an zwei Comenius-Projekten beteiligt, die vor den Sommerferien Ende Mai in einem Fest an dieser Schule münden.) Des Weiteren befindet sich dort eine große Bibliothek, die für die SchülerInnen jederzeit frei zugänglich ist, und eine Bühne für Elternabende, Auftritte etc. Im Flur des 2. Stockwerks stehen rote Sofas und Sessel, die zum Verweilen einladen. Im selben Bereich befindet sich auch ein großer PC-Raum mit vielen PCs (sowie zusätzlichen Computern im Flur), die von allen SchülerInnen zu jeder Zeit (bis 21 Uhr) ohne Aufsicht von Lehrkräften genutzt werden können. Das Internet ist ebenfalls frei zugänglich für sie. Ich finde die Idee klasse, dass den Jugendlichen so viel Vertrauen entgegengebracht wird und sie auf diese Weise Verantwortung lernen. An dieser Stelle sollte jedoch bemerkt werden, dass sich in diesem Bereich eine Kamera befindet. Sie scheint die Jugendlichen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit und in ihren Handlungen einzuschränken.

Von 9.15 – 14.55 Uhr habe ich mir insgesamt fünf unterschiedliche Klassen, Lehrkräfte und Fächer angeschaut (2x Englisch, Deutsch, Geschichte und Mathe). Alle LehrerInnen waren sofort offen und bereit, mich hospitieren zu lassen, auch wenn es im Vorfeld nicht immer abgesprochen war! Das hat mich sehr überrascht und auch gefreut! Die Konrektorin betonte immer wieder, dass die Schule Besuch gewohnt sei: aus den deutschsprachigen Ländern (allen voran Deutschland ;-) ), von (deutschen) PraktikantInnen, aber auch von anderen Lehrkräften aus der unmittelbaren Umgebung und ganz Finnland. Somit sind auch die KollegInnen der Schule Hospitationen gewohnt und die Türen sind für Gäste immer offen!
Die finnischen SchülerInnen reagierten – es war nicht anders zu erwarten – sehr zurückhaltend und hatten, nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte, keine Fragen an mich. Der Deutschlehrer nutzte die Gelegenheit, eine Muttersprachlerin im Unterricht zu haben, und ließ mich mehr über das deutsche Schulsystem im Vergleich zum finnischen erzählen. Daraufhin wagte es ein Schüler, mich zu fragen, woher ich aus Deutschland komme :-) Insgesamt sind mir hinsichtlich des Unterrichts wieder das hohe Niveau und Tempo aufgefallen, die teilweise großen Klassen bei so gut wie keinen Unterrichtsstörungen (große Disziplin), die vielen Lehrervorträge als Unterrichtsmethode und das Arbeiten mit dem Lehrwerk. In diesem Zusammenhang kam von den LehrerInnen immer wieder der hohe Druck durch die Lehrpläne zur Sprache. Schließlich stehe den SchülerInnen das Finnland weite Zentralabitur bevor.

Eine weitere Besonderheit der Schule neben den Schwerpunkten auf Sport und Internationalität war das „virtual learning“. Die Schule bietet online Kurse in Form von bestimmten Unterrichtsfächern auf der ‚Fronter’-Plattform an – sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche dieser Schule, die ihr Wissen vertiefen oder den Stoff wiederholen möchten. Diese Tatsache deutet bereits auf etwas anderes hin: die technische Ausstattung der Schule im Allgemeinen und die der einzelnen Klassenzimmer im Besonderen. Jeder Klassenraum, den ich gesehen haben, verfügte über: Laptop, Internet-Zugang, Beamer, große Projektionsflächen, Dokumenten-Kamera sowie CD/DVD-Player mit Lautsprecher-System. Die meisten Klassenzimmer hatten zudem keine Tafeln mit Kreide mehr, sondern weiße Tafeln mit speziellen Whiteboardmarkern. (Das Prinzip der Nutzung ähnelt natürlich dem der herkömmlichen Tafel, es ging jedoch schneller und war sauberer! Laut Aussage der Konrektorin hatten sich die meisten Lehrkräfte nach der Renovierung der Schule vor ca. 10 Jahren für Whiteboards entschieden.) Einige Klassenzimmer waren darüber hinaus mit einem ganzen Klassensatz kabelloser Kopfhörer ausgestattet, was besonders ein Vorteil für den Fremdsprachenunterricht ist.

Mein absolutes Highlight war jedoch das SMART Board in Action! Ich habe zwar schon viel davon gehört, es aber noch nie in der unterrichtlichen Praxis gesehen! Ich war echt total begeistert! Was für eine Erfahrung! Eine Mathelehrerin hat mich spontan in ihren Unterricht eingeladen (danke noch einmal!) und das Hauptmedium war eben das SMART Board. Sie sagte, sie wolle es nicht mehr missen und es sei Hauptbestandteil ihres Unterrichts geworden. Während einer Stillarbeitsphase der SchülerInnen ermutigte sie mich, das interaktive Whiteboard selbst einmal auszuprobieren! Natürlich verleitete es mich in diesem Moment zu allerlei Spielereien, aber ich muss sagen, es hat mich echt in seinen Bann gezogen! Das SMART Board hat unglaublich viele Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten, die im Unterricht und im Klassenzimmer genutzt werden können! Zudem gibt es einige Programme für alle Fächer mit Bildern, Vorlagen, Arbeitsblättern, Spielen etc. Nichts, das erarbeitet wird, geht verloren, da das interaktive Whiteboard mit dem PC verbunden ist und alle „Tafelbilder“ gespeichert werden können. Die Mathelehrerin machte großen Gebrauch davon und stellte alle Stundenergebnisse ins Internet auf die ‚Fronter’-Plattform, die wiederum für den Mathekurs zugänglich ist. Somit war eine Wiederholung und Nachvollziehung des Stoffes zu jeder Zeit möglich. Für mich war dies eine faszinierende Erfahrung!

Allerdings sind die Berührungsängste mit diesem Medium laut Aussage der Lehrerin auch an ihrer Schule sehr hoch und neben ihr benutzt nur Chemielehrer das SMART Board. Sie selbst ermutigt die KollegInnen immer wieder, sich an das berührungssensitive Whiteboard heranzutrauen, da die Bedienung schnell zu lernen ist, vor allem, weil sie der von normalen PC-Programmen ähnelt.
Generell sind die LehrerInnen dieser Schule jedoch sehr offen gegenüber neuen Technologien, insbesondere wenn es um neue Anwendungen im Internet oder offline-Programmen geht. Die Konrektorin sagte, dass die älteste Kollegin an der Schule die Fitteste sei! Es werden viele Kurse bzw. Fortbildungen für LehrerInnen angeboten, in welchen sie in die Nutzung der neuen Medien eingeführt und darin geschult werden. Diese Kurse werden von den Lehrkräften gerne angenommen und zahlreich besucht.

Insgesamt habe ich mich an dieser Schule sehr gut gefühlt! Es wurde sich zu jeder Zeit freundlich um mich gekümmert, auch wenn es nur ein 1-Tages-Besuch war! Ein Besuch an dieser Schule ist sehr empfehlenswert!

Sonntag, 19. April 2009

Deutsch-Projekt "Sprachstern"

Am 15. April 2009 fand an der Laajavuori-Schule ein Projekttag zur Förderung der deutschen Sprache und zur Motivation für das Deutschlernen statt. In Kooperation mit dem Goethe-Institut, der Deutschen Schule Helsinki und dem Projektleiter Jan Quilitzsch (TietoTaito Ry) sowie der Koordinatorin an unserer Schule, Sirpa Rönkä, sollte ein Projekt durchgeführt werden, das die Kinder und Jugendlichen von heute anspricht. Deshalb standen im Mittelpunkt des Projektes die neuen Medien, das Interesse der SchülerInnen an Musik und Idolen, die Initiative und Eigenaktivität der Lernenden und das Prinzip "Jüngere SchülerInnen lernen von älteren SchülerInnen", die von der Deutschen Schule Helsinki kamen. Somit war auch garantiert, dass die Sprache des Tages (hauptsächlich) Deutsch war.
Die ursprüngliche Idee des Projektleiters war, diesen Tag lediglich für die Deutschklassen 4, 5 und 6 zu veranstalten. Doch auf Initiative von der Deutschlehrerin Sirpa Rönkä konnte die ganze Schule dafür gewonnen werden, eigene Schwerpunkte an diesem Tag zu setzen, die sich alle um das Thema "Deutsch" (deutschsprachige Länder, Farben, Landeskunde, Kunst, Musik, Literatur etc.) drehten, hauptsächlich aber auf Finnisch durchgeführt wurden.

Alle Deutschlernenden haben sich hingegen in fünf Workshop-Gruppen eingewählt:
• Die Obstsalat-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und Frau Kleiser, der Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Finnland, hat sich mit einer deutschsprachigen Software beschäftigt, die Aufgaben darin bearbeitet, Stationen durchlaufen und am Ende einen Obstsalat gemacht (und gegessen :-) )
• Die Kunst-Gruppe unter Leitung von Schülerinnen der Deutschen Schule und einem Lehrer unserer Schule hat aus recyclebarem Material das Bühnenbild gestaltet.
• Die Tanz-Gruppe unter Leitung von einem Schüler der Deutschen Schule und der Sozialpädagogin unserer Schule hat eine Choreographie einstudiert.
• Die Musik-Gruppe unter Leitung von SchülerInnen der Deutschen Schule und einer Lehrerin unserer Schule hat ein Lied eingeübt.
• Die Presse-Gruppe unter Leitung von einer Mediendesignerin, einer Lehrerin unserer Schule und mir hat den gesamten Projekttag dokumentiert.

Der gesamte Projekttag lief auf ein Ereignis zu - den Höhepunkt des ereignisreichen Tages - den Auftritt von einem Schüler der Deutschen Schule, der auch den ersten Preis bei "Jugend musiziert" gewonnen hat und vor der gesamten Schulgemeinschaft auftreten sollte. Untermalt wurde dieser Auftritt durch das Singen von deutschen und schweizerischen Kinderliedern und von einem traditionellen finnischen Lied.
Der Auftritt vom neuen Talent der Deutschen Schule (und wer weiß, vielleicht bald finnlandweit), Silvius, hat unsere SchülerInnen mit seiner deutschen Pop-Musik total mitgerissen und begeistert. Unterstützt wurde er eben durch die Musik-Gruppe, die der Background für ihn war. Zudem hat das Bühnenbild und die Choreographie der Kunst- und Tanz-Gruppe zum Erfolg des Auftrittes beigetragen.









Die Evaluationen in den Deutschklassen am nächsten Tag haben ergeben, dass die SchülerInnen den Projekttag durchgängig mit gut bis sehr gut bewertet haben, gerne noch einmal so ein Projekt durchführen würden und sich immer gut betreut gefühlt haben - selbst unter deutschsprachiger Gruppenleitung. Dies lag daran, dass die SchülerInnen die GruppenleiterInnen der Deutschen Schule zum Teil schon im Vorfeld durch Videos kennenlernten. Dort stellten diese sich vor und erzählten etwas über sich. Diese Phase stellte das Ausprobieren und Einführen neuer Unterrichtsmaterialien (vor allem in Form von neuen Medien) in den Deutschunterricht dar.

Eine Sonderrolle hat die Presse-Gruppe (Sechsklässler) eingenommen. Deren Aufgabenfeld war sehr vielfältig und enorm anspruchsvoll. So bestand das Team aus einer Interview-Gruppe (Interviews wurden von Kindern geführt und auch selbst gefilmt), Fotografen (die alle Aktivitäten in der Schule fotografiert haben), Designerinnen (die Informationen über Stationsnamen, Namen der Lehrkräfte und aller SchülerInnen eingeholt haben) und Reportern (die in jeder Klasse und jedem Workshop Notizen zu ihren Beobachtungen anfertigten - auf Deutsch!!!). So kam am Ende (leider konnte ihre Arbeit aufgrund der Vielfältigkeit erst am nächsten Tag fertig gestellt werden) eine breitgefächerte und ausführliche Dokumentation des Projekttages heraus, die einen guten Einblick in die Aktivitäten des ganzen Tages gab:
• von der Mediendesignerin wird ein professionelles Making Of - Video produziert
• von den SchülerInnen selbst gab es folgende Ergebnisse:
1. eine Videoshow (Power Point Präsentation mit selbst gefilmten Mitschnitten)
2. eine Fotoshow (Power Point Präsentation mit selbst gemachten Fotos)
3. ein Wandplakat (zwei riesige Wandposter mit allen Klassenräumen, wo Aktivitäten stattgefunden haben, gefüllt mit Fotos und Namen aller Beteiligten; Wandplakat hängt nun im Eingangsbereich der Schule)
4. ein Bericht (auf Deutsch (mit Hilfe einer Textvorlage) und auf Finnisch (selbstständig übersetzt); dieser Bericht ist im Anschluss weiter unten zu lesen)

Da ich an der Planung, Vorbereitung und Durchführung des Projekts beteiligt war, habe ich enorm viel für mich gelernt und freue mich auf weitere eigene Projekte, die ich an einer deutschen Schule durchführen kann. Der Zeitaufwand ist dabei natürlich sehr hoch. Deshalb sind Teamarbeit und Zusammenarbeit im Kollegium und mit außerschulischen Kooperationspartnern das A&O. Und wenn man will, geht alles :-)

Montag, 6. April 2009

Ausflüge am 31. März und 03. April 2009

Diese Woche habe ich wieder ein bisschen mehr von Finnland gesehen :-)

Am Dienstag, 31.03., unternahm ich einen Ausflug nach Turku im Südwesten Finnlands. Zwei Kolleginnen von der Martinlaakson lukio haben ihre deutsche Praktikantin zu einem Ausflug eingeladen und mich freundlicherweise mitgenommen! Dafür bin ich sehr dankbar! Mit dem Auto machten wir uns schon morgens auf den Weg. Das Wetter war auf unserer Seite: wenn auch sehr kalt, so war es doch sonnig (nach dem Schneesturm am Wochenende war das nicht unbedingt zu erwarten!). Unser 1. Halt war vor Turku an einer Glasmanufaktur. Finnland ist bekannt für seine Glasdesigns. Hinter dem Verkaufsraum waren die Glashersteller bei der Arbeit zu sehen. Ihre Fähigkeiten sind wirklich enorm!

In Turku angekommen, besuchten wir zunächst die Universität, wo auch eine der finnischen Kolleginnen studiert und gearbeitet hat. Dann machten wir einen langen Spaziergang durch Turku und besuchten vor allem den Dom und die Burg. Mit dem Auto fuhren wir dann auch noch nach Naantali, ein wunderschöner kleiner Ort, dessen Kern aus der typischen finnischen Holzhausarchitektur besteht. Dort machten wir einen ausgedehnten Spaziergang :-) Im Sommer hat dort auch der Mumin-Freizeitpark geöffnet. In Naantali befindet sich zudem die Sommer-Residenz der finnischen Präsidentin. Ihr Schloss ist mit der finnischen Fahne beflaggt, wenn sie da ist. Danach schlenderten wir noch durch die Innenstadt von Turku und schauten in einige Geschäfte rein.
Ob es sich lohnt, Turku von Helsinki aus mit dem Zug oder Bus zu besuchen, ist eher fraglich, da die Fahrkarten sehr teuer sind und man vor Ort oftmals auf ein Auto angewiesen ist, vor allem, wenn man auch nach Naantali fahren möchte. Ansonsten wird es sehr umständlich, ist aber natürlich nicht unmöglich!!!

Historisch gesehen ist Turku eine wichtige Stadt:
Turku war die ehemalige Hauptstadt Finnlands (bis ins 19. Jahrhundert hinein) und ihre Anfänge als erste Stadt Finnlands liegen im 13. Jahrhundert. Dort wurde auch die erste Universität Finnlands errichtet. Nachdem Helsinki Hauptstadt geworden war, wurde die Universität dorthin verlegt. Einige Institute sind allerdings immer noch in Turku und man kann dort weiterhin studieren.
Der Dom von Turku ist für die Finnen wichtig, weil er die älteste erhaltene Kirche Finnlands ist. Die Burg von Turku wurde im Mittelalter erbaut und ist immer noch sehr gut erhalten.
Von einem bestimmten Gebäude (siehe Bilder) in Turku aus wird auch der ‚Weihnachtsfrieden’ am 24. Dezember ausgerufen, der den Beginn von Weihnachten für die Finnen darstellt. Die Mehrzahl von ihnen verfolgt die Verkündigung am Fernseher mit.


Am Freitag, 03.04., folgte ich der Einladung einer Kollegin nach Hämeenlinna, worüber ich mich sehr freute! Nach Schulschluss fuhren wir gemeinsam mit dem Bus in die Kleinstadt 100 km nördlich von Helsinki. Dort besuchten wir zunächst das Geburtshaus von Jean Sibelius, dem größten finnischen Komponisten, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Mittlerweile befindet sich in diesem Holzhaus ein Museum und es kann auch für Feiern gemietet werden. Die Stadt Hämeenlinna ist sehr stolz auf ihr berühmtes ‚Kind’ Sibelius, das dort auch zur Schule gegangen ist und Abitur gemacht hat. Darüber hinaus ist das Wahrzeichen der Stadt die Burg Häme, was auch der Name des Ortes ist – Hämeenlinna eben. Die Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. Für mich als Geschichtslehrerin sind diese Überreste der Vergangenheit natürlich von besonderem Interesse :-)
Im Anschluss an die Besichtigung lernte ich die Familie meiner Kollegin kennen, die mich sehr nett empfing. Wir aßen gemeinsam sehr lecker zu Abend und ich fühlte mich wohl dort! Ich danke der Familie herzlich für die Einladung und schätze diese Geste sehr, da ich weiß, dass die Finnen ihren Freiraum, ihren Platz und ihre Privatsphäre brauchen und als sehr wichtig empfinden. Es ist – kulturell bedingt – sehr untypisch, einer ‚fremden Person’ Einblick in diesen geschützten Bereich zu gewähren.
Am Abend nahm ich den Bus zurück in die Hauptstadt. Wie gesagt, die Infrastruktur in zumindest Südfinnland ist sehr gut ausgebaut.

Auf beiden Fahrten in den Südwesten Finnlands nach Turku und in Richtung Mittelfinnland nach Hämeenlinna hat sich mir ein ähnliches Landschaftsbild geboten: weite schneebedeckte Felder, große Waldflächen und teilweise hohe Granitfelswände, durch die der Weg für die Autobahnstrecke frei gesprengt oder durch Tunnel passierbar gemacht wurde. Zwischen den Städten findet man kaum Ortschaften, eher vereinzelte Häuser. Größtenteils sind die Strecken zwischen den Städten jedoch flache und unbewohnte Landschaftsstriche.

Nun einige fotografische Eindruecke:

Turku und Hämeenlinna